★★★★☆

DIE INTERVALL WOCHE von Lothar Seiwert und Silvia Sperling* beschreibt den einfachsten Weg zum Konzept von „New Work“. Denn jede Veränderung von morgen beginnt im Hier und Jetzt. So ist es auch in der Arbeitswelt und Unternehmen, die darauf frühzeitig reagieren oder sogar Vorreiter sein werden, können profitieren. Der Grundgedanke ist ein stärkerer Fokus auf den Mitarbeiter, auf den Menschen, und seine inneren Rhythmen. Das starre Korsett von Arbeitszeiten, Anwesenheiten und Pausenzeiten ist in vielen Bereichen schon heute ein Relikt vergangenen Zeiten. Die Autoren zeigen, warum das auch richtig so ist, wie es vielleicht noch besser gehen kann und vor allem, was die wissenschaftliche Basis dafür ist.

Die Intervall Woche ist der „Wake-up-Call“ gegen den alltäglichen Wahnsinn in unseren Jobs. Ein Buch gegen die Montagsstimmung und das Mittagstief, gegen Motivationslöcher und kreative Durststrecken. Dabei bieten die beiden Autoren aber auch konkrete Anregungen für Mitarbeiter und Führungskräfte, wie man die Situation verbessern könnte, wie man den Chef davon überzeugen kann, mehr Freiräume zu bekommen und die Arbeitsweise radikal auf den eigenen Biorhythmus umstellt. Denn das ist nicht nur gesünder, man arbeitet nicht nur produktiver, sondern lebt damit auch länger und glücklicher.

„Entdecken Sie Ihre eigenen Intervalle und führen Sie endlich das Leben, das zu Ihnen passt.“
Aus dem Klappentext des Buches

Intervalle begegnen und in der Natur überall und das ohne, dass es uns bewusst ist, wie sie unser Leben strukturieren, unseren Alltag und unsere Existenz bestimmen

Wenn wir mit diesen inneren biologischen Taktungen komplett entgegen der äußeren Vorgaben agieren, dann werden wir in der Folge gegen uns selbst arbeiten. Wir werden schneller erschöpft sein, keine Energiereserven mehr haben und uns kreativ nicht so einbringen können, wie es eigentlich möglich wäre. Wir wären also unterm Strich ein schlechteres Selbst.

Die Autoren möchten nun die Bedeutung der Intervalle für unser Leben in den Fokus rücken. Dabei soll das Buch als Leitfaden dienen, um uns wieder mit unserer natürlichen Biologie zu synchronisieren. Dazu finden wir als Leser etliche Testreihen mit anschließenden Tipps und Tricks im Buch. Leider haben die bei mir nicht immer zum richtigen Ergebnis geführt, aber wenn man sich alle möglichen Charaktere durchliest, dann kann man selbst als „Mischling“ wie ich, überall interessante Impulse mitnehmen. Ziel ist es dabei schlicht den eigenen Alltag effizienter zu gestalten, weniger zu arbeiten und dennoch das volle Potenzial zu entfalten.

Ich muss an dieser Stelle aber auch meinen größten Kritikpunkt äußern

Denn der Fokus dieses Buches stört mich als junge motivierte Selbstständige sehr stark. Ich kann die Grundidee sehr gut nachvollziehen, dass man versucht im Angestelltenverhältnis in weniger Zeit, die gleiche Leistung zu erbringen und sich damit weitere Freiräume zu schaffen. Nur wird man damit langfristig definitiv nicht zu Vermögen und Reichtum kommen. Das sollte jedem bewusst sein.

Insbesondere in jungen Jahren ist es enorm wichtig, mehr zu leisten, als von einem erwartet wird. Demnach würde ich in einem Angestelltenverhältnis die Tipps nutzen, um in der gleichen Zeit deutlich mehr zu leisten, damit aufzufallen und mich für Beförderungen oder höherwertige Aufgaben zu qualifizieren. Jedem sollte klar sein, dass man mit durchschnittlicher oder selbst mit guter Leistung nicht die High-End-Karriere erreichen wird. Dazu muss man mehr leisten – idealerweise in der gleichen Zeit.

Auch als Selbstständige würde ich den Ansatz nur dann nutzen, wenn ich ohnehin schon viel zu viel arbeite. Aber wenn ich als Selbstständige ebenfalls aktuell 40 Stunden arbeite, dann kann ich doch mithilfe dieser Erkenntnisse noch viel effektiver in den 40 Stunden arbeiten oder sogar auf 60 Stunden erhöhen und dabei das leisten, wofür ich vorher 80 Stunden gebraucht hätte. Das ist der Fokus, mit dem ich dieses Buch gelesen habe und womit es mir wirklich geholfen hat. Denn ich konnte daraus ziehen, wie ich meine Arbeits-, Schlaf-, Ruhe- und Kreativphasen effizienter organisiere und damit insgesamt bessere Resultate erzielen kann.

Politisch ist die Intervall Woche aber auch ein Thema, das für eine Umwälzung der Arbeitswelt stehen wird, die mehr den inneren Bedürfnissen der Menschen entspricht, wovon aber auch die Unternehmen gleichermaßen profitieren werden

Das Buch wurde mitten in der Corona Pandemie geschrieben und demnach konnten sich die Autoren auch nicht verkneifen, dazu ein paar Kommentare abzugeben. Denn Corona ist für einige der geforderten Änderungen in diesem Buch bereits der Brandbeschleuniger gewesen. Nur gilt es zu hoffen, dass die neuen Regelungen nicht nach der Pandemie wieder direkt einkassiert werden. Aus einigen Großkonzernen in Deutschland weiß ich aber, dass bereits heute über „New Work“ nachgedacht wird. Konkreten Konzepten, wie die Arbeitswelt nach Corona aussehen kann und was wir Positives aus der Pandemiezeit mitnehmen können.

Dieses Buch ist somit nicht nur ein Aufruf für eine neue Unternehmenskultur, es ist auch ein Werk für einen Wandel, der uns zu mehr Produktivität, Wachstum und Erfüllung führen kann. Damit ist es auch eine kleine Anleitung oder Anregung für Angestellte wie für Unternehmer, für Fachfremde und Wirtschaftsinteressierte.

Was mir wiederum nicht so ganz gefällt, aber vielleicht auch einfach nur meine etwas andere Wahrnehmung ist, ist die Schwarzmalerei der Autoren über die aktuelle Arbeitswelt:

„Wir sind fest davon überzeugt: Unsere Arbeitswelt steckt in einer tiefen Depression.“
Lothar Seiwert und Silvia Sperling

Wobei ich ihnen dann aber wieder voll uns ganz stimmen kann ist die sich daran anschließende Aussage:

„Die Art zu arbeiten, wie wir sie kennen, hat ihren Höhepunkt schon hinter sich.“
Lothar Seiwert und Silvia Sperling

Was sind daran dann aber anschließt ist wieder absolut überzogen für mein Gefühl:

„Die Art zu arbeiten, wie wir sie kennen macht uns krank. Wir haben das Gefühl, in einer gigantischen Maschinerie gefangen zu sein, die uns längst schon aufgefressen hat. Bloß noch Teil eines großen Ganzen zu sein, das wir nicht mehr durchschauen können. Wir sind kaputt, wir sind müde, fühlen uns fremdbestimmt und unterwerfen uns einer äußeren Taktung, die uns nicht natürlich erscheint. Wir spüren, wie die Zeit von Tag zu Tag verrinnt. Von Woche zu Woche. Von Monat zu Monat. Zu viele Menschen leben nur noch für das nächste Wochenende. Für den nächsten Sommerurlaub. Vielleicht sogar schon für die Rente. Wir fühlen uns gelähmt und hören eine innere Stimme, die sagt: jetzt reicht’s. Wir können und wollen so nicht mehr weitermachen.“
Lothar Seiwert und Silvia Sperling

Offen gestanden ging es mir nach diesem Abschnitt – obwohl es absolut nicht auf mich und meine Situation zutrifft – ein ganzes Stückchen schlechter

Hier wurde ein Horrorszenario gezeichnet, wie ich es für mich niemals akzeptieren würde. Ein Szenario, bei dessen Anbahnung ich mich bereits dagegen entschieden hätte und das Steuer rumgerissen hätte. Die letzte Erkenntnis aus dem Statement „Wir können und wollen so nicht mehr weitermachen“ finde ich absolut passend. Nur dann müssen wir eben auch raus aus der Opferrolle der Zeilen davor und etwas unternehmen. Niemand zwingt uns eine solche Situation so hinzunehmen. Wir sind immer ein Resultat unserer gestrigen Entscheidungen und die meisten Barrieren bauen wir uns unterm Strich dann doch zumeist selbst auf und andere sind imaginär. Wenn wir kritisch betrachten, was uns wirklich zurückhält, dann sind das zumeist im Wesentlichen Dinge, die wir selbst in der Hand haben.

Die Einleitung finde ich auch deswegen so unpassend, weil dieses Buch nicht bloß ein Buch über unsere Arbeitswelt ist. Es ist vielmehr ein Buch über den Menschen und unsere Gesellschaft, in der er lebt. Es ist ein Buch über den Umbruch, der der Gesellschaft bevorsteht. Aber diesen Umbruch sollte man eben aktiv mitgestalten, daran teilhaben und nicht nur darauf warten.

Die Autoren arbeiten nämlich ziemlich deutlich heraus, dass die Art, wie wir heute arbeiten, eine Hinterlassenschaft der alten Industrialisierung ist

„Die Art zu arbeiten hat noch funktioniert, als wir mit dem Fließband Produkte hergestellt haben. Doch wir leben in einer neuen Zeit. Mit neuen Technologien, neuen Anforderungen, neuen Möglichkeiten. Weltweit wird nach Lösungen und Wegen gefahndet, die Produktivität zu steigern, die Leistungsfähigkeit der Menschen und das Wirtschaftswachstum zu erhöhen. Der Mensch als Ganzes rückt in den Vordergrund, weil die Zukunft nur mit gesunden und glücklichen Menschen möglich ist und weil nur Menschen die Komplexität unserer Welt bewältigen, Probleme lösen und planen und gestalten können.“

Dieses Buch ist am Ende keine Gebrauchsanleitung. Aber es finden sich einige nette Anregungen und auch ich habe anschließend ein paar neue ToDo’s auf meiner Liste gehabt.

Es ist ein interessantes Buch mit vielen Best Practice Beispielen aus diversen Unternehmen

Dennoch sehe ich unterm Strich die Welt nicht ganz so schwarz wie die Autoren. Diese zeichnen für mein Verständnis doch schon fast katastrophale Bilder von übermüdeten, unmotivierten und kranken Mitarbeiterscharen, die sich nur wie Zombies zur Arbeit hin und wieder wegbewegen. Selbst wenn dem so wäre, dann liegt das auch massiv in der Verantwortung der Mitarbeiter. Und selbst wenn dem so wäre, dass man mithilfe der Intervall Methoden produktiver ist, könnte man dennoch auch im „normalen“ Muster so problemlos gesund und motiviert sein. Ich bin einfach keine Freundin von Verantwortung auf andere abschieben, sondern suche den Ansatzpunkt bei mir. Das machen die Autoren im mittleren und hinteren Teil des Buches auch. Sie konnten sich aber die allgemeine Keule irgendwie nicht verkneifen.

Aber alles gut, unterm Strich kann ich dieses Buch mit meinen Anmerkungen nur sehr gut empfehlen. Denn es ist nebenher auch noch wunderschön illustriert – da hat der Verlag sehr gute Arbeit geleistet. Mit etlichen sinnvollen und Mehrwert stiftenden Tests und Befragungen wird es zu einem interaktiven Werk und das schadet sicher nicht. Vor allem Führungskräfte und Personaler können mit diesem Wissen sicher bei ihrer Belegschaft punkten. Aber auch Mitarbeiter können es nutzen, um gezielter für Ausgleich zu sorgen. Und eventuell Anregungen mitzunehmen, wie sie mit dem eigenen Chef verhandeln und argumentieren können.


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