Dreiteilige Bildserie: links liest Celine Nadolny das Buch Nervensägen im Job in gemütlicher Umgebung am Fenster, in der Mitte wird das Buchcover vor winterlicher Kulisse in der Hand gehalten, rechts ist eine aufgeschlagene Buchseite zu sehen.
Karriere & Unternehmertum

Nervensägen im Job

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★★★☆☆

NERVENSÄGEN IM JOB von Dagmar Gerigk* – sieben Wege, wie man mit schwierigen Menschen arbeitsfähig bleibt.

Die Autor verspricht praktische Hilfestellung für alle, die im Berufsalltag an schwierigen Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden reiben. Und das werden sicherlich viele sein. Die Struktur ist dabei konsequent: Jede Etappe folgt dem Dreiklang Story – Know-how – Praxistransfer. Das Buch versteht sich ausdrücklich als Arbeitsbuch und nutzt dafür viele Reflexionsfragen, großzügige Schreibflächen und visuelle Marker. Ziel ist nicht eine psychologische Tiefendiagnostik, sondern eine robuste Ersthilfe, die handlungsfähig macht. / Anzeige

„Über diese einfache Drei-Schritte-Technik – erstens Beobachten statt bewerten, zweitens Gefühle äußern ohne Vorwurf, drittens Fragen statt fordern – erreichen Sie im Umgang mit schwierigen Menschen eher einen Konsens, als wenn Sie auf Konfrontationskurs gehen. Denn gerade im Arbeitsumfeld sind wir darauf angewiesen, trotz Konflikten handlungsfähig zu bleiben. Schmollen oder schwierige Menschen zu meiden, ist keine Option.“
Dagmar Gerigk

Die Leitidee – zugespitzt, aber nützlich

Dagmar Gerigk operiert mit einer bewusst groben, aber klaren Rasterung: anders, inkompetent, toxisch. Das Etikett ist scharf, der Nutzen liegt in der Ableitung: Empathie und Brückenbau bei „anders“, Qualifizierung und Klarheit bei „inkompetent“, Selbstschutz und Konsequenz bei „toxisch“. Für Leser, die Orientierung suchen, ist das ein brauchbarer Kompass. Wer diagnostische Tiefe erwartet, wird sich an manchen Stellen mehr Differenzierung wünschen.

Stärken – wo das Buch trägt

1) Bei sich anfangen. Dagmar Gerigk zwingt Leser zu einer unbequemen, aber heilsamen Frage: Welcher Anteil liegt bei mir? Wahrnehmung kalibrieren, Feedback einholen, Perspektivwechsel – das ist kein Moralunterricht, sondern ein erwachsener Einstieg in Konfliktarbeit. Und leider muss man ehrlich sein, dass hier die meisten scheitern: bei sich selbst als potenzieller Problem.

2) Eine Kerntechnik, die funktioniert. Die 3-Schritte-Formel (beobachten statt bewerten – Gefühl benennen – als Frage formulieren) ist sofort anwendbar und anschlussfähig an gängige Gesprächsmodelle. Sie vermeidet Theaterpädagogik und bleibt alltagstauglich: klare Sätze, klare Rollen, klare Erwartungen.

3) Typische Brennpunkte sauber adressiert. Mikromanager, Choleriker, notorische Nörgler – die Fallgeschichten sind nah an der Praxis und leiten zu konkreten Schritten über: Erwartungen klären, Taktung vereinbaren, Grenzen ziehen, Deeskalation organisieren. Keine Wunderwaffen, aber ein Werkzeugkasten, der das Morgenmeeting spürbar verändern kann.

„Trennen Sie Person und Verhalten. Denn eine Kritik am Verhalten lässt sich leichter verarbeiten als eine Kritik an der eigenen Person. Außerdem kann ein schwieriger Mensch sein Verhalten eher ändern als seine Persönlichkeit.“
Dagmar Gerigk

Wo das Buch liegen bleibt

1) Evidenz bleibt Kulisse. Studien und Verweise sind vorhanden, werden aber selten systematisch mit den empfohlenen Techniken verschaltet. Das Ergebnis ist klar praxistauglich, zugleich wissenschaftlich dünner, als die Struktur „sieben Wege“ erwarten lässt. Ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Selbst eine kleine Recherche zeigt, dass es zu den verwendeten Prinzipien umfangreiche Forschung und etablierte Modelle gibt. Das hätte – punktuell – noch stärker eingebunden werden können, ohne den praktischen Ton zu verlieren.

2) „Spiegeln“ als Risiko. Im Kapitel zu cholerischen Persönlichkeiten blitzt der Rat auf, Verhalten zu spiegeln. Das kann in tragfähigen Beziehungen funktionieren; in hierarchischen Konflikten lädt es zur Eskalation ein. Leser ohne Gesprächssicherheit fahren besser mit ruhiger, nicht-mimetischer Ansprache: Verhalten benennen, Wirkung beschreiben, Grenze ziehen, nächster Schritt – ohne Spiegelgebärde.

3) Arbeitsbuch-Design: viel Raum, wechselnde Dichte. Die großzügigen Schreibflächen passen zur Idee, lassen gelegentlich aber zwei Seiten für wenige Impulse stehen. Wer aktiv mitschreibt, profitiert; wer primär lesend strukturiert, wünscht sich an einzelnen Stellen mehr Textsubstanz. Das ist kein Sachmangel, aber es prägt den Gesamteindruck.

4) Literaturteil wirkt unruhig. Zwischen Fachliteratur stehen YouTube- und Kursverweise. Als Anhang „Weiterführende Ressourcen“ wäre das stimmig; im Korpus eines Literaturverzeichnisses wirkt es formal uneinheitlich. Inhaltlich legitim, editorisch ausbaufähig.


Dagmar Gerigk: Klartext für heikle Momente

Dagmar Gerigk arbeitet an der Stelle, an der es im Berufsalltag weh tut: wenn Gespräche verhärten, Erwartungen unklar sind, Temperamente überschießen. Als Trainerin und Autorin verbindet sie seit Jahren Führungspraxis mit didaktischer Klarheit. Ihre Themen sind Konfliktkompetenz, Kommunikation und Führung im Tagesgeschäft – nicht im Elfenbeinturm, sondern da, wo E-Mails, Meetings und Kundenkontakte stattfinden. Bekannt ist sie für kompakte Werkzeuge, die ohne Vorlauf einsetzbar sind und trotzdem Haltung verlangen.

Wer Gerigk liest oder in ihren Kursen erlebt, erkennt schnell ihr Prinzip: erst sortieren, dann sprechen, schließlich entscheiden. Sie wählt eine klare Sprache ohne psychologisches Pathos, legt den Fokus auf beobachtbares Verhalten und macht konsequent Mut zu Eigenverantwortung. So entstehen keine Heilsversprechen, sondern tragfähige Routinen – von der Erwartungsklärung bis zur Grenze, die notfalls auch einmal „Nein“ heißt.

In „Nervensägen im Job“ zeigt sich diese Handschrift besonders deutlich: zugespitzte Kategorien als Kompass, alltagsnahe Szenen als Testfeld, und Arbeitsfragen, die nicht nur das Gegenüber, sondern auch die eigene Rolle ins Licht rücken. Gerigk ist keine Predigerin, sondern eine pragmatische Übersetzerin: Sie bringt Komplexität auf den Punkt, ohne sie kleinzureden – damit schwierige Situationen arbeitsfähig bleiben und Entscheidungen nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden.


Methodisches Fundament – Einordnung statt Heilsversprechen

Das Buch gibt keine Allzweckwaffe aus. Es ordnet ein, entlastet von der Idee, andere „umzuerziehen“, und ermutigt zu sauberem Handwerk: beobachten, sauber sprechen, Vereinbarungen treffen, Konsequenzen tragen. An den besten Stellen erinnert der Ton an seriöses Konflikt- und Führungscoaching: nüchtern, handlungsnah, ohne Pathos. Die Brücke in die Forschung wird skizziert, aber nicht gebaut – das ist der Punkt, der die Bewertung bei mir dämpft.

Fälle aus dem Alltag – was überzeugt, was fehlt

Mikromanager. Die Fallgeschichte zeigt sehr anschaulich, wie Kontrollbedürfnis Vertrauen frisst. Hilfreich ist der nüchterne Entscheidungsrahmen aus drei Optionen (akzeptieren, verändern, verlassen) und die klare Empfehlung, Erwartungen, Zuständigkeiten und Taktung explizit zu machen. Das senkt Temperatur und Reibungsverlust.

Choleriker. Stark ist die frühe Grenzziehung: nicht bagatellisieren, nicht wegducken, klar adressieren. Schwach ist der gelegentliche Verweis aufs „Spiegeln“ – hier hätte ich mir eine eindeutige Präferenz für assertive, sachliche Formulierungen gewünscht. Das passt auch besser zum vernünftigen Grundton des Buches.

Eigenverantwortung fördern. Das Kapitel über die Opferrolle ist lebensnah. Statt Ratschlägen setzt Gerigk auf Fragen, die Denken auslösen und den Ball zurückspielen. Das ist für Führungskräfte wie für Teamkollegen ein tragfähiger Reflex.

„Er sagte: ‚Egal, was ihr im Leben erlebt, ihr habt immer nur drei Optionen: Take it. Change it. Leave it.‘ Das bedeutete, was auch immer passierte, sie konnten sich entweder mit der Situation abfinden, sie verändern oder sie verlassen. So war es auch jetzt.“
Dagmar Gerigk

Sprache, Ton und Lesbarkeit

Dagmar Gerigk schreibt höflich, direkt und ohne Fachchinesisch. Die Beispiele sind alltagstauglich, die Anrede bleibt respektvoll. Der Arbeitsbuch-Charakter bringt viele Einschübe und visuelle Marker mit sich. Lesbar ist das, stellenweise aber optisch unruhig: sehr große Schrift, dominante Icons, viel Weißraum. Inhaltlich trägt es, ästhetisch verschenkt es Potenzial.

Für wen eignet sich „Nervensägen im Job“?

  • Neue und mittlere Führungskräfte, die einen geordneten Einstieg in schwierige Gespräche benötigen.
  • Projektleitungen und Mitarbeiter mit Kundenkontakt, die schnelle, klare Gesprächsleitplanken suchen.
  • Weniger geeignet für HR-Profis und Mediatoren, die tiefe Diagnostik, rechtssichere Pfade und eine engere Rückkopplung an die Studienlage erwarten.

Preis-Leistung

14,99 € sind im Ratgebersegment ein fairer Preis. Der Nutzwert liegt in der Struktur, den Szenen und den einfachen Tools. Gestaltung und Evidenzkopplung relativieren das Gesamtbild leicht, ohne den praktischen Einsatzwert zu mindern.

Fazit – Bewertung

„Nervensägen im Job“ ist ein solides Arbeitsbuch mit klarer Leserführung und pragmatischen Werkzeugen. Es gibt Orientierung und senkt die Hemmschwelle, schwierige Situationen anzusprechen. Wo es ausbaufähig bleibt: die konsequente Verbindung von Studienlage und Technik, eine sauberere Editorik im Literaturteil und eine zurückhaltendere Empfehlung des „Spiegelns“ in heiklen Hierarchien.

Meine 5 Key-Learnings aus Nervensägen im Job: 7 Wege für stressfreien Umgang mit schwierigen Menschen in Business, Job und Karriere – von Dagmar Gerigk:

Beginne bei dir selbst.

Wer Konflikte lösen will, startet mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wie trage ich zum Muster bei, was sehe ich vielleicht verzerrt, welches Feedback fehlt mir? Diese Selbstprüfung schafft Handlungsfreiheit, weil sie vom Klagen ins Gestalten führt. Erst danach lohnt sich der Blick aufs Gegenüber.

Sprich sauber: beobachten – Gefühl – Frage.

Beschreibe zuerst, was konkret passiert ist, ohne Deutung oder Etikett. Benenne dann deine Wirkung oder Gefühlslage, kurz und ohne Vorwurf. Schließe mit einer klaren, offenen Frage, die den nächsten Schritt verabredbar macht.

Nutze den Kompass „anders – inkompetent – toxisch“ mit Maß.

Das Raster sortiert Situationen schnell und leitet passende Strategien ab: Brücken bauen, qualifizieren, oder Grenzen setzen. Behalte dabei im Blick, dass Menschen kontextabhängig handeln und sich Kategorien überschneiden können. Der Kompass dient der Orientierung, nicht der endgültigen Diagnose.

Mikromanager und Choleriker erfordern unterschiedliche Griffe.

Beim Mikromanager helfen saubere Erwartungsklärung, klare Zuständigkeiten und eine verabredete Taktung der Updates. Beim Choleriker gilt: ruhig bleiben, Verhalten benennen, Grenze markieren, Gesprächsrahmen sichern – notfalls abbrechen und auf einen sachlichen Termin verlegen. „Spiegeln“ nur, wenn die Beziehung stabil ist; sonst lieber knapp, konkret, assertiv.

Entscheiden statt verharren: Take it. Change it. Leave it.

Jeder Konflikt kulminiert in einer Wahl zwischen Akzeptieren, Verändern oder Verlassen. Diese Dreiteilung verhindert Endlosschleifen, weil sie Konsequenzen sichtbar macht – inklusive der Kosten für Zeit, Energie und Reputation. Selbstschutz ist kein Rückzug, sondern eine professionelle Grenze.

Wenn du auf der Suche nach weiteren spannenden Büchern bist, dann findest du unter Buchtipps eine interessante Auswahl aus über 550 ausführlichen Rezensionen. Diese kannst du individuell nach Preis, Seitenanzahl, Themenbereich, Bewertung und Zielgruppe filtern. Solltest du eine vergleichbare Buchempfehlung für mich haben, dann schreib mir doch gerne über meine Social-Media-Kanäle.

Celine Nadolny lächelt in die Kamera und hält einen Stapel Bücher in den Händen. Auf dem Bild steht der Text ‚Effektiver Speed Reading Onlinekurs – schneller lesen, mehr behalten, konsequent umsetzen‘.

Schneller Lesen – Mehr Behalten – Konsequent Umsetzen

Wie Lesen vom Konsum zur echten Veränderung wird

In diesem Online-Kurs zeige ich, wie Lesen wieder zu einem wirkungsvollen Werkzeug wird – für Klarheit, Fokus und bewusste Entscheidungen. Statt reiner Geschwindigkeit steht ein systematischer Ansatz im Mittelpunkt, der Verständnis, Erinnerung und Umsetzung miteinander verbindet.

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