★★★★☆

EINE HODENLOSE FRECHHEIT von Ida von Wegen* ist ein humorvolles, sich selbst nicht immer ganz ernstnehmendes Manifest. Es adressiert die starke Frau von heute auf Männersuche. Denn skurriler Weise ist es als ambitionierte und erfolgreiche Frau schwieriger einen Partner zu finden als für männliche Überflieger. Auch die Autorin kann davon ein Lied singen und versucht in ihrem emotional geschriebenen Werk die Gründe dafür zu erläutern sowie Wege aus der Misere zu finden.

Sie nennt es das Männer-Dilemma moderner Frauen, die in gewisser Weise überqualifiziert sind für die Liebe. Natürlich sprechen dieses Thema und dieses Buch damit vornehmlich Frauen an, aber auch Männer werden ab und an einiges zu lachen haben. „Weiblich, smart, unabhängig, sucht … und sucht und sucht …“, heißt es auf dem Backcover. Tatsächlich beklagen sich viele attraktive, erfolgreiche Frauen über die schier endlose Suche nach dem passenden Partner. Man(n) scheint sich vor einer solchen Frau zu fürchten und das gestaltet eine Partnersuche auf Augenhöhe damit ungleich leichter.

Die Autorin nimmt uns auf eine spannende Reise mit, um exakt dieser Fragestellung auf den Grund zu gehen. Dabei schreibt sie über Tinder-Pannen, Polyamore, Heiratsphobiker und Machomänner.

„Ein augenzwinkerndes Plädoyer für einen entspannten Umgang mit dem Beziehungsstatus.“

So lautete der Tinder-Profiltext der Autorin:

„Du musst nicht aussehen wie Brad Pitt. Ich sehe ja auch nicht aus wie Brad Pitt. Ich suche einen Mann, der sein Essen mit mir teilt, wenn ich mir im Restaurant mal wieder garantiert das Falsche bestellt habe.“

„Alle Anekdoten in diesem Buch sind so oder ganz ähnlich passiert. Der liebe Gott und die letzten zehn Flaschen Wein wissen, dass ich mir wünschte, es wäre nicht so. Hier und da habe ich Namen und Orte geändert, um die Männer, über die ich schreibe, nicht nachhaltig emotional zu schädigen. Zwinker-Smiley.“
Ida von Wegen

Das Buch ist dabei sehr persönlich geschrieben. Auch wenn die Autorin unter einem Pseudonym veröffentlicht hat, kann man über verschiedene Details im Buch doch erraten, um wen es sich hier handeln könnte. Aber darum soll es im Kern ja gar nicht gehen. Die Autorin beschreibt, wie sie mit vierunddreißig Jahren, einem zwei Jahre alten Start-up im Rücken und einer Promotion in der Tasche kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Buches stand, als ihr der vermeintliche Mann ihres Lebens den Laufpass gab.

„Du bist zu ergebnisorientiert“, konnte sie sich anhören und stand wieder allein da.

„Mann weg. Familienvorstellung weg. Traum vom ‚Und-sie-lebten-glücklich-bis-an-das-Ende-ihrer-lage‘ weg. Aber hey, ich hatte immer noch meine Karriere. Und ist es nicht das, was uns die Emanzipation gelehrt hat? Wir brauchen keine Männer, um uns gut zu fühlen. Wir brauchen unsere Unabhängigkeit. Und Selbstbewusstsein. Und ein verlässliches Stück Zellulose zwischen den Beinen, damit wir immer einhundert Prozent geben können. Weil wir immer einhundert Prozent geben wollen. Nicht!“
Ida von Wegen

So entstand in der Autorin die Idee, ein Buch zu schreiben. Über erfolgreiche Frauen und was das mit Männern macht.

Ein Buch über die gefühlte Wahrheit zwischen Männern und Frauen, die nicht nur die Generation zwischen fünfundzwanzig und fünfundvierzig betrifft, sondern mittlerweile auch auf die über fünfzigjährigen übergeschwappt ist.

„Schon lange geht es nicht mehr darum, dass die Frau entscheidet, wen sie sich zum Mann nimmt. Denn das impliziert ja, dass der Typ per se auch bereit ist, eine feste Verbindung einzugehen. Das sind Männer aber nicht mehr. Jedenfalls nicht mit der Schnittmenge an Frauen, die selbst wissen, wo es langgeht. Ich spreche nicht von den Fällen, wo es zwischenmenschlich und per Gefühl nicht mehr passt zwischen zwei Menschen. Sondern von den Fällen, wo Männer aus Angst – neudeutsch: ‚Respekt‘ – fluchtartig den Raum verlassen, weil Frauen ihnen den Schneid abkaufen oder ihrer Männlichkeit unbewusst nicht genügend Respekt zollen. Ganz einfach da, wo Frauen Männergefühle durch weibliches Selbstbewusstsein und Erfolg unwissentlich verletzen.“
Ida von Wegen

Manch ein Mann wird in diesem Moment vielleicht bereits die Augen verdreht haben. Aber es ist auch mir bereits dutzendfach untergekommen, dass sich Männer durch meine pure Existenz, verknüpft mit meinem Erfolg angegriffen und herausgefordert gefühlt haben. So wird man als Frau gemieden, angefeindet, in Schubladen gesteckt und maximal noch als One-Night-Stand oder Flirt einsortiert – vielleicht auch in gewisser Weise, um damit eine Aura zu durchbrechen. Eine ernsthafte Beziehung zu finden ist offensichtlich aber nicht mehr so leicht. Das haben mir bereits unzählige Followerinnen in Social Media anvertraut, die ebenfalls eine Leidenschaft für Sachbücher hegen, selbständig erfolgreich sind oder Vorzeige-Karrieren hinlegen.

Was an dieser Stelle aber vollkommen fehl am Platz wäre und auch im Buch Gott sei Dank nicht bedient wird, ist die Proklamation der Frau in der Opferrolle. Es ist zeitgleich aber auch kein „Emanzenmanifest“, wie es die Autorin selbst tituliert. Vielmehr überspitzt Ida von Wegen auf humorvolle Weise, nutzt und bedient unzählige Klischees auf beiden Seiten und formt daraus ein sehr unterhaltsames Buch.

„Frauen wachsen seit Jahren in dem Bewusstsein auf, dass sie alles schaffen können. Das färbt natürlich auch auf die Männer ab und irritiert das tradierte Rollenverständnis. Aber: Nur weil Frauen theoretisch alles allein schaffen können, heißt das nicht, dass Frauen auch alles allein schaffen wollen. Und hier liegt meiner Meinung nach ein großes Missverständnis in der Kommunikation zwischen IHM und IHR.“
Ida von Wegen

Somit gebe ich liebend gerne 4 Sterne für ein wirklich amüsantes Werk.

Eines, das das Schicksal und die Schwierigkeiten von erfolgreichen und gutverdienenden Frauen im Konflikt mit dem männlichen Ego so wunderbar beschreibt. Ich bin nach diesem Buch umso glücklicher, in meinem Mann einen gefunden zu haben, der mich auf meinem Weg nicht nur begleitet, sondern voll und ganz unterstützt. Das ist offensichtlich nicht selbstverständlich und damit umso wertvoller.

Selbiges kann ich nur euch allen ebenfalls wünschen. Denn nichts ist schöner als eine glückliche Beziehung, in der man gemeinsam wächst und zusammen das Leben und die kostbare Zeit auf Erden genießt.

Schließen möchte ich diese Rezension nochmals mit einem schönen Abschnitt aus diesem Buch und würde mich wirklich freuen, wenn sich am Ende nicht nur Frauen mit diesem Thema beschäftigen würden:

„Da sind wir also. Im 21. Jahrhundert. Feiern den Feminismus, die Emanzipation, sind in den CEO-Etagen, auf Kanzlerchefsesseln und in der Gründerszene von Start-up-Inkubatoren angekommen. Aber haben wir auf diesem Weg nicht etwas vergessen? Die Männer mitzunehmen, vielleicht? Wer erklärt ihnen, dass führungsstarke Frauen zumindest privat nicht beißen und beruflich genauso zielstrebig sind, ohne per se als anstrengend zu gelten? Und warum hat ihnen noch keiner gesagt, dass es auch für Maxi, Suse, Toni und Co. anstrengend ist, immer wieder ihre weibliche Seite zu betonen, nur damit er nicht das Gefühl hat, plötzlich allein auf weiter Flur zu stehen, weil sich sein animalisches Erfolgs-Alter-Ego schon vor einer Stunde klammheimlich verpisst hat, als sie am Tresen wie beiläufig erwähnte, dass sie ein Team von fünfzig Mitarbeitern im Bundestag leitet.“
Ida von Wegen


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