Warum dieses Interview notwendig ist – und warum ich die richtigen Fragen stelle / anzeige
Mentale Erschöpfung gehört inzwischen zu den stillen Leitmotiven unserer Zeit. Zwischen Leistungsdruck, Dauerbeschallung und einem Arbeitsmarkt, der Selbstoptimierung oft für eine Art Grundpflicht hält, sammeln sich in vielen Köpfen Krafträuber an, die die meisten nicht einmal benennen können. Genau deshalb habe ich dieses Interview geführt: um die Mechanismen zu entwirren, die Brain Fog, Dauerstress und mentale Auszehrung überhaupt erst entstehen lassen – und um herauszufinden, welche Interventionen wirklich tragen, jenseits modischer Mikro-Hacks und Wohlfühlfloskeln.
Ich gehe in meinen Interviews grundsätzlich dorthin, wo es unbequem wird: zu den blinden Flecken. Zu den Stellen, an denen Selbstcoaching an seine Grenzen stößt, an denen Achtsamkeit zum Ritual wird, aber keine Wirkung entfaltet, an denen digitale Reizüberflutung unsere kognitive Integrität unterwandert. Genau deshalb habe ich nachgefragt:
Wie erkennt man echte mentale Erschöpfung und wo endet sie in normaler Müdigkeit? Welche Rolle spielt das Belohnungssystem tatsächlich? Welche 1-Minuten-Interventionen sind wissenschaftlich fundiert – und welche funktionieren lediglich, weil sie gut klingen?
In diesem Gespräch ging es nicht darum, leichte Antworten zu reproduzieren. Es ging darum, Schärfe hineinzubringen: in die Unterscheidung zwischen Intuition und Evidenz, zwischen Metapher und Neuropsychologie, zwischen symbolischem Digital Detox und echter Verhaltensänderung. Die Antworten, die ich erhalten habe, geben nicht nur Einblick in mentale Muster, sondern liefern zugleich ein selten klares Bild davon, wie nachhaltige Veränderung entsteht – und wie sie scheitert.
Dieses Interview ist damit kein Sammelsurium an Wohlfühltipps. Es ist eine präzise, fachlich belastbare Analyse eines Zustands, der Millionen Menschen betrifft – und es ist eine Einladung, den eigenen mentalen Werkzeugkasten neu zu sortieren.

Über Cordula Nussbaum
Cordula Nussbaum gehört seit vielen Jahren zu den prägenden Stimmen im deutschsprachigen Raum, wenn es um Selbstführung, mentale Gesundheit und alltagstaugliche Psychologie geht. Bekannt wurde sie durch ihren Ansatz für „kreativ-chaotische“ Persönlichkeiten, denen klassische Zeitmanagement-Methoden wenig nützen. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse aus Neuropsychologie, Verhaltensforschung und Stressmedizin so zu übersetzen, dass sie im Alltag tatsächlich funktionieren – ohne Idealisierung, ohne esoterische Ausschläge und ohne die gängigen Floskeln der Selbstoptimierungsbranche.
In ihren Büchern, Vorträgen und Coachings beschäftigt sie sich besonders mit den Zusammenhängen zwischen mentaler Erschöpfung, Gewohnheitsbildung, digitaler Reizüberflutung und Selbstwirksamkeit. Ihr aktuelles Werk, die „1-Minuten-Strategie gegen mentale Erschöpfung“, greift dabei zentrale Fragen unserer Zeit auf: Wie bleiben wir geistig klar, wenn die Welt um uns herum lauter, schneller und unübersichtlicher wird? Und wie können wir Veränderung so gestalten, dass sie nicht an Überforderung scheitert?
Nussbaum steht für einen Ansatz, der nicht auf radikale Umbrüche setzt, sondern auf kleine, neurologisch wirksame Interventionen. Damit trifft sie den Nerv einer Gesellschaft, die immer häufiger mit Stress, Brain Fog und der Suche nach echter innerer Stabilität ringt.
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Ihre „1-Minuten-Strategie“ klingt nach einer erfrischend pragmatischen Antwort auf die Überforderung des Alltags. Aber wann ist eine Minute schlicht zu kurz – und wo verläuft die Grenze zwischen Selbstcoaching und therapeutischer Notwendigkeit?
Die Idee des Buches ist es, in kleinen und machbaren Schritten aus einer mentalen Erschöpfung herauszufinden – oder noch besser: so vorzusorgen, dass wir gar nicht erst hineinrutschen. Es geht darum, vom Wissen endlich ins Tun zu kommen und förderliche Gewohnheiten wirklich in den Alltag zu integrieren. Gleichzeitig sollen ungünstige Verhaltensmuster behutsam gelöst werden.
Wie Sandkörner, die sich zu einem Strand verbinden, formen die Mini-Moves und Micro-Habits ein stabiles Fundament mentaler Stärke. Die Leserinnen und Leser können es als wirksames Werkzeug nutzen. Selbstcoaching anhand von Ratgeber-Tipps ist dabei nur sinnvoll, wenn die Person noch handlungsfähig ist. Es hilft, Stress besser zu verstehen, Strategien zu entwickeln und kurzfristige Ungleichgewichte im Alltag zu regulieren.
Medizinische Unterstützung oder eine Therapie wird notwendig, wenn die Erschöpfung über Wochen anhält. Auch Anzeichen wie schwindende Freude und Antrieb, zunehmende Schlaf- oder Konzentrationsstörungen oder ein Alltag, der kaum noch zu bewältigen ist, gehören dazu. Solche „Red Flags“ zeigen klar: Hier braucht es professionelle Hilfe. Ratgeber-Tipps und Selbstcoaching können in solchen Phasen begleiten und den Weg zurück zu Kraft und Lebensfreude unterstützen – sie ersetzen aber keine Behandlung.
Mein Ziel ist es, dass Menschen rechtzeitig ansetzen, idealerweise lange bevor sie in den roten Bereich geraten.
Sie schreiben viel über „mentale Erschöpfung“ und „Brain Fog“. Woran lässt sich echte mentale Erschöpfung erkennen – und wo endet sie einfach bei normaler Müdigkeit oder einem momentanen Tief?
Echte mentale Erschöpfung erkennst du daran, dass deine geistige Leistungsfähigkeit über längere Zeit deutlich eingeschränkt ist. Sie lässt sich auch durch Schlaf, Erholung oder kurze Pausen nicht wiederherstellen. Zudem entwickelt sie sich schleichend. Oft gibt es keinen eindeutigen Auslöser, sondern eine Summe vieler kleiner Krafträuber, die sich über Wochen oder Monate ansammeln. Irgendwann ist das System dauerhaft erschöpft und kann sich aus eigener Kraft nicht mehr vollständig regenerieren. Einen Schnell-Check dazu findest du unter: https://kreative-chaoten.com/selbstchecks/mentale-erschoepfung-test/
Normale Müdigkeit hat dagegen einen klaren Auslöser wie körperliche oder geistige Beanspruchung. Sie verschwindet nach ausreichender Erholung. Ein Spaziergang, ein nahrhaftes Essen oder eine Nacht mit tiefem Schlaf genügen meist, um sich wieder leistungsfähig zu fühlen. Auch momentane Tiefs sind zeitlich begrenzt und situationsbedingt, etwa durch Stress, Konflikte oder Trauer. Sobald die Ursache wegfällt oder verarbeitet ist, normalisieren sich Stimmung und Energie von selbst.
Ihr KOMPASS-Prinzip bildet das Herzstück Ihres Ansatzes. Welche der sechs Komponenten scheitert in der Praxis am häufigsten – und was verrät das über unsere Arbeits- und Lebensgewohnheiten?
Anhand des KOMPASS-Prinzips zeige ich die häufigsten Bereiche, in denen viele Menschen Energie verlieren. Das bestätigen Studien ebenso wie meine Coachingpraxis. Da jeder Mensch anders ist, sind auch die Ursachen individuell. Das Prinzip dient deshalb wie ein innerer Kompass. Es führt die Leserinnen und Leser durch verschiedene „mentale Landschaften“, damit sie erkennen, wo ihre persönlichen Krafträuber lauern und wie sie gezielt dagegensteuern können.
Forschung und Praxis zeigen sehr deutlich, dass wir aktuell am häufigsten am „O – Online-Held:in“ scheitern. Gemeint ist der digitale Selbstschutz. Permanente Erreichbarkeit und der ständige Strom an Nachrichten überfordern unser mentales System massiv. Neurologisch wissen wir: Das Gehirn braucht Pausen von der Reizverarbeitung, um Informationen zu sortieren und emotionale Stabilität zu sichern. Doch genau dieses Abschalten – technisch und geistig – fällt vielen Menschen schwer. Sie haben nie gelernt, digitale Grenzen zu setzen. Viele trauen sich nicht, offline zu gehen, weil sie Angst haben, etwas zu verpassen oder als unengagiert zu gelten. Andere sind bereits in ein Suchtverhalten gerutscht, das zu einem reflexhaften Griff zum Smartphone führt.
Dieses Verhalten spiegelt unsere Zeit perfekt. Wir leben in einer Welt, in der wir immer auf Empfang sind, aber kaum noch wirklich präsent. Man kann körperlich im Raum sein, aber gedanklich meilenweit weg – und das non-stop.
Einige Ihrer Methoden wirken intuitiv schlüssig, andere berufen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Für welche 1-Minuten-Strategien gibt es tatsächlich belastbare Studien – und wo setzen Sie bewusst auf Erfahrung und Menschenkenntnis statt auf Evidenz?
Ich arbeite sehr bewusst an der Schnittstelle von Wissenschaft und Alltagstauglichkeit. Meine Strategien beruhen auf Erkenntnissen aus Neurobiologie, Neuropsychologie, kognitiven Neurowissenschaften, Verhaltens-, Resilienz- und Stressforschung. Es geht also um fundiertes Wissen darüber, wie Gehirn, Körper und Verhalten zusammenwirken, auch wenn nicht jede einzelne 1-Minuten-Übung in einer eigenen Studie getestet wurde. Mein Ziel ist es, wissenschaftlich belegte Mechanismen in alltagstaugliche und leicht umsetzbare Handlungen zu übersetzen.
Untersuchungen der Stanford University und der University of Wisconsin zeigen beispielsweise, dass bewusste Atmung und fokussiertes Wahrnehmen der Sinne messbare Effekte auf Herzfrequenz, Cortisolspiegel und kognitive Klarheit haben können. Mehrere Metaanalysen bestätigen, dass solche Mikro-Übungen kein esoterisches Konzept sind. Sie regulieren das Nervensystem in Echtzeit und bauen Stress ab. Zahlreiche Mini-Moves aus dem Buch zahlen genau auf diese Effekte ein.
Eine meiner Lieblings-Interventionen ist im Labor getestet. Eine gemeinsame Studie der Universitäten Würzburg und Nottingham Trent zeigte, dass Menschen 26 Prozent produktiver arbeiteten, wenn ihr Smartphone nicht sichtbar im Raum lag. Schon die bloße Anwesenheit des Geräts reduzierte die Konzentrationsfähigkeit. Ein Teil unseres Gehirns „wartet“ ständig auf Signale oder diskutiert innerlich, nicht zum Smartphone zu greifen. Der Tipp lautet deshalb: Das Smartphone außer Sichtweite räumen.
Viele Leserinnen und Leser wünschen sich zudem „neue“ Tipps. Am liebsten etwas, das sie noch nie gehört haben. Beim Schreiben wollte ich beides vereinen: erprobte Strategien, bei denen man denkt „Stimmt, das weiß ich eigentlich – aber jetzt mache ich es endlich!“, und unerwartete Ansätze, die überraschen. Sie sind wissenschaftlich fundiert, alltagsnah und manchmal unkonventionell. Die 1-Minute-Strategie „Kopf-Kotzen“ ist ein gutes Beispiel. Sie stammt aus meiner über 20-jährigen Coachingpraxis. Neurowissenschaftlich heißt sie ganz anders, aber der Name motiviert viele, sie wirklich auszuprobieren.
„Mein Ziel ist es, wissenschaftlich belegte Mechanismen so zu übersetzen, dass sie im Alltag sofort wirksam werden – ohne esoterische Hürden und ohne komplizierte Routinen.“
Manches ist einfach quergedacht. Viele Menschen denken bei „ausreichend Flüssigkeit zuführen“ nur ans Trinken und schleppen stolz ihre Thermo-Mugs mit sich herum. Großartig! Doch es gibt auch andere Wege, den Wasserspeicher zu füllen, die weniger naheliegend sind und auf die ich im Buch stolz bin. (lacht)
Kurzum: Mir und meinem Verlag war beim Schreiben wichtig, dass das Buch leicht verdaulich bleibt – ein „Tu-etwas-Stups“, kein wissenschaftliches Lehrbuch. Wir haben über Monate gekürzt, vereinfacht und verdichtet, ohne die Substanz zu verlieren. Der wissenschaftliche Hintergrund steckt zwischen den
Zeilen. Wer tiefer eintauchen möchte, dem empfehle ich meinen SPIEGEL-Bestseller „Kopf voll, Hirn leer“. Dort finden sich viele wissenschaftliche Hintergründe und neuropsychologische Erklärungen im Detail.
Selbstfürsorge gilt inzwischen fast als Pflichtprogramm. Wie lässt sich echte Selbstfürsorge leben, ohne in den Sog des Selbstoptimierungswahns zu geraten?
Da sprechen Sie mir aus der Seele. Es geht nicht darum, uns noch mehr Pflichten oder To-dos aufzubürden oder zu glauben, wir müssten uns ständig optimieren. Eines meiner früheren Bücher bringt es auf den Punkt: Sage „LMAA!“ zu all den Dingen, die man heutzutage tun muss.
Auch in der 1-Minuten-Strategie sage ich klar: Wir müssen akzeptieren, dass wir mentale Talfahrten erleben. Es ist völlig normal, nach leistungsstarken Phasen Rückzug und Stille zu brauchen. Die einen mehr, die anderen weniger. Es geht also nicht darum, uns ständig zu optimieren, um jederzeit Bäume ausreißen zu können oder dauerhaft stark und fokussiert zu sein.
Es geht vielmehr darum, sich selbst zu lieben und sich den eigenen Wert bewusst zu machen. Wir brauchen mehr Selbstfreundlichkeit und weniger Selbstkontrolle. Oder anders gesagt: Selbstfürsorge ist kein Projekt, das man erledigt, sondern eine Beziehung, die man zu sich selbst pflegt.
Die 1-Minuten-Strategie gegen mentale Erschöpfung – Wie du mit Mini-Hacks Energie, Fokus und innere Balance zurückgewinnst*
Cordula Nussbaum zeigt in ihrem neuen Buch „Die 1-Minuten-Strategie gegen mentale Erschöpfung“ klar und zugleich alltagsnah, wie kleine, gezielt eingesetzte Mini-Moves das mentale Gleichgewicht spürbar stärken können. Sie erläutert, welche Faktoren im Umfeld zu Erschöpfung, Brain Fog und Konzentrationsverlust führen, wie man frühe Warnsignale erkennt und mit welchen kurzen Interventionen sich das Nervensystem effektiv stabilisieren lässt. Statt abstrakter Theorie liefert sie konkrete, leicht umsetzbare Schritte, mit denen du Energie, Fokus und innere Ruhe wiederherstellst – von einfachen Sinnesübungen bis zu praxiserprobten Methoden der Selbstführung. Ein kompakter Leitfaden für alle, die mentale Stärke nicht dem Zufall überlassen möchten und spürbare Veränderungen ohne langen Zeitaufwand suchen.
Der Begriff „Mental Load“ ist allgegenwärtig – besonders für Frauen. Welche drei ganz konkreten Schritte helfen nachweislich, den Kopf zu entlasten, statt nur symbolisch Aufgaben abzugeben?
Das eigentliche Problem vieler Menschen ist nicht die Menge an Aufgaben, sondern die ständige mentale Verantwortung dafür, dass nichts vergessen wird und auch alle „unsichtbaren“ Aufgaben erledigt werden. Um den Kopf wirklich zu entlasten, braucht es deshalb mehr als bloßes Delegieren. Drei Schritte sind entscheidend:
Erstens: Radikales Sichtbarmachen. Schreib alles auf, was du gedanklich jonglierst. Erst wenn Mental Load sichtbar wird, kann er pragmatisch angegangen werden. Studien zeigen zudem, dass allein das Externalisieren von Aufgaben Stress reduziert, weil das Gehirn sofort kognitive Entlastung spürt.
Zweitens: Verantwortung wirklich teilen – nicht nur Aufgaben. Viele geben To-dos ab, behalten aber die Kontrolle nach dem Motto: „Hat er das auch richtig gemacht?“ Echte Entlastung entsteht erst, wenn Verantwortung und Konsequenzen mit abgegeben werden.
Drittens: Loslassen lernen. Lerne auszuhalten, dass nicht alles perfekt erledigt wird und dass andere Menschen Aufgaben auf ihre Weise lösen. Gestehe ihnen zu, dass ihre Ergebnisse anders aussehen dürfen als deine. Es muss nicht „wie du“ sein, es muss einfach fertig und gut genug sein. Genau hier entsteht echte Freiheit im Kopf.
Viele Menschen scheitern daran, Nein zu sagen, obwohl sie wissen, dass sie sich überfordern. Wie trainiert man, Grenzen zu setzen, ohne sich dabei schuldig zu fühlen oder in Erschöpfung zu geraten?
Das schlechte Gewissen beim Nein-Sagen ist kein Zufall, sondern gelernt. Viele von uns wurden früh darauf konditioniert, Erwartungen zu erfüllen, Konflikte zu vermeiden und Anerkennung über Leistung zu bekommen. „Mach’s allen recht“ ist tief in unser Belohnungssystem eingebrannt. Neurobiologisch erzeugt Zustimmung kurzzeitig Wohlgefühl. Ein Nein löst dagegen zunächst Stress aus, weil das Gehirn Ablehnung oder soziale Unsicherheit befürchtet.
Der Schlüssel liegt daher nicht im „besseren Nein“, sondern im veränderten Selbstbild. Du bist kein schlechter Mensch, wenn du Grenzen setzt. Du bist ein Mensch, der seine Kräfte klug einteilt.
In der Praxis hilft es, kleine Neins in einem sicheren Rahmen zu trainieren. Sag bei Kleinigkeiten bewusst Nein und spüre, dass nichts Schlimmes passiert. So lernt das Gehirn: Ich darf Grenzen setzen und werde trotzdem gemocht. Hilfreich ist auch, das Nein innerlich positiv zu formulieren. Nicht „Ich kann nicht“, sondern „Ich wähle gerade anderes“. Das vermittelt Selbstwirksamkeit statt Schuld.
Sie sprechen vom Belohnungssystem als zentralem Hebel gegen Erschöpfung. Wie kann man seine eigenen, echten „Belohnknöpfe“ erkennen – und wie ersetzt man kurzfristige Dopamin-Kicks durch nachhaltige Motivation?
Unser körpereigenes Belohnungssystem ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Glücksbotenstoffen wie Serotonin und Oxytocin sowie dem „Tu-es-nochmal!“-Stoff Dopamin. Es steuert, welche Dinge wir immer wieder tun – selbst dann, wenn sie uns in die Erschöpfung treiben. Schnelle Belohnungen wie das Ping einer Nachricht, ein Like auf den eigenen Post oder der Griff zum Snack pushen uns zu reizgetriebenem Verhalten. Was dabei oft fehlt, ist ein echtes Sättigungsgefühl für Körper und Geist.
Um die eigenen Belohnknöpfe zu erkennen, lohnt sich Beobachtung. Frag dich: Wann fühlst du dich wirklich genährt und nicht nur stimuliert? Nach welcher Aktivität bist du ruhiger, klarer und zufriedener, statt nur kurzfristig aufgedreht? Was erfüllt dich über längere Zeit und lullt dich nicht mit kurzen Dopamin-Kicks ein?
Wer regelmäßig reflektiert, welche Tätigkeiten Energie geben, erkennt schnell, welche Erfahrungen nachhaltig wirken. Sie erzeugen ein Gefühl von Sinn, Zugehörigkeit oder Wachstum. Das können Fortschritte in kreativen Projekten sein, wertschätzendes Feedback, Bewegung oder etwas Neues Lernen. Ideal sind Aktivitäten, die zu deinen Werten passen, weil dein Gehirn Bedeutung lernt, nicht nur Reiz und Reaktion. Anstrengung ist dabei kein Gegner. Erlebte Selbstwirksamkeit – also das Gefühl, etwas durch eigenes Tun zu schaffen – verankert Motivation tiefer als reine Konsumreize.
Digitale Reizüberflutung ist eines der großen Themen unserer Zeit. Welche Ihrer 1-Minuten-Techniken hilft nachweislich dabei, das Doomscrolling zu stoppen – und wieder Herr über das eigene Handy zu werden?
Viele Menschen wissen nicht, dass die Betreiber von Social-Media-Plattformen genau verstehen, wie unser Belohnungssystem funktioniert. Sie nutzen dieses Wissen gezielt, um uns so lange wie möglich im Feed zu halten. Wir bekommen Inhalte angezeigt, von denen die Plattform weiß, dass wir sie sehen wollen. Es ist wie eine ständige Karotte vor der Nase, die uns immer tiefer in den Strom aus endlosen Postings zieht.
Beim Doomscrolling wird das besonders deutlich. Wir scrollen durch negative Schlagzeilen, Katastrophenmeldungen oder empörende Posts und stecken in einer Bubble aus Untergangsszenarien fest. Oft treibt uns die Hoffnung an, endlich etwas Positives zu finden. Doch das passiert selten – aber gerade oft genug, um uns in der Schleife zu halten. Neurobiologisch ist das eine klassische Intervallverstärkung. Das gleiche Prinzip nutzen auch Glücksspielautomaten, um Nutzer bei der Stange zu halten.
In Coachings, Seminaren und Lesungen erlebe ich oft, wie schnell Menschen aus dieser Spirale aussteigen, sobald sie verstehen, dass sie gezielt manipuliert werden. Allein diese Erkenntnis reicht häufig, um den inneren Schalter umzulegen.
Mein Tipp: Weck den Trotzkopf in dir und lass dich nicht manipulieren. Mach es bewusst anders. Lege das Handy weg, sobald du merkst, dass du gezogen wirst. Sag innerlich: „Schön versucht, Algorithmus – aber heute nicht!“ Manchmal reicht genau dieser kleine Akt des Widerstands, um die Kontrolle zurückzugewinnen. Und wenn nicht, helfen weitere Mini-Moves aus meinem Buch. Sie bringen dich Stück für Stück zurück auf Empfang für das echte Leben. (lacht)
Achtsamkeit gilt als Allheilmittel, doch viele scheitern an der Umsetzung. Welche Minimal-Routine empfehlen Sie, wenn der Tag chaotisch ist und keine Zeit für klassische Meditation bleibt?
Ja, Achtsamkeit ist gerade in aller Munde, und wir müssen aufpassen, sie nicht zum Heiligen Gral zu stilisieren. Um von ihrer Wirkung zu profitieren, sollten wir uns zunächst klar machen, was Achtsamkeit bedeutet: absichtliche Aufmerksamkeit – also die bewusste Lenkung des eigenen Fokus auf das, was gerade ist.
Wir Menschen haben dabei eine große Fähigkeit. Wir reagieren nicht nur reizgetrieben („Bottom-up“), sondern können unsere Gedanken auch gezielt steuern („Top-down“). Die gute Nachricht: Dafür brauchen wir keine klassische Meditation. Wir dürfen trainieren, unsere Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu richten. Dazu gehört, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Das gelingt, wenn wir eine offene Haltung einnehmen – mit Akzeptanz und Neugier gegenüber dem eigenen Erleben.
Im Alltag heißt das: weniger Autopilot, mehr Bewusstsein. Schon ein kurzer Moment echter Präsenz kann unser Nervensystem regulieren. Wenn du also keine Zeit für Meditation hast, ist das kein Problem. Spür beim Zähneputzen das Wasser auf der Haut, riech den Kaffee bewusst oder geh die ersten Schritte eines Weges in Stille – ohne Handy und ohne Ablenkung.
Wichtig ist nicht die Dauer, sondern die Qualität der Aufmerksamkeit. Eine Minute wacher Präsenz wirkt oft mehr als zehn Minuten mühevolles Meditieren mit einer To-do-Liste im Kopf. Betrachte Achtsamkeit deshalb nicht als weiteres To-do, sondern als einen Weg, deine To-dos anders zu erleben.
Sie arbeiten mit vielen neuropsychologischen Bildern – vom „Belohnungssystem“ bis zur „Reizüberflutung“. Wo endet für Sie die Metapher, und wo beginnt echte Neuropsychologie?
Das ist eine spannende Frage, denn viele Begriffe, die heute alltagssprachlich wirken, beschreiben tatsächlich existierende neuronale Schaltkreise. Ihre Funktion und Struktur sind durch moderne Bildgebung und Hirnforschung gut belegt.
Das „Belohnungssystem“ ist zum Beispiel keine Metapher, sondern ein klar definierter neurobiologischer Begriff. Es beschreibt ein Netzwerk aus Hirnarealen, die steuern, wie wir Belohnungen wahrnehmen, erwarten und verarbeiten. Dieses System beeinflusst unser Verhalten, unser Lernen und unsere Motivation ganz unmittelbar. Hauptbeteiligter Botenstoff ist Dopamin. Es wird sowohl bei tatsächlichen Belohnungen als auch schon bei deren Erwartung ausgeschüttet.
Anders sieht es beim Begriff „Reizüberflutung“ aus. Fachlich spricht man von „sensorischer Überlastung“ oder „sensorischer Überstimulation“. Diese Begriffe empfand ich beim Schreiben jedoch als zu technisch und abstrakt. Das Buch soll für Menschen ohne Neuro-Vorkenntnisse angenehm zu lesen sein. Deshalb habe ich nach Begriffen gesucht, die korrekt sind, aber leicht verständlich bleiben.
„Metaphern sind für mich nur dann sinnvoll, wenn sie komplexe Gehirnprozesse verständlich machen – und nicht dort, wo sie Mythen erzeugen.“
Der Ausdruck „mentaler Schreibtisch“ ist hingegen eine Metapher und kein wissenschaftlicher Fachbegriff. Er soll abstrakte Prozesse des Sortierens, Organisierens und Speicherns von Gedanken und Aufgaben anschaulich machen – ähnlich wie ein physischer Schreibtisch als Arbeitsplatz für Unterlagen dient.
Für mich sind Metaphern kraftvolle Hilfsmittel, um komplexe Vorgänge im Gehirn verständlich zu machen. Sie enden dort, wo sie die Realität verzerren oder individuelle Unterschiede ignorieren. Dann schaffen sie Mythen. Ein klassisches Beispiel ist die Vorstellung, Menschen seien „links- oder rechtshemisphärisch“ dominant. Diese Annahme ist wissenschaftlich nicht mehr haltbar und erzeugt falsche Schubladen.
Echte Neuropsychologie beginnt, wenn wir neuronale Mechanismen und Hirnfunktionen präzise messen, beschreiben und empirisch belegen können. An dieser Grenze wird aus der nützlichen Metapher eine evidenzbasierte Wissenschaft. Sie ermöglicht tiefere Einsichten in Gehirn und Verhalten und hilft uns, Mythen von Fakten zu unterscheiden.
Sie bezeichnen sich selbst als „kreative Chaotin“. Wie gelingt es Ihnen, Ihre Ideenfülle in Fokus zu verwandeln, ohne Ihre Kreativität zu beschneiden?
Als kreative Chaotin liebe ich es, neue Dinge zu entwickeln, Zusammenhänge herzustellen und aus Bestehendem etwas Neues zu kreieren. Genauso liebe ich die Arbeit mit Menschen. Ich möchte sie fördern, inspirieren und enablen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Kreativ-chaotische Persönlichkeiten sind Out-of-the-Box-Denker, Polypotentials und vielseitig interessierte, empathische Menschen. Viele beißen sich an klassischen Zeitmanagement-Tipps die Zähne aus. Für sie habe ich vor rund 20 Jahren einen anderen Ansatz entwickelt.
Mein neues Buch „Die 1-Minuten-Strategie gegen mentale Erschöpfung“ zeigt gut, wie ich Fokus und Kreativität unter einen Hut bringe. Einerseits konnte ich meine Kreativität voll ausleben, weil ich alltagstaugliche Impulse entwickelt habe, die es so – soweit ich weiß – noch nirgends gibt. Ein Beispiel ist die Idee, sich selbst zum CHO, zum Chief Happiness Officer, zu ernennen. Diese Rolle gibt es in Unternehmen, aber im Kontext von Selbstfürsorge habe ich sie bisher noch nicht gesehen. Genau solche Neuerfindungen bereiten mir Freude.
Andererseits war das Buch eine wunderbare Gelegenheit, gemeinsam mit meinem Verlag ein neues Buchkonzept zu entwickeln. Ein Jahr lang haben wir an Optik, Aufbau, Design, Bildsprache, Farben und Elementen getüftelt. Das Buch ist der hoffentlich erfolgreiche Auftakt einer neuen Reihe zu 1-Minuten-Strategien.
Mein Fokus entsteht aus einem klaren inneren Bild – und aus fixen Deadlines (lacht). Ich weiß, wohin die Reise jedes Projekts gehen soll und bis wann ich vorzeigbare Ergebnisse brauche. Meine Kreativität darf ich auf jedem Schritt dorthin ausleben.
Digital Detox ist ein beliebter Trend, oft aber schwer durchzuhalten. Welche konkreten Mikro-Schritte oder Tools empfehlen Sie, um digitale Reizüberflutung realistisch zu reduzieren – und welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach eher symbolischer Natur?
Ich sehe das Thema „Digital Detox“ mit Realismus. Viele Ansätze scheitern, weil sie das Problem zu radikal angehen. 21 Tage komplett offline zu sein oder das Handy wegzusperren klingt verlockend, ist aber für die meisten Menschen nicht alltagstauglich. Wir leben in einer digitalen Welt. Es geht also nicht darum, sie zu meiden, sondern sie bewusst zu gestalten.
Extreme funktionieren zudem selten nachhaltig. Unser Gehirn liebt Gewohnheiten und Belohnungsschleifen. Wenn wir einfach „Detox“ machen, ohne die dahinterliegenden Reiz-Reaktionsmuster zu verändern, rutschen wir danach meist schneller in alte Gewohnheiten zurück. Ein radikaler Digital-Detox-Urlaub ohne Smartphone oder Laptop kann erholsam sein, doch viele bringen den Verzicht nicht in ihren Alltag. Danach machen sie genau dort weiter, wo sie aufgehört haben.
Echte digitale Balance entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch Bewusstheit. Ich entscheide, wann und wofür ich online bin, und wann ich lieber in der analogen Welt unterwegs bin.
„Echte digitale Balance entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch Bewusstheit.“
Symbolisch bleiben alle Maßnahmen, die nur das Symptom adressieren und nicht das Verhalten. Manchmal wird es fast ironisch. Menschen posten stolz ihre „Digital-Detox-Challenge“, um zu zeigen, dass sie offline sind, und checken dann alle fünf Minuten die Likes. Auch Selfies vom „Offline-Sein“ oder das groß angekündigte Detox-Wochenende, nach dem alles weiterläuft wie zuvor, erzeugen höchstens das Gefühl von Kontrolle. Echte mentale Entlastung entsteht so nicht.
Solche symbolischen Handlungen sind nicht nutzlos. Sie können ein erster Schritt sein und als Weckruf dienen. Entscheidend ist jedoch, ob sie zu echter Reflexion und nachhaltiger Veränderung führen. Ohne diesen Schritt bleibt es bei einer gut gemeinten Geste.
Eine einfache und wirksame Maßnahme ist das Reduzieren von Benachrichtigungen. Schalte Push-Mitteilungen konsequent ab, vor allem von Apps, die ständig deine Aufmerksamkeit kapern. Viele Smartphones bieten „Nicht-stören“- oder Fokus-Modi. Nutze sie bewusst.
Ihre Strategien versprechen schnelle Wirkung. Wie stellen Sie sicher, dass 1-Minuten-Hacks langfristige Veränderungsprozesse nicht nur vertagen, sondern wirklich anstoßen?
Die Idee hinter der 1-Minuten-Strategie ist nicht, Probleme im Schnellverfahren zu lösen, sondern Veränderung überhaupt erst möglich zu machen. Bei manchen Mini-Moves ist eine sofortige Wirkung spürbar, weil sie auf Körper- und Hirnebene Prozesse aktivieren. Wenn du dich zum Beispiel für wenige Sekunden ganz auf eine Sinneswahrnehmung konzentrierst – etwa den Geruch des Kaffees oder die Sonnenwärme auf deiner Haut –, verlagert sich die Aktivität im Gehirn vom Grübelmodus zu sensorischen Arealen. Der Monkey Mind stoppt, und du fühlst dich präsent.
Wichtig ist: Ich verspreche keine Wunder in 60 Sekunden, das wäre unseriös. Was ich aber mit gutem Gewissen sagen kann – und was wissenschaftlich gut belegt ist – lautet: Wir können in kleinen Schritten beginnen, unser System zu verändern. Viele Menschen scheitern nicht am Wissen, sondern an der Hürde, ins Tun zu kommen. Unser Gehirn wehrt sich gegen zu große Schritte. Kurze, machbare Impulse umgehen diesen Widerstand, aktivieren das Belohnungssystem und legen damit den Grundstein für nachhaltige Veränderung.
In der Psychologie spricht man von Mikro-Interventionen: kleine, regelmäßig wiederholte Handlungen, die neuronale Bahnen stärken und langfristig Verhalten verändern. Wenn jemand jeden Tag nur eine Minute bewusst atmet, kurz innehält oder sich selbst etwas Gutes sagt, passiert etwas – auf körperlicher, emotionaler und neuronaler Ebene. Die 1-Minuten-Hacks sind also nicht das Vertagen von Veränderung. Sie sind die Veränderung.
Wenn jemand heute mit Ihrer Methode startet: Welche Indikatoren oder Kennzahlen empfehlen Sie, um nach vier, acht und zwölf Wochen echte Fortschritte zu messen – statt sich nur auf das subjektive Gefühl zu verlassen?
Mentale Erschöpfung ist ein komplexes Phänomen, das sich durch eine Kombination aus physiologischen, psychologischen und verhaltensbezogenen Faktoren messen lässt.
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) zeigt, wie flexibel unser Nervensystem auf Stress reagiert. Viele Wearables – Smartwatches oder Fitness-Tracker – erfassen sie im Alltag recht zuverlässig. Für präzise Diagnosen oder Langzeitmessungen empfiehlt sich jedoch eine ärztliche Untersuchung mittels EKG. Auch der Cortisolspiegel, also das zentrale Stresshormon, kann Aufschluss geben. Solche Tests gehören aber in ärztliche Hände. Speicheltests für zu Hause sind möglich, haben jedoch begrenzte Aussagekraft. Kognitive Leistungstests – etwa zur Aufmerksamkeit oder Reaktionsgeschwindigkeit – werden meist in psychologischen Einrichtungen durchgeführt. Online-Tests können erste Hinweise geben, ersetzen aber keine professionelle Einschätzung. Auch die Schlafqualität lässt sich über Wearables grob erfassen. Bei anhaltenden Problemen ist ein Schlaflabor der richtige Ort.
Mit diesen physiologischen Kennzahlen kann man sich im Laufe der Zeit ein Bild machen. Wichtig ist jedoch, dass mentale Erschöpfung – oder mentale Stärke – kein lineares Messobjekt ist. Schon im Verlauf eines Tages schwanken Konzentration, Energie und die Fähigkeit, für sich selbst einzustehen. Auch in einer Woche verändern sich Schlafqualität, Erholungsfähigkeit und Stimmung. Zahlen können deshalb schnell mehr Druck erzeugen, als dass sie helfen.
„Die wichtigste Kennzahl ist nicht digital messbar – sie heißt Selbstwirksamkeit.“
Ich arbeite bewusst nicht mit harten Kennzahlen wie „30 Prozent mehr Fokus“ oder „Stresslevel minus 40 Prozent“. Der wichtigste Indikator ist für mich die subjektive Selbstwirksamkeit. Sie beschreibt das Gefühl, das eigene Denken, Handeln und Wohlbefinden wieder aktiv beeinflussen zu können. Wenn jemand nach vier Wochen sagt: „Ich merke, dass ich bewusster atme, Pausen zulasse oder mich schneller erhole“, ist das ein echter Fortschritt – auch wenn keine App ihn erfasst.
Nach acht bis zwölf Wochen zeigen sich oft stabilere Routinen: weniger Grübeln, schnellere Regeneration nach Stress, klarere Prioritäten und eine ruhigere innere Stimme. Auch Rückmeldungen aus dem Umfeld wie „Du wirkst entspannter!“ sind wertvolle Indikatoren.
Im Internet kursieren zahlreiche Selbsttests zu Stress oder Erschöpfung. Viele davon sind jedoch nicht wissenschaftlich validiert und messen oft nicht, was sie versprechen. Verlässlicher ist daher die eigene Beobachtung: Wie oft mache ich Pause? Wie bewusst setze ich Grenzen? Wie klar war mein Kopf heute? Ein kurzes 1-Minuten-Stimmungsprotokoll – morgens oder abends drei ehrliche Antworten – zeigt oft besser als jede Zahl, ob sich etwas verändert.
Und bitte nie vergessen: Fortschritt verläuft nicht linear. Es wird Tage geben, an denen alte Muster wieder stärker werden. Das ist normal. Entscheidend ist, regelmäßig und liebevoll zu reflektieren, was sich auf körperlicher, emotionaler und kognitiver Ebene verändert hat. So entsteht eine stabile Selbstwahrnehmung – und genau sie ist die Basis für echte, nachhaltige Veränderung.
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Was bleibt – und was wir aus diesem Gespräch wirklich mitnehmen sollten
Nach fünfzehn Fragen, die bewusst jenseits der üblichen Ratgeberrhetorik gestellt wurden, wird deutlich: Mentale Erschöpfung ist kein diffuser Zustand, sondern ein fein verwobenes Zusammenspiel aus Biologie, Verhalten, Gewohnheiten und strukturellen Einflüssen. Wer versucht, sie durch reine Willenskraft oder kosmetische Entlastungsrituale zu überwinden, verkennt ihre Mechanik. Ebenso klar zeigt sich aber auch: Veränderung beginnt nicht mit radikalen Maßnahmen, sondern in präzisen, gut platzierten Mikro-Interventionen, die unser System überhaupt erst in die Lage versetzen, Neues zu verarbeiten.
Besonders bemerkenswert erscheint mir die Schnittstelle zwischen Selbstbild, Belohnungssystem und digitaler Selbstregulation. Hier entscheidet sich, ob wir uns selbst steuern – oder gesteuert werden. Die Einsicht, dass eine Minute bewusster Präsenz neurologisch mehr bewirken kann als zehn Minuten gezwungener Meditation, verschiebt die Perspektive von Pflichtprogrammen hin zu echter Selbstführung. Ebenso entlarven die Aussagen über symbolische Digital-Detox-Routinen die Illusion vieler Menschen, sie würden „kontrollieren“, während sie in Wahrheit noch tiefer in algorithmische Verstärkerschleifen geraten.
Auch der Blick auf Selbstwirksamkeit als wichtigste Kennzahl statt auf vermeintlich objektive Stressmarker ist zentral: Wearables können Tendenzen anzeigen, aber sie messen nie, ob wir unser Leben wieder selbst gestalten. Fortschritt ist nicht linear, und er zeigt sich selten in Prozentzahlen – sondern in der schlichten Fähigkeit, innezuhalten, Grenzen zu setzen und mentale Energie gezielt zu lenken.
Dieses Interview liefert damit keinen Zauberschlüssel, aber einen ehrlichen Kompass. Es verankert das, was wirkliche Veränderung ausmacht: Klarheit, Selbstbeobachtung, minimale Schritte mit maximaler Wirkung – und die Bereitschaft, das eigene Verhalten neu zu denken. Genau an dieser Stelle beginnt echte mentale Stärke.
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