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DEPOT-ABSICHERUNG LEICHT GEMACHT von Judith Engst und Rolf Morrien* ist mal wieder ein Buch aus meiner sehr geschätzten Simplified-Reihe des Finanzbuchverlags. Auch wenn diese Bücher nie wirklich in die Tiefe gehen und damit teilweise leider auch ein paar inhaltliche Schwächen mit sich bringen, so verschaffen sie den Leser:innen dennoch auf wenigen Seiten einen guten Überblick über ein spannendes Thema. Dazu sind sie in der Regel sehr leicht geschrieben und somit auch für Einsteiger:innen geeignet. Ich würde sogar fast so weit gehen und sagen, dass sie ausschließlich für Einsteiger:innen in den einzelnen Themenbereichen geeignet sind. Ansonsten würde ich lieber zu umfangreicherer Literatur greifen.

Dieses Werk beschäftigt sich mit einem vielleicht nicht unbedingt so beliebten Thema: Der Absicherung deines Depots. Unkontrollierte Emotionen und etwaige äußere Umstände können dieses Thema für dich relevant machen und die Autorin und der Autor unterteilen es in ihrem Werk nochmals in die kurz- und langfristige Depot-Absicherung. Die Instrumente sind ganz unterschiedlich und passen in der Regel für ganz bestimmte Szenarien, weshalb man sich diesbezüglich zunächst einmal besser informieren sollte, bevor man voreilige Entscheidungen trifft.

„In der Theorie ist eine Depot-Absicherung nicht schwierig. […] Bei der praktischen Umsetzung […] ergeben sich jedoch meist einige Probleme, über die Sie Bescheid wissen sollten.“
Judith Engst und Rolf Morrien

Besonders eignet sich dieses Buch für all die Anleger:innen, die kurz- und mittelfristig von ihrem Depot-Volumen abhängig sind.

Entweder, weil sie Investitionen oder Entnahmen geplant haben und diese sich nach einem Kurseinbruch wohlmöglich in Gefahr befinden, oder weil ihre Altersvorsorge davon abhängt. Investor:innen mit einem Planungshorizont von mehr als 15 Jahren sollten sich von der Finanzindustrie nicht allzu viel Angst einjagen lassen und von einer Depot-Absicherung vollkommen absehen. Denn diese Produkte kosten in der Regel viel Geld und sie kurzfristig einzusetzen, obwohl man langfristig plant, ist nichts anderes als pure Spekulation. Wer wirklich Risiko aus dem Portfolio nehmen möchte, sollte vielmehr die Gewichtung im Portfolio selbst nachjustieren: Asset-Allocation.

Wenn du allerdings auf das Depot-Vermögen kurz- und mittelfristig angewiesen bist, dann gibt es viele Anleger:innen, die besser schlafen können, wenn sie eine Art Crash-Versicherung abgeschlossen oder sich anderweitig abgesichert haben. Somit bietet sich dieses Buch vor allem für die ganzen zittrigen Anleger:innen an, die im Grunde tiefer am Aktienmarkt investiert sind als es ihrem Risikoprofil entsprechen würde.

„Risiko-Absicherung ist allerdings sehr teuer je nach Absicherung mal gut und gerne 5 bis 12 % des Depot-Wertes pro Jahr. Nun sollte der ein oder andere schon verstanden haben, dass man sein Depot auch kaputt absichern kann, wenn man bspw. auf den einen oder anderen frühen Crash-Propheten gehört hat und 3 Jahre in Folge nur die Versicherungsprämie zahlt, und ist für die meisten nicht von Nöten.“
Judith Engst und Rolf Morrien

Auf den Rat von Crash-Propheten und -Prophetinnen zu hören war eigentlich noch nie eine gute Idee, aber da diese medial stets in Szene gesetzt werden, ist und bleibt es ein ewig relevantes Thema.

An dieser Stelle würde ich auch gerne einmal die Verlage, Zeitungen und Magazine in die Pflicht nehmen: Die Pluralität der Meinungen ist zweifelsohne ein hohes Gut. Ich könnte aber aus dem Stehgreif heraus eine ganze Hand voll Namen nennen, die über eure Plattformen Halbwahrheiten oder sogar Lügen verbreiten, um sich anschließend an euren Leser:innen zu bereichern.

Traurig, dass solchen Menschen tatsächlich eine Plattform geboten wird, nur um über provokante Schlagzeilen mehr Reichweite zu generieren. Habt bitte im Kopf, dass es im Finanzbereich nicht nur um die Millionen der Reichen geht. Sondern auch um das Ersparte von Rentner:innen, die Altersvorsorge junger Menschen und die Existenz kleiner Familien. Schlechter Rat ist hier verdammt teuer und ihr lieben Journalisten und Journalistinnen tragt eine extrem große Verantwortung.

Wenn ich mich aber so umschaue, werdet ihr dieser Verantwortung in aller Regel nicht gerecht. Und ihr seid auch der Grund, warum ich in einem Interview zu Recht behauptet habe, dass die Finanzbranche vor allem von Selbstdarsteller:innen, Blender:innen und rücksichtslosen Macher:innen dominiert wird. Auf ein inhaltlich 100 Prozent korrektes Buch kommen mindestens 15 mit falschen Behauptungen, auf ein Interview mit wirklichen Finanzexperten und Finanzexpertinnen kommen 20 mit Blender:innen. Und selbst Personen, die erst vor ein bis zwei Jahren ihre ersten Aktien gekauft haben, hebt ihr schon auf den Expertenstatus.

Traurigerweise glaube ich, dass ihr euch dessen in den meisten Fällen sogar bewusst seid.

Aber zurück zum Buch. Es werden verschiedene Absicherungsinstrumente vorgestellt, wie Put-Optionsscheine oder Short-ETFs (anderen vielleicht auch eher als inverse ETFs bekannt). Wer von sowas noch nicht gehört hat, sollte dieses Buch zumindest mal gelesen haben. Umsetzen muss man es am Ende nicht unbedingt, wenn die Situation es nicht voraussetzt. Trotzdem sollte  man die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zumindest kennen, bevor man von solchen Produkten erstmalig in einem Crash-Propheten Buch liest und ihnen im schlimmsten Fall naiv folgt.

„Man darf bei diesen ganzen Produkten auch nicht außer Acht lassen, dass wir bei vielen (leider im Wesentlichen bei denen, die für Privatanleger besonders interessant sind, ein erhebliches Emittente-Risiko tragen. Geht das Institut, bei dem wir uns abgesichert haben, im Zuge der Krise pleite, verfällt unsere Absicherung wertlos und wir stehen noch schlechter dar als ohne Absicherung.“
Judith Engst und Rolf Morrien

Außerdem ist zu ergänzen, dass diese Instrumente für die meisten Durchschnittsinvestor:innen deutlich zu komplex und somit intransparent sind. Ich plädiere hier definitiv erst zum Aufbau eines Grundverständnisses, bevor man sein Geld in sie investiert. Aber das gilt für alle Bereiche der Finanzwelt. Man muss bei der Bank oder dem Broker für solche Produkte nicht ohne Grund ein Risiko-Papier unterschreiben.

„Einfachere Absicherung bieten Stop-Loss Marken, aber auch die haben bei extremen Schwankungen – wie in Krisenzeiten – ihre Tücken und gaukeln somit dem einen oder anderen Unwissenden vollumfängliche Sicherheit vor ‚der Kurs kann ja nicht unter meinen Stop-Loss fallen oder doch?‘ Es gibt eben nur den Impuls zum Verkauf und nicht mehr. Somit ist dies ein Verkaufsauslöser und nicht der Verkaufskurs.“
Judith Engst und Rolf Morrien

Die Tipps zur langfristigen Depot-Absicherung sind meiner Meinung nach ein wenig praktikabler und sollten im Grunde von verantwortungsbewussten Anleger:innen bereits umgesetzt werden.

Hier werden Notgroschen, dem Risiko angepasste Investments (Money Management), Diversifikation, Sparpläne etc. erwähnt. Erst bei den in Deutschland leider viel zu beliebten Garantie-Produkten wird es wieder etwas komplexer. Dies hier sollte zweifelsohne aber auch nicht das erste Buch über das Investieren sein, das du liest. Weiterhin werden noch ETCs – insbesondere auf Gold und Silber – behandelt. Dann folgt ein für mich vollkommen unpassender Abschnitt über Substanzaktien. Denn bereits im Teil zuvor wurde über die richtige Aktienauswahl gesprochen und diese Aussagen sind mir schlicht zu plump.

Ich weiß offen gestanden nicht, ob man ein solches Thema abschließend dann in einem solchen Detailgrad besprechen muss. Denn die Flughöhe ist in diesem Abschnitt sehr hoch. Dieses Buch ist für mich ein Spezialbuch zum Thema Absicherung und kein Ratgeber zur richtigen Aktienauswahl. Dass diese natürlich wichtig ist, könnte man auf einer halben Seite im Fazit thematisieren. So wurden meiner Meinung nach leider 60 Seiten Platz verschenkt. Zusätzlich wurde sich von dem eigentlich interessanten Thema, für das ich dieses Buch empfehlen würde, entfernt. Obgleich der Titel eindeutig klingt, erfährt das Thema doch unerwartet wenig Aufmerksamkeit.

So kann ich unterm Strich nur ein „gut“ für dieses Buch abgeben. Empfehlenswert mit einigen Abstrichen und vor allem als erstes Finanzbuch nicht unbedingt geeignet, weil man die Unstimmigkeiten dann nicht korrekt einordnen kann.


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