GELDANLAGE FÜR EINSTEIGERINNEN von Maike Backhaus* / anzeige
Es gibt Bücher über Geldanlage, die sich lesen wie eine schriftliche Mathe-Prüfung: Wer nicht schon vorher einen inneren Taschenrechner hatte, klappt nach zwanzig Seiten resignierend wieder zu. Und es gibt diese anderen Bücher, die so sehr trösten, dass man am Ende zwar beruhigt ist – aber immer noch keinen Sparplan hat.
Geldanlage für Einsteigerinnen wählt einen dritten Ton. Das Buch will nicht in erster Linie die Effizienzlinie feiern, keine akademische Siegerformel verkünden und auch nicht so tun, als ließe sich Finanzangst mit einem hübschen Satz „wegatmen“. Stattdessen verfolgt es ein pragmatisches Ziel: Einsteigerinnen sollen das Thema überhaupt erst in den Griff bekommen – mental, sprachlich, praktisch.
Das gelingt über weite Strecken sehr überzeugend: klar strukturiert, freundlich, und mit einem deutlich spürbaren Respekt vor Leserinnen, die noch keine Routine haben. Gleichzeitig zeigt sich an genau dieser Zielsetzung die Schwachstelle des Buches: Dort, wo Orientierung gegeben werden soll, entsteht an manchen Stellen zu viel Auswahl – und damit ein Risiko, dass Anfängerinnen sich nicht stabiler, sondern unruhiger fühlen.
„Wenn du am Anfang vor allem Klarheit suchst, ist das normal. Geldanlage fühlt sich nur so lange groß an, bis sie ein System wird. Sobald du die ersten Entscheidungen getroffen und automatisiert hast, wird aus ‚Ich muss mich kümmern‘ ein ruhiger Ablauf, der dich nicht jeden Monat emotional beschäftigt.“
Maike Backhaus
Worum geht es wirklich?
Der Ratgeber arbeitet sich von den Grundlagen bis zur Anwendung vor: Was sind Aktien, ETFs, Anleihen, Fonds – und was ist der Unterschied zwischen „klingt klug“ und „passt zu meiner Lebensrealität“? Das Buch erklärt Begriffe, ordnet typische Anlagewege ein, benennt Vor- und Nachteile und nimmt sich dann Zeit für die Fragen, die in vielen Finanzbüchern eher stiefmütterlich behandelt werden: Wie starte ich konkret? Welche Fehler sind typisch? Wie halte ich ein System durch, wenn die Motivation nicht mehr neu ist?
Am Anfang steht ein Kontextkapitel, das finanzielle Ausgangslagen vieler Frauen sichtbar macht – inklusive Pay Gap und Pension Gap. Der Ton bleibt dabei nicht in einer Opfererzählung hängen, sondern nutzt die Fakten als Rahmen, um eine schlichte, aber wichtige Botschaft zu setzen: Geldanlage ist ein Hebel finanzieller Selbstbestimmung – unabhängig davon, ob andere Baustellen parallel existieren. Dieser Einstieg ist nicht bequem, aber er ist klug platziert: Er erklärt, warum das Thema nicht „nice to have“, sondern strukturell relevant ist.
Was das Buch sehr gut kann
1) Es senkt die Einstiegshürde, ohne die Realität zu vernebeln
Der größte Wert dieses Buches liegt wohl darin, dass es die Leserin nicht beschämt. Es setzt nicht voraus, dass man sich „endlich mal kümmern“ müsste, und es spricht nicht von oben herab. Stattdessen entsteht ein Gefühl von: Du darfst Anfänger sein, aber du musst nicht Anfänger bleiben.
Dabei wird aber nicht weichgespült. Risiken werden klar benannt, Kostenfaktoren kommen vor, und an mehreren Stellen merkt man: Hier hat jemand verstanden, dass das Scheitern selten am Wissen hängt, sondern leider allzu häufig am Verhalten. Wer Angst vor dem ersten Schritt hat, findet hier eine Art Geländer, um endlich ins Handeln zu kommen.
2) Die Struktur ist so sauber, dass sie Vertrauen erzeugt
Das Buch ist im Inneren didaktisch sehr erwachsen: Es arbeitet mit klaren Kapiteln, einer sehr detaillierten Gliederung und wiederkehrenden Mustern (Einordnung, Abgrenzung, Vor- und Nachteile, Umsetzung). Für Einsteigerinnen ist das wichtiger, als es klingt – weil Struktur ein Ersatz für Erfahrung sein kann.
Man merkt außerdem, dass hier nicht nur „erzählt“, sondern geordnet wird: Begriffe landen nicht irgendwo, sondern werden in Beziehung zueinander gesetzt. Das ist die Art Klarheit, die Leserinnen tatsächlich weiterbringt: nicht mehr Information, sondern bessere Sortierung.
Maike Backhaus: Zwischen Steuerrecht und journalistischer Klarheit
Maike Backhaus schreibt nicht aus der Perspektive einer „Finanz-Influencerin“, sondern aus einem Hintergrund, der sehr deutsch und sehr handfest ist: Steuern, Verbraucherwissen, Redaktion. In Autorinnenporträts zu ihren Veröffentlichungen wird sie als Fachredakteurin im Bereich Steuerrecht bei der Akademischen Arbeitsgemeinschaft (Wolters-Kluwer-Umfeld) beschrieben – mit Schwerpunkten rund um Einkommensteuer sowie redaktioneller Verantwortung für News/Newsletter auf steuertipps.de und steuernetz.de.
Parallel taucht sie in beruflichen Profilen auch mit einem klar journalistischen Stempel auf: als freie (investigative) Journalistin, u. a. mit Stationen, die bis zu großen Medienmarken reichen, und mit Ausbildung an der Kunsthochschule für Medien Köln. Diese Doppelprägung spürt man in ihrem Ratgeberstil: Der Text will nicht glänzen, sondern ordnen. Nicht beeindrucken, sondern verständlich machen – mit dem Instinkt dafür, wo Leserinnen typischerweise aussteigen, weil Begriffe zu groß, Risiken zu diffus oder Entscheidungen zu endgültig wirken.
Dass Geldanlage für Einsteigerinnen ausgerechnet im Steuertipps/Wolters-Kluwer-Kontext erscheint, passt deshalb: Backhaus schreibt dort, wo viele erst anfangen, sich ernsthaft mit Geld zu beschäftigen – nicht im Elfenbeinturm der Portfolio-Theorie, sondern an der Schnittstelle von Alltag, Formularen, Nervensystem und dem Wunsch, endlich nicht mehr nur „irgendwie“ zu sparen, sondern eine nachvollziehbare Geldstruktur aufzubauen.
3) Umsetzung wird ernst genommen – inklusive Depotpflege und Steuern
Viele Finanzratgeber machen beim entscheidenden Teil einen Rückzieher: Steuer, Rebalancing, Formularlogik – alles wird zur Fußnote erklärt. Hier ist das etwas anders.
Das Buch führt klar und verständlich in Steuergrundlagen ein (Abgeltungsteuer, Freistellungsauftrag, Anlage KAP, Vorabpauschale, Quellensteuer), ohne den Leserinnen das Gefühl zu geben, sie müssten sofort Steuerrecht studieren. Es bleibt im Ratgebermodus: genug Tiefe, um Entscheidungen zu verstehen; genug Ruhe, um nicht zu überfordern. Das finde ich besonders relevant, weil es leider immer noch Leute gibt, die exakt deswegen nicht starten: weil sie Angst vor Steuern und dem Finanzamt haben.
Auch Rebalancing wird nicht als nerdiges Hobby verhandelt, sondern vielmehr als eine Art regelmäßige Wartung: ein System, das man selten anfassen muss, aber eben nicht nie. Dazu kommen Checklisten und Schrittfolgen, die man wirklich nutzen kann – nicht als Dekoration, sondern als konkrete Handlungsanleitung.
„Ein gutes Einsteiger-Portfolio ist nicht das, das auf dem Papier am schönsten aussieht. Es ist das, das du auch dann noch hältst, wenn Märkte fallen und das Umfeld nervös wird. Verhaltensstabilität ist oft mehr wert als ein zusätzlicher Baustein, der nur ‚vielleicht‘ etwas bringt.“
Maike Backhaus
Wo ich kritisch werde – und warum
1) Modellportfolios: hilfreich als Landkarte, riskant als Empfehlung
Das Buch arbeitet mit Modellportfolios und Labels, die viele aus Beratungskontexten kennen: vorsichtige Varianten, wachstumsorientierte Varianten, Mischformen. Als Denkmodelle kann das helfen – vor allem, wenn man bisher nur in Extremen denkt („alles auf Tagesgeld“ vs. „alles in Aktien“).
Mein Einwand ist weniger „das ist falsch“ als „das ist für Anfänger psychologisch heikel“. Labels erzeugen Identität. Einsteigerinnen wählen dann nicht nach Logik, sondern nach Selbstbild: Ich bin eher Sicherheit, ich bin eher Wachstum, ich bin eher nachhaltig. Und plötzlich wird Geldanlage eine Stilfrage.
Wenn ein Ratgeber absolute Anfängerinnen handlungsfähig machen will, sollte er bei der Signalklarheit besonders streng sein: Je mehr plausible Portfolios nebeneinanderstehen, desto größer das Risiko, dass jemand sich ein Depot nach Bauchgefühl zusammenstellt und später, bei der ersten Krise, wieder alles infrage stellt. Hier hätte ich mir an einigen Stellen eine noch konsequentere, schmalere Default-Spur gewünscht – mit weniger „du kannst auch“ und mehr „für den Anfang reicht“.
Oder vor allem: „am Ende ist ideal“. Denn insbesondere diese Perspektive fehlt mir in so vielen allgemeinen Finanzratgebern. Sie vermitteln alles und nichts und kommen einfach nicht auf den Punkt, was denn nun die ideale Lösung ist: nicht in Abhängigkeit zu den Präferenzen eines emotionalen Wesens, sondern in Bezug auf eine vollkommen rationale Person.
2) Krypto: Das Kapitel warnt – die Rand-Signale wirken trotzdem ambivalent
Inhaltlich ist das Krypto-Kapitel skeptisch: Es wird deutlich vor Volatilität, Unsicherheit und Risiken gewarnt, und die Botschaft ist klar: Für Einsteigerinnen ist das keine gute Idee.
Gleichzeitig tauchen Formulierungen und Einordnungen auf, die wie ein zweites Signal wirken: Krypto als optionale Beimischung, als etwas, das man zumindest in einem Modellportfolio als „Rendite-Booster“ denken könnte.
Für Fortgeschrittene ist das eine Nuance. Für Einsteigerinnen ist es oft ein Trigger: Dann gehört das wohl dazu, wenn ich es „richtig“ machen will. Und genau dieses Gefühl halte ich für vollkommen unnötig und irreführend. Wer neu ist, braucht weniger Reiz, weniger Nebenpfade, weniger „optional“, und dafür mehr Ruhe in der Grundidee.
3) Zusatzbausteine wie Immobilien: viel Überblick, aber wenig Entscheidungsdisziplin
Das Immobilienkapitel liefert eine breite Übersicht: Eigennutzung, Vermietung, Finanzierungsfragen, plus Alternativen wie offene Immobilienfonds, REITs, Immobilien-ETFs und Crowdinvesting. Als Landkarte ist das vielleicht nützlich.
Sobald Immobilien jedoch als zusätzlicher Depot-Baustein neben einem breit gestreuten Weltportfolio auftauchen, fehlt mir eine konsequente Leitplanke: In globalen Aktienindizes steckt Immobilienexposure bereits drin. Wer Immobilien zusätzlich gewichtet, sollte wissen, was er damit tut – und vor allem warum.´
Das Buch bleibt hier eher im Modus „Optionen zeigen“ als im Modus „Entscheidung schärfen“. Für das Ziel „Berührungsängste abbauen“ ist das nachvollziehbar, aber als Ratgeberentscheidung ist es der Punkt, an dem der Text in Richtung Pseudodiversifikation kippen kann.
Sprache, Ton und Alltagstauglichkeit
Der Text duzt, bleibt dabei aber respektvoll. Er wirkt nahbar, ohne kumpelhaft zu werden. Und er hat – das ist selten – ein Gespür dafür, dass finanzielle Selbstbestimmung nicht nur Wissen, sondern auch Routine ist.
Man spürt, dass hier nicht nur ein Thema erklärt, sondern ein Verhalten angebahnt werden soll: automatisieren, vereinfachen, wiederholen. Das ist ein guter Ratgeberimpuls, weil er der Lebensrealität vieler Leserinnen entspricht: Zeit ist knapp, Nerven sind endlich, und Disziplin ist kein Charakterzug, sondern ein System.
„Es gibt Themen, bei denen ‚Optionen kennen‘ hilfreich ist – und Themen, bei denen ‚Optionen kennen‘ dich in die Aufschieberitis treibt. Geldanlage gehört am Anfang oft zur zweiten Kategorie: Weniger Auswahl, mehr Konsequenz. Erst handeln, dann verfeinern.“
Maike Backhaus
Fazit
Geldanlage für Einsteigerinnen ist ein sorgfältig gebauter Ratgeber, der Anfängerinnen ernst nimmt und ihnen echte Orientierung bietet. Die Stärken liegen in der Struktur, der Umsetzungsnähe und der Bereitschaft, Themen wie Depotpflege und Steuern nicht zu ignorieren. Das Buch macht den Weg in die Praxis leichter – und genau das ist für viele Leserinnen der entscheidende Sprung.
Meine Kritik setzt dort an, wo der Überblick in Richtung Auswahl kippt: Modellportfolios mit Identitätslabels, zusätzliche Bausteine, ein Krypto-Schatten am Rand. Für absolute Einsteigerinnen kann das mehr innere Unruhe erzeugen, als nötig wäre.
Wenn du einen Ratgeber suchst, der dich vom Grübeln ins Handeln bringt, wirst du hier viel finden. Wenn du hingegen eine streng reduzierte, evidenzbasierte Portfolio-Lehre erwartest, wirst du an einigen Stellen den Impuls spüren, zu straffen – und dir selbst eine schmalere Default-Spur zu bauen.
Meine 5 Key Learnings aus Geldanlage für Einsteigerinnen: Ein Ratgeber von Frauen für Frauen – von Maike Backhaus:
Ein gutes Investment-System ist einfacher als du denkst – aber nicht „spontan“
Das Buch zeigt: Geldanlage scheitert selten an Intelligenz, sondern an fehlender Struktur. Wer sich einmal für ein Grundsystem entscheidet (Notgroschen, Sparrate, Sparplan), entlastet sich mental – weil die Entscheidung nicht jeden Monat neu getroffen werden muss. Der entscheidende Schritt ist weniger „den perfekten Plan finden“, sondern ein System zu bauen, das im Alltag zuverlässig läuft. Und genau dafür liefert der Ratgeber viele kleine Brücken.
Kosten, Steuern und Depotpflege sind keine Randnotizen – sie gehören ins Einsteigerwissen
Viele Anfänger denken, Rendite entstünde nur durch die „richtige“ Anlage. Das Buch macht deutlich: Gebühren, steuerliche Basics und ein grobes Verständnis von Depotmechanik sind mindestens genauso relevant, weil sie leise, aber dauerhaft wirken. Wer die Abgeltungsteuer, den Freistellungsauftrag, die Anlage KAP und die Vorabpauschale grob einordnen kann, fühlt sich nicht ausgeliefert. Und wer weiß, was Rebalancing ist, hat einen Plan für die Zeit nach dem Start – nämlich für die Phase, in der Märkte nervös werden.
Risiko ist nicht nur Mathe – es ist Psychologie und Verhalten
Ein zentrales Learning: Ein Portfolio ist nur so gut wie die Person, die es in Krisen hält. Das Buch arbeitet immer wieder heraus, dass Angst, Übermut, Herdentrieb oder Aktionismus typische Fallen sind – gerade am Anfang. Deshalb geht es nicht nur um Anlageklassen, sondern um verhaltensstabile Entscheidungen: lieber wenige Bausteine, die man versteht, als viele Ideen, die man in Stressphasen nicht aushält. Risiko wird dadurch alltagsnah: als Frage der Nerven, nicht nur der Volatilität.
Überblick kann beruhigen – aber Entscheidung braucht Fokus
Der Ratgeber eröffnet bewusst viele Wege, um Berührungsängste abzubauen: Erst verstehen, was es alles gibt, dann festlegen. Daraus lässt sich als Learning mitnehmen: Wissen ist wichtig, aber es ersetzt nicht die Entscheidung. Wer zu lange in Optionen denkt, bleibt im Planungsmodus stecken und verwechselt Beschäftigung mit Fortschritt. Der nächste Schritt ist deshalb immer: eine Default-Lösung wählen, automatisieren, und nur dann erweitern, wenn man wirklich einen Grund hat.
Finanzielle Selbstbestimmung beginnt nicht „später“, sondern mit kleinen, wiederholbaren Handgriffen
Das Buch verknüpft den Kontext (Pay Gap/Pension Gap, Lebensrealitäten, Unterbrechungen) mit einer sehr praktischen Botschaft: Du kannst nicht alles kontrollieren, aber du kannst deinen Hebel nutzen. Selbst kleine Sparraten wirken, wenn sie früh beginnen und konsequent laufen. Das wichtigste Learning ist deshalb nicht ein einzelnes Produkt, sondern der Mindset-Wechsel: weg vom Gefühl „ich müsste erst mehr wissen“ hin zu „ich setze ein einfaches System auf und lerne unterwegs weiter“.
Wenn du auf der Suche nach weiteren spannenden Büchern bist, dann findest du unter Buchtipps eine interessante Auswahl aus über 550 ausführlichen Rezensionen. Diese kannst du individuell nach Preis, Seitenanzahl, Themenbereich, Bewertung und Zielgruppe filtern. Solltest du eine vergleichbare Buchempfehlung für mich haben, dann schreib mir doch gerne über meine Social-Media-Kanäle.
Schneller Lesen – Mehr Behalten – Konsequent Umsetzen
Wie Lesen vom Konsum zur echten Veränderung wird
In diesem Online-Kurs zeige ich, wie Lesen wieder zu einem wirkungsvollen Werkzeug wird – für Klarheit, Fokus und bewusste Entscheidungen. Statt reiner Geschwindigkeit steht ein systematischer Ansatz im Mittelpunkt, der Verständnis, Erinnerung und Umsetzung miteinander verbindet.
Der Kurs vereint erprobte Lesetechniken, Erkenntnisse aus Lern- und Wahrnehmungspsychologie sowie praxisnahe Übungen, um Wissen nicht nur aufzunehmen, sondern nachhaltig zu nutzen – im Alltag, im Beruf und im persönlichen Wachstum.
