★★★☆☆

DIE KOMMENDEN ROARING TWENTIES von Gerhard Massenbauer* ist ein Buch, das mir die Einschätzung wirklich schwer gemacht hat. Denn viele Analysen des Autors sind schlüssig und gut aufgearbeitet.Andere Aussagen und Behauptungen sind wiederum äußerst fragwürdig, wenn nicht sogar schockierend. Grundsätzlich könnte man dem Titel entnehmen, dass wir ein Konzept für den Börsenerfolg in den kommenden Jahren dargereicht bekommen. Ein solches Konzept befindet sich auch tatsächlich auf knapp 10% der Seiten des Buches. Die anderen 90% beschäftigen sich allerdings vielmehr mit Währungen, Nationalbankpolitik und makroökonomischen zusammenhängen.

„Meine Aufgabe als Analyst besteht nicht darin, Optimist oder Pessimist zu sein. Ich bin Realist aus Überzeugung und Leidenschaft. Ich verfolge mit diesem Buch das Ziel, aufzuzeigen, wie die Umstände beschaffen sind, in denen wir leben und wirtschaften. Es ist nicht etwa der Turbokapitalismus, der zu Verzerrungen an den Kapitalmärkten geführt hat und zu besonders ausgeprägten Vermögenskonzentrationen. Sondern es sind Marktmanipulationen durch Notenbanken und Regierungen.“
Gerhard Massenbauer

Eben diese ganzen Voranalysen fand ich sehr interessant und wer sich für solche Themen begeistern kann, wird hier sicher auf seine/ihre Kosten kommen. Was mir hingegen Magenschmerzen beschert hat, waren einige Aussagen auf dem Backcover, zwischen den einzelnen Kapiteln und vor allem in der Einleitung des Buches. Aber dazu später mehr.

Zunächst einmal erläutert dieses Buch die Überlegungen, Intentionen und Auswirkungen der Notenbankpolitik in etlichen Ländern über die vergangenen Jahrzehnte.

Kernelement ist dabei die expansive Geldmengenausweitung und dessen Einflüsse auf Wechselkurse, Rohstoffe, Aktien, Anleihen und weitere Assetklassen. Dabei argumentiert der Autor allerdings weniger in Schreckens- als in Realszenarien und grenzt sich mehr als einmal deutlich von den Untergangsprophet:innen unserer Zeit ab. Für ihn überwiegen nicht nur die Chancen. Er betrachtet einen Kollaps biblischen Ausmaßes gar als vollkommen unrealistisch.

„Mit diesem Buch will ich dazu beitragen, unsere Zukunft nicht als Bedrohung wahrzunehmen, sondern als Gelegenheit zur persönlichen und wirtschaftlichen Entwicklung und als Anregung die eigene Freiheit der Entscheidung nicht gering zu schätzen, sondern zu pflegen – nämlich die Entscheidung darüber, was einem guttut. Das Ziel dieses Buches: Ein Wegweiser für wahre Werte zu sein.“
Gerhard Massenbauer

„Die Geldspritzen der Notenbanken werden das System am Laufen halten, aber nicht voranbringen.“
Gerhard Massenbauer

Was mir dennoch sauer aufgestoßen ist, sind diverse Formulierungen, die wahrscheinlich auch auf diese Abneigung gegenüber Crashprediger:innen zurückzuführen sind.

Bereits auf dem Backcover heißt es, dass er „einer der wenigen ernst zu nehmenden Devisenexperten“ ist. In der Einleitung wird das aber nochmals verschärft, indem er sich gleich in mehreren Abschnitten über Spezialist:innen, Träumer:innenund ominöse Cliquen auslässt. Er selbst zählt sich selbstverständlich zu den Spezialist:innen und rät den Träumer:innen da draußen, die sich selbst als Spezialist:innen betrachten, zum Aufwachen. Dies hätte auch nichts mit Anmaßung zu tun, sondern sei auf Ehrlichkeit zurückzuführen, die ihm ein hohes Gut sei. Der ganze Lebenslauf des Rechtswissenschaftlers sei ein Beleg für seine Spezialistenrolle.

Aber damit sind die Knackpunkte meinerseits in der Einleitung noch nicht einmal abschließend beschrieben. Denn an einigen Stellen finden sich auch verschwörungsähnliche Behauptungen. So gäbe es regierungsnahe und gut vernetzte Cliquen, denen Korruption in keiner Ebene fremd sei. Die – und jetzt haltet euch bitte fest – gezielt die begabten Finanzspezialist:innen (zu denen er sich natürlich selbst zählt) durch Regulierungen klein halten wollen. Und selbstverständlich seien all die negativen Auswüchse der Finanzsysteme in den vergangenen Jahrzehnten nur auf diese dubiosen Cliquen zurückzuführen. Diese hätten kein Interesse daran, dass über-intelligente Personen wie der Autor, mehr Geld an den Kapitalmärkten verdienen als sie.

Für mich eine vollkommen unpassende, anmaßende und definitiv nicht demütige Einleitung.

In Verbindung mit dem Hinweis auf dem Backcover sowie den Flammen auf dem Cover ein kaum zu toppender Fehlschuss. Keine Ahnung, was sich Autor und Verlag dabei gedacht haben, aber all das zahlt weder auf den Inhalt ein, noch wäre es in irgendeiner Weise vonnöten gewesen.

Vielmehr wirkt es dabei wie eines der vielen typischen Finanzbücher der letzten Jahre, die deutlich weniger Inhalt als wirre Gedanken vermitteln, Gefühle targetieren und den Autor als Experten inszenieren sollen.

Leider! – muss ich an dieser Stelle sagen. Denn die daran anschließenden Analysen und Schilderungen sind nicht nur schlüssig, sondern phasenweise auch richtig spannend. Und genau das macht die Bewertung für mich unglaublich schwierig.

Inhaltlich werden nicht nur Währungen thematisiert, auch wenn diese einen wirklich großen Teil des Buches einnehmen. Es geht auch um den Konflikt zwischen China und dem Westen. Der Autor sieht dort ein wirtschaftliches Wettrüsten voraus, das Schulden, Wachstum und Innovation steigern wird. Daran ansetzend blickt er auch in eine spannende Investitionszeit mit Veränderungen in Infrastruktur und Green Economy sowie einer fortschreitenden Digitalisierung als Antriebsfaktoren.

Zu all diesen Themen beantwortet er eine Vielzahl von aufkommenden Fragen und gibt seine Markteinschätzung zum Besten, die ich in den wesentlichen Fällen so nicht nur nachvollziehen und verstehen kann, sondern auch teile. Folgende Fragen sind dafür beispielhaft:- Wie lässt sich trotz Minuszeichen Rendite erzielen?- Wie identifiziert man Wachstumsmärkte?- Wie werden sich die wichtigsten Währungen in den nächsten Jahren entwickeln?- Wie erreicht man aktientypische Erträge mit deutlich geringerem Risiko?- Wie nutzt man ein breites Spektrum an Anlageklassen zu seinem Vorteil?- Und wie schafft man es am Ende, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, um Gewinne zu realisieren?

Natürlich sollten die Leser:innen dabei immer präsent haben, dass dies nur Mutmaßungen und Annahmen sind.

Und diese sind – selbst, wenn sie schlüssig und folgerichtig sind – bereits in den Kursen eingepreist und damit nicht mehr ausnutzbar.

Negativ platzieren muss ich an dieser Stelle aber auch noch den Gebrauch von Fachbegriffen. Gerade zu Beginn ist das Buch gefühlt vollgestopft mit Fremdwörtern. Viele davon wirken schlicht unnötig und erleichtern weder den Lesefluss noch die Verständlichkeit. Darauf könnte man verzichten. Die Sprache ist insgesamt eher laut und bildhaft und an manchen Stellen werden richtige Analysen mit mehr als fraglichen kombiniert. Das kennt man wiederum eher von den Crashprophet:innen, von denen sich der Autor zu Beginn noch zu distanzieren versucht.

Beispielsweise beginnt er, ETFs als sinnvolles Finanzprodukt für die 2020er auszuschließen und argumentiert dies u.a. mit der in den letzten Jahren von Warren Buffett erzielten Überrendite. Dabei lässt er völlig außen vor, dass diese bei einer passenden Benchmark so nicht darzustellen ist und Warren Buffett selbst vor allem in ETFs die Zukunft sieht. Gefühlt werden hier nur der Name und die Performance von Warren Buffett missbraucht, um ein eigenes Statement zu setzen, welches der Einschätzung von Warren Buffett allerdings widerspricht. 

Was mich auch überraschte – wo ich allerdings vollkommen übereinstimme mit dem Autor – ist die Tatsache, dass er Anhänger der österreichischen Nationalökonomie ist und dennoch Kryptowährungen oder Crypto Tulips, wie er sie bezeichnet, als höchst spekulativ betrachtet.

Gerade Anhänger:innen dieser Wirtschaftstheorie sind in der Regel deutlich eher Krypto-Verfechter:innen.

Wenn sie an Bitcoin und anderes glauben, bin ich sicherlich kein guter Gesprächspartner. Ich glaube nicht daran. Ich anerkenne die Eigenschaft als Wertspeicher und die Tatsache, dass Menschen bereit sind Geld dafür zu bezahlen. Darüber hinaus ist es ein energieintensiv und daher umweltverschmutzend erzeugtes Stück Code, dessen einziges Merkmal darin besteht, nicht vervielfältigbar oder vernehmbar zu sein.“
Gerhard Massenbauer

Er rechnet in diesem Zusammenhang fest mit staatlichen Eingriffen, „denn wer aktuell Machtträger ist, teilt Macht nicht ohne Widerstand.“

Ein Buch, das in einem unnötig belastenden Kleid daherkommt und viel Potenzial verschenkt. Dennoch möchte ich dem Autor die letzten Worte überlassen, obgleich sie mich abermals eher an Crashprophet:innen erinnern und damit die Ambivalenz dieses Buches sehr gut zum Ausdruck bringen:

Wir leben in einer Blase, das ist auch angenehm, weil wir dadurch von der Realität abgeschottet werden. In der Blase lebt es sich recht angenehm und schick – das gilt so lange, bis sie platzt.“
Gerhard Massenbauer


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