Bildcollage zum Buch Reden lernen von Ronny Marx mit Leseszene, Buchcover und geöffneten Seiten.
Karriere & Unternehmertum

Reden lernen

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★★★☆☆

REDEN LERNEN von Ronny Marx*: Ein Praxisbuch mit Zugkraft, klarer Bühne und zu wenig Grautönen / anzeige

Es gibt Sachbücher, die man liest, und es gibt Sachbücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten spürt, wie sie eigentlich „gelesen werden wollen“. Reden lernen von Ronny Marx gehört eindeutig zur zweiten Sorte Bücher. Dieses Buch möchte nicht vorsichtig beim Leser um Zustimmung werben, es möchte ihn vielmehr an der Schulter packen und durch die Kapitel führen. Es will nicht lange akademisch theoretisieren, nicht ehrfürchtig vor Kommunikationsmodellen stehen, nicht erst ein wissenschaftliches Fundament ausrollen, bevor schlussendlich ein praktischer Gedanke erlaubt ist. Es will stattdessen Mut machen, entkrampfen und antreiben. Es will Menschen, die vor Vorträgen, Präsentationen oder öffentlichen Auftritten unsicher werden, möglichst schnell in die Umsetzung bringen.

„Never excuse on stage.“
Ronny Marx

Darin liegt wohl die größte Stärke dieses Buches. Und zugleich liegt genau dort für mich auch ironischerweise auch seine deutlichste Schwäche.

Denn Ronny Marx schreibt mit einer Klarheit, die auf den ersten Blick wohltuend ist. In einem Genre, das sich allzu oft in allgemeinen Phrasen verliert, ist eine markante Haltung zunächst ein Geschenk. Wer schon einmal zu viele weichgespülte Ratgeber gelesen hat – wie ich zweifelsohne –, die alles für möglich, alles für individuell und alles für situationsabhängig erklären, wird an diesem Buch zunächst Gefallen finden. Hier ist jemand, der eine Meinung hat. Jemand, der seine Erfahrung nicht hinter vorsichtigen Formulierungen versteckt. Jemand, der den Leser nicht in einem Nebel aus Kommunikationslyrik zurücklässt, sondern ihm sagt: Mach das. Lass das. Probier es vielleicht mal so.

Genau dieses Sendungsbewusstsein macht „Reden lernen“ gut lesbar, anwendbar und streckenweise sogar mitreißend. Aber es führt auch dazu, dass das Buch dort an Überzeugungskraft verliert, wo der Autor seine Erfahrung zur allgemeinen Regel erhebt. Und das passiert häufiger, als einem lieb ist.

Ein Buch, das vom Tun her denkt

Schon der Untertitel sagt ziemlich genau, worum es hier gehen soll: Redeangst überwinden, souverän präsentieren, begeisternde Vorträge halten, von der Vorbereitung über Sprechtechniken bis hin zu Bühne, Publikum und PowerPoint. Das ist nicht wenig. Und doch wirkt das Buch nicht, als wolle es ein enzyklopädisches Standardwerk sein. Es ist kein Rhetorikkompendium, das sich durch Vollständigkeit legitimiert. Es ist ein Praxisratgeber, der den Anspruch hat, in die Wirklichkeit zu greifen.

Das merkt man sehr schnell an der Tonlage. Ronny Marx schreibt nicht wie jemand, der auf kritische Distanz zu seinem Thema geht, sondern wie jemand, der seit Jahren mit Menschen arbeitet, Vorträge hält, auf Bühnen steht und aus dieser Erfahrung heraus die immer gleichen Fehler, Unsicherheiten und Missverständnisse beobachtet. Das verleiht dem Text Energie. Viele Passagen lesen sich nicht wie klassische Sachbuchprosa, sondern beinahe wie verdichtete Trainerrede: direkt, zugespitzt, manchmal provokant, fast immer mit dem Willen, Wirkung zu erzielen.

Das ist zunächst eine große Qualität. Denn Rhetorik ist kein Thema, das allein auf dem Papier lebt. Gute Kommunikation entsteht nicht durch das bloße Wissen darüber, sondern durch Verkörperung, Wiederholung, Versuch, Irrtum, Korrektur und Präsenz. Ein Buch, das dieses Thema behandelt, darf deshalb gern mehr Praxisatem haben als akademische Distanz. Ronny Marx versteht das. Man spürt, dass er den Leser nicht bewundern, sondern bewegen will.

Die eigentliche Stärke: Anwendbarkeit ohne Umwege

Was man diesem Buch ohne Einschränkung zugutehalten muss, ist seine Anwendbarkeit. Es gehört zu den erfreulicheren Erfahrungen in diesem Genre, wenn ein Autor nicht nur richtige Dinge schreibt, sondern Dinge, die ein Leser am selben Tag ausprobieren kann. Genau das gelingt hier mehrfach.

Gerade im Bereich Redeangst, Anspannung und Vorstart-Routine zeigt das Buch seine stärksten Momente. Der Autor denkt nicht abstrakt über Unsicherheit nach, sondern konkret: Was passiert vor dem Auftritt, in den Minuten davor, im Moment des ersten Blickkontakts, im Körper, in der Stimme, im Kopf? Diese Perspektive ist nützlich, weil sie den Leser nicht mit der Floskel abspeist, man müsse eben selbstbewusst sein. Stattdessen wird Unsicherheit als etwas behandelt, das man beobachten, beeinflussen und bis zu einem gewissen Grad in den Griff bekommen kann.

Besonders gelungen ist dabei der Gedanke, schon vor dem eigentlichen Start Verbindung zum Publikum herzustellen. Der Vorschlag, vorab einzelne Menschen anzusprechen, Smalltalk zu führen oder die erste Reihe nicht erst in dem Moment kennenzulernen, in dem man bereits auf Sendung ist, gehört zu jenen einfachen, aber starken Einsichten, die in vielen Rhetorikbüchern erstaunlich wenig Raum bekommen. Gerade weil dieser Tipp weder esoterisch noch spektakulär ist, sondern schlicht praktisch, funktioniert er. Wer nicht in einen Raum voller anonymer Gesichter hineinsprechen muss, sondern bereits minimale soziale Anker gesetzt hat, verändert seine innere Lage tatsächlich – und das kann ich aus eigener Erfahrung doppelt und dreifach unterschreiben.

Auch in den Passagen zur Präsentationsgestaltung zeigt Ronny Marx ein gutes Gespür für typische Praxisfehler. Viele Vortragsbücher verlieren sich an dieser Stelle in banalen Designphrasen oder wiederholen seit Jahren dieselben Folienregeln, ohne sie mit echter Überzeugung aufzuladen. Hier ist das anders. Das Buch benennt sehr klar, warum schlechte Folien schlechte Vorträge produzieren: weil sie den Sprecher schwächen, weil sie Aufmerksamkeit zersplittern, weil sie Informationen nicht ordnen, sondern stapeln. Besonders die eingängigen Merksätze und kleinen Prüfmechanismen zur Lesbarkeit und visuellen Klarheit sind hilfreich, weil sie sich ohne großen Aufwand in den Alltag übersetzen lassen.

Ebenfalls positiv fällt auf, dass das Buch trotz seines Umfangs nie das Gefühl erzeugt, sich in Nebengleisen zu verlieren. Es bleibt nah an der Frage, die Leser tatsächlich beschäftigt: Wie wirke ich vor Menschen sicherer, klarer, überzeugender? Diese Fokussierung ist viel wert. In einem Markt voller Bücher, die Persönlichkeitsentwicklung, Mindset, Auftreten und Kommunikation zu einem diffusen Motivationsbrei verrühren, ist es durchaus angenehm, wenn ein Autor einen klaren Gegenstand behält.

Ronny Marx schreibt nicht für Leser, die an Rhetorik theoretisches Interesse haben. Er schreibt für Menschen, die in wenigen Tagen präsentieren müssen, den Faden nicht verlieren wollen und eine Sprache suchen, die ihnen unmittelbar hilft. Genau deshalb ist dieses Buch oft dann am besten, wenn es konkret, handwerklich und nah an der Praxis bleibt.

Ein Self-Publishing-Buch, das innen erstaunlich ordentlich gearbeitet ist

Was bei diesem Titel ebenfalls erwähnt werden muss: Für ein Self-Publishing-Projekt ist die innere Gestaltung erfreulich sorgfältig. Der Satz ist sauber, die Struktur wirkt durchdacht, die Grafiken sind ordentlich eingebunden, und das Buch macht im Inneren nicht den Eindruck eines hastig zusammengestellten Expertenprodukts, das nur schnell zwischen zwei Coachings auf den Markt gebracht wurde. Man merkt, dass hier sichtbar Zeit und Arbeit investiert wurde.

Besonders auffällig ist das ausführliche Stichwortverzeichnis ebenso wie das Abbildungsverzeichnis. Beides verleiht dem Buch eine Form von Systematik, die man in diesem Segment – und vor allem unter Self-Publishing Büchern – keineswegs selbstverständlich bekommt. Das ist kein unwichtiger Punkt, weil gerade Sachbücher im Bereich Karriere, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung oft an einem problematischen Widerspruch leiden: Sie wollen hilfreich sein, aber nicht wieder auffindbar. Dieses Buch ist auffindbar. Es lässt sich nicht nur lesen, sondern auch nachschlagen. Das ist ein echtes Plus aus meiner Sicht.

Umso bedauerlicher ist es, dass ausgerechnet an anderer Stelle jene Konsequenz fehlt, die man sich nach so viel strukturellem Fleiß erhofft hätte.


Ronny Marx: Rhetorik-Coach, Speaker und praxisorientierter Kommunikationsvermittler

Hinter „Reden lernen“ steht mit Ronny Marx kein klassischer Hochschulrhetoriker, sondern ein Autor, der sich vor allem als Speaker, Rhetorik-Coach und Kommunikationsprofi positioniert. Auf seiner Website beschreibt er sich als jemanden, der seit mehr als 15 Jahren auf kleinen und großen Bühnen steht, Workshops und Seminare leitet und Menschen dabei begleitet, sicherer zu präsentieren, überzeugender aufzutreten und ihre kommunikative Wirkung zu verbessern. Er verweist zudem auf über 300 Vorträge, Präsentationen und Pitches sowie auf Auftritte vor teils mehreren hundert Teilnehmern. 

Sein beruflicher Hintergrund ist stark praxisgetrieben. Ronny Marx schreibt, dass er in seiner Agenturtätigkeit bekannte Marken aus Bereichen wie Sport, Fashion, Heimwerken, Kosmetik und Spirituosen gepitcht habe. Darüber hinaus tritt er nach eigenen Angaben als Keynote-Speaker auf Konferenzen und Veranstaltungen auf, übernimmt Moderationsaufgaben und ist auch als Gastdozent an den Universitäten Hannover und Lüneburg tätig. Diese Mischung aus Bühne, Training und Vermittlung erklärt gut, warum sein Buch so deutlich aus der Anwendung heraus denkt und weniger aus einer akademisch-theoretischen Tradition kommt. 

Zur Personenmarke gehört inzwischen mehr als nur das Buch selbst. Ronny Marx bietet auf seiner Website Rhetorik-Coachings, Videokurse und begleitende Formate rund um Präsentation, Redeangst, Stimme, Wirkung und Foliendesign an. Außerdem wird auf seiner Website ein weiteres Buch von ihm genannt, „Positive Psychologie“, in das nach eigener Darstellung persönliche Erfahrungen als Familienvater und Unternehmer eingeflossen sind. Insgesamt zeigt sich hier also ein Autor, der sein Thema nicht primär wissenschaftlich, sondern aus der Trainer-, Bühnen- und Coachingpraxis heraus entwickelt – mit einer klaren Handschrift, starkem Sendungsbewusstsein und einer sehr deutlichen Vorstellung davon, wie überzeugendes Sprechen funktionieren soll. 


Die große Schwäche: zu viel Glaube an die eigene Regel

Der heikelste Punkt dieser Lektüre ist nicht, dass Ronny Marx starke Meinungen hat. Starke Meinungen sind erlaubt. Sie können ein Buch sogar tragen. Problematisch wird es dort, wo aus Erfahrung eine Universalformel wird.

Ein besonders prominentes Beispiel ist der Umgang mit der Agenda. Ronny Marx vertritt hier sinngemäß die Position, man solle sie weglassen. Nicht nur gelegentlich, nicht nur dann, wenn sie erkennbar überflüssig ist, sondern mit einer Entschiedenheit, die kaum Raum für Gegenwirklichkeiten lässt. Als Störung eingefahrener Präsentationsrituale ist dieser Impuls zunächst reizvoll. Und ja, er trifft einen echten Schmerzpunkt. Unzählige Vorträge werden durch lustlos vorgetragene Agenden eröffnet, die nichts anderes leisten, als sofort jede Spannung abzubauen.

Aber das ist eben nicht die ganze Wahrheit. Zwischen einer Keynote, einem Quartalsbericht, einer internen Managementpräsentation, einem Pitch, einer universitären Lehrveranstaltung und einer fachlich komplexen Projektvorstellung liegen kommunikative Welten. In manchen Kontexten ist eine Agenda Ballast. In anderen ist sie Orientierung. In manchen Fällen wirkt sie routiniert und überflüssig. In anderen ist sie ein Zeichen von Respekt gegenüber der Zeit und Aufmerksamkeit der Zuhörer. Wer diese Unterschiede nicht mitdenkt, macht sich das Thema für mich zu einfach.

Genau hier liegt der Punkt, an dem das Buch bei aller Energie etwas von seiner intellektuellen Spannkraft einbüßt. Es argumentiert nicht immer aus der Vielfalt realer Kommunikationssituationen heraus, sondern häufig aus der Perspektive einer sehr bestimmten Vortragspraxis. Diese Praxis mag für den Autor funktionieren. Dass sie deshalb in nahezu jedem Format die beste Lösung sein soll, ist eine andere Behauptung.

Dasselbe Problem zeigt sich beim Prinzip „Never excuse on stage“. Die Grundidee dahinter ist nachvollziehbar und in vielen Situationen sogar richtig: Wer jede kleine Unsicherheit kommentiert, verstärkt sie. Wer sich vorsorglich entschuldigt, bevor überhaupt etwas schiefgelaufen ist, untergräbt die eigene Präsenz unnötig selbst. Das ist ein sinnvoller Gedanke und gerade für nervöse Sprecher oft ein wertvoller Gegenimpuls.

Doch auch hier wird aus einem guten Impuls eine zu starre Regel. Denn Kommunikation ist keine sterile Versuchsanordnung. Es gibt sehr wohl Momente, in denen ein kurzer, souveräner, vielleicht humorvoller Umgang mit einem offensichtlichen Fehler klüger ist als das demonstrative Übergehen. Wenn eine Folie sichtbar verrutscht, das Mikrofon ausfällt oder man einen offensichtlichen Versprecher produziert, den alle im Raum bemerkt haben, dann kann ein knapper, entspannter Kommentar entlasten, verbinden und die Glaubwürdigkeit sogar erhöhen. Nicht jede Entschuldigung schwächt. Manchmal ist sie schlicht soziale Intelligenz.

Und genau diese soziale Intelligenz ist der Raum, den das Buch sich zu selten gönnt. Es liebt die Klarheit der Maxime mehr als die Wahrheit des Einzelfalls.

Die stärksten Passagen des Buches entstehen immer dann, wenn Erfahrung in Beobachtung übersetzt wird. Schwächer wird es dort, wo Beobachtung in Dogma umkippt. Dann klingt das Buch zwar entschieden, aber nicht unbedingt klüger.

Der innere Widerspruch dieses Titels

Vielleicht ist der interessanteste Punkt an Reden lernen sein eigener Titel. Denn wer ein Buch mit diesem Namen aufschlägt, erwartet ein Plädoyer für rhetorisches Handwerk. Für Technik im besten Sinne. Für Sprache als formbare Fähigkeit. Für Wirkung, die nicht nur aus Temperament, sondern auch aus Übung entsteht.

Tatsächlich setzt Ronny Marx an mehreren Stellen sehr stark auf den Gedanken der Authentizität und grenzt sich spürbar von dem ab, was man landläufig als rhetorische Tricks bezeichnen könnte. Das ist als Korrektiv verständlich. Niemand möchte einem Redner zuhören, der geschniegelt in Formeln glänzt, aber als Person nicht mehr vorkommt. Rhetorik ohne innere Wahrheit ist unerquicklich. Darin hat der Autor recht.

Nur entsteht aus diesem berechtigten Einwand mitunter ein merkwürdiger Nebeneffekt: Das Buch wirkt stellenweise, als müsse es die Rhetorik selbst gegen eine moralische Verdächtigung verteidigen. Als sei technische Finesse bereits ein Problem. Als sei Authentizität nur dann rein, wenn sie sich möglichst wenig nach erlerntem Handwerk anfühlt.

Das überzeugt mich nicht ganz. Denn gerade gute Rhetorik besteht nicht darin, unecht zu werden, sondern die eigene Echtheit präziser, wirksamer und bewusster zum Ausdruck bringen zu können. Ein Mensch wird nicht automatisch künstlich, nur weil er lernt, besser zu strukturieren, treffender zu formulieren, sinnvoller zu pausieren oder aufmerksamer mit Publikumssignalen umzugehen. Im Gegenteil: Oft wird er erst dadurch überhaupt verständlich.

Hier verschenkt das Buch einen Teil seiner begrifflichen Kraft. Statt Authentizität und rhetorisches Handwerk als produktive Verbindung zu denken, nähert es sich bisweilen einer Gegenüberstellung an, die unnötig ist. Für Leser mag das kurz motivierend wirken, weil es Druck nimmt. Für ein Rhetorikbuch ist es aber auch ein gedanklicher Kurzschluss.

Quellen und Belege: die größte sachliche Lücke

Es gibt in diesem Buch mehrere Momente, in denen Ronny Marx mit Erklärungen aus dem Bereich Stress, Lampenfieber, Blackout und neuropsychologische Reaktionen arbeitet. Diese Passagen sind nicht schlecht geschrieben. Im Gegenteil: Sie lesen sich eingängig, plausibel und anschlussfähig. Gerade Leser, die ihre Nervosität besser verstehen wollen, dürften daraus durchaus etwas mitnehmen.

Nur bleibt bei all dem ein entscheidender Mangel: Die Quellenarbeit reicht nicht aus.

Das Problem ist dabei nicht, dass ein Ratgeber populär schreibt. Ein gutes Sachbuch darf verständlich sein. Es darf sogar vereinfachen, solange es verantwortlich vereinfacht. Aber sobald wissenschaftliche Bezüge hergestellt werden, wächst die Pflicht zur Transparenz. Und genau daran fehlt es hier. Es gibt kein Literaturverzeichnis, keinen wirklich befriedigenden Nachweisapparat, keine strukturierte Einladung an den Leser, tiefer zu gehen, nachzulesen, gegenzuprüfen oder Begriffe weiterzuverfolgen.

Das fällt umso stärker ins Gewicht, weil das Buch an anderer Stelle so viel Wert auf Ordnung, Auffindbarkeit und Systematik legt. Wer ein so ausführliches Stichwortverzeichnis erstellt, weckt automatisch die Erwartung, dass auch die wissenschaftlich wirkenden Passagen sauber rückgebunden sind. Bleibt diese Rückbindung aus, entsteht ein Bruch. Dann wirkt das Buch in Teilen souveräner, als es sich absichert.

Gerade in den Feldern Kommunikation, Karriere und Persönlichkeitsentwicklung ist das kein Nebenthema. Hier wird ohnehin viel behauptet, schnell verallgemeinert und gern aus Erfahrung eine allgemeine Wahrheit konstruiert. Umso wichtiger wäre ein Mindestmaß an dokumentierter Belegführung gewesen. Nicht, weil das Buch ein Universitätsseminar sein müsste. Sondern weil ein anspruchsvoller Leser unterscheiden können möchte zwischen einer guten Praxiserfahrung und einer belastbaren Aussage mit wissenschaftlichem Untergrund.

Dieser Punkt ist für mich der schwerwiegendste Grund, warum das Buch trotz seiner Stärken nicht in eine höhere Wertung hineinwächst.

Wer starke Erklärungen liefert, sollte dem Leser auch die Möglichkeit geben, ihre Herkunft nachzuvollziehen. Gerade weil das Buch an vielen Stellen mit großer Sicherheit auftritt, fällt umso mehr auf, dass ihm dort ein belastbarer Unterbau fehlt, wo Nachvollziehbarkeit besonders wichtig wäre – „trust me Bro“ ist keine Quelle.

Zusatzmaterial zwischen Mehrwert und Markenführung

Auffällig ist außerdem die Präsenz von QR-Codes, Verweisen und ergänzendem Material. Grundsätzlich ist daran nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Gerade bei einem Thema wie Rhetorik kann es sinnvoll sein, bestimmte Inhalte nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören oder zu sehen. Video- oder Audiomaterial kann echten Mehrwert bieten, wenn es das Buch sinnvoll erweitert.

Die Frage ist also nicht, ob Zusatzangebote legitim sind. Die Frage ist, wie sie sich im Gesamtbild anfühlen. Und hier bewegt sich Reden lernen auf einem schmalen Grat. Einerseits merkt man, dass Ronny Marx seinen Lesern zusätzliche Zugänge anbieten möchte. Andererseits hat man streckenweise das Gefühl, dass das Buch nicht nur als abgeschlossene Lektüre gedacht ist, sondern auch als Verweissystem in weitere Angebotsräume hinein.

Das ist nicht grundsätzlich verwerflich. Viele Autoren arbeiten heute so. Aber es verändert die Wahrnehmung. Wo der Leser eigentlich tiefer in den Text eintauchen möchte, wird er immer wieder daran erinnert, dass rund um das Buch noch eine weitere Infrastruktur existiert. Für manche Leser wird das attraktiv sein. Für andere wird es den Eindruck verstärken, dass hier nicht nur ein Buch spricht, sondern zugleich eine Personenmarke mitsendet.

Die Schwierigkeit liegt weniger in der Existenz dieser Materialien als in ihrer atmosphärischen Wirkung. Ein starkes Sachbuch sollte immer zuerst aus sich selbst heraus tragen. Zusatzmaterial ist dann die Kür, nicht das Sicherheitsnetz.

Verarbeitung, Haptik und Preis-Leistung

Zu einer ehrlichen Rezension gehört auch die materielle Seite. Gerade bei Sachbüchern, die man nicht nur einmal liest, sondern markiert, aufschlägt, mitnimmt und durcharbeitet, ist die Verarbeitung nicht nebensächlich. Und hier bleibt der Eindruck leider hinter dem inhaltlichen Aufwand zurück.

Das Buch ist als größeres Taschenbuch angelegt, was grundsätzlich gut zum Umfang und Anspruch passt. Die Bindung wirkt jedoch vergleichsweise weich und empfindlich. Schon nach wenigen Lesevorgängen zeigt das Exemplar deutliche Knicke und eine gewisse Müdigkeit. Das ist deshalb bedauerlich, weil gerade ein Rhetorikbuch oft als Arbeitsbuch genutzt wird. Es wird in Seminarräume getragen, neben den Laptop gelegt, unterwegs gelesen, wieder geöffnet, mit Markierungen versehen. Dafür müsste es robuster sein.

Gleichzeitig ist der Preis von 17,90 Euro gemessen an Umfang, Ambition und Nutzwert fair. Das Buch liefert viel Stoff, viel praktische Energie und sichtbar viel investierte Arbeit. Es wirkt nicht wie ein dünn aufgeblasenes Expertenprodukt, das aus wenigen Kernideen künstlich Länge erzeugt. Im Gegenteil: Man merkt dem Text an, dass hier jemand wirklich etwas sagen wollte. Insofern stimmt die Preis-Leistung grundsätzlich, auch wenn die Bindung diesem Eindruck nicht ganz gerecht wird.

„Scheiß auf Rhetorik – sei authentisch!“
Ronny Marx

Für wen dieses Buch wirklich funktioniert

Reden lernen eignet sich vor allem für Menschen, die einen direkten, motivierenden, handfesten Einstieg in das Thema suchen. Wer häufig vor anderen spricht, dabei aber nicht auf theoretische Tiefe aus ist, sondern auf möglichst schnell einsetzbare Hilfe, wird in diesem Buch einiges finden. Es kann besonders für Einsteiger oder für Menschen nützlich sein, die unter Redeangst leiden, sich vor Präsentationen blockieren oder typische Vortragsroutinen endlich durchbrechen wollen.

Weniger geeignet ist das Buch für Leser, die sich eine stärker differenzierte, wissenschaftlich sauber untermauerte oder kommunikativ kontextbewusste Auseinandersetzung mit Rhetorik wünschen. Wer viel in formalisierten beruflichen Strukturen unterwegs ist, wer zwischen Vorstandstermin, Strategiepräsentation, Team-Update und öffentlicher Keynote klar unterscheiden muss, wird einige der hier gesetzten Maximen eher als provozierenden Debattenbeitrag denn als tragfähige allgemeine Leitlinie lesen.

Das ist vielleicht die ehrlichste Einordnung: Dieses Buch ist kein neutrales Standardwerk. Es ist ein Buch mit Handschrift. Mit Temperament. Mit Haltung. Mit den Vorzügen und Schattenseiten, die eine starke Handschrift eben immer mit sich bringt.

Fazit: lesenswert, nützlich, aber nicht unangreifbar

Ronny Marx hat mit Reden lernen ein Buch geschrieben, das seine Leser nicht einschläfert, nicht geschniegelt durch Kommunikationsmodelle führt und auch nicht so tut, als ließe sich Präsenz allein aus Theorie destillieren. Das ist erfrischend. Das Buch hat Tempo, Zug, Anwendbarkeit und an vielen Stellen einen echten Nutzwert. Gerade wo es um Redeangst, Startmomente, Publikumskontakt und typische Präsentationsfehler geht, ist es nah an der Wirklichkeit und klar in seiner Hilfe.

Doch genau dieses Buch hätte noch stärker sein können, wenn es seiner eigenen Energie an einigen Stellen mehr Differenzierung gegönnt hätte. Die allzu harten Regeln zu Agenda, Entschuldigung und Präsentationslogik wirken nicht deshalb problematisch, weil sie provokant sind, sondern weil sie zu selten anerkennen, dass gute Kommunikation immer vom Kontext lebt. Dazu kommt die fehlende Quellenarchitektur, die dem Buch dort Substanz entzieht, wo es mehr sein will als bloße Erfahrungserzählung.

Am Ende bleibt deshalb ein Urteil, das weder vernichtend noch euphorisch ausfällt, sondern bewusst abgewogen: Reden lernen ist ein gutes Praxisbuch mit klarer Handschrift, hoher Anwendbarkeit und spürbaren Schwächen in Belegführung und Differenzierung. Es ist kein leises Buch, kein elegantes Theoriewerk und kein universelles Standardwerk. Aber es ist ein Buch, an dem man sich reiben kann, und manchmal ist genau das produktiver als makellose Gefälligkeit.

Meine 5 Key Learnings aus Reden Lernen – Überwinde deine Redeangst – von Ronny Marx:

Redeangst ist kein Charakterfehler, sondern ein Zustand, mit dem man arbeiten kann

Eine der stärkeren Botschaften des Buches ist, dass Nervosität vor Vorträgen nichts Peinliches und auch nichts Exotisches ist. Ronny Marx behandelt Redeangst nicht als Makel, sondern als etwas, das viele Menschen betrifft und das sich mit Vorbereitung, Gewöhnung und klugen Routinen beeinflussen lässt. Gerade für Einsteiger liegt darin ein echter Wert, weil das Buch nicht von natürlichem Talent ausgeht, sondern von Entwicklung. Diese entdramatisierende Perspektive ist wahrscheinlich einer der praktischsten Zugänge des gesamten Buches.

Gute Vorträge beginnen nicht erst mit dem ersten Satz

Besonders einprägsam ist der Gedanke, dass Auftritte lange vor dem eigentlichen Einstieg beginnen. Wer vorab bereits Kontakt mit dem Publikum aufnimmt, einzelne Menschen anspricht oder sich den Raum bewusst erschließt, verändert seine innere Ausgangslage spürbar. Das ist keine spektakuläre Technik, aber eine wirksame. Gerade weil dieser Ansatz so niedrigschwellig ist, gehört er zu den Tipps, die man am ehesten sofort in die eigene Praxis übernehmen kann.

Präsentationen scheitern oft nicht am Inhalt, sondern an ihrer Aufbereitung

Das Buch macht sehr deutlich, dass viele Vorträge nicht deshalb schwach wirken, weil das Thema nichts hergibt, sondern weil die Präsentation den Sprecher sabotiert. Zu volle Folien, starre Routinen und schlecht gesetzte visuelle Schwerpunkte nehmen der Botschaft Kraft, noch bevor sie beim Publikum ankommen kann. Ronny Marx liefert hier einige griffige Regeln, die helfen, Präsentationen klarer und wirksamer zu denken. Auch wenn manche seiner Thesen zu absolut formuliert sind, bleibt der Grundgedanke richtig: Gute Inhalte brauchen eine Form, die ihnen dient.

Rhetorik lebt von Klarheit, aber nicht jede Klarheit taugt als allgemeine Regel

Ein zentrales Learning aus der Lektüre ist fast schon indirekt: Klare Regeln können enorm hilfreich sein, solange man sie nicht mit universellen Wahrheiten verwechselt. Genau hier zeigt das Buch seine produktive wie problematische Seite zugleich. Es ermutigt dazu, Routinen zu hinterfragen, überstrapaziert dabei aber stellenweise den eigenen Absolutheitsanspruch. Wer das Buch mitdenkend liest, kann daraus dennoch viel gewinnen — gerade dann, wenn man seine Maximen eher als Impulse denn als unumstößliche Gesetze versteht.

Praxisnähe ist wertvoll, ersetzt aber keine saubere Einordnung

Ronny Marx schreibt sichtbar aus Erfahrung, und genau das macht das Buch zugänglich, lebendig und an vielen Stellen nützlich. Gleichzeitig zeigt die Lektüre aber auch, wie wichtig es ist, zwischen Praxiswissen und belastbarer Einordnung zu unterscheiden. Wo starke Erklärungen geliefert werden, wächst auch die Erwartung an Transparenz und Belegbarkeit. Das vielleicht wichtigste Meta-Learning dieses Buches lautet deshalb: Erfahrung kann sehr überzeugend sein — aber sie gewinnt noch einmal an Stärke, wenn sie nachvollziehbar eingeordnet wird.

Wenn du auf der Suche nach weiteren spannenden Büchern bist, dann findest du unter Buchtipps eine interessante Auswahl aus über 550 ausführlichen Rezensionen. Diese kannst du individuell nach Preis, Seitenanzahl, Themenbereich, Bewertung und Zielgruppe filtern. Solltest du eine vergleichbare Buchempfehlung für mich haben, dann schreib mir doch gerne über meine Social-Media-Kanäle.

Celine Nadolny lächelt in die Kamera und hält einen Stapel Bücher in den Händen. Auf dem Bild steht der Text ‚Effektiver Speed Reading Onlinekurs – schneller lesen, mehr behalten, konsequent umsetzen‘.

Schneller Lesen – Mehr Behalten – Konsequent Umsetzen

Wie Lesen vom Konsum zur echten Veränderung wird

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