Celine von Book of Finance liest Steuern, aber lustig! Reloaded von Andreas Görlich, dazu Cover und Innenseite.
Steuern

Steuern, aber lustig! Reloaded

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★★★★☆

★★★★☆ STEUERN, ABER LUSTIG! RELOADED von Andreas Görlich* – Der Gründer-Steuerratgeber, der tatsächlich in die Umsetzung bringt. anzeige

Kaum ist die erste Rechnung raus, liegt er im Briefkasten: der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Soll- oder Ist-Besteuerung, Gewinnermittlungsart, voraussichtlicher Umsatz. Und spätestens hier merken die meisten Gründer, dass sie ausgerechnet die Disziplin im unternehmerischen Zehnkampf verschlafen haben, die sie bares Geld kostet: die Steuern. Der Schuhkarton voller Belege wächst, die Angst vor dem Amt wächst mit, und im Raum steht die Frage, ob man das selbst macht oder einen Steuerberater bezahlt. Beides kostet, das eine Zeit und Nerven, das andere Geld, und beides setzt voraus, dass man überhaupt versteht, worum es geht.

Ich lese seit sieben Jahren Steuerbücher, und ich bin damit streng geworden. Denn die meisten scheitern an derselben Stelle. Sie erklären und erklären, bauen Fachwissen auf, das im Kopf sofort wieder zerfällt, und lassen den Leser genau dann allein, wenn es darauf ankommt: bei der Umsetzung. Mein Maßstab war jahrelang der gute alte Konz, weil dort neben jedem Tipp stand, wie man ihn tatsächlich anwendet. Nach diesem Maßstab urteile ich, und die wenigsten halten ihm stand. Zu oft lege ich ein dickes, teures Steuerbuch mit dem Gefühl weg, zwar viel gelesen, aber wenig verstanden zu haben, was ich am Montagmorgen konkret tun soll.

„Steuern, aber lustig! Reloaded“ von Andreas Görlich (Steuern aber lustig Verlag, ISBN 978-3-944043-18-0) tritt mit einem doppelten Versprechen an: Gründern und Jungunternehmern die Steuern verständlich zu machen und zu unterhalten, „ohne dabei an fachlicher Substanz zu verlieren“. Es ist ein Selbstverlags-Buch, mittlerweile in der 6. Auflage, rund 470 Seiten dick, geschrieben von einem echten Steuerberater. Diese Mischung macht erst einmal misstrauisch. Selfpublishing plus Kalauer plus Fachthema, das geht selten gut aus.

Hier geht es überraschend gut aus. Ich vergebe vier von fünf Sternen. „Steuern, aber lustig! Reloaded“ ist ein umfassender, fachlich auf den Stand 2025 gebrachter Praxisratgeber, der Existenzgründer, Jungunternehmer und Solo-Selbstständige wirklich von der Gewerbeanmeldung bis zur Betriebsprüfung begleitet. Seine größte Stärke ist die Umsetzbarkeit: Entscheidungsbäume, durchgerechnete Beispiele und konkrete Handlungsschritte bringen den Leser in die Anwendung, nicht nur ins Verstehen. Seine größte Schwäche ist der Humor, der zwischen scharf und pubertär schwankt, dazu ein happiger Preis. Für die Zielgruppe eine klare Empfehlung, für steuerlich Fortgeschrittene eher Auffrischung.

„Immer, wenn Politiker das Wort ‚Steuererleichterungen‘ in den Mund nehmen, sollten Sie sich besser sofort alle Taschen zunähen!“ Andreas Görlich

Bringt es Gründer wirklich in die Umsetzung?

Ja, und das ist der Grund, warum ich überhaupt bei vier Sternen lande. An der entscheidenden Weggabelung jedes Gründers, Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder doppelte Buchführung, serviert Görlich kein Fachreferat, sondern ein sauberes Entscheidungs-Flowchart: Ist Ihre Rechtsform bilanzierungspflichtig? Sind Sie Freiberufler? Liegt der Gewinn über 80.000 oder der Umsatz über 800.000 Euro? Hat das Finanzamt bereits zur Bilanzierung aufgefordert? Vier Ja-Nein-Knoten, und der Leser weiß, woran er ist. Das ist die Sorte Struktur, die ich bei den meisten Steuerbüchern seit Jahren vermisse.

Noch besser wird es bei der Ist-Besteuerung. Görlich empfiehlt sie klar, begründet sie mit der Liquidität, man tritt nicht in Vorlage und zahlt die Umsatzsteuer erst, wenn der Kunde gezahlt hat, nennt die Umsatzgrenze von 800.000 Euro und sagt exakt, wie man sie beantragt, nämlich direkt im steuerlichen Fragebogen. Tipp, Grund, Schwelle, Handlungsschritt, alles in einem Zug. Zahlreiche durchgerechnete Beispiele im ganzen Buch ziehen dasselbe Prinzip durch. Wer je einen Beleg in der Hand hielt und nicht wusste, in welche Schublade er gehört, findet hier endlich eine Antwort statt einer Paragrafennummer.

Diese Klarheit reicht bis in die Spezialfälle. Der praxisnahe letzte Teil nimmt sich die Absetzposten vor, an denen im Alltag am meisten Geld liegt: Geschäftswagen samt der Wahl zwischen Ein-Prozent-Methode und Fahrtenbuch, häusliches Arbeitszimmer und Homeoffice-Pauschale, Bewirtung, Reisekosten, der rettende Eigenbeleg bei fehlendem Nachweis, dazu Angehörigenverträge finanzamtskonform gestaltet. Es ist die Sammlung, die ein Gründer im ersten Jahr wirklich vor sich hat.

Wie konkret das wird, zeigt die Kleinunternehmerfrage, über die viele aus Bequemlichkeit hinweggehen. Görlich behandelt sie als Wahlrecht, das sich nicht immer lohnt, und liefert die Kriterien dazu: Wer zu Beginn viel investiert, in Ausstattung, Technik oder Ware, verschenkt als Kleinunternehmer den Vorsteuerabzug und zahlt die Umsatzsteuer auf seine Einkäufe selbst. Wer dagegen überwiegend an Privatkunden verkauft und kaum Vorsteuer im Einkauf hat, fährt mit der Vereinfachung gut. Der Leser bekommt statt einer Faustregel die Logik, um seinen eigenen Fall zu rechnen. So wird aus abstraktem Steuerwissen eine Entscheidung, die der Gründer selbst treffen kann.

Ehrlich bleibt aber auch: Ganz das eiserne Konz-Raster ist es nicht. Görlichs Aufbau ist essayistischer, die Tipps stehen unter wechselnden Etiketten, mal „Mein Tipp“, mal „Praktiker-Tipp“, und ein durchgezogenes „das hat sich geändert“ wie beim Klassiker fehlt. Für die Zielgruppe ist das verkraftbar, weil die Beispiele die Lücke füllen. Wer es aber wirklich systematisch mag, wird die Uneinheitlichkeit bemerken.

Steht das Wissen auf der Höhe der Zeit?

Das ist bei einer 6. Auflage die eigentliche Gretchenfrage, denn „Reloaded“ auf den Umschlag zu drucken ist billig. Hier hat Görlich geliefert. Ich habe mehrere Kernzahlen gegengeprüft, und sie stehen auf dem Stand nach dem Wachstumschancengesetz: die Buchführungspflicht bei 80.000 Euro Gewinn beziehungsweise 800.000 Euro Umsatz, die Umsatzgrenze der Ist-Besteuerung ebenfalls bei 800.000 Euro. Ebenso ist die zum 1. Januar 2025 reformierte Kleinunternehmerregelung korrekt erfasst, mit den neuen Grenzen von 25.000 Euro Vorjahresumsatz und 100.000 Euro im laufenden Jahr. Das Impressum datiert den Redaktionsschluss auf August 2025, und man merkt es dem Buch an. Für ein Selbstverlags-Werk ist diese Aktualität ohnehin keine Selbstverständlichkeit, und sie ist das beste Argument, zur neuen statt zur gebrauchten alten Auflage zu greifen. Gerade bei Steuerbüchern ist das kein Detail, denn wer nach veralteten Grenzen handelt, riskiert bares Geld oder Ärger mit dem Finanzamt.

Mehr als Steuern: das digitale Büro

Ein ganzer Teil des Buches verlässt die reine Steuerkunde und widmet sich dem, woran im Gründeralltag die meisten scheitern: der Ordnung. Görlich nennt es das Schuhkartonprinzip und führt vom Belegchaos zur papierlosen Buchhaltung auf Autopilot, mit konkreter Muster-Ordnerstruktur, mit Hinweisen zu Aufbewahrungsfristen, zur Verfahrensdokumentation und zur Datensicherung. Das ist unaufgeregtes, aber ausgesprochen brauchbares Handwerkszeug, und es hebt das Buch über den Durchschnitt der Steuerratgeber, die den Papierkram gern aussparen. Wer seine Belege bisher in einer Schuhschachtel hortet, bekommt hier einen gangbaren Weg heraus, und zwar einen, der ebenfalls vor dem Finanzamt Bestand hat.

Wo der Spaß kippt

Der Humor ist die große Wette dieses Buches, und sie geht nicht durchgehend auf. An seinen besten Stellen ist Görlichs Witz sogar ein Argument. Wenn er über den ermäßigten Umsatzsteuersatz schreibt, er werde

„dank fleißiger Lobbyisten inzwischen auf eine äußerst willkürliche Auswahl von Produkten angewandt“,

dann steckt darin durchaus eine zutreffende ökonomische Spitze, verpackt in einen Lacher. Das ist die gute Sorte.

Dann gibt es die andere Sorte. Die Sexsteuer als Kuriosität, und eine ganze Passage, die die Absetzbarkeit von Kondomen über Urologen erklärt, samt einer als „Große Hafenrundfahrt“ verklausulierten Prostata-Untersuchung und einem Augenzwinkern an „meine Herren jenseits der 50“. Das ist Kalauer, und er altert schlecht. Fairerweise spürt Görlich es selbst und schreibt, das Beispiel sei „bewusst schlüpfrig gewählt“. Geschmack ist kein fachlicher Mangel, deshalb zieht diese Sorte Humor dem Buch auch keinen Stern ab. Aber ich sage es offen, weil es zur Kaufentscheidung gehört: Wer trockene Eleganz sucht oder Anzüglichkeit schlichtweg albern findet, wird an diesen Stellen mit den Augen rollen. Mir ging es so.

Was der Spaß kostet – und wo der zweite Blick lohnt

Beim Preis werde ich zum Spielverderber. Rund 35 Euro sind für ein Buch dieser Ausstattung eine Ansage, zumal ein spürbarer Teil der rund 470 Seiten aus Leer- und Zitatseiten besteht und die Bindung solide, aber nicht hochwertig ist. Steuerbücher werden traditionell teurer verkauft, das ist eine Eigenheit des Segments, und ich halte sie für schwer zu rechtfertigen. Eine Marke um die 25 Euro wäre die ehrlichere gewesen. Ein realer Vorteil bleibt: Der Kaufpreis ist als Betriebsausgabe absetzbar, das Finanzamt beteiligt sich also an der Anschaffung.

Und weil ich jede Zahl nachschaue, ein Wort zu den Aufhängern. Die Wortzahlen, die Görlich für das Einkommensteuergesetz nennt, rund 58.000 im Jahr 1982 und über 150.000 heute, verkauft er als „Beweis“ für die Aufblähung des Steuerrechts, einen Beleg dafür bleibt er allerdings schuldig. Das berühmte Einstein-Zitat, wonach nichts so schwer zu verstehen sei wie die Einkommensteuer, führt er als echt an, obwohl es Einstein nur zugeschrieben wird und sich nicht belegen lässt. Dass zwei Drittel der weltweiten Steuerliteratur auf Deutsch verfasst seien, ist ein Mythos, den die Fallstudie „Deutschland als Weltmeister der Steuerliteratur?“ von Wagner und Zeller (2011) als Legende entlarvt. Görlich federt ihn immerhin selbst als Gerücht ab. All das sitzt im unterhaltsamen Rahmen, nicht im fachlichen Kern. Es sind Fußnoten, keine Einwände gegen die Substanz, aber ein Steuerberater, der es genau nimmt, dürfte beim nächsten Update nachschärfen.


Wer ist Andreas Görlich?

Hinter dem Comic-Cover steckt kein Ratgeber-Tourist, sondern ein Vollprofi. Andreas Görlich ist Diplom-Kaufmann und bestellter Steuerberater, leitet seit 2014 die Niederlassung der DBB DATA Steuerberatungsgesellschaft im hessischen Groß-Gerau und war nach eigener Angabe der erste Steuerberater in Deutschland, der die hochschulgeprüfte Weiterbildung zum zertifizierten Gründungsberater nach dem Bundesqualitätszirkel absolviert hat. Die Bestellung zum Steuerberater ist eine der härtesten Berufsprüfungen des Landes, und der Stoffauswahl merkt man an, dass hier jemand die Praxis von innen kennt.

Görlich schreibt zudem nicht sein erstes Buch. Mit Titeln wie „Steuerwissen2go“ und „Startschuss digitales Büro“ hat er weitere Ratgeber in dieser Nische vorgelegt, dazu kommen Steuer-Videos, ein Podcast und Onlinekurse. Er ist also weniger einzelner Autor als kleine Steuer-Content-Marke, und die Reloaded-Fassung ist erkennbar das Flaggschiff dieses Ökosystems. Nach eigener Angabe hat er über 1.000 Existenzgründer auf ihrem Weg begleitet, und diese Beratungsroutine ist im Buch spürbar.

Das erklärt auch, warum die Tiefe dort liegt, wo sie liegt. „Steuern, aber lustig! Reloaded“ ist der breite Einstieg, kein Spezialistenwerk, und genau so ist es ehrlich positioniert. Görlich schreibt in der Einleitung selbst, für dieses „Büchlein“ erhalte er „möglicherweise keinen wissenschaftlichen Ritterschlag“. Wer tiefer graben will, greift zu anderen Titeln, seinen eigenen oder fremden.


Fazit

Für frische Gründer, Jungunternehmer und Solo-Selbstständige, die einen verständlichen, aktuellen Rundum-Einstieg mit echter Umsetzungshilfe suchen und mit einem lockeren Ton leben können, ist „Steuern, aber lustig! Reloaded“ eine klare Empfehlung. Es nimmt die Angst vor dem Finanzamt, es verzichtet wohltuend auf Beamtendeutsch, es macht handlungsfähig, und es steht auf dem Stand von 2025. Weniger holen sich Selbstständige heraus, die schon mehrere Steuererklärungen hinter sich haben, für die ist es Auffrischung und Nachschlagewerk. Und wer Anzüglichkeits-Humor nicht erträgt oder beim Preis genau hinschaut, wirft vorher besser einen Blick in die Leseprobe. Unterm Strich ein starker, praxisnaher Gründer-Ratgeber mit ein paar Kalauern zu viel und einem Preisschild, das ich gern niedriger gesehen hätte. Vier von fünf Sternen.


Weitere ehrliche Buchbesprechungen findest du in meiner Rubrik „Buchtipps“ auf Book of Finance – Bücher, die inspirieren, für Erfolg und Freiheit. Für neue Rezensionen, Gewinnspiele und Learnings folge mir auf Instagram und LinkedIn unter @bookoffinance.

Meine 5 Key Learnings aus Steuern, aber lustig! Reloaded – von Andreas Görlich:

Die einfache Rechnung reicht länger, als du denkst

Ob du eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen darfst oder bilanzieren musst, regeln klare Grenzen, kein Bauchgefühl. Als Freiberufler bleibst du fast immer bei der einfachen EÜR, als Gewerbetreibender, solange dein Gewinn unter 80.000 Euro und dein Umsatz unter 800.000 Euro liegt. Die meisten Gründer sind damit auf der einfachen Seite.

Erst wenn dein Kunde zahlt, zahlst auch du

Beantrage als Gründer die Ist-Besteuerung, möglich bis 800.000 Euro Umsatz und direkt im steuerlichen Fragebogen. Dann führst du die Umsatzsteuer erst ab, wenn das Geld wirklich auf deinem Konto ist, statt in Vorlage zu treten. Ein Liquiditätsvorteil, den viele aus Unwissen verschenken.

Kleinunternehmer ist nicht automatisch die bessere Wahl

Seit 2025 giltst du als Kleinunternehmer, wenn dein Umsatz im Vorjahr unter 25.000 Euro und im laufenden Jahr unter 100.000 Euro bleibt. Klingt bequem, ist aber eine Rechenfrage: Wer viel investiert, verzichtet ohne ausgewiesene Umsatzsteuer auf den Vorsteuerabzug und zahlt drauf. Wer vor allem an Privatkunden verkauft, fährt gut damit.

Bei Betriebsausgaben zählt der Grund, nicht die Schublade

Ob etwas absetzbar ist, hängt fast immer davon ab, ob du die betriebliche Veranlassung nachvollziehbar begründen kannst. Das Etikett allein entscheidet nicht. Und wenn der Beleg fehlt, rettet dich oft der Eigenbeleg, den du selbst ausstellst.

Sieben Prozent statt neunzehn, wenn du die Liste kennst

Der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent ist historisch gewachsen und über die Jahre reichlich willkürlich geworden. Praktisch heißt das: Wer weiß, was darunterfällt, etwa Lebensmittel, Bücher oder der Personennahverkehr bis 50 Kilometer, kalkuliert sauber und stellt korrekte Rechnungen.

Wenn du auf der Suche nach weiteren spannenden Büchern bist, dann findest du unter Buchtipps eine interessante Auswahl aus über 550 ausführlichen Rezensionen. Diese kannst du individuell nach Preis, Seitenanzahl, Themenbereich, Bewertung und Zielgruppe filtern. Solltest du eine vergleichbare Buchempfehlung für mich haben, dann schreib mir doch gerne über meine Social-Media-Kanäle.

Celine Nadolny lächelt in die Kamera und hält einen Stapel Bücher in den Händen. Auf dem Bild steht der Text ‚Effektiver Speed Reading Onlinekurs – schneller lesen, mehr behalten, konsequent umsetzen‘.

Schneller Lesen – Mehr Behalten – Konsequent Umsetzen

Wie Lesen vom Konsum zur echten Veränderung wird

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