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BERATER GUIDE: DAS JAHRBUCH FÜR BERATUNG UND MANAGEMENT* ist ein jährlich erscheinendes Sammelsurium von unterschiedlichen Experten- und Fachartikeln zu aktuellen und zukünftigen Trends in der Beratung und dem Management.

Damit richtet sich dieses Buch im Wesentlichen an Führungskräfte, Berater und Personalabteilungen, sowie wissenschaftliche Mitarbeiter an Instituten und Hochschulen, die die Artikel und Anregungen für ihre Studien nutzen können. Dennoch können auch Angestellte und Anleger daraus nützliche Informationen für die Überprüfung ihrer aktuellen Positionen und die zukünftigen Investments ziehen. Denn ein Blick in die Glaskugel ist die Absicht dieser Veröffentlichung und das bietet die Möglichkeit, sich über viele Trends auf dem Laufenden zu halten und eventuell sogar früher zu antizipieren als die Konkurrenz.

Besonders interessant für mich ist die Vielfalt aber auch die Qualität der Einzelartikel, die Anregungen, Motivation und neuste Erkenntnisse gut aufbereitet zur Verfügung stellen. Verfasst werden diese Artikel von Führungskräften und Vorständen der führenden Beratungsunternehmen der Welt. Man kann behaupten, alles was Rang und Namen hat ist hier vertreten. Wahrscheinlich gehört es auch zum guten Ton, sich an sowas zu beteiligen, für die eigene Reputation der Beratungsfirmen wird es auf jeden Fall ein Muss sein. Als Leser profitiert man natürlich davon, da sich die Referenten mit ihren Unternehmen mit gutem und interessantem Content in Szene setzen möchten.

Wer im Beruf bei seinen Führungskräften mit unternehmerischem Denken aufwarten möchte, an seinem eigenen Business arbeitet, für eine wissenschaftliche Arbeit recherchiert oder schlichtweg gerne und häufig über den Tellerrand hinausblickt, dem kann ich dieses Jahrbuch nur empfehlen. Für alle anderen, denen schöne Geschichten wichtiger sind, ist dieses Buch nichts, denn ist es eben Business-Lektüre.

Mich juckt es ehrlich gesagt bei diesem ganzen Thema immer ziemlich in der Hand. In diversen Situationen durfte ich nun bereits Mitarbeiter und Führungskräfte diverser Beratungsunternehmen wie den Big Four (Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PWC) erleben.

Entweder als Kommilitonen oder lange Bekannte, die sich über 80- bis 100-Stunden-Wochen beschwerten und noch nach den Abendvorlesungen in der Uni (bis 21:15 Uhr) zurück zur Arbeit mussten. Teilweise wochenlang ihre Familien und Freunde nicht gesehen haben, weil sie im Zug oder Firmenwagen durch die halbe Republik unterwegs waren und vor erfahren Führungskräften – ohne selbst allzu große Berufserfahrung zu haben – große Reden schwingen durften.

Oder als Berater im eigenen Unternehmen, die uns mal wieder zeigen wollten, wie wir alles umkrempeln müssten, um es vermeintlich richtig zu machen, ohne selbst jemals ein Unternehmen geführt zu haben oder längere Zeit als Mitarbeiter Erfahrung gesammelt zu haben. Anschließend bekamen wir von den gut gekleideten Rhetorik Genies mit schönen akademischen Abschlüssen noch bunte Folien und sie waren wieder verschwunden.

Und am besten haben mir aber eigentlich die Kommilitonen gefallen, die mich zu einem solchen Unternehmen abwerben wollte und auf einmal gar nicht mehr einen solch stressigen Job hatten. Auf einmal waren sie jeden Nachmittag zu Hause und genossen generell sehr viel Vorzüge, nur weil ich dann hinter herum erfahren habe, dass die Beratungshäuser stattliche Prämien für Mitarbeiterwerbung zahlen.

Natürlich hat ein Job in einem solchen Beratungsunternehmen seine Vorteile, denn man wird sehr schnell ins kalte Wasser geschmissen und hat eine steile Lernkurve. In etliche Unternehmen erhält man Einblicke, ist stets am Zahn der Zeit und kommt in Kontakt mit den Entscheidern. Dennoch darf man nicht vergessen, dass ein solcher Job mit großen Entbehrungen verbunden ist und das Ziel der meisten Mitarbeiter in diesen Firmen der Absprung zu einem Konzern ist, sofern sie nicht Aussicht auf einen Posten als Partner haben.

Somit macht es relativ wenig sind aus der Welt eines Konzerns zu einem Beratungsunternehmen zu wechseln, es sei denn man möchte genau die oben erwähnten Vorteile genießen. Ansonsten ist ein solcher Job typisch für Uni-Absolventen und vor allem nach der Promotion wird man dort gern gesehen.

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