5 Buchtipps von Jan Graevenstein: Warum ein Change-Berater keine Change-Bücher empfiehlt

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Mindset & Persönlichkeitsentwicklung

Der Mann, der Veränderung verkauft, und die Bücher, die er wirklich liest. anzeige

Wenn jemand sein halbes Berufsleben damit verbringt, Unternehmen durch Veränderung zu lotsen, dann erwartet man eine bestimmte Sorte Bücherregal. Führungsratgeber und Methodensammlungen, das übliche Arsenal aus Modellen und Fünf-Schritte-Plänen. Jan Graevenstein berät genau diese Welt, Change, Digitalisierung, agile Führung. Und reicht eine Leseliste herüber, auf der kein einziges davon steht.

Stattdessen: ein Klassiker über die Kunst, sich selbst unglücklich zu machen. Eine Streitschrift gegen den Veränderungswahn in Firmen. Eine tiefenpsychologische Charakterkunde aus den frühen Sechzigern. Ein Handbuch über den Umgang mit schwierigen Zeitgenossen. Und eine Sammlung der Denkfehler, denen unser Gehirn täglich aufsitzt. Fünf Bücher, ein gemeinsamer Nenner, und der heißt schlichtweg: der Mensch.

Mich überrascht das weniger, als es vielleicht sollte. Denn dieselbe Mechanik begegnet mir an der Börse, Tag für Tag. Das Depot scheitert selten an der falschen Aktie, es scheitert am Anleger, der in Panik verkauft, an seiner Selbstüberschätzung festhält und sich hinterher die Welt so zurechtlegt, dass er recht behält. Solche Trugschlüsse sind im Grunde genommen das tägliche Brot der Verhaltensökonomie. Ob im Unternehmen oder im Wertpapierdepot, die härteste Variable ist nie die Tabelle, sondern der, der vor ihr sitzt. Dorthin zeigt diese Auswahl. Und genau das macht sie für jeden lesenswert, der mit Menschen zu tun hat, sich selbst eingeschlossen.


Schwarz-Weiß-Porträt von Jan Graevenstein, Organisationspsychologe und Change-Berater, Autor der fünf Buchtipps.

Vom Geschäftsführer zum Organisationspsychologen

Dr. Jan Graevenstein kommt zur Psychologie über einen Umweg, und das merkt man seinem Profil an. Nach dem Abitur und einer technischen Ausbildung beginnt er im Chemnitzer Elektrofachgroßhandel, zieht mit 24 nach Speyer und entwickelt dort Software, ERP-Systeme für den technischen Großhandel. Mit 28 wird er Gesellschafter, mit 31 Geschäftsführer und führt das Unternehmen in eine marktführende Position seines Segments. Der klassische Praktiker also, lange bevor die akademische Laufbahn dazukommt.

Die kommt berufsbegleitend. Zwei Master in Kommunikations- und Betriebspsychologie sowie in Verhaltens- und Organisationspsychologie, dazu eine Promotion über den Einfluss von Führungsverhalten in hybriden Arbeitsumgebungen. Heute berät er Firmen in Change-Prozessen und Digitalisierung, ist in der Schweiz als Professor und als Lehrbeauftragter an Hochschulen der DACH-Region tätig und arbeitet mit Methoden wie der Motivierenden Gesprächsführung und der systemischen Organisationsberatung. Eine Mischung aus Bilanz und Verhaltensforschung, die in dieser Kombination selten ist.

Das ist auch seine eigentliche Verkaufsfläche, die Brücke zwischen Praxis und Wissenschaft, der frühere Geschäftsführer, der eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung ebenso liest wie eine organisationspsychologische Studie. Man darf dabei nüchtern bleiben. Sein veröffentlichtes Werk umfasst ein gemeinsam verfasstes Lehrbuch, eine Handvoll Fachaufsätze und zuletzt einen eigenen Praxisratgeber, alles solide gearbeitet, aber kein Publikumsbestseller. Seine Themen, agile Führung und hybrides Arbeiten, reiten dabei erkennbar auf der New-Work-Welle nach 2020.

Buchcover von Hybride Führung mit Erfolg, dem Praxisbuch von Jan Graevenstein über Führung in hybriden Teams.

Hybride Führung mit Erfolg. Praktische Methoden für Flexibilität, Teamgeist und nachhaltige Ergebnisse*, Remote Verlag, 2025.

Sein jüngstes Buch überträgt die Forschungsfrage seiner Promotion in die Praxis. Es richtet sich an Führungskräfte, die Teams zwischen Büro und Homeoffice steuern, und verbindet einen Überblick über die veränderten Bedingungen dieser Arbeitsform mit Grundlagen der Verhaltens- und Kommunikationspsychologie. Daraus leitet Graevenstein konkrete Gesprächs- und Führungstechniken ab, mit denen sich Widerstände abbauen und Verhaltensänderungen anstoßen lassen.


Fünf Bücher über den Faktor Mensch

So viel zu dem, was er selbst schreibt. Was er liest, sagt mehr über sein Denken als jede Zeile seiner Vita. Was die folgenden fünf Titel zusammenhält, ist kein Thema im engen Sinn, sondern eine Blickrichtung. Sie schauen alle auf dieselbe Stelle, an der Strategien und gute Vorsätze regelmäßig zerschellen.

Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein*

Watzlawick, Kommunikationstheoretiker der Palo-Alto-Schule, dreht die gesamte Ratgeberlogik um. Statt zu erklären, wie man glücklich wird, liefert er eine Anleitung zum Gegenteil, eine ironische Sammlung der zuverlässigsten Methoden, sich das eigene Leben gründlich zu vermiesen. Erschienen 1983 bei Piper, längst ein Klassiker mit Millionenauflage.

Mit viel Ironie zeigt Watzlawick, wie Menschen durch festgefahrene Denkweisen und widersprüchliches Verhalten ihr eigenes Unglück erzeugen. Das Buch regt dazu an, persönliche Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen. Eine kurze, unterhaltsame und zugleich erkenntnisreiche Lektüre.

Jan Graevenstein

Das einzige Buch dieser Auswahl, das auch auf meinem eigenen Lesestapel lag. Watzlawick beschreibt im Grunde dieselbe Mechanik, die mir an der Börse täglich begegnet: Der größte Gegner sitzt selten im Markt, er sitzt zwischen den eigenen Ohren. Ein Klassiker über die Selbstsabotage, an dem ich allerdings auch zu knabbern hatte, weil die Dauer-Ironie mit der Zeit ganz schön an die Substanz geht. Meine ausführliche Besprechung liest du hier.

Buchcover des Klassikers Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick, ein Buchtipp von Jan Graevenstein.

Axel Koch, Change mich am Arsch*

Veränderung als Dauerzustand, daran arbeitet sich Axel Koch ab. Der promovierte Psychologe und Professor für Training und Coaching fragt, ab wann Wandel die Mitarbeiter nicht mehr entwickelt, sondern nur noch verschleißt. Seine These ist unbequem: Die Fähigkeit zur Veränderung sei eine begrenzte Ressource, an der viele Firmen Raubbau betreiben, bis ausgerechnet die Wandlungswilligen ausbrennen. Erschienen 2018 bei Econ, mit einem Nachwort von Myriam Bechtoldt.

Buchcover von Change mich am Arsch von Axel Koch über die Grenzen ständiger Veränderung, empfohlen von Jan Graevenstein.

Axel Koch zeigt kritisch und humorvoll, warum zu viele Veränderungsprozesse Mitarbeiter überfordern und Unternehmen häufig mehr schaden als nutzen. Das Buch bietet verständliche Impulse für einen realistischen und nachhaltigen Umgang mit Change. Eine empfehlenswerte Lektüre für Führungskräfte und alle, die regelmäßig mit Veränderung konfrontiert sind.

Jan Graevenstein

Fritz Riemann, Grundformen der Angst*

Vier Grundängste, mehr braucht Fritz Riemann nicht, um die menschliche Persönlichkeit zu fassen: die Angst vor Hingabe, vor Selbstwerdung, vor Veränderung und vor Endgültigkeit. Jeder dieser Ängste ordnet er einen Persönlichkeitstyp zu, den schizoiden, den depressiven, den zwanghaften und den hysterischen, Strukturen, die längst zum festen Bestandteil der Psychologie geworden sind. Daraus formt der Tiefenpsychologe eine Charakterkunde, die seit ihrem Erscheinen 1961 im Ernst Reinhardt Verlag Generationen von Therapeuten und Lesern geprägt hat und bis heute immer wieder neu aufgelegt wird.

Fritz Riemann beschreibt vier grundlegende Formen menschlicher Angst und zeigt, wie sie Persönlichkeit, Beziehungen und Verhalten prägen können. Das Buch vermittelt psychologische Zusammenhänge verständlich und regt zur Selbstreflexion an. Eine empfehlenswerte Einführung in unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen.

Jan Graevenstein

Buchcover von Grundformen der Angst von Fritz Riemann, eine Buchempfehlung von Jan Graevenstein.

Robert I. Sutton, Überleben unter Arschlöchern*

Sutton, Organisationspsychologe und langjähriger Stanford-Professor, liefert hier das Nachfolgewerk zu seinem internationalen Bestseller Der Arschloch-Faktor. Diesmal weniger Diagnose, mehr Werkzeugkasten, wie man schwierige und übergriffige Zeitgenossen erkennt, auf Abstand hält und dabei den eigenen blinden Fleck nicht vergisst, also die unbequeme Frage, ob man nicht gerade selbst zum Problem wird. Erschienen 2018 bei Piper.

Buchcover von Überleben unter Arschlöchern von Robert I. Sutton, eine der fünf Buchempfehlungen von Jan Graevenstein.

Robert I. Sutton zeigt praxisnah, wie sich schwierige und respektlose Menschen erkennen und wirksam begrenzen lassen. Das Buch vermittelt hilfreiche Strategien, um die eigene Belastung zu reduzieren und souveräner mit problematischem Verhalten umzugehen. Eine empfehlenswerte Lektüre für Beruf und Alltag.

Jan Graevenstein

David McRaney, Ich denke, also irre ich*

Unser Gehirn täuscht uns, und zwar zuverlässig. David McRaney, Wissenschaftsjournalist und Kopf hinter dem Blog You Are Not So Smart, versammelt in 48 kurzen Kapiteln die Denkfehler, denen wir tagtäglich aufsitzen. Vom Rückschaufehler über die Markentreue bis zum Dunning-Kruger-Effekt, jeweils mit Alltagsbeispiel und Studienlage. Auf Deutsch 2012 im mvg Verlag erschienen.

David McRaney zeigt anhand alltagsnaher Beispiele, wie Denkfehler und Selbsttäuschungen unsere Urteile und Entscheidungen beeinflussen. Das Buch vermittelt psychologische Erkenntnisse verständlich und regt dazu an, die eigene Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Eine unterhaltsame Lektüre für alle, die menschliches Denken besser verstehen möchten.

Jan Graevenstein

Buchcover von Ich denke, also irre ich von David McRaney über die Denkfehler des Gehirns, Buchtipp von Jan Graevenstein.

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Was diese Auswahl über ihren Kurator verrät

Fünf Bücher, und nicht eines handelt von Werkzeugen, Folien oder Kennzahlen. Riemann erklärt die Angst, McRaney die Selbsttäuschung, Watzlawick die Selbstsabotage, Koch die Grenzen erzwungener Veränderung und Sutton den Umgang mit denen, die einem das Leben schwer machen. Das ist keine Leseliste über Führung, das ist eine Leseliste über den Menschen.

Genau darin liegt das Bekenntnis. Wer so wählt, glaubt offenbar, dass Führung und Wandel der menschlichen Natur nachgelagert sind, nicht umgekehrt. Dass man nicht steuern kann, was man am Menschen nicht verstanden hat, am Gegenüber so wenig wie an sich selbst. Einer, der ein Unternehmen geführt und Prozesse optimiert hat, landet am Ende dort, wo sich nichts mehr in eine Tabelle zwingen lässt.

Und hier schließt sich der Kreis zu meinem eigenen Feld. Du kannst jeden ETF-Ratgeber gelesen haben und dein Depot trotzdem an die Wand fahren, wenn du deine eigene Panik nicht im Griff hast. Das Instrument zu kennen, bringt wenig, solange du den nicht kennst, der es bedient. Letzten Endes schützt nicht das nächste Methodenbuch, sondern Wissen, über den Markt und über dich selbst. Eine kluge Frau hat das vor über hundert Jahren in einen einzigen Satz gepackt, an dem sich bis heute nichts abnutzt.

Wer nichts weiß, muss alles glauben.
Marie von Ebner-Eschenbach

Wenn du auf der Suche nach weiteren spannenden Büchern bist, dann findest du unter Buchtipps eine interessante Auswahl aus über 550 ausführlichen Rezensionen. Diese kannst du individuell nach Preis, Seitenanzahl, Themenbereich, Bewertung und Zielgruppe filtern. Solltest du eine vergleichbare Buchempfehlung für mich haben, dann schreib mir doch gerne über meine Social-Media-Kanäle.

Celine Nadolny lächelt in die Kamera und hält einen Stapel Bücher in den Händen. Auf dem Bild steht der Text ‚Effektiver Speed Reading Onlinekurs – schneller lesen, mehr behalten, konsequent umsetzen‘.

Schneller Lesen – Mehr Behalten – Konsequent Umsetzen

Wie Lesen vom Konsum zur echten Veränderung wird

In diesem Online-Kurs zeige ich, wie Lesen wieder zu einem wirkungsvollen Werkzeug wird – für Klarheit, Fokus und bewusste Entscheidungen. Statt reiner Geschwindigkeit steht ein systematischer Ansatz im Mittelpunkt, der Verständnis, Erinnerung und Umsetzung miteinander verbindet.

Der Kurs vereint erprobte Lesetechniken, Erkenntnisse aus Lern- und Wahrnehmungspsychologie sowie praxisnahe Übungen, um Wissen nicht nur aufzunehmen, sondern nachhaltig zu nutzen – im Alltag, im Beruf und im persönlichen Wachstum.

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