SELFCARE NEXT LEVEL von Kara Pientka* ist ein Fachbuch, das den Begriff der Selbstfürsorge konsequent in den Führungskontext überträgt. Die Autorin, die seit 1997 mit Führungskräften arbeitet, adressiert damit eine wachsende Problemlage: Die Anforderungen an Führungspersonen steigen kontinuierlich, während ihre Kraftreserven sinken. Kara Pientka betrachtet das nicht als individuelles Versagen, sondern als strukturelles Symptom einer sich wandelnden Arbeitswelt. Sie spricht ihre Leser direkt an, würdigt deren Engagement und macht ihnen Mut, sich selbst dabei nicht aus dem Blick zu verlieren. / Anzeige
Das Buch richtet sich an Führungskräfte, die auch in krisenhaften Zeiten gesund, wirkungsvoll und menschlich führen möchten – ohne sich dabei selbst zu überfordern oder auszubeuten.
Teil I: Die Diagnose – warum Selbstfürsorge im Business kaum vorgesehen ist
Im ersten Teil analysiert Kara Pientka, warum Selbstfürsorge im Führungsalltag häufig keinen Platz findet. Sie stellt fest: Selbst hochmotivierte Persönlichkeiten erleben einen eklatanten Widerspruch zwischen dem Wissen um die eigene Gesundheit und dem Alltag, der kaum Raum für echte Regeneration lässt. Die Autorin beschreibt diesen Zustand als „Eigentlich-müsste-ich-mich-besser-um-mich-kümmern-Welt“.
Mit Fallbeispielen wie dem von Ellen, die ihre Führungsrolle als nicht enden wollenden Waschgang beschreibt, bringt Kara Pientka komplexe Belastungsdynamiken auf den Punkt. Führungskräfte agieren in Systemen, die auf reibungsloses Funktionieren ausgelegt sind. Wer schwächelt, zweifelt oft an sich selbst, statt das System zu hinterfragen.
Ein zentrales Motiv: Die Scham, die entsteht, wenn Führungskräfte erkennen, dass sie ihre eigene Gesundheit vernachlässigen. Dabei stellt die Autorin klar: Nicht mangelnde Disziplin, sondern ein kulturell und strukturell geprägtes Führungsverständnis führt zu dieser Schieflage.
Teil II: Die Praxis – sieben Strategien für ganzheitliche Selbststärkung
Der zweite Teil des Buches ist praxisorientiert aufgebaut. Kara Pientka stellt sieben Strategien vor, die Führungskräfte dabei unterstützen sollen, sich selbst als Kraftquelle ernst zu nehmen und in Krisen souverän zu bleiben. Die Strategien beruhen auf systemischen, psychologischen und praktischen Prinzipien und können direkt in den Arbeitsalltag integriert werden.
1. Haltung statt Charakter
Kara Pientka betont die Wirksamkeit innerer Haltungen. Anders als feste Charakterzüge lassen sich Haltungen reflektieren und verändern. Die Leser entwickeln ein Bewusstsein für ihre Sicht auf Menschen, Aufgaben und Herausforderungen. Diese Haltung bestimmt wesentlich die Wirkung nach innen und außen.
2. Selbsttreue statt Selbstausbeutung
In dieser Strategie geht es um authentisches Handeln im Einklang mit den eigenen Werten. Wer selbsttreu führt, bleibt kraftvoll, weil keine dauerhafte innere Spannung entsteht. Die Autorin illustriert dies mit einem eindrücklichen Ein-Personen-Theaterstück, das innere Zerrissenheit und Transformation bildstark beschreibt.
3. Perspektivenvielfalt statt Eindimensionalität
Vielfalt im Denken und Fühlen ermöglicht kreative Lösungen. Kara Pientka fordert ihre Leser auf, verschiedene Wahrnehmungspositionen einzunehmen und den Blick für komplexe Zusammenhänge zu schärfen. Dies fördert nicht nur Problemlösungskompetenz, sondern stärkt auch die Resilienz.
4. Individuation statt Anpassung
Diese Strategie beschreibt persönliche Entwicklung als Weg in bislang ungenutztes Potenzial. Führungskräfte wachsen an neuen Aufgaben, wenn sie mit Offenheit und Lernbereitschaft agieren. Am Beispiel einer irritierenden, aber letztlich bereichernden Erfahrung mit einem neuen Auto wird dieser Prozess greifbar gemacht.
5. Zukunftsorientierung statt Rückwärtsgewandtheit
Wer Veränderungen führen will, muss sich selbst kontinuierlich weiterentwickeln. Kara Pientka argumentiert, dass ein „neues Ich“ notwendig ist, um den Kulturwandel in Organisationen glaubwürdig zu begleiten. Alte Überzeugungen verlieren an Kraft, wenn neue Perspektiven integriert werden.
6. Mensch statt Superhero
Diese Strategie richtet sich gegen die verbreitete Vorstellung, Führungskräfte müssten alles können und dürfen keine Schwächen zeigen. Kara Pientka plädiert für eine menschliche, fehlerfreundliche Führungskultur. Sie zeigt, dass dies nicht nur gesünder ist, sondern auch die Teambeziehungen stärkt.
7. Dialog statt Monolog
Kommunikation auf Augenhöhe ist die Basis gesunder Führung. Dialog bedeutet, sich und andere ernst zu nehmen, zuzuhören und wechselseitige Resonanz zuzulassen. Kara Pientka verknüpft diese Strategie mit dem Konzept von „Sensorship“ – der Fähigkeit, innere und äußere Signale bewusst zu registrieren und zu regulieren.
Schlüsselkonzepte: Sensorship, Stimmigkeit und Selbstverantwortung
Ein zentrales Konzept des Buches ist Sensorship. Damit bezeichnet Kara Pientka die Fähigkeit, sich selbst differenziert wahrzunehmen und auf Basis dieser Wahrnehmung zu handeln. Es geht um ein aktives Energiemanagement, das mentale, emotionale und körperliche Aspekte einbezieht. Die Leser lernen, sich als Akteure ihres eigenen Wohlbefindens zu verstehen.
Ein weiterer Schlüsselbegriff ist Stimmigkeit. Wer mit sich selbst im Einklang steht, agiert souveräner und gelassener. Kara Pientka zeigt, dass Selbstverantwortung nicht in Selbstoptimierung mündet, sondern in eine klare, bewusste Haltung gegenüber sich selbst.
Zielgruppe: Für Führungskräfte mit Anspruch an sich selbst
Selfcare Next Level* richtet sich an Menschen in Führungspositionen, die sich bewusst mit der Qualität ihrer Führung auseinandersetzen möchten. Besonders angesprochen fühlen sich Führungskräfte, die sich nicht mit oberflächlichen Tipps zufriedengeben, sondern tieferliegende Dynamiken verstehen wollen. Die Leser von Kara Pientka profitieren dann besonders, wenn sie bereit sind, ihre eigenen Muster zu reflektieren und Neues auszuprobieren.
„Gerade wir Führungskräfte haben so viele Anforderungen von außen, so viele Ansprüche von Stakeholdern, die bedient werden wollen, sodass wir selbst mit unseren eigenen Bedürfnissen schnell in den Hintergrund treten. Und dann liegen diese wie zurückgelassene Handschuhe im Zug oder Bus und fahren heimatlos durch die Gegend. (…) Es geht mir um die Kunst der wohlwollenden Selbstbehauptung in einer fordernden Umbruchszeit.“
Kara Pientka
An dieser Stelle ein paar Worte zur Autorin:
Kara Pientka ist diplomierte Sozialwissenschaftlerin und Expertin für gesundheitsorientierte Führung. Als Gründerin und Geschäftsführerin des INHESA Instituts für Health & Selfcare in Berlin unterstützt sie Führungskräfte, Leitungspersonen und Unternehmer dabei, einen selbstfürsorglichen Lebens- und Arbeitsstil zu etablieren. Das Institut gilt als Pionier im Bereich medizinisch fundierter Coachings im deutschsprachigen Raum.
Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung im Coaching-Bereich verbindet Kara Pientka systemische Ansätze mit fundiertem Wissen aus Psychologie, Organisationsentwicklung und Gesundheitswissenschaften. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Entwicklung ganzheitlicher Strategien, die Führungskräfte stärken, ohne sie zu überfordern. Sie legt dabei besonderen Wert auf eine alltagstaugliche Integration von Selbstfürsorge in komplexe berufliche Kontexte.
Im Jahr 2023 gründete sie das Unternehmen »Don’t Call Me Sick«, ein Empowerment-Programm für Führungskräfte, die nach gesundheitlichen Krisen zurück in ihre Wirksamkeit finden wollen. Kara Pientka versteht Selbstfürsorge nicht als Rückzug, sondern als aktive Führungsaufgabe und Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.
Mit ihrem Ansatz setzt sie neue Standards für Führung im Wandel und etabliert Selfcare als strategischen Bestandteil moderner Arbeitskulturen.
„Ein Hamsterrad-Park-Direktor hat einen großen Fuhrpark von Hamsterrädern, die alle miteinander verzahnt sind. Als Direktor bin ich dafür verantwortlich, dass alle Hamster in ihren Rädern möglichst effizient laufen. Dabei laufe ich so viel zwischen den Rädern hin und her, schraube hier, schraube da, motiviere, besänftige und rase rum, dass ich die Laufleistung eines normalen Hamsters bei Weitem übertreffe und eigentlich keine reelle Chance habe, alles zu koordinieren.“
Kara Pientka
Ein wertvoller Impuls zur richtigen Zeit – ein Blick auf Selfcare Next Level*
Mein erster Eindruck des Buchs war durchweg positiv. Die hochwertige Paperback-Ausgabe im Campus-Verlag überzeugt bereits auf den ersten Blick. Der farblich abgesetzte Umschlag innen ist ein schönes gestalterisches Extra.
Den Preis von 28 Euro für etwas über 230 Seiten empfand ich allerdings als hoch. Vergleichbare Bücher bewegen sich teils bei 12 bis 20 Euro. Auch wenn das Layout hochwertig ist, wären 20 Euro für mich angemessener gewesen.
Thematisch hat mich das Buch direkt angesprochen.
Selfcare wird unter modernen Leistungsträgern oft noch immer belächelt oder ignoriert. Besonders in Businesskreisen liest man oft von Menschen, die mit Schlafmangel oder Dauerpräsenz im Büro prahlen.
Diese Haltung hat mich persönlich nie überzeugt. Gleichzeitig sehe ich, dass sich in den letzten Jahren ein Wandel abzeichnet. Mentale und körperliche Gesundheit finden langsam mehr Akzeptanz – aber es ist ein zäher Prozess.
Selfcare Next Level* kommt deshalb genau zur richtigen Zeit. Es richtet sich an alle, die endlich lernen möchten, ihren Körper nicht länger zu überfordern, sondern zu stärken.
Der Aufbau ist klar und durchdacht. Die Kapitel sind angenehm kurz und logisch aufeinander abgestimmt. Besonders gelungen: die Zusammenfassungen („Essenz für Eilige“) sowie praxisnahe Übungen und Reflexionsimpulse. Die Illustrationen wirken etwas altmodisch, fügen sich aber gut ins Gesamtkonzept ein.
Sprachlich bleibt Kara Pientka ruhig, sachlich und nahbar. Sie entlarvt alte Mythen ohne Belehrung und macht Mut zu mehr Selbstverantwortung. Ihr Buch ist kein überdrehtes Motivationswerk, sondern ein seriöses deutsches Sachbuch mit Tiefgang.
Spannend fand ich besonders die Verbindung von Gesundheit, Motivation und Produktivität.
Das Buch zeigt klar, dass Selfcare mehr ist als ein persönliches Anliegen – es ist auch wirtschaftlich relevant.
Ein kleiner Kritikpunkt: Die Coaching-Beispiele nehmen streckenweise etwas viel Raum ein. Ihre Kernaussagen hätten sich kompakter darstellen lassen. Eine visuelle Abgrenzung in Infokästen wäre dabei hilfreich gewesen.
Unterm Strich bin ich überzeugt: Dieses Buch kann einen echten Unterschied machen.
Auch wenn die Zielgruppe schwer zu erreichen ist – das Thema ist wichtiger denn je. Ich wünsche diesem Buch viele Leserinnen und Leser, die offen sind für eine neue Art zu führen – und zu leben.
„Wenn wir uns als Führungskräfte entscheiden, ein anderes, gesundes Selbstverständnis zu entwickeln, sind wir Pioniere. Die beste Zeit, sich für das eigene Wohlbefinden und die eigene Gesundheit einzusetzen, ist also jetzt! (…) Das System um uns herum profitiert sehr von Menschen, die ‚funktionieren‘. Wenn wir die innere Kraft entwickeln, uns einen eigenen Lebensraum zu schaffen, fühlen wir uns darin zutiefst lebendig und produktiv – ein schönes Gefühl!“
Kara Pientka
Fazit: Ein fundierter Selbstcoaching-Kompass für Führung in der Transformation
Kara Pientka gelingt mit Selfcare Next Level* ein differenziertes, reflektiertes und gleichzeitig alltagstaugliches Buch. Ihre sieben Strategien bieten Orientierung in einer unübersichtlichen Welt. Dabei bleibt sie nah an der Praxis, ohne in einfache Ratgeberformeln zu verfallen. Die Leser der Autorin erhalten einen praxiserprobten Wegweiser, um sich selbst als Mensch und Führungskraft neu zu verorten.
Wer Selbstfürsorge nicht als Wellness, sondern als strategische Führungsaufgabe versteht, findet in diesem Buch einen langfristigen Begleiter auf dem Weg zu gesunder, klarer und wirksamer Führung.
Fünf Key Learnings aus SELFCARE NEXT LEVEL von Kara Pientka:
1. Selbstfürsorge ist Führungsqualität, keine Schwäche
Wer dauerhaft im Funktionsmodus lebt, verliert früher oder später den Kontakt zu sich selbst. Selbstfürsorge ist daher kein Luxus, sondern essenziell für klare Entscheidungen, Resilienz und menschliches Führungsverhalten.
2. Innere Haltung lässt sich bewusst gestalten
Statt sich auf starre Charakterzüge zu berufen, können Führungskräfte ihre Haltung reflektieren und gezielt verändern. Wer sich seiner Perspektiven und Werte bewusst ist, führt mit mehr Klarheit, Authentizität und Wirkung.
3. Selbsttreue schützt vor Selbstausbeutung
Viele Führungskräfte geben alles – oft über die eigenen Grenzen hinaus. Wer sich jedoch selbst treu bleibt, setzt gesunde Grenzen, lebt stimmiger und schöpft langfristig aus einer echten Kraftquelle.
4. Veränderungen sind Einladung zum Wachstum
Verunsicherung ist ein natürlicher Teil von Transformation. Wer mit Neugier und Offenheit agiert, kann Veränderungen nutzen, um in bislang ungenutzte Potenziale hineinzuwachsen und neue Souveränität zu entwickeln.
5. Gesundheit beginnt mit Sensorship
Der Schlüssel zu nachhaltiger Selbstführung liegt in der bewussten Wahrnehmung innerer und äußerer Signale. Wer achtsam mit seinen Ressourcen umgeht, entwickelt ein stabiles Energieniveau und bleibt auch unter Druck handlungsfähig.