Celine Nadolny liest Der Pudel und der Kern von Albert Kitzler und Jan Liepold – drei Ansichten: beim Lesen auf einer Treppe, Nahaufnahme des Covers und Blick in den Innenteil mit Pudel-Illustrationen
Mindset & Persönlichkeitsentwicklung

Der Pudel und der Kern

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DER PUDEL UND DER KERN von Albert Kitzler und Jan Liepold* – Wenn 2500 Jahre alte Antworten plötzlich besser funktionieren als dein letztes Coaching. anzeige

Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal in einem Sachbuch innegehalten — nicht weil du etwas nicht verstanden hast, sondern weil du etwas zu gut verstanden hast? Mir passiert das selten. Ich lese seit Jahren Bücher im Akkord, knapp tausend inzwischen, und die meisten davon legen nach der Lektüre keinen Finger mehr in eine offene Wunde. Sie informieren, sie ordnen, sie unterhalten vielleicht. Aber sie treffen keinen Nerv. Der Pudel und der Kern von Albert Kitzler und Jan Liepold hat das geschafft. Nicht durch Provokation, nicht durch rhetorische Tricks, sondern durch etwas, das im Genre der Lebenshilfe-Literatur erstaunlich selten geworden ist: durch echte philosophische Ernsthaftigkeit, die trotzdem verständlich bleibt.

Das Buch trägt einen Titel, der erst lustig klingt und dann klüger ist, als man denkt. Der Verweis auf Goethes Faust — „Das also war des Pudels Kern!“ — ist mehr als ein hübsches Wortspiel. Die Autoren stellen das Goethe-Zitat dem gesamten Buch voran und machen damit klar, worum es ihnen geht: Hinter die Oberfläche schauen. Den Kern freilegen. Verstehen, was uns antreibt, blockiert, kränkt, ängstigt und immer wieder aus der eigenen Mitte wirft. Wer das Buch mit dieser Erwartung aufschlägt, wird nicht enttäuscht.

Mein Urteil: 5 von 5 Sternen.

„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen.“
Epiktet, zitiert im Buch


Ein Oscar-Gewinner, ein Mann mit zweitem Leben — und ein Podcast, der zum Buch wurde

Bevor ich auf den Inhalt eingehe, lohnt ein Blick auf die beiden Autoren, denn ihre Geschichte erklärt einiges über den Charakter dieses Buches. Jan Liepold leitete siebzehn Jahre lang als Gründer und Geschäftsführer eine erfolgreiche Kommunikationsagentur in München und Berlin. Im Februar 2021 erlitt er einen plötzlichen Herzstillstand. Er überlebte nur dank Herzmassage und Defibrillator. Diese Grenzerfahrung veränderte seinen Lebensweg radikal: Liepold verkaufte seine Anteile, orientierte sich neu — und begann, sein zweites Leben bewusster zu gestalten. Bei einem gemeinsamen Spaziergang mit dem Philosophen Albert Kitzler entstand die Idee zu einem Podcast über die großen Lebensfragen. Der Pudel und der Kern war geboren.

Albert Kitzler wiederum bringt eine Biografie mit, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Geboren 1955, studierte er Jura und Philosophie in Freiburg, promovierte in Rechtsphilosophie und arbeitete am Husserl-Archiv unter dem Heidegger-Nachfolger Werner Marx. Danach schlug er eine Karriere als Medienanwalt und Filmproduzent ein — und gewann 1994 einen Oscar für den Kurzfilm Schwarzfahrer von Pepe Danquart. Ab dem Jahr 2000 kehrte er zur Philosophie zurück, studierte jahrelang intensiv die praktische Philosophie der Antike in Griechenland, China, Indien und Ägypten und gründete 2010 in Berlin die philosophische Schule MASS UND MITTE. Inzwischen hat Kitzler rund zehn Bücher zur Lebenskunst veröffentlicht, einige davon in mehrere Sprachen übersetzt, und leitet das „Haus der Weisheit“ in Reit im Winkl.

Diese Konstellation macht das Buch aus. Kitzler bringt die gedankliche Tiefe, die Quellenkenntnis, die Fähigkeit, antike Denktraditionen aus Orient und Okzident miteinander in Beziehung zu setzen. Liepold bringt die Kapiteleinleitungen — lebensnahe Geschichten aus Sport, Wirtschaft und Alltag, die das jeweilige philosophische Thema erden. Im Vorwort machen die Autoren diese Arbeitsteilung transparent: Die Einleitungen stammen von Jan, das Übrige von Albert. Was daraus entsteht, ist ein Zusammenspiel, bei dem die eine Stimme den Leser abholt und die andere ihn tiefer führt.


Dreizehn Kapitel, ein roter Faden — und erstaunlich wenig Ratgeber-Geschwätz

Das Buch gliedert sich in dreizehn thematische Kapitel: Gelassenheit, Authentizität, Umgang mit Scheitern, Selbsterkenntnis, Autonomie und Freiheit, Resonanz und Liebe, Selbstgenügsamkeit und Verzicht, Ängste und Sorgen, Selbstwirksamkeit, Persönlichkeitsentwicklung, Kränkung und Ressentiment, Neid und Eifersucht sowie Selbstsorge und Gesundheit. Am Ende verdichten die Autoren ihre Einsichten in die „12 wichtigsten Aspekte des gelingenden Lebens“ — gegliedert nach dem Verhältnis zu sich selbst, zu anderen Menschen und zur äußeren Welt.

Was alle Kapitel verbindet, ist eine Grundthese, die das Buch nie aus den Augen verliert: Gelingendes Leben hängt nicht von äußeren Gütern oder Umständen ab, sondern von der eigenen inneren Verfassung. Das klingt im ersten Moment nach einem Gedanken, den man aus jedem zweiten Stoizismus-Ratgeber kennt. Aber — und das sage ich ungern, weil es wie ein Kompliment klingt, das sich selbst relativiert — der Unterschied liegt in der Ausführung. Kitzler und Liepold argumentieren nicht mit Behauptungen, sondern mit philosophischer Herleitung. Sie springen nicht von einem Instagram-tauglichen Zitat zum nächsten, sondern bauen Gedanken auf, legen frei, ordnen ein, verknüpfen. Das verlangt vom Leser mehr als bloßes Konsumieren. Im Vorwort schreiben die Autoren selbst, das Buch sei „für ein schnelles Durchblättern nicht geeignet“. Das stimmt. Und es ist einer seiner größten Vorzüge.

Wo Seneca, Konfuzius und ein 3500 Jahre alter Papyrus sich einig sind

Was dieses Buch von den meisten Titeln unterscheidet, die mir im Feld der populären Philosophie begegnet sind: Es denkt nicht in Schulen, sondern in Themen. Seneca steht neben Konfuzius, Epiktet neben Zhuangzi, Mark Aurel neben Buddha, Goethe neben ägyptischen Weisheitstexten, die teilweise dreieinhalbtausend Jahre alt sind. In der „Lehre des Ani“, einem ägyptischen Papyrus, heißt es: „Bekämpfe das Falsche in dir.“ Man liest das japanische Prinzip der Genügsamkeit bei Kaibara Ekiken und findet es im selben Atemzug bei den griechischen Stoikern wieder. Dieses Nebeneinander von Orient und Okzident ist kein kulturelles Namedropping. Es zeigt, dass die Frage nach dem guten Leben eine universelle ist — und dass die Antworten, die verschiedene Kulturen über Jahrtausende hinweg darauf gegeben haben, sich in ihrer Tiefe erstaunlich gleichen.

Im Gelassenheitskapitel etwa wird nicht einfach behauptet, man solle loslassen. Stattdessen wird das Konzept der inneren Unabhängigkeit historisch eingebettet: Die Stoiker nannten es Autarkie, die Chinesen sprachen vom „Weg als Ziel“, und Mark Aurel schätzte an seinem Stiefvater Antoninus Pius, dass er genoss, was da war, ohne zu vermissen, was fehlte. Das ist keine theoretische Nabelschau — das ist konzentrierte Denkarbeit, die sich auf den Alltag beziehen lässt, ohne dafür einen Fünf-Schritte-Plan zu brauchen.

„Heftiges Wollen macht die Seele blind für alles Übrige und verdirbt, was einem zur Verfügung steht.“
Demokrit, zitiert im Buch

Authentizität, sauber bestimmt — und nicht als Freibrief für Unverschämtheit

Was mich bei diesem Buch am meisten beschäftigt hat, war das Authentizitätskapitel. Nicht weil es besonders überraschend wäre, sondern weil es einen Begriff, der in den letzten Jahren zum Dekor jeder zweiten LinkedIn-Bio geworden ist, mit einer Schärfe bestimmt, die ihm guttut. Authentizität wird hier nicht als „sag immer, was du denkst“ verstanden, sondern als Übereinstimmung von Denken, Fühlen, Wollen, Sprechen und Handeln. Die Autoren zeigen, dass nicht jede spontane Ehrlichkeit gut ist, wenn sie nur verletzt. Entscheidend sei die Stimmigkeit im Ganzen. Und sie zeigen etwas Weiteres, das mir persönlich nahegeht: wie stark Social Media unsere Authentizität gefährdet. Die Frage, wie wir gesehen werden, verdrängt allmählich die Frage, wer wir sind. Das Bedürfnis nach Likes, Followern und Anerkennung wird zur Sucht — und wer sein Selbst an die Erwartungen der Masse verkauft, verliert es. Das formuliert nicht Kitzler, das formuliert Konfuzius, vor zweieinhalbtausend Jahren: „Am schlimmsten ist es, wenn man sich selbst vergisst.“

Auch die Passage über Selbstgenügsamkeit hat mich nachdenklich gemacht. Buddha ging am weitesten und führte alles seelische Leid auf unser Wollen zurück. Die Griechen hielten denjenigen für den Glücklichsten, der keine Wünsche hat. Das sind keine bequemen Gedanken in einer Gesellschaft, die auf permanentes Wachstum, permanentes Streben, permanente Optimierung setzt. Aber vielleicht sind es die nötigen.

Der Seelengarten — und warum Philosophie kein Wellness-Programm ist

Das letzte inhaltliche Kapitel, „Selbstsorge und Gesundheit“, verdient eine eigene Betrachtung. Die Autoren argumentieren, dass schädliche Denkgewohnheiten, unrealistische Vorstellungen und ungelöste innere Konflikte Angst, Stress, Frustration und Unruhe erzeugen — und dass gesunde mentale Einstellungen die beste Voraussetzung für körperliche Gesundheit seien. Platon verglich die Arbeit an der Seele mit der Pflege eines Gartens: Guter Samen muss gepflanzt und gehütet, Unkraut am Wachsen gehindert werden.

Das ist mir persönlich aus eigener Erfahrung sehr nahe. Ich habe in den vergangenen Jahren viel Zeit in Ländern verbracht, in denen Menschen materiell kaum etwas besitzen — und trotzdem eine innere Zufriedenheit ausstrahlen, die man in westlichen Wohlstandsgesellschaften selten findet. Diese Beobachtung hat meine Überzeugung gefestigt, dass ein enormer Teil dessen, was wir als Depression, Burnout oder chronische Unzufriedenheit erleben, seinen Ursprung in toxischen Vergleichsmustern, falschen Vorstellungen und einer chronischen Abhängigkeit von äußerer Bestätigung hat.

Das Buch formuliert diesen Zusammenhang ohne esoterischen Nebel und ohne plumpes Heilsversprechen. Es bewegt sich auf dem Boden einer ganzheitlichen Lebensphilosophie, die in der Antike so gedacht wurde — von Sokrates über die Stoiker bis zur traditionellen chinesischen Medizin. Wo ich trotzdem eine kleine Lücke sehe: Die Verbindung von Seelenverfassung und körperlicher Gesundheit ist im Kontext des Buches gut eingebettet, aber eine Brücke zu gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskursen hätte an dieser Stelle nicht geschadet. Nicht weil der Gedanke schwach wäre, sondern weil er in der heutigen Debattenlage schnell missverstanden werden kann.

„Die Menschen kümmern sich um ihr Haus, aber nicht um ihre Bewohner.“
Demonax, zitiert im Buch

Ein Arbeitsbuch, das sich nicht so nennt — aber genau das ist

Jedes Kapitel endet mit „Drei Lehren“ und „Drei Übungen“. Das ist formal schlicht, in der Wirkung aber stark, weil die Übungen den Stoff nicht trivialisieren, sondern übersetzen. Wer das Buch nicht nur durchliest, sondern mit diesen Impulsen arbeitet, gewinnt mehr als aus manchem teuren Seminar. Die antiken Philosophen waren Praktiker — und die Autoren haben diesen Geist bewahrt.

Dazu kommt ein Quellenapparat, der mich ehrlich überrascht hat. Ein Register biografischer Hinweise zu zitierten Autoren, Fundstellen sämtlicher Zitate mit präzisen Angaben und ein Literaturverzeichnis, das die benutzten Ausgaben transparent auflistet. Für ein populär geschriebenes Philosophie-Sachbuch ist das ungewöhnlich gründlich — und es zeigt, dass hier nicht einfach ein paar Seneca-Zitate aus dem Internet zusammenkopiert wurden.

Was die Wiederholungen betrifft: Ja, sie existieren. Die Autoren kündigen sie im Vorwort selbst an und begründen sie damit, dass Wiederholung bei Fragen der Lebensführung zur Vertiefung führe. Bestimmte Kerngedanken — innere Unabhängigkeit, Loslassen, Arbeit an Vorstellungen — tauchen in ähnlicher Form in mehreren Kapiteln auf. Für Leser, die mit Stoizismus bereits vertraut sind, kann das stellenweise redundant wirken. Für die eigentliche Zielgruppe halte ich die Wiederholung aber für funktional und dem Konzept angemessen. Kein substanzieller Mangel.

Ebenso lässt sich über den sehr entschiedenen Satz im Vorwort diskutieren, wonach die Antworten der antiken Weisheitslehren eine Tiefe, Klarheit und Breite hätten, die in keiner späteren Epoche erreicht worden sei. Ich persönlich kann damit gut mitgehen — meine eigene Leseerfahrung stützt das durchaus. Aber manche Leser werden darin einen Absolutheitsanspruch hören, der etwas stärker klingt, als der weitere Verlauf des Buches ihn dann einlöst.

18 Euro, 272 Seiten — und eine Gestaltung, die vielen teureren Büchern die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte

Ich komme nicht umhin, die Aufmachung gesondert zu erwähnen. Das Cover ist intelligent, witzig und gestalterisch stark — der Pudel als Motiv, die Farbgebung, der Spotlack. Das Backcover ist farblich gut abgestimmt. Der Innenteil besticht durch einen sauberen, ruhigen Satz mit gelben Hervorhebungen und Kästen, Seitenzahlen am Rand mit Kapitelbenennungen und augenzwinkernden Pudel-Illustrationen von Dietke Liepold, die dem Buch Leichtigkeit geben, ohne den Inhalt zu schmälern. Für 18 Euro ist das ein Preis-Leistungs-Verhältnis, bei dem ich mich regelmäßig frage, warum andere Verlage für deutlich weniger Substanz deutlich mehr verlangen.

Fazit: Antike Philosophie, die den Leser nicht kleiner macht, sondern reicher

Der Pudel und der Kern ist philosophisch substanziell, ohne akademisch zu werden. Es ist zugänglich, ohne oberflächlich zu sein. Es ist praktisch, ohne in Checklistenlogik abzurutschen. Und es traut dem Leser zu, wirklich nachzudenken — das allein ist in diesem Segment mehr, als man erwarten darf.

Ob ein Buch, das antike Positionen modern zugänglich macht, als eigenständige philosophische Leistung gelten darf oder ob es eher eine Vermittlungsleistung erbringt, darüber lässt sich diskutieren. Ich halte Letzteres für zutreffend — und für eine seiner größten Stärken. Die meisten Menschen werden nie einen Seneca im Original lesen. Nicht aus Dummheit, sondern weil ihnen die gedankliche Übung fehlt, die Originaltexte auf das eigene Leben zu beziehen. Wenn ein Buch diesen Denkraum öffnet, ohne ihn zu banalisieren, erfüllt es eine Funktion, die man gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Für alle, die einen klugen, gut lesbaren und philosophisch tragfähigen Zugang zu antiker Lebenskunst suchen: eine klare Empfehlung. Weniger geeignet ist das Buch nur für Leser, die eine rein akademische Durchdringung erwarten oder mit dem Gedanken antiker Weisheitslehren grundsätzlich fremdeln.

Meine 5 Key Learnings aus Der Pudel und der Kern: Philosophie für den Alltag und ein gutes Leben – von Albert Kitzler und Jan Liepold:

Dein Glück hängt nicht davon ab, ob du bekommst, was du willst — sondern davon, ob du aufhörst zu glauben, dass du es brauchst

Buddha führte alles seelische Leid auf das Wollen zurück. Die Griechen hielten denjenigen für den Glücklichsten, der am wenigsten bedarf. Das klingt in einer Welt, die auf permanentes Mehr setzt, beinahe provokant. Aber das Buch macht den Gedanken nachvollziehbar: Wer sich von äußeren Dingen innerlich unabhängig macht, verliert nicht seine Ambition — er verliert nur die Angst, die damit verbunden ist. Und wer ohne Angst handelt, handelt klarer, ruhiger und paradoxerweise oft erfolgreicher.

Social Media ist der schnellste Weg, sich selbst zu vergessen — und der langsamste, es zu merken

Die Passage über Authentizität und soziale Medien hat mich mehr getroffen als erwartet. Die Autoren zeigen, wie das Bedürfnis nach Anerkennung zur Sucht werden kann — und wie die ständige Inszenierung dazu führt, dass die Frage „Wie werde ich gesehen?“ die Frage „Wer bin ich?“ verdrängt. Konfuzius sagte vor 2500 Jahren: „Am schlimmsten ist es, wenn man sich selbst vergisst.“ Man stelle sich vor, er hätte Instagram gesehen.

Dein Seelengarten wuchert auch ohne dich — die Frage ist nur, was dort wächst

Platon verglich die innere Arbeit mit der Pflege eines Gartens: Guter Samen muss gepflanzt und gehütet, Unkraut am Wachsen gehindert werden. Wer die Arbeit im eigenen Inneren verweigert, wird ernten, was dort wild wuchert. Die Autoren übersetzen das in eine unbequeme Wahrheit: Die meisten Menschen kümmern sich um Karriere, Körper und Kontostand, aber die eigene seelische Verfassung lassen sie verwildern. Menzius formulierte: „Welche Verantwortung ist die größte? Die Verantwortung für die eigene Person ist die größte.“

Gelassenheit ist kein Charakter-Feature, das man hat oder nicht — sie ist eine Entscheidung, die man täglich neu trifft

Das Buch räumt mit der Vorstellung auf, manche Menschen seien eben von Natur aus gelassen und andere nicht. Die antiken Philosophen verstanden Gelassenheit als trainierbare Haltung, nicht als Persönlichkeitsmerkmal. Periander, einer der Sieben Weisen, sagte: „Alles ist Übung.“ Die Autoren argumentieren, dass die Antike damit intuitiv vorwegnahm, was die Neurowissenschaft heute als Neuroplastizität bestätigt. Gelassenheit ist eine neuronale Gewohnheit, kein Geschenk der Geburt.

Starke Anziehung zu etwas ist kein Zeichen dafür, dass du es brauchst — oft ist sie ein Zeichen dafür, dass du ihm zu viel Macht über dich gibst

Einer der schärfsten Gedanken des Buches steckt im Authentizitätskapitel: Überidentifikation mit Wünschen und Zielen führt dazu, dass wir unsere innere Freiheit verlieren. Wer etwas unbedingt will, macht sein Glück abhängig von etwas, das er nicht kontrollieren kann. Zhuangzi schrieb, der Weise erzwinge auch das nicht, was er erzwingen könnte. Das ist nicht Resignation — das ist die reifste Form von Souveränität, die ich kenne.

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Celine Nadolny lächelt in die Kamera und hält einen Stapel Bücher in den Händen. Auf dem Bild steht der Text ‚Effektiver Speed Reading Onlinekurs – schneller lesen, mehr behalten, konsequent umsetzen‘.

Schneller Lesen – Mehr Behalten – Konsequent Umsetzen

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