Mehr Freiheit, weniger Verantwortung: Meine ehrlichste Business-Entscheidung

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Selbstständigkeit & Unternehmertum

„2022 hast du gesagt, dass du bis Ende 2023 auf 10 Mitarbeiter skalieren willst – hast du das erreicht?“

Diese Frage erreichte mich kürzlich in meinem Q&A. Und sie war nicht nur spannend, sondern auch persönlich. Vielleicht sogar intimer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Denn sie hat etwas aufgewühlt, über das ich lange nicht gesprochen habe: Meine komplette Firmenstruktur hat sich seitdem verändert. Und zwar nicht zufällig, sondern ganz bewusst.

Der große Traum vom großen Unternehmen

Damals hatte ich tatsächlich das Ziel, ein Team aufzubauen, verschiedene Bereiche abzudecken und ein Unternehmen im klassischen Sinne zu führen. Ich hatte große Visionen – nicht nur, was Umsatz oder Reichweite betraf, sondern auch, wie viele Menschen ich mit auf diese Reise nehmen wollte.

Zwischen Effizienz und Erschöpfung

Und ja: Eine Zeit lang sah es auch genauso aus. Ich hatte ein kleines Team, das wuchs und wuchs, Aufgaben wurden verteilt, Strukturen geschaffen. Es lief – zumindest auf dem Papier. Aber innerlich wurde ich zunehmend unzufrieden. Warum?

Weil ich gemerkt habe, dass ich noch nicht die Führungskraft war, die ich hätte sein müssen, um genau dieses Unternehmen zu leiten.

Die Realität von Mitarbeiterführung

Mitarbeiterführung ist – und das unterschätzt man oft – vielleicht die größte Herausforderung im Unternehmertum. Es reicht nicht, nett zu sein oder motivierende Ziele vorzugeben. Man muss konsequent sein, Verantwortung übernehmen – auch dann, wenn es unangenehm wird. Und genau das fiel mir schwer. Ich bin ein Mensch, der Harmonie liebt, der oft zu viel Verständnis zeigt. Ein klassischer People Pleaser.

Vom Freiheitsdrang zur Fremdbestimmung

Ich wurde getrieben. Ich hatte wieder das Gefühl, eine Angestellte zu sein – diesmal nicht in einem Unternehmen, sondern in meinem eigenen. Nur dass die Verantwortung ungleich größer war. Ich musste Projekte annehmen, die ich vielleicht sonst abgelehnt hätte. Ich musste Umsatz machen, um Gehälter zu zahlen. Ich musste funktionieren und das Woche für Woche, Monat für Monat. Und worüber sich Angestellte niemals Gedanken machen müssen, schwirrte mir dauerhaft im Kopf herum: denn die Monate vergingen wie im Flug und Summe X ging wieder vom Konto ab.

Die befreiendste Entscheidung meines Unternehmerlebens

Also traf ich eine Entscheidung, die mutiger war als alle Skalierungspläne zuvor: Ich entschied mich, zurückzugehen. Mich gesundzuschrumpfen. Nicht, weil ich gescheitert bin. Sondern weil ich erkannt habe, dass nicht jede Vision zur Realität werden muss, wenn sie sich im echten Leben nicht mehr richtig anfühlt.

Und was soll ich sagen? Seitdem habe ich wieder das Gefühl, frei zu sein. Ich kann in meinem eigenen Tempo arbeiten. Entscheidungen treffe ich für mich. Ich muss niemandem mehr Rechenschaft ablegen außer mir selbst.

Erkenntnisse, die ich mit dir teilen möchte

In meinem Umfeld sehe ich immer mehr, die diesen Weg gegangen sind – oder gerade dabei sind. Erst ist da oft das Gefühl von Scheitern. Aber mit der Zeit merken viele: Es war kein Scheitern – es war die Rückkehr zu sich selbst.

Die Businesswelt predigt oft: Skalieren ist gleich Erfolg. Aber für wen? Für mich war es das nicht – zumindest nicht in dieser Phase meines Lebens. Heute weiß ich: Größe heißt nicht automatisch Glück. Und nur, weil man 2-3 Mitarbeiter einstellt, verdoppelt oder verdreifacht sich eben auch nicht der Umsatz.

Generell kann man sagen, dass viele superfleißige und leidenschaftliche Selbständige den Fehler machen anzunehmen, dass Mitarbeiter auch nur ansatzweise so viel Spirit für ihr Baby haben. Aber für die ist es in aller Regel dann eben doch nur ein Job. Ich möchte jetzt auch nicht gegen Angestellte schießen. Aber für sie endet der Job eben in aller Regel nach 40 Stunden und er endet auch am Freitagnachmittag. Und in Gehaltsverhandlungen interessiert es sie herzlich wenig, wie gut oder schlecht es dem Unternehmen geht – falsch, wenn es dem Unternehmen gut geht, sehr wohl, denn dann wollen sie daran beteiligt werden, aber wenn es schlecht läuft, wollen sie dennoch ihren vertraglich zugesicherten Anteil.

Unterschätzt bitte als Selbständige einfach nicht, was es bedeutet, Mitarbeiter einzustellen und sie zu führen.

Insbesondere, wenn ihr auch noch als halbwegs erfolgreiche Person in der Öffentlichkeit steht. Denn das kann Begehrlichkeiten wecken und ohne Führungsebene dazwischen, könnt ihr euch auch nicht mal eben so rausreden wie manch ein Abteilungsleiter. Ihr seid der Boss, ihr seid der Entscheider, ihr tragt die Verantwortung, führt die Verhandlungen.

Und wenn ihr nicht aufpasst, dann dreht sich das Blatt: auf einmal seid ihr die Angestellten in eurem eigenen Unternehmen und reißt euch nicht mehr für euren eigenen Erfolg den Hintern auf, sondern damit eure Mitarbeiter am Ende des Monats ihre Gehälter bekommen. Aber erwartet nicht, dass die dann noch an eurer Seite stehen, wenn ihr den Karren in den Graben gesetzt habt, nein, nein: dann werden sie nur fleißig exakt auf das bestehen, was man in guten Zeiten einmal vereinbart hat.

Das nennt sich unternehmerisches Risiko und exakt deswegen ziehe ich vor jedem einzelnen Unternehmer da draußen den Hut, der es schafft, ein Unternehmen mit einer signifikanten Anzahl an Mitarbeitern aufzubauen und über Jahrzehnte hinweg erfolgreich zu führen.

Und du?

Wenn du dich also gerade selbst in einer ähnlichen Situation befindest – überfordert mit Teamführung, erschöpft vom Druck, das nächste Level erreichen zu müssen – dann frag dich einmal ganz ehrlich: Ist das wirklich dein Weg? Oder bist du nur auf einem Pfad unterwegs, der anderen gehört?

Es ist okay, Dinge auszuprobieren. Es ist okay, zurückzugehen. Und es ist mehr als okay, zu sagen: „Das war nicht mein Weg – aber es war wichtig, ihn gegangen zu sein.“

Denn manchmal bedeutet „Wachstum“ nicht, größer zu werden – sondern ehrlicher.

Lesestoff für mutige Entscheidungen und neue Wege

1. „The Company of One“ von Paul Jarvis*

Ein erfrischender Gegenentwurf zum Wachstumswahn: Paul Jarvis zeigt, dass bewusstes Kleinbleiben oft nachhaltiger und erfüllender ist als unaufhaltsames Wachstum. Perfekt für alle, die sich als Solopreneur selbst treu bleiben wollen.

„Staying small doesn’t mean being stagnant. It means being smart.“

2. „Big Magic“ von Elizabeth Gilbert*

Ein wunderbares Buch über kreatives Schaffen ohne Angst – und die Kraft, seinem inneren Ruf zu folgen, statt äußeren Erwartungen zu entsprechen. Mutmachend für alle, die sich neu erfinden wollen.

„Do whatever brings you to life, then. Follow your own fascinations, obsessions, and compulsions. Trust them. Create whatever causes a revolution in your heart.“

3. „Rework“ von Jason Fried & David Heinemeier Hansson*

Provokativ, direkt und augenöffnend: Dieses Buch räumt mit klassischen Business-Mythen auf und zeigt, warum weniger oft mehr ist – auch im Unternehmertum.

„Growth is overrated. Don’t be insecure about aiming to be a small business.“

4. „Essentialism“ von Greg McKeown*

Dieses Buch lehrt, wie man sich auf das Wesentliche fokussiert – beruflich wie privat. Es hilft, unnötigen Ballast abzuwerfen und bewusst Entscheidungen für das zu treffen, was wirklich zählt.

„If you don’t prioritize your life, someone else will.“

5. „Die subtile Kunst des Daraufscheißens“ von Mark Manson*

Mit bissigem Humor und schonungsloser Ehrlichkeit motiviert dieses Buch dazu, sich von gesellschaftlichen Erwartungen zu lösen und das eigene Leben radikal selbstbestimmt zu gestalten.

„Man braucht nicht immer mehr tun. Man muss nur die richtigen Dinge tun.“

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