Ein persönlicher Schritt mit großer Wirkung
Vor sieben Jahren haben mein Verlobter und ich uns bei der DKMS registriert. Es war ein einfacher Vorgang: drei Wattestäbchen, ein kurzer Wangenabstrich, zurück ins Päckchen, ab zur Post – fertig. Seitdem stehen unsere Daten im weltweit größten Register für potenzielle Stammzellspender. Und obwohl seitdem noch keine konkrete Anfrage kam, weiß ich: Wenn der Anruf eines Tages kommt, bin ich bereit, einem anderen Menschen vielleicht das Leben zu retten.
Was mich damals zur Registrierung bewegt hat? Ganz einfach: die Tatsache, dass es kaum einen einfacheren Weg gibt, Gutes zu tun. Ein kleiner Aufwand, der im besten Fall über Leben und Tod entscheiden kann. Und ich frage mich oft: Wissen das eigentlich alle? Ist den Menschen bewusst, wie wenig es braucht, um potenziell zum Lebensretter zu werden?
Denn wenn man selbst oder jemand aus dem engsten Umfeld betroffen wäre, würde man sich nichts sehnlicher wünschen, als dass irgendwo da draußen genau der passende Spender registriert ist. Deshalb schreibe ich diesen Artikel – aus Überzeugung und in der Hoffnung, dass sich noch viele weitere Menschen registrieren lassen.
Warum Blutkrebs jeden treffen kann
Blutkrebs ist keine seltene Krankheit. In Deutschland erhält alle zwölf Minuten ein Mensch diese Diagnose – weltweit passiert das alle 27 Sekunden. Es kann jeden treffen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Für viele Patienten ist eine Stammzelltransplantation die einzige realistische Überlebenschance.
Das Problem: Der passende Spender muss ganz bestimmte Gewebemerkmale aufweisen. Diese Merkmale sind äußerst komplex – selbst enge Verwandte sind nur in etwa 30 Prozent der Fälle geeignet. Deshalb braucht es viele registrierte Spender, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Match gefunden wird. Jeder Einzelne im Register kann für jemanden die letzte Hoffnung sein.
Die Registrierung – schnell, unkompliziert, kostenlos
Die Registrierung bei der DKMS ist unkompliziert und dauert nur wenige Minuten. Auf der Website der Organisation kann man sich ein Registrierungsset nach Hause bestellen. Darin befinden sich drei Wattestäbchen, mit denen man einen Wangenabstrich durchführt. Diese Stäbchen schickt man zurück, und im Labor werden die Gewebemerkmale analysiert.
Seit Oktober 2017 ist für die Registrierung keine Blutprobe mehr nötig – ein einfacher Schleimhautabstrich genügt. Die Kosten für die Analyse betragen rund 40 bis 50 Euro, werden aber in der Regel durch Spenden finanziert. Niemand muss für die Registrierung bezahlen – aber wer möchte, kann freiwillig einen Betrag beisteuern.
Die Stammzellspende – kein Grund zur Sorge
Wenn man tatsächlich als passender Spender infrage kommt, beginnt ein medizinisch eng begleitetes Verfahren. Es gibt zwei Möglichkeiten, Stammzellen zu spenden:
In etwa 90 Prozent der Fälle erfolgt die Entnahme über die sogenannte periphere Stammzellspende. Dabei erhält man über fünf Tage hinweg ein Medikament, das die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut überführt. Anschließend werden sie über ein spezielles Verfahren aus dem Blut herausgefiltert – vergleichbar mit einer Blutplasmaspende. Die gesamte Prozedur ist ambulant und dauert in der Regel vier bis sechs Stunden.
In selteneren Fällen – bei etwa zehn Prozent der Spenden – erfolgt die Entnahme direkt aus dem Beckenkamm unter Vollnarkose. Dabei handelt es sich nicht um eine Rückenmarkspende, wie viele glauben, sondern um die Entnahme von flüssigem Knochenmark. Auch hier ist die medizinische Betreuung umfassend, und der Körper regeneriert die entnommenen Zellen innerhalb weniger Wochen vollständig.
Langfristige gesundheitliche Schäden sind extrem selten, wie zahlreiche Studien belegen. Die meisten Spender berichten lediglich von leichten grippeähnlichen Symptomen oder Müdigkeit in den Tagen rund um die Spende – nichts im Vergleich zu dem, was ein Patient durchmacht, der auf eine Transplantation angewiesen ist.
Werde Lebensretter – mit nur drei Wattestäbchen
Stell dir vor, du könntest mit einem einfachen Wangenabstrich einem Menschen das Leben retten. Genau das ist möglich – und zwar einfacher, als du denkst. Die Registrierung bei der DKMS dauert nur wenige Minuten und kann für jemanden die letzte Hoffnung sein.
Ich bin seit Jahren registriert – weil ich überzeugt bin, dass jeder Einzelne zählt. Mach auch du den Unterschied:
Warum jede Registrierung zählt
Je mehr Menschen registriert sind, desto größer die Chance, dass für einen erkrankten Patienten irgendwo auf der Welt ein passender Spender gefunden wird. Die DKMS hat weltweit über 12,5 Millionen Menschen im Register, davon rund 7,8 Millionen allein in Deutschland. Doch das reicht noch nicht – denn das perfekte Match ist extrem selten.
Allein im Jahr 2024 konnten über 7.700 Stammzellspenden vermittelt werden. Das bedeutet: Mehr als 7.000 Menschen haben eine echte Chance auf ein neues Leben bekommen. Und jeden Tag kommen neue Anfragen und neue Registrierungen hinzu.
Geschichten, die Mut machen
Immer wieder liest man von bewegenden Geschichten: Kinder, die durch eine Stammzellspende wieder gesund wurden. Eltern, die öffentlich darum bitten, dass sich mehr Menschen registrieren lassen. Junge Erwachsene, die heute ein gesundes Leben führen – weil jemand irgendwo auf der Welt bereit war, zu helfen.
Diese Geschichten zeigen, dass eine einfache Entscheidung den Lauf eines Lebens verändern kann. Und sie erinnern daran, dass es nicht selbstverständlich ist, Hilfe zu bekommen – sondern dass sie immer von Menschen wie dir und mir abhängt.
Warum viele noch zögern
Viele Menschen haben noch immer Bedenken – aus Unwissenheit, aus Unsicherheit oder weil sie glauben, die Spende sei schmerzhaft oder gefährlich. Manche wissen gar nicht, dass man sich so einfach registrieren kann. Andere haben Angst vor dem Unbekannten.
Dabei ist die Stammzellspende heute ein medizinisch gut erforschtes, sicheres Verfahren. Die Risiken sind gering, der Nutzen riesig. Und der Weg dorthin beginnt mit drei Wattestäbchen.
Mein Fazit
Ich bin seit sieben Jahren registriert – nicht, weil ich dafür etwas zurückerwarte, sondern weil ich weiß, dass ich im entscheidenden Moment helfen kann. Es ist ein gutes Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Und ich wünsche mir, dass noch viele diesen Weg gehen.
Wenn du dich noch nicht registriert hast: Tu es. Jetzt. Es dauert nur ein paar Minuten – aber für jemanden da draußen kann es das größte Geschenk überhaupt sein.
Studie NMDP / ASH 2024
Eine prospektive Beobachtungsstudie untersuchte 21.643 Spender (14.530 periphere Stammzellenspende – PBSC, 7.123 Knochenmarkspender) über mehrere Jahre. Ergebnis: Keine erhöhte Rate an bösartigen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder Thrombosen bei PBSC-Spendern im Vergleich zu Knochenmarkspendern.
Retrospektive DKMS-Studie 2017
DKMS analysierte 15.445 Spender über insgesamt 37.287 Beobachtungsjahre. Ergebnis: 95 % beurteilten ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“ oder „gut“. Die standardisierte Krebsinzidenz lag bei SIR 0,94 – also sogar etwas unter dem Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung. Es wurden keine Hinweise auf ein erhöhtes Leukämie- oder allgemeines Krebsrisiko gefunden.
Schwedische Kohortenstudie 2022–2024
In Schweden wurden 1.082 periphere Stammzellspender im Median 9,8 Jahre nachbeobachtet. Ergebnis: Die Rate für hämatologische wie solide Tumoren war nicht erhöht (Hazard Ratio 1,03; 95 %-CI: 0,78–1,36). Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen war vergleichbar mit der Kontrollgruppe (HR 0,90).
