Ein interessanter und kurzweiliger Roman zur zentralen Lebensfrage: Wo willst du eigentlich hin. Im Stile von John Strelecky und Paulo Coelho.
Karriere & Unternehmertum

Wo willst du eigentlich hin?

by
★★★★☆

WO WILLST DU EIGENTLICH HIN? von Thomas Belker* ist eine romanartige Geschichte über Karriere, Lebensplanung und erfüllende Arbeit. Der Hauptcharakter Tom steht mitten in der Blüte seines Lebens und ist dennoch von Selbstzweifeln geplagt. Er teilt damit ein – zumindest aus meiner Wahrnehmung – immer häufigeres Leidensbild in unserer Gesellschaft: Im Job fühlt er sich überfordert und hat gleichzeitig das Gefühl, sein Privatleben zu vernachlässigen. / Anzeige

Gerade auf dem Weg die vermeintliche Karriereleiter hinauf geht es wohl vielen Menschen so. Immer mehr Arbeit, immer mehr Leistungsdruck und Verantwortung im Job – und irgendwann verliert man sich selbst ein wenig auf dieser Reise. Wenn dann das Privatleben längere Zeit unter dieser Situation leidet, erleidet es nicht selten irreparable Schäden. 

An einem chaotischen Morgen ist Tom auf dem Weg ins Büro. Dabei begegnet er auf fast schon wundersame Weise einem alten Mann mit einem Fahrrad. So beginnt die Geschichte. Diese Rahmenhandlung dürfte den meisten schon recht vertraut sein. Man kennt die Grundidee eines Romans im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und kann sich bereits vorstellen, welche Wendungen er nehmen wird. Dennoch empfand ich die Dialoge und vor allem die aufgeworfenen Fragen sehr interessant.

Für Tom scheint an diesem absolut verrückten Tag so ziemlich alles schiefzulaufen.

Der hilfsbereite Alte fährt ihn am Ende auf seinem Gepäckträger zur Arbeit. Die beiden unterhalten sich zunächst noch recht distanziert. Mit der Zeit wird das Gespräch aber auch von Seiten des verzweifelten Hauptcharakters immer tiefgründiger. Dabei entwickeln sich spannende Dialoge über Lebensziele, Alltagsstress und die Grundzüge guter Arbeit.

„Nichts bewegt sich. Alles steht, nichts bewegt sich. Nicht einen Zentimeter. Die Fahrzeuge reihen sich auf mehreren Spuren. Absoluter Stillstand, alle neben- und hintereinander festgesetzt. So nah beieinander und doch isoliert, jeder für sich – fast wie in einem Ed-Hopper-Bild. Es ist später Nachmittag und zu viele Menschen suchen den Weg nach Hause. Typischer Rushhour-Stau zum Feierabend.

An irgendeiner Kreuzung, Baustelle, Auf- oder Abfahrt entsteht immer ein Flaschenhals. Man kann nicht sagen, wer genau verantwortlich ist, ob überhaupt jemand dafür verantwortlich ist. Es ist die grandiose Gemeinschaftsleistung der Autofahrer, dass solche Engpässe immer zu einem Stau führen.

Alle sind gestresst, alle sind genervt, alle wollen nach Hause, die Arbeit hinter sich lassen. Vergessen bis zum nächsten Morgen. Zwischen all diesen in ihren Fahrzeugen isolierten Menschen befindet sich Tom und wünscht sich nur mal fünf Minuten Ruhe. Fünf Minuten, in denen alle ihre Autoradios abschalten, niemand hupt, keiner den Motor aufheulen lässt oder rumschreit und wild mit den Armen wedelt. Fünf Minuten Ruhe, fünf Minuten Frieden.

Doch das kann sich Tom abschminken, das weiß er. Um sich abzulenken und dem menschengemachten Chaos aus Metall, Beton und Glas zu entgehen, checkt er seine Nachrichten, es geht ja eh weder vor noch zurück.“
Thomas Belker

Tom gewinnt mit der Zeit die Erkenntnis, dass seine kleine Krise im Grunde eine Chance ist.

Genau das sollten wir uns eigentlich bei jeder Herausforderung vor Augen führen. Jedem Übel wohnt auch immer irgendetwas Gutes inne. Und selbst wenn nicht, dann können wir immer noch aus solchen Situationen lernen und Vorkehrungen für die Zukunft treffen. Manchmal sind genau solche Krisen der wichtige Schuss vor den Bug zur rechten Zeit.

In diesem Fall war es für Tom wichtig, sein Verhältnis zu seinem Job zu entspannen. Und er musste seine Prioritäten hinsichtlich seines Privatlebens wieder ins Lot bringen. Hier einfach mal in sich zu gehen und exakt das für sich zu hinterfragen, kann ich nur allen empfehlen. Ganz egal, in welcher Lebenssituation man sich gerade befindet. Vor allem die Menschen, die dazu neigen, immer mehr zu wollen, verlieren dabei häufig das Privatleben aus den Augen. Und vergessen damit eben auch ihre Liebsten, die doch das Wichtigste im Leben sind.

„Tom könnte also statt zur Wohnungsbesichtigung zusammen mit Sarah zum Italiener um die Ecke gehen, da waren sie schon ewig nicht mehr. Wann auch?, fragt er sich. Als Tom seiner Freundin gerade schreiben will, kommt eine lange Sprachnachricht von ihr. Sie ist ziemlich verärgert wegen der Besichtigungsabsage. Tom kann das verstehen, schließlich hat sie auch mehr Aufwand betrieben und mit dem Makler hin- und hergeschrieben, den Termin vereinbart, der dann noch mal verschoben und nun ganz abgesagt wurde.

Klar, dass Sarah angefressen ist.

Mit erregter Stimme wertet sie verschiedene Details aus, hängt sich an Vor- und Nachteilen der Wohnung auf und lässt am Ende kurz ihrem Unmut über die Wohnungssuche im Allgemeinen freien Lauf.“
Thomas Belker

Dem Autor Thomas Belker ist mit diesem kleinen Roman eine unterhaltsame Erzählung gelungen.

Wir erfahren viel über die nachhaltige Karriereplanung und bekommen Orientierungshilfen und Anregungen. Und das eben mal nicht im Mantel eines Sachbuches. Dieses Buch könnte also ein gutes Vehikel zur Selbstreflektion sein. Vor allem für solche Menschen, die beruflich Verantwortung übernehmen, ihr Leben sinnvoll gestalten wollen und sich fragen, ob sie eigentlich auf dem richtigen Weg sind. Dabei muss man sich aber immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Antwort nicht im Buch verborgen ist, sondern bereits in uns wohnt. Das gilt übrigens für alle Bücher dieser Art. Sie dienen nur als Schlüssel zu unserem Unterbewusstsein.

Bei all dem Lob habe ich aber selbstverständlich auch noch Etliches gefunden, was ich persönlich anpassen würde. Das beginnt schon beim Cover, aber vor allem beim Backcover. Je nach Lichteinfall ist der Name des Autors auf dem Cover recht schlecht zu lesen. Und das gilt erst recht für den in derselben Farbe gedruckten Text auf dem Backcover. Das ist natürlich kein guter erster Eindruck. Nicht hilfreich in einem Bereich, in dem es Bücher wie Sand am Meer gibt.

Inhaltlich ähnelt die Geschichte natürlichen vielen bereits bekannten Storys.

Das muss nicht unbedingt komplett verkehrt sein. Dennoch täte jedem vergleichbaren Buch dann doch ein Ticken mehr Originalität gut. Wir sollten aber auch nicht dem Irrglauben erliegen, dass diese Bücher alle identisch seien. Denn dem ist nicht so. Die aufgeworfenen Fragen ähneln zwar denen aus dem Café am Rande der Welt von John Strelecky* (hier kommst du zu meiner Rezension). Und auch die Erkenntnisse aus Paulo Coelhos Der Alchimist* unterscheiden sich nur marginal (hier kommst du zur Rezension). Aber solche Bücher leben eben von ihren einprägsamen Geschichten.

„Nein!, antwortet Tom sich selbst entschieden. Er muss an seinen Vater denken und wie dieser sich für seinen Job aufgeopfert hat. Er war kaum zu Hause und sah seine Kinder nur durch das Fernglas aufwachsen. Für Tom ist sein Vater ein Leben lang ein Schatten geblieben. Er hegt deswegen keine negativen Gefühle gegen ihn, es fehlt lediglich der Bezug zueinander. Oder anders gesagt, Tom und er haben sich nicht viel zu erzählen.

Tom möchte auf jeden Fall anders handeln als sein Vater oder seine Eltern zusammen. Jahrelang hat sein Vater über seinen Job geschimpft und die Kollegen verflucht, und trotzdem alles dafür gegeben, nur um am Ende die Rente zu erreichen. Ganz gleich, was auch passiert, Hauptsache, das Rentenalter erreichen. Teilweise kommt es Tom so vor, als hätten seine Eltern die Rente auf eine Stufe mit dem Garten Eden gestellt. Wie schön doch erst alles im Ruhestand wird! Tom kann zwar den Gedanken der Altersabsicherung gut nachvollziehen, schließlich sorgt er sich selbst seit einiger Zeit darum, aber dafür das ganze Berufsleben aufzuopfern, hält er für Verschwendung.“
Thomas Belker

Dennoch gefielen mir die Bücher von John Strelecky und vor allem Paulo Coelho noch etwas besser. Wem diese aber gefallen haben, der wird hier sicherlich auch auf seine Kosten kommen.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Autor:

Thomas Belker blickt auf Karrierestationen in verschiedenen Branchen zurück. Auf seiner Visitenkarte stand bereits Personalmanager, kaufmännischer Leiter, Geschäftsführer und Rechtsanwalt. Heute berät er Einzelpersonen und Organisationen zu den Themen Transformation, Integration, HR, Due-Diligence-Prüfungen, Führung, Digitalisierung und Talent-Management.

Die Frage „Wo willst du eigentlich hin?“ ließ ihn als jungen Mann zunächst Jura studieren und Anwalt werden. Doch er wusste bereits damals, dass es nicht dabei bleiben würde. Während seiner gesamten Karriere beschäftigte er sich mit den Voraussetzungen für eine erfolgreiche und ausgeglichene Verbindung von Familie, Beruf und Gesellschaft: Wie gestalten wir unsere Beziehungen? Wie können wir Verständnis und die notwendige innere Haltung entwickeln? Wie wichtig sind Regeln und Ordnung?

Sein Anliegen ist es, Menschen sowie Organisationen dabei zu unterstützen, ihren individuellen Weg für nachhaltigen Erfolg zu finden. Aus seiner Sicht beginnt alles, was wir tun, mit der Frage: „Wo willst du eigentlich hin?“ Die Antwort – oder ihr Ausbleiben – prägt unsere persönliche Geschichte: unsere Karriere, Arbeit und das ganze Leben.

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