Fünf Bücher, ein roter Faden – und eine Frage, die sich durch jede einzelne Empfehlung zieht wie ein Riss durch die Fassade der Berliner Republik: Wer kontrolliert eigentlich diejenigen, die uns kontrollieren? Wer prüft die Prüfer, wer hinterfragt die Hinterfrager, wer beleuchtet die Institutionen, die sich selbst so gerne im besten Licht präsentieren?
Die Buchtipps von Frank Schäffler sind kein Wohlfühlprogramm. Sie sind eine Bestandsaufnahme dessen, was in Deutschland zu selten offen ausgesprochen wird: dass politische Macht, mediale Deutungshoheit und steuerfinanzierte Netzwerke sich gegenseitig stützen – und dass die Mechanismen, die eigentlich für Transparenz und Rechenschaft sorgen sollten, an vielen Stellen versagen. Von der mangelhaften Aufarbeitung der SED-Diktatur über die Transformation der DDR-Wirtschaft bis hin zur ideologischen Schieflage im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der wachsenden Einflussnahme steuerfinanzierter NGOs: Schäfflers Auswahl zeichnet das Bild eines Landes, in dem institutionelle Selbstkritik zur Mangelware geworden ist.
Dabei ist das Bemerkenswerte an dieser Auswahl nicht die politische Richtung – obgleich Schäfflers ordnungspolitischer Kompass unverkennbar ist –, sondern der Anspruch: Jedes dieser Bücher stammt von jemandem, der selbst Teil des Systems war oder ist, über das er schreibt. Ein Gedenkstättenleiter, eine Treuhand-Präsidentin, eine ARD-Journalistin, ein Tagesschau-Redakteur, ein investigativer Autor. Das sind keine Außenstehenden, die vom Rand aus urteilen. Es sind Insider, die den Mut aufbringen, über das zu sprechen, was hinter den Kulissen passiert.
Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Ein Liberaler mit Stehvermögen
Frank Schäffler, Jahrgang 1968, gehört zu den Politikern, die man nicht so leicht in die üblichen Schubladen stecken kann – obwohl manche es versuchen. Der gelernte Industriekaufmann und Diplom-Betriebswirt saß von 2005 bis 2013 und erneut von 2017 bis 2025 im Deutschen Bundestag, stets für die FDP. Doch wer Schäffler auf seine Parteizugehörigkeit reduziert, versteht ihn falsch. Innerhalb seiner eigenen Fraktion war er nicht selten unbequemer als für manchen Koalitionspartner.
Bekannt wurde er vor allem als „Euro-Rebell” in der Schuldenkrise ab 2009, als er sich gegen die milliardenschweren Rettungsmaßnahmen für überschuldete Eurostaaten stellte – zu einer Zeit, in der die politische Klasse diese Maßnahmen gebetsmühlenartig als „alternativlos” bezeichnete. Später profilierte er sich 2023 als einer der schärfsten internen Kritiker des Heizungsgesetzes innerhalb der Ampel-Koalition. Die Süddeutsche Zeitung charakterisierte ihn einst als Anhänger eines „extremen Wirtschaftsliberalismus” – eine Einordnung, die Schäffler stets zurückwies. Er sieht sich in der Tradition klassisch-liberaler Denker wie Eugen Richter und Friedrich August von Hayek und gründete 2014 mit Prometheus – Das Freiheitsinstitut eine eigene Denkfabrik in Berlin, die sich der marktwirtschaftlichen Ordnungspolitik verschrieben hat.
Ob man seine Positionen teilt oder nicht: Schäffler ist einer der wenigen deutschen Politiker, die konsequent gegen den Strom schwimmen – und dafür auch bereit sind, den Preis zu zahlen. 2024 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Generation Debts: Schäfflers Abrechnung mit der deutschen Schuldenpolitik*
Sein aktuelles Buch Generation Debts – Die Generation, die alles bezahlen muss (Langen Müller Verlag, 2026) knüpft an genau diese Haltung an. Schäffler analysiert darin die verdeckten Schulden in Billionenhöhe, die sich in einer alternden Gesellschaft im Hintergrund auftürmen, während die Boomer-Generation in Rente geht und die Politik tatenlos zuschaut. Das Buch fragt, wie die junge Generation diesem finanziellen Armageddon entfliehen kann – und welche Rolle unter anderem Bitcoin dabei spielen könnte.
Hubertus Knabe – Die Täter sind unter uns*
Hubertus Knabe, Historiker und langjähriger Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, legt in diesem Buch eine schonungslose Bilanz des Umgangs mit der DDR-Vergangenheit vor. Er beschreibt, wie die strafrechtliche Verfolgung der SED-Täter weitgehend ausblieb, wie sich ehemalige Kader in schlagkräftigen Vereinen reorganisierten – und wie die Opfer der Diktatur bis heute unzureichend entschädigt werden. Das Buch erschien 2007 im Propyläen Verlag.
„Hubertus Knabe ist ein Kenner der SED-Diktatur. Er hat sie nie schöngeredet oder einer Ostalgie aufgesessen.”
Frank Schäffler
Birgit Breuel – Wandel, Wege, Werte*
Birgit Breuel blickt in ihren Lebenserinnerungen auf neun Jahrzehnte deutschen Wandels zurück – vom Wirtschaftswunder über die Wiedervereinigung bis hin zu den Umbrüchen der Gegenwart. Im Zentrum steht ihre Arbeit als Präsidentin der Treuhandanstalt, jener Institution, die nach dem Mauerfall die DDR-Wirtschaft in die Marktwirtschaft überführen sollte – und die bis heute wie kaum eine andere Organisation die Gemüter spaltet. Nach der Ermordung des ersten Treuhand-Präsidenten Detlev Rohwedder durch die RAF übernahm Breuel 1991 die Führung und forcierte den Privatisierungskurs unter enormem öffentlichem Druck. Das Buch ist ein Plädoyer für Freiheit, Selbstbestimmung und die Soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhardscher Prägung. Es erschien 2025 im Langen Müller Verlag.
„Birgit Breuel kennen heute nicht mehr viele. Sie war als Treuhand-Chefin aber einer der entscheidenden Köpfe der Transformation der DDR-Wirtschaft. Ihr Wirken verdient mehr Beachtung, denn sie hat etwas gemacht, was es bis dahin nicht gab. Sie hat die DDR-Wirtschaft in die Marktwirtschaft geführt.”
Frank Schäffler
Julia Ruhs – Links-grüne Meinungsmacht*
Julia Ruhs, Politikjournalistin beim Bayerischen Rundfunk und Kolumnistin bei Focus Online und der BILD, geriet selbst ins Kreuzfeuer, als sie sich in der ARD gegen das Gendern aussprach und in den Tagesthemen vor illegaler Einwanderung warnte. In ihrem Buch beschreibt sie als Insiderin, wie links-grüne Überzeugungen die Redaktionen dominieren, konservative Stimmen marginalisiert werden und sich ein Meinungskorridor verengt hat, der abweichende Positionen zunehmend sanktioniert. Das Buch erschien 2025 im Langen Müller Verlag und stand auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.
„Eine Insiderin beschreibt den links-grünen Journalismus, seine Dominanz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber nicht nur dort.”
Frank Schäffler
Björn Harms – Der NGO-Komplex*
Björn Harms, Jahrgang 1991, studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie in Dresden und Berlin. In seinem Debütwerk untersucht er das engmaschige Netz aus steuerfinanzierten Nichtregierungsorganisationen, die unter dem Deckmantel der „Zivilgesellschaft” zunehmend Einfluss auf die Regierungsarbeit nehmen. Harms fragt, welche Ministerien besonders verschwendungssüchtig sind, wie die Kreislaufwirtschaft zwischen NGOs, Politik und Medien funktioniert – und welche Vereine Millionen an Steuermitteln über Bundesprogramme erhalten. Das Buch erschien 2025 im Langen Müller Verlag und wurde zum SPIEGEL-Bestseller.
„Das Netzwerk steuerfinanzierter NGOs ist lange bekannt. Die Dimension jedoch nicht. NGOs werden vom Staat finanziert und bedienen ihn mit Gutachten, Kampagnen und Personal. So füttert man sich gegenseitig und profitiert gemeinsam.”
Frank Schäffler
Alexander Teske – Inside Tagesschau*
Alexander Teske arbeitete sechs Jahre als Redakteur bei der Tagesschau in Hamburg und plante dort die Themen der Sendungen. In seinem Buch gewährt er einen Blick hinter die Kulissen der wichtigsten Nachrichtenmarke des Landes. Er zeigt, wie Karrieristen, Machtkämpfe und politische Überzeugungen die Berichterstattung prägen, hinterfragt die Nähe zur Politik, die Rolle externer Experten und den Umgang mit der AfD. Das Buch erschien 2025 im Langen Müller Verlag und stand 20 Wochen auf der Bestsellerliste des Börsenblatts.
„Wie die öffentlich-rechtlichen Meinungen machen und warum der Rundfunkbeitrag abgeschafft werden sollte, erfährt man hier.”
Frank Schäffler
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Unbequeme Fragen in bequemen Zeiten
Wer die fünf Buchtipps von Frank Schäffler nebeneinanderlegt, erkennt schnell ein Muster: Hier spricht jemand, der seine Leseliste nicht nach Unterhaltungswert zusammenstellt, sondern nach Erkenntnisgewinn. Jedes einzelne dieser Bücher bohrt dort, wo es wehtut – in den Strukturen, die sich über Jahrzehnte verfestigt haben und die selten offen hinterfragt werden.
Hubertus Knabes Analyse der gescheiterten DDR-Aufarbeitung bildet dabei das historische Fundament. Sie zeigt, was passiert, wenn eine Gesellschaft den unbequemen Blick in den Spiegel scheut. Birgit Breuels Erinnerungen ergänzen dieses Bild um die wirtschaftliche Dimension – und um den Beweis, dass Transformation möglich ist, wenn jemand den Mut aufbringt, sie auch gegen massive Widerstände durchzusetzen. Julia Ruhs, Alexander Teske und Björn Harms wiederum richten den Blick auf die Gegenwart: auf eine Medienlandschaft, die sich in ihren eigenen Echokammern eingerichtet hat, und auf ein Netzwerk steuerfinanzierter Organisationen, das demokratische Kontrolle zunehmend untergräbt.
Man muss nicht jede Position teilen, die in diesen Büchern vertreten wird. Aber man sollte sich fragen, warum so wenige bereit sind, die Fragen zu stellen, die darin aufgeworfen werden. Denn letzten Endes geht es bei allen fünf Empfehlungen um dasselbe: um die Frage, ob wir in einer Demokratie leben, in der Institutionen dem Bürger dienen – oder ob sich diese Institutionen längst verselbständigt haben.
„Die Freiheit stirbt nicht durch einen Schlag. Sie stirbt durch tausend kleine Zugeständnisse.” Dieser Satz, der sinngemäß Hayek zugeschrieben wird, könnte über Schäfflers gesamter Leseliste stehen. Denn genau davor warnt jedes einzelne dieser Bücher: vor dem schleichenden Verlust an Transparenz, Rechenschaft und Meinungsfreiheit – und vor der stillen Akzeptanz, dass es ohnehin nicht mehr anders geht.
Ob es anders geht, liegt schlichtweg an uns. Und vielleicht beginnt es damit, ein Buch aufzuschlagen, das nicht das eigene Weltbild bestätigt – sondern es auf die Probe stellt.
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