5 Buchtipps von Kian Sobek

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Mindset & Persönlichkeitsentwicklung

Fünf Bücher gegen die Berechenbarkeit

Wer seine fünf Lieblingsbücher verrät, legt mehr offen, als er glaubt. Eine Buchliste ist nie nur eine Liste. Sie ist ein Röntgenbild der eigenen Denkweise.

Wenn also ein Autor, der ein Sachbuch über den Wandel der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz geschrieben hat, seine fünf prägendsten Bücher nennt, rechnet man mit bestimmten Namen. Ökonomen. Technikphilosophen. Einen Kurzweil, einen Harari, vielleicht eine Shoshana Zuboff. Kian Sobek hat mir eine ganz andere Liste geschickt.

Fünf Bücher, und kein einziges aus dem Sachbuchregal. Keine Finanzratgeber. Keine Karrierebibeln. Stattdessen zwei postmoderne Romane, ein Kunstraub-Thriller, neunzehn düstere Kurzgeschichten und ein Bildband, der Filmklassiker auf Piktogramme eindampft. Eine seltsame Auswahl, könnte man meinen, für einen Mann, der knapp drei Jahrzehnte in der IT verbracht und ein ökonomisches Sachbuch über den Strukturwandel durch Automatisierung verfasst hat.

Doch genau das macht sie spannend. Was diese fünf Titel verbindet, ist keine Thematik, sondern eine Haltung. Eine Art, die Welt zu lesen, die der Maschinenlogik schlichtweg widerspricht. Schräg, sprachverliebt, unberechenbar, allzu menschlich. Genau das, was kein Algorithmus je erzeugen wird.


Kian Sobek, Sachbuchautor von „Das Gesetz der Materie", im Porträt zwischen Bücherregalen

Vom Ökonomen zum Zeitdiagnostiker

Kian Sobek ist das Pseudonym, unter dem der Autor sein Sachbuchdebüt veröffentlicht. Hinter dem Namen steht ein 1976 geborener Ökonom, der am Bodensee das Abitur ablegte und an der Universität Konstanz Volkswirtschaft studierte. Statt in eine Bank oder ein Forschungsinstitut zog es ihn in die IT-Branche, in der er seit knapp dreißig Jahren arbeitet. Mal am Code, mal an der Strategie, doch stets dicht an jenen Realitäten, die andere lieber aus sicherer Distanz kommentieren.

Das nun erscheinende Sachbuch ist sein erstes veröffentlichtes Werk. Ein Roman unter seinem Klarnamen Stephan Rakoon befindet sich bereits in der finalen Überarbeitung und soll in Kürze folgen. Die Aufteilung auf zwei Namen hat einen Grund. Kian Sobek steht für den analytischen Zeitdiagnostiker, Stephan Rakoon für den Romancier. Zwei Stimmen, ein Autor.

Was ihn von den zahlreichen Digitalisierungspropheten unterscheidet, ist der Abstand der Praxis. Wer das jahrzehntelang aus erster Reihe miterlebt hat, weiß um den Unterschied zwischen Vision und Implementierung. Zwischen dem, was auf Konferenzbühnen beschworen wird, und dem, was in Lagerhallen tatsächlich passiert. Genau diese Perspektive prägt sein Sachbuch. Und, wie man an seiner Leseliste sehen wird, ebenso seine Freizeit.

Cover des Sachbuchs „Das Gesetz der Materie" von Kian Sobek über KI, Automatisierung und Steuerreform

Das Gesetz der Materie von Kian Sobek*

In seinem Sachbuch Das Gesetz der Materie. Warum wir nicht den Menschen besteuern sollten, sondern die Materie stellt Kian Sobek eine unbequeme Frage. Was geschieht mit einem Steuersystem, das den Faktor Arbeit belastet, wenn Maschinen nicht mehr nur den Muskel ersetzen, sondern auch die Kognition? Siebzehn Kapitel führen von der Diagnose einer wachstumsabhängigen Volkswirtschaft über die schleichende Erosion ihrer Steuerbasis bis zu einem konkreten Reformvorschlag in Form eines Sieben-Jahres-Plans. Sobek stützt seine Argumentation auf Studien der Oxford-Forscher Frey und Osborne, der OECD und des Brüsseler Thinktanks Bruegel. Doch er schreibt nicht für die Studierstube. Sein Buch richtet sich an Leser, die den Strukturwandel durch künstliche Intelligenz nicht aussitzen, sondern verstehen und mitgestalten wollen.


Fünf Empfehlungen, fünf Gegenwelten

Clara von José Carlos Somoza*

Der spanische Psychiater und Schriftsteller José Carlos Somoza, 1959 in Havanna geboren und seit seiner Kindheit in Spanien zu Hause, entwirft in Clara eine Welt, in der die wertvollste Kunstform der Gegenwart nicht mehr auf Leinwand entsteht, sondern auf menschlicher Haut. Menschen werden zu lebendigen Kunstwerken, gemalt, inszeniert, verkauft. Als eines dieser Werke auf grausame Weise zerstört wird, beginnt eine Ermittlung, die tief in die Abgründe einer Gesellschaft führt, in der Schönheit und Ware kaum noch voneinander zu trennen sind. Der Roman wurde 2001 mit dem Premio Fernando Lara ausgezeichnet und erschien ein Jahr später im Claassen Verlag auf Deutsch.

„Somoza malt mit Worten wie andere mit Öl auf Leinwand. Seine bildliche Sprache ist ein Fest für die Sinne. Man liest und staunt, woher ein einzelner Mensch so viel Einfallsreichtum und Fantasie nimmt, ohne dabei jemals den Boden unter den Füßen zu verlieren.“

Kian Sobek

Cover des Romans „Clara" von José Carlos Somoza, List Taschenbuchausgabe

Quichotte von Salman Rushdie*

Salman Rushdies Quichotte ist eine moderne Variation des Don Quijote, neu erzählt im Amerika der Trump-Ära. Ein indischstämmiger Pharmavertreter namens Ismael Smile fährt kreuz und quer durch die USA, auf der Suche nach einer Fernsehmoderatorin, die er aus der Ferne anhimmelt. Auf dem Beifahrersitz sitzt Sancho, ein Sohn, den es nie gab und den der Protagonist sich einfach herbeifantasiert hat. Rushdie verhandelt in diesem Roman die Opioidkrise, alltäglichen Rassismus, Fake News und die schleichende Auflösung der Wirklichkeit in Bildschirme. Und schreibt nebenbei eine Liebeserklärung an die Weltliteratur. Erschienen 2019 im C. Bertelsmann Verlag, übersetzt von Sabine Herting. Rushdie wurde 2023 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Cover des Romans „Quichotte" von Salman Rushdie, C. Bertelsmann Verlag, 2019

„Familie, Liebe, Herkunft, Fremdheit, Drogen, Weltuntergang und eine Armada schräger Vögel: Rushdie wirft alles in einen Topf, rührt kräftig um und serviert eine Geschichte, die so skurril wie zeitkritisch ist. Wer hier den Überblick behält, hat vermutlich auch den echten Don Quijote verstanden.“

Kian Sobek

Hitze von Garry Disher*

Der Australier Garry Disher, mehrfach ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis, gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen Kriminalliteratur. Hitze ist der achte Band seiner Wyatt-Reihe um einen eiskalten Profieinbrecher mit eigenem Ehrenkodex. Diesmal soll Wyatt an der australischen Sunshine Coast ein flämisches Gemälde stehlen, NS-Raubkunst, die nach Jahrzehnten wieder aufgetaucht ist und von einer israelischen Erbin zurückgefordert wird. Doch wie stets bei Disher erweist sich der vermeintliche One-Man-Job rasch als Schlangengrube aus Konkurrenten, Doppelspielen und unerwarteten Mitspielern. Erschienen 2019 bei Pulp Master in Berlin, übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller.

„Dreizehn Jahre lang ließ Disher seine legendäre Wyatt-Reihe ruhen, um dann zurückzukehren, als wäre er nur kurz Zigaretten holen gewesen. Auch im achten Band hat er für seinen knallharten Antihelden noch Überraschungen parat, die einen atemlos durch die Seiten jagen.“

Kian Sobek

Cover des Kriminalromans „Hitze" von Garry Disher, achter Band der Wyatt-Reihe

Sind wir nicht Menschen von T. C. Boyle*

Der amerikanische Erzähler T. C. Boyle, 1948 geboren und bis 2012 Professor für Creative Writing an der University of Southern California, legt mit Sind wir nicht Menschen neunzehn Erzählungen vor, die zwischen Alltag und Dystopie oszillieren. Phosphoreszierende Pitbulls, klavierspielende Mikroschweine, perfekte Kinder aus dem Genkatalog, eine Maschine, mit der man in die eigene Vergangenheit reisen kann. Boyle verhandelt Klimawandel, Gentechnik und die Entgrenzung von Technologie ausgerechnet mit den Mitteln des Grotesken. Erschienen 2020 im Carl Hanser Verlag, übersetzt von Anette Grube und Dirk van Gunsteren. Die Originalausgabe trägt den Titel The Relive Box and Other Stories und ist 2017 bei Bloomsbury erschienen.

Cover des Erzählbands „Sind wir nicht Menschen. Stories" von T. C. Boyle, dtv

„Boyle-Fans wissen: Man betritt seine Geschichten durch eine ganz normale Tür und findet sich drei Absätze später in einer völlig aberwitzigen Situation wieder. Diese Kurzgeschichten sind Boyle in Reinform, vielseitig, skurril und mit einem Grinsen geschrieben, das man beim Lesen unweigerlich erwidert.“

Kian Sobek

Der ganze Film in 5 Sekunden von Matteo Civaschi und Gianmarco Milesi*

Die beiden italienischen Grafikdesigner Matteo Civaschi und Gianmarco Milesi haben sich einer eigenwilligen Disziplin verschrieben. Sie reduzieren Spielfilme auf Piktogramme. Manchmal auf eine Doppelseite, manchmal sogar auf ein einzelnes Bild. Aus Casablanca wird eine Abfolge minimalistischer Symbole, aus Pulp Fiction eine Choreografie in Strichgrafik. Das Buch versammelt 150 solcher Filmrätsel, vom Kultklassiker bis zum Blockbuster, und spielt klug mit der Frage, wie wenig Information ausreicht, damit das menschliche Gehirn eine ganze Geschichte rekonstruiert. Erschienen 2014 im S. Fischer Taschenbuch, übersetzt von Klaus Herber.

„Filmklassiker, eingedampft auf wenige Strichzeichnungen, und trotzdem erkennt man sie. Wer als Filmfan nicht mindestens einmal laut ‚Ja, klar!‘ ruft, hat entweder zu wenige Filme gesehen oder zu wenig Fantasie. Ein Buch, das süchtig macht.“

Kian Sobek

Cover des Bildbands „Der ganze Film in 5 Sekunden" von Civaschi und Milesi, S. Fischer

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Was bleibt, wenn Maschinen denken können

Fünf Bücher, und kein einziges, das man einer Künstlichen Intelligenz zur Inspiration vorlegen würde. Keines liefert optimierbare Erkenntnis. Keines lässt sich effizient zusammenfassen. Und genau das ist der Punkt.

Wer sich jahrzehntelang mit Algorithmen beschäftigt hat, weiß besser als jeder andere, was diese Werkzeuge können und was sie nicht können. Eine Maschine erkennt Muster. Sie berechnet Wahrscheinlichkeiten. Sie produziert Texte, die mitunter sogar nach Stil klingen. Doch was sie nicht kann, ist Somozas Kunstwahnsinn, Rushdies ausufernde Erzählwut, Dishers trockene Konsequenz, Boyles bitterböse Komik oder Civaschis und Milesis visueller Witz. All das sind Formen von Intelligenz, die sich der Berechnung entziehen. Die im Grunde genommen nur ein Mensch hervorbringen kann, weil sie auf etwas beruhen, das kein Algorithmus besitzt: auf der Fähigkeit zur Abweichung.

Vielleicht ist das letzten Endes die stille Botschaft, die sich aus Kian Sobeks Auswahl destillieren lässt. Wer über die Zukunft der Arbeit nachdenkt, wer sich fragt, was vom Menschen übrig bleibt, wenn die Maschinen auch den Kopf ersetzen, der findet die Antworten nicht in Whitepapers. Sondern in Büchern, die sich beharrlich weigern, nützlich zu sein. In Geschichten, die keine Handlungsempfehlung kennen. In Sätzen, die nicht optimiert sind, sondern gesetzt.

Cervantes hat es im Don Quijote so formuliert: „Wer viel liest und viel reist, sieht viel und weiß viel.“ Je mehr Maschinen unsere Welt organisieren, desto wertvoller wird genau diese Form des Wissens. Die, die sich nicht herunterladen lässt.

Wenn du auf der Suche nach weiteren spannenden Büchern bist, dann findest du unter Buchtipps eine interessante Auswahl aus über 550 ausführlichen Rezensionen. Diese kannst du individuell nach Preis, Seitenanzahl, Themenbereich, Bewertung und Zielgruppe filtern. Solltest du eine vergleichbare Buchempfehlung für mich haben, dann schreib mir doch gerne über meine Social-Media-Kanäle.

Celine Nadolny lächelt in die Kamera und hält einen Stapel Bücher in den Händen. Auf dem Bild steht der Text ‚Effektiver Speed Reading Onlinekurs – schneller lesen, mehr behalten, konsequent umsetzen‘.

Schneller Lesen – Mehr Behalten – Konsequent Umsetzen

Wie Lesen vom Konsum zur echten Veränderung wird

In diesem Online-Kurs zeige ich, wie Lesen wieder zu einem wirkungsvollen Werkzeug wird – für Klarheit, Fokus und bewusste Entscheidungen. Statt reiner Geschwindigkeit steht ein systematischer Ansatz im Mittelpunkt, der Verständnis, Erinnerung und Umsetzung miteinander verbindet.

Der Kurs vereint erprobte Lesetechniken, Erkenntnisse aus Lern- und Wahrnehmungspsychologie sowie praxisnahe Übungen, um Wissen nicht nur aufzunehmen, sondern nachhaltig zu nutzen – im Alltag, im Beruf und im persönlichen Wachstum.

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