Stephan Rakoon, der unter dem Pseudonym Kian Sobek schreibt, ist ein ehemaliger IT-Berater, dessen Debüt Das Gesetz der Materie die Einkommensteuer komplett abschaffen und durch eine sechzigprozentige Steuer auf Waren ersetzen will, finanziert über einen Roboter, den jeder Bürger als Grundkapital erhält. Im Gespräch geht es um die Rechnung dahinter, ihre Bruchstellen und die Frage, warum ausgerechnet ein Unternehmer das radikalste Umverteilungsmodell seit Jahrzehnten vorlegt. / anzeige
Friedrich Merz versprach 2003 eine Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt. Drei Sätze, keine Ausnahmen. Zwei Jahrzehnte später ist der Mann Bundeskanzler, und der Bierdeckel liegt noch in der Schublade. Rakoon schreibt genau in diese Lücke, nur zieht er die Idee der radikalen Vereinfachung so weit, dass am Ende kein Steuerformular mehr übrig bleibt, schlichtweg weil es keine Einkommensteuer mehr gibt. Wer das für eine Provokation hält, hat das Buch nicht gelesen. Wer es für reine Provokation hält, allerdings ebenso wenig.
Ich lese und bespreche Sachbücher zur Wirtschaftspolitik seit Jahren, in meinen Kolumnen für Cash, DAS INVESTMENT und die Deutsche Wirtschaft ebenso wie hier auf Book of Finance. Knapp tausend habe ich gelesen, über sechshundert besprochen. Die meisten Reformbücher scheitern an einer von zwei Krankheiten. Sie behaupten mehr, als sie belegen, oder sie belegen so vorsichtig, dass am Ende keine These übrig bleibt. Das Gesetz der Materie hat keine der beiden. Es rechnet. Über zweihundert Seiten, mit einem Anhang voller Modellrechnungen, die durchgerechneter sind als die meisten Wahlprogramme der letzten zehn Jahre.
Wichtiger noch, das Buch nimmt sich selbst nicht zu wichtig. Rakoon hält die Vollumsetzung seines Modells ausdrücklich für unwahrscheinlich und versteht es als Notfallkoffer für den Tag, an dem das alte System bricht. Ernst gemeint ist etwas anderes, wie er es formuliert:
„Ernst gemeint sind die Diagnose, das Prinzip Materie statt Arbeit, und die Mathematik in ihrer Größenordnung — nicht in den zwei Stellen hinter dem Komma.“
Stephan Rakoon
Genau daran hangelt sich dieses Gespräch entlang. Weniger an der Frage, ob das Modell im Detail funktioniert, das tut es an mehreren Stellen erkennbar nicht, mehr an der Diagnose und an dem, was passiert, wenn ein Unternehmer die Umverteilungslogik konsequent zu Ende rechnet, statt sie auf halbem Weg abzufedern. Das Ergebnis ist unbequem, für die Linke ebenso wie für mich. Rakoons intellektuelle Ahnen stehen nicht bei den Österreichern. Sie heißen Henry George, der den Boden besteuern wollte, und Thomas Piketty, der zeigt, wie Vermögen ohne Korrektur explodiert, dazu Louis Kelso, der amerikanische Theoretiker des Volkskapitals. „Dieses Buch folgt Kelso. Nicht Marx“, schreibt er, und das ist keine Koketterie.

Dreißig Jahre Bilanzen, ein Pseudonym und die stille Mathematik der Automatisierung
Rakoon hat VWL in Konstanz studiert und danach drei Jahrzehnte als IT-Berater im deutschen Mittelstand gearbeitet. Er hat einen Querschnitt durch die Unternehmenslandschaft erlebt, den die meisten Ökonomen nur aus Statistiken kennen, dieselbe Steuerlogik und dieselbe stille Mathematik in jeder Bilanz. Aus solchen Profilen entstehen selten Reformbücher.
Der Bruch, sagt er, kam langsam, über drei Jahrzehnte Selbstständigkeit, ganz ohne den dramatischen Erleuchtungsmoment, den Buchporträts so gern erzählen. Was er im Querschnitt der Bilanzen sah, war eine Regelmäßigkeit, die er bis heute nicht loswird.
„Ich habe in den 2010er Jahren beobachtet, wie jedes Automatisierungsprojekt höflich Arbeitsplätze auflöste, während dieselbe Firma Steuern zahlte, als säßen die Menschen noch da — die Maschine läuft abschreibungsbegünstigt, der Mensch wird zur teuersten Position.“
Stephan Rakoon
Das Pseudonym Kian Sobek hat einen Grund, der sich erst am Schluss erschließt. Vorab nur so viel: Rakoon ist kein Liberaler, der versehentlich linke Punkte macht, sondern jemand, der die alten Kategorien selbst für unbrauchbar hält. Das macht ihn schwer einzuordnen und sein Buch schwer wegzulegen.
Die Diagnose: Ein Steuersystem, das die Arbeit bestraft und die Maschine schont
Bevor man über Rakoons Lösung streitet, lohnt es sich, seine Diagnose ernst zu nehmen. Er baut sie um ein Bild aus dem zweiten Kapitel. Eine Bäckerin, ein Algorithmus und ein Berg arbeiten in derselben Volkswirtschaft. Die Bäckerin zahlt rund ein Drittel ihres Einkommens an den Staat. Der Algorithmus zahlt fast nichts. Der Berg zahlt nichts. Das Bild ist rhetorisch klug, weil es eine reale Schieflage trifft. Arbeit ist tatsächlich die am stärksten belastete Wertschöpfungsform der Bundesrepublik, Kapital wird pauschal davongetragen, Rohstoffe tauchen in den Förderbilanzen kaum auf.
„Die Geschichte der Einkommensteuer ist, auf den Kern reduziert, die Geschichte eines Provisoriums, das zum Dauerzustand wurde.“
Kian Sobek, Das Gesetz der Materie
Hier gebe ich ihm mehr recht, als mir lieb ist. Dass Arbeit in Deutschland überlastet und Substanz geschont wird, ist nachrechenbar, quer zu links und rechts. Nur zieht Rakoon daraus nicht den Schluss, den ich ziehen würde, nämlich Arbeit zu entlasten. Er reformiert die Einkommensteuer nicht, er ersetzt sie. Und ab da beginnt der Teil, an dem ich aussteige.
Materie statt Arbeit, ein Roboter pro Bürger: das Modell in Zahlen
Das Herzstück ist eine Steuer auf Materie statt auf Arbeit. Rakoon rechnet vor: Rund eintausendeinhundert Milliarden Euro privater Warenkonsum, besteuert mit sechzig Prozent, ergeben sechshundertsechzig Milliarden Euro, in seiner Rechnung etwas mehr, als der deutsche Staat insgesamt braucht. Brutto gleich Netto, der Durchschnittsverdiener hätte gut vierzehntausend Euro mehr im Jahr. Dazu kommt das Roboter-Mandat. Jeder der rund vierhundertfünfzig Millionen EU-Bürger erhält ab Geburt einen Roboter oder Cloud-Anteil, der monatlich rund viertausendsiebenhundertzwanzig Euro abwirft. Flankiert von einer Bodenwertsteuer nach Henry George, einem Energiekontingent und einem Mindestlohn von fünfzig Euro pro Stunde.
„Der Roboter ist kein staatlich verteiltes Produktionsmittel im sowjetischen Sinne, sondern das, was Land im neunzehnten Jahrhundert hätte sein müssen: ein Grundkapital, das nicht in wenigen Händen akkumuliert.“
Stephan Rakoon
Die Zahlen sind stimmig, solange man Rakoons Annahmen mitgeht. Zuerst aber zu dem Punkt, an dem sich das Modell aus liberaler Sicht selbst im Weg steht.
Wenn Eigentum nicht mehr Eigentum ist: der ordoliberale Bruch
Rakoon feiert Eigentum, Marktpreise und Anreize. Gleichzeitig verteilt sein Staat jedem Bürger ein Produktionsmittel, deckelt Softwarelizenzen, rationiert Energie und fixiert Löhne. Die ordoliberale Tradition, in der ich stehe, hat Wettbewerbsordnung immer als Begrenzung staatlicher Macht gedacht, nicht als deren Ausdehnung. Der Roboter, den ein Bürger weder verkaufen noch vererben darf, ist in diesem Verständnis eher eine Nutzungszuweisung als Eigentum im Sinne von Artikel 14. Auf diesen Einwand antwortet Rakoon bemerkenswert präzise. Er verweist darauf, dass Eigentum in Deutschland nie absolute Verfügung war, das Grundgesetz sage seit 1949 „Eigentum verpflichtet“, und er zieht die Parallele zum Erbbaurecht, das jemandem erlaubt, ein Haus auf fremdem Grund zu nutzen und Erträge daraus zu ziehen, nur eben nicht den Boden zu verkaufen.
„Was eingeschränkt wird, ist die Verfügung über die Substanz, also Verkauf, Vererbung, Export — und das ist nicht Schwäche des Modells, sondern sein Sinn: Wer den Roboter handeln darf, schafft binnen einer Generation die nächste Aristokratie, und das gesamte System ist hinfällig.“
Stephan Rakoon
Das ist durchdacht, es ist sein stärkster verfassungsrechtlicher Konter. Trotzdem bleibt der Bruch. Eigentumsrechte sind eben nicht dekorativ, die Verfügung über die Substanz ist die Voraussetzung dafür, dass Marktanreize überhaupt greifen. Wer sie herausschneidet und nur das Einkommen schützt, hat am Ende ein Grundkapital, das der Staat zuteilt und dessen Regeln er setzt. Das kann man als soziales Modell verteidigen, und Rakoon tut es sauber. Ein marktliberales Modell ist es nicht, auch wenn es sich dessen Vokabular ausleiht.
Kian Sobek (Klarname: Stephan Rakoon): Das Gesetz der Materie*. Unabhängig veröffentlicht, 2026. 227 Seiten. Taschenbuch und Kindle. [ISBN 979-8250193160]
Ein wirtschaftspolitisches Sachbuch, das ein vollständiges Steuer- und Sozialmodell durchrechnet, von der abgeschafften Einkommensteuer über die Materie-Steuer bis zum Roboter-Grundkapital. Zweihundert Seiten Argument plus Anhang mit Modellrechnungen, für alle, die wissen wollen, wohin die Umverteilungsdebatte führt, wenn man sie nicht auf halbem Weg anhält.
Die Rechnung, die wirken soll, aber nicht zu sehr
Die zentrale Bruchstelle steckt in der Einnahmenrechnung. Die Materie-Steuer soll Wegwerfware verteuern und Reparatur belohnen. Wenn sie das tut, sinkt der Konsum und mit ihm die Steuerbasis. Bleibt die Basis stabil, bewirkt die Steuer ökologisch nichts. Rakoon weicht dem nicht aus, er hat darauf eine ausgesprochen durchdachte Antwort.
„Was du als Zirkelschluss liest, ist die Funktionsweise: Der Konsum sinkt nicht auf null, er verlagert sich — vom 200-Euro-Toaster, der nach drei Jahren auf den Müll geht, zum 600-Euro-Toaster, der zwanzig Jahre hält und repariert wird.“
Stephan Rakoon
Er differenziert nach Segmenten, Grundbedarf wie Nahrung, Medizin, Miete und Energie bleibt im Basiskontingent ausgenommen, die Steuer greift nur, wo Ausweichen erwünscht ist. Das ist die beste ökonomische Verteidigung des Modells, und hier muss ich ihm gegen mein eigenes erstes Argument recht geben. Die vielzitierten Elastizitäts-Rekorde der Marktforschung, bei Bijmolt und Kollegen 2005 im Schnitt rund minus 2,6, messen fast alle die Preisreaktion einzelner Marken in Scannerdaten, hoch, weil der Kunde von einer Marke zur nächsten springt. Eine Steuer auf die ganze Warengruppe kennt dieses Schlupfloch nicht, die Nachfrage nach einer Kategorie reagiert träger. Rakoons Basis ist stabiler, als die dramatische Zahl vermuten lässt, seine eigene, niedrigere Annahme liegt näher an der Sache als mein erster Einwand.
Nur rettet ihn das nicht. Ein Aufschlag von sechzig Prozent auf ganze Warengruppen liegt jenseits von allem, was je gemessen wurde, die Studien beobachten Preisbewegungen von wenigen Prozent, nicht von sechzig. Wie die Nachfrage bei diesem Sprung reagiert, weiß niemand, und Rakoons Polster, Bürokratieabbau, wegfallende Sozialausgaben und ein Überschuss nach Jahr zehn, sind selbst geschätzt. Sein eigener Anhang beziffert das Aufkommen mit breiter Spanne und dem Vermerk „keine reale Erprobung“. Für eine Diskussionsgrundlage ist das redlich. Für einen Plan, dessen Tag X die Sozialsysteme abschaltet, ruht am Ende alles auf einem Modell, nicht auf Empirie.
Der Sieben-Jahres-Plan und die offene Wunde des Buches
Am heikelsten wird das Buch beim Übergang. Rakoon nennt diese Phase Kriegswirtschaft. Sieben Jahre, Verfassungsänderungen, eine EZB, die neue Produktionsanleihen aufkauft, an einem Tag X die Abschaltung von Finanzamt, Arbeitsamt und Rentenversicherung. In Kapitel fünfzehn steht der Satz, der einem ernsthaften Reformbuch das Genick brechen könnte.
„Ein System, das auf Freiheit abzielt, könnte durch Zwang implementiert werden müssen. Die Utopie könnte mit einer Diktatur beginnen.“
Kian Sobek, Das Gesetz der Materie
Wer hier nicht stolpert, sollte das Buch zur Seite legen. Entscheidend ist aber, dass Rakoon es nicht dabei belässt. Wenige Absätze später beantwortet das Buch sich selbst: „Es muss ohne Diktatur gehen. Weil das Ziel des Systems Freiheit ist. Und ein Ziel, das durch seinen Weg verraten wird, ist kein Ziel.“ Auf meinen Hayek-Vorwurf, dass er eine Ordnung entwirft, deren Kernfrage er an die Zukunft delegiert, antwortet er ohne Ausweichen: „Den Hayek-Vorwurf akzeptiere ich in seiner weichen Form und weise ihn in seiner harten zurück.“ Hayek habe die Konstrukteure einer erstarrten Endordnung gemeint, sein eigenes Modell sei anders gebaut.
„Mein System ist eine Architektur mit eingebauten Stellschrauben: Materie-Steuersatz, Roboter-Verteilungsformel, Energiekontingent sind sämtlich variabel — und Kapitel fünfzehn benennt das Diktatur-Paradox des Übergangs ausdrücklich als ungelöst, ohne es wegzuerklären.“
Stephan Rakoon
Der Einwand sitzt, und er ist stärker, als mir lieb ist. Eine Ordnung mit Korrekturschleifen ist etwas anderes als die erstarrte Endordnung, vor der Der Weg zur Knechtschaft warnt. Mein Restzweifel bleibt trotzdem: Ein Freiheitssystem, das per Notstand und Dekret gestartet wird, läuft genau die Gefahr, die Hayek beschrieben hat, dass der Zwang des Übergangs den Zweck überlebt. Und die Stellschrauben stehen bislang auf Papier. Dass Rakoon einen Piloten dem Marschplan vorziehen würde, ihn aber für zeitlich ausgeschlossen hält, ehrt seine Redlichkeit und beruhigt mich kein Stück. Aber ich streite mit seinem Argument, nicht mit einem Zerrbild.
Hommage oder Manifest? Warum das Sachbuch das Notizbuch einer Romanfigur ist
Rakoon veröffentlicht dieses Programm unter dem Namen Kian Sobek, und dieser Name ist kein Zufall. Sein Klarname soll auf einem Roman namens Fundament erscheinen, den er als Verstärker des Sachbuchs versteht, weil ein Roman Menschen über das Gefühl erreicht, wo das Sachbuch nur das Argument hat.
„Er ist Near-Sci-Fi: Berlin 2029, eine Republik, die einen Toten beatmet. Die Hauptfigur heißt Kian Sobek — neunundzwanzig, Finanzbeamter im sterbenden Bundesfinanzministerium, kein Held, sondern ein Beobachter, der den Zerfall protokolliert.“
Stephan Rakoon
Damit schließt sich der Kreis. Das Sachbuch, das man in der Hand hält, ist das Notizbuch der Romanfigur, und das Pseudonym auf dem Cover ist ihr Name. Als Literatur gelesen, ist es ein Gedankenexperiment. Als Programm gelesen, ist es ein bis in den Anhang durchgerechneter Umverteilungsentwurf. Beide Lesarten sind vertretbar, und Rakoon spielt bewusst mit dieser Doppelnatur. Was das Buch lesenswert macht, ist etwas anderes als Richtigkeit. Es spielt in kalten Zahlen durch, wohin die Umverteilungslogik läuft, wenn niemand sie auf halbem Weg stoppt.
Was bleibt
An vielen Stellen kollidiert dieses Buch hart mit dem, was ich für richtig halte. Eine Materie-Steuer von sechzig Prozent halte ich für eine ökonomische Fehlkonstruktion, deren Polster nicht tragen werden. Rakoon versteht seinen Fünfzig-Euro-Mindestlohn als Untergrenze, ab der ein Mensch billiger würde als eine Maschine, ein ehrliches Motiv, nur preist sie menschliche Arbeit fast überall aus dem Markt, statt sie zu schützen. Ein Roboter-Mandat, das mit dem Pass verfällt, ist Eigentum nur dem Etikett nach. Und ein Sieben-Jahres-Plan, dessen Tag X die Sozialsysteme abschaltet, ist ein Risiko, das in der Geschichte selten gut ausgegangen ist. Rakoon kennt diese Einwände, einige teilt er, und er schreibt das Buch dennoch.
Er tut es aus einem Grund, der ihn von den üblichen Weltverbesserern trennt.
„Mein Buch ist kein Anspruch auf Umsetzung, es ist ein Werkzeugkasten für den Tag, an dem jemand nach Werkzeug greift — und dieser Tag wird kommen, ob ich das Buch schreibe oder nicht.“
Stephan Rakoon
Genau das macht es zu einem Werk, das man als Liberale lesen sollte, gerade weil man ihm widerspricht. Wer in Berlin die nächste Vermögensteuer fordert, die seit 1997 ohnehin nicht mehr erhoben wird, findet hier die durchgerechnete Antwort, was am Ende einer konsequenten Umverteilung steht. Und wer damals den Bierdeckel beerdigt hat, weil er zu kompliziert war, kann sich bei Rakoon ansehen, wie eine Steuererklärung mit drei Sätzen tatsächlich aussähe. Der Preis dafür liegt allerdings höher, als die meisten zu zahlen bereit sein dürften.
Ob Das Gesetz der Materie die konsequenteste Umverteilungsschrift der Republik ist oder ihre schärfste Selbstkritik, entscheidet sich nicht in diesem Porträt. Es entscheidet sich in dem Roman, der folgen soll. Bis dahin bleibt der Bierdeckel in der Schublade, und die Frage, wer ihn als Nächstes herauszieht, ist offen.
Stephan Rakoon veröffentlicht unter dem Pseudonym Kian Sobek. Sein Sachbuch „Das Gesetz der Materie“ ist seit 2026 als Taschenbuch und Kindle erhältlich, sein Roman „Fundament“ ist angekündigt.
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Häufig gestellte Fragen zu Das Gesetz der Materie und der Materie-Steuer
Was ist die Materie-Steuer in Das Gesetz der Materie?
Die Materie-Steuer ist der Kern von Kian Sobeks Modell. Sie ersetzt die Einkommensteuer durch sechzig Prozent auf den privaten Warenkonsum. Aus rund eintausendeinhundert Milliarden Euro Warenkonsum ergeben sich so etwa sechshundertsechzig Milliarden Euro Einnahmen. Arbeit wird steuerfrei, belastet wird der Materialverbrauch. Umstritten ist, ob die Rechnung trägt, weil höhere Preise den Konsum senken.
Wer ist Kian Sobek?
Kian Sobek ist das Pseudonym des Autors Stephan Rakoon, eines ehemaligen IT-Beraters. Unter diesem Namen erscheint das Sachbuch Das Gesetz der Materie. Sobek ist zugleich eine Figur im Buch, ein Finanzbeamter, dessen Notizbuch das Werk bildet. Rakoons Klarname soll auf dem Roman Fundament stehen.
Kann man die Einkommensteuer durch eine Konsumsteuer ersetzen?
Rechnerisch ja, praktisch ist der Ersatz heikel. Konsumsteuern gelten als regressiv, weil sie niedrige Einkommen relativ stärker treffen, ein Effekt, den Rakoons Ausnahme für den Grundbedarf abmildert. Hohe Sätze verändern zudem das Kaufverhalten. Die viel zitierten Elastizitätswerte aus der Marktforschung, bei Bijmolt und Kollegen 2005 im Schnitt rund minus 2,6, messen allerdings überwiegend die Reaktion einzelner Marken, nicht ganzer Warengruppen. Für eine Steuer auf die ganze Kategorie ist die Nachfrage träger, die Steuerbasis also stabiler. Offen bleibt, wie sie auf einen Aufschlag von sechzig Prozent reagiert, einen Sprung, der empirisch nie erprobt wurde.
Was ist ein Roboter-Grundeinkommen?
Rakoons Variante eines bedingungslosen Grundeinkommens. Statt einer staatlichen Zahlung erhält jeder Bürger einen Anteil an der Produktivkraft, einen Roboter oder Cloud-Anteil mit rund viertausendsiebenhundertzwanzig Euro Ertrag im Monat. Verteilt wird Produktivkapital statt Einkommen. Der Anteil ist an die EU-Bürgerschaft gekoppelt und nicht verkäuflich oder vererbbar.
Was ist eine Bodenwertsteuer nach Henry George?
Die Bodenwertsteuer geht auf den Ökonomen Henry George zurück. Besteuert wird nur der unbebaute Bodenwert, nicht das Gebäude, weil Boden nur besessen, nicht geschaffen werden kann. Selbst Milton Friedman nannte sie die am wenigsten schlechte Steuer. Bei Rakoon flankiert sie die Materie-Steuer und soll eine neue Vermieter-Aristokratie verhindern.
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Quellenverzeichnis
Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 22.06.1995 (2 BvL 37/91) zur Vermögensteuer, seit 01.01.1997 nicht mehr erhoben.
Kian Sobek (Stephan Rakoon), Das Gesetz der Materie, unabhängig veröffentlicht, 2026 (Kapitel 2, 5, 6, 15, 17 sowie Anhang A, Modellrechnungen).
Tammo H. A. Bijmolt, Harald J. van Heerde, Rik G. M. Pieters: New Empirical Generalizations on the Determinants of Price Elasticity, Journal of Marketing Research 42(2), 2005, S. 141 bis 156 (mittlere Preiselastizität rund minus 2,62 über 1851 Elastizitäten aus 81 Studien, überwiegend markenbezogene Own-Price-Elastizitäten aus Scannerdaten, nicht Kategorie-Elastizitäten). DOI: 10.1509/jmkr.42.2.141.62296
Milton Friedman zur Bodenwertsteuer (die am wenigsten schlechte Steuer), im Buch zitiert nach Mark Blaug, Economic Theory in Retrospect, Cambridge University Press, 5. Auflage 1997, S. 80.
Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, C. H. Beck, 2014 (These r größer g, wachsende Vermögenskonzentration ohne Korrektur).

