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ALTER, ICH UMARME DICH von Bernd A. Wilken* ist ein unglaublich wundervolles Werk rund um das vermeintlich ledige Thema des Alterns. Wir alle werden irgendwann alt. Doch bereits der berühmte Cellist Pablo Casals sagte einst im hohen Alter: „Wenn man weiter arbeitet und empfänglich bleibt für die Schönheit der Welt, dann entdeckt man, dass Alter nicht notwendigerweise Altern bedeutet.“ Bernd Wilken hat hiermit ein Werk geschaffen, das zum gestalterischen Umgang mit dem Alter aufruft. Das Mut macht, aber auch die Verantwortung klar adressiert.

Unsere Altersbilder sind geprägt von Stereotypen, hält der Autor fest. Ein:e jede:r von uns kann und sollte jeden Morgen selbst entscheiden, wie er oder sie den Tag mit Freude für sich gestalten will. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass sich unser Leben nicht ab einer fiktiven Altersgrenze unserer Kontrolle entzieht. Wir können uns in jedem Alter Ziele setzen und einer Aufgabe nachgehen.

„Das Alter als Recht oder gar Pflicht zur Ruhe, zur Untätigkeit zu begreifen, käme heute niemandem mehr in den Sinn. Altern ist wie heranwachsen ein wesentlicher Teil unseres Lebens, mit besonderen Qualitäten, keine Bruchteilexistenz. Wir können uns wie früher auch jetzt sinngebende Ziele setzen und sie verfolgen. Das muss nicht mehr Bungee- oder Fallschirmspringen sein, aber etwas vorhaben sollten wir schon.“
Bernd A. Wilken

„Unser Ziel als Alternde bleibt es daher, wie in unserem frühen Leben, ein an eigenen Lebensentwürfen und Wertvorstellungen orientiertes Leben zu führen. Kein Holzweg der Bequemlichkeit. Wir sind nicht mehr Zaungäste der Gesellschaft wie in frühen Jahrhunderten, sondern Mitgestalter. Wir nehmen diese Rolle aus Verantwortung für die ganze Gesellschaft an und nicht als Vertreter einer altersspezifischen Gruppe, ohne Etikette wie graue Panther, Silberrücken oder Best Agers.“
Bernd A. Wilken

Das Buch fühlt sich an wie ein warmes, geselliges Kamingespräch an einem dunklen Herbsttag.

Als würde man sich mit Großeltern, Eltern, Onkeln und Tanten gemeinsam über das Leben unterhalten. Und daraus können nicht nur die Älteren etwas mitnehmen, sondern auch die Jüngeren. Denn es hilft bereits in jungem Alter zu verstehen, wie sich Alter für deine Eltern, Großeltern oder für dich selbst in 20, 30 oder 40 Jahren anfühlen wird.

Das Alter hält viel Schönes und Gutes für uns bereit, wenn wir darauf achten. Im Gegensatz zu den Medien wird hier ein progressives Bild unser aller Zukunft und des manchen Gegenwart gezeichnet. Ein Buch, das sich auf knapp 175 Seiten entlang von 45 Aphorismen auf wundervolle Art und Weise dem guten Altern widmet.

Schon das erste Buch des Autors, das ich gelesen und rezensiert habe (FÜHREN NEU DENKEN*), hat mir wunderbar gefallen (Hier kommst du zur Rezension). Dieses hier ist allerdings nochmals besser. Es ist eine tiefgreifende, bewegende Sprache, die wunderbare Bilder und Geschichten vermittelt. Eine ehrliche, jedoch nicht belehrende Art, die mich wirklich erreicht hat. In beinahe jedem Abschnitt steckte eine Passage, die als Zitat taugen würde. Mit absoluter Gewissheit werde ich dieses Buch etliche Male in meinem Leben verschenken.

Der Autor selbst war jahrzehntelang als Führungskraft und Coach im In- und Ausland unterwegs. Seine Arbeit brachte ihn dabei mit Menschen aus vielen Ländern und Altersgruppen zusammen. Auf seinem Weg ließ er sich immer wieder inspirieren. Jetzt vermittelt er mit diesem Buch einen überaus reflektierten Geist. Es macht wirklich Spaß, seinen Gedanken zu folgen.

Er möchte nun die Leser:innen dazu anregen, eine eigene Altersidentität zu entwickeln.

Denn auch dieser Lebensabschnitt will gestaltet werden. „Das Lebensalter ist nur eine biometrische Messgröße, die bei jedem von uns ein ganz unterschiedliches Bild zeigen kann. Manche werden nur alt, so wie andere nie jung waren.“

Weder Altersverneinung noch Anpassung werden zu einem glücklichen Altern führen.

Vor allem die selbstgewählte Teilnahme/Teilhabe an der Welt da draußen liegt dem Autor am Herzen. Sei es durch Beobachtung oder Mittun. Das Leben will gefeiert werden – bis zum letzten Atemzug.

„Umarme die Wirklichkeit. Dann erst sehen wir, wieviel wir aus unserem Alter machen können.“
Bernd A. Wilken

Für Bernd Wilken heißt es jeden Morgen aufstehen – physisch wie geistig. Victor Hugo soll 1869 mit 67 Jahren geschrieben haben: „Mein Körper schwindet, mein Geist wächst, es ist das Alter, das erblüht.“ Und Cicero soll die Meinung vertreten haben: „Das Alter wird nur dann respektiert werden, wenn es um seine Rechte kämpft und Kontrolle über das eigene Leben bis zum letzten Atemzug bewahrt.“ Einfach liegenzubleiben, die Welt an sich vorüberziehen zu lassen und sich vom Harz-Vier-TV berieseln zu lassen, ist für den Autor keine Option. Dieses stumpfe Dahinvegetieren stößt auch mich als lebensfrohen Menschen ab. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem ein Mensch auf eine solche Art und Weise dauerhaft glücklich sein kann. Es würde mich stets der Zweifel plagen, gerade kostbare Zeit zu verschwenden. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass uns stetig die Zeit davonläuft.

Der Autor drückt es so aus: „Das wäre Kapitulation, ein tiefes Loch, aus dem wir nur mit großer Mühe wieder herauskommen. Immer wieder aufstehen, für eine eigenständige Lebensführung, ist dagegen kräftesparend, selbst gegen Widerstände“

„Lebe, als ob du morgen sterben würdest. Lerne, als ob du ewig leben würdest.“
Mahatma Gandhi

Das Alter ist nicht gleichbedeutend mit dem Warten auf den Tod.

Eine solche Interpretation nimmt dieser Lebensphase nicht nur den Reiz und Sinn, sondern auch die Würde. Selbstverständlich sind wir im Alter irgendwann nicht mehr so mobil, werden keinen Marathon mehr gewinnen, brauchen gegebenenfalls für die ein oder andere Sache länger. Aber wir entwickeln auch besondere Fähigkeiten, die uns Vorteile verschaffen können. Bernd Wilken spricht davon, dass der Adler das Wappentier des Alters sei. Denn er symbolisiere die Weitsicht, Erfahrung und Gelassenheit.

„Das schöne Gestern ist das gewöhnliche Heute in der Erinnerung von morgen.“
David Letterman

Wenn man mit älteren Menschen spricht, dann heißt es viel zu schnell „früher war alles besser“ oder „in den guten alten Zeiten“. Dabei spielt uns in diesem Zusammenhang unser Gehirn meist einen Streich. Denn wir arbeiten vor allem mit Bewertungen – insbesondere in der Rückschau. Und eben diese Bewertungen ändern sich im Zeitverlauf und wirken wie Filter auf unsere Vergangenheit. Das führt dazu, dass wir die Vergangenheit durch eine andere Brille betrachten, als wir es damals tatsächlich erlebt haben.

Wir haben aber unsere Vergangenheit von morgen selbst in der Hand.

Denn heute schaffen wir die Erinnerungen von morgen und können auch im hohen Alter noch mitgestalten und entscheiden, worüber wir morgen sprechen möchten.

„Teilhabe am Leben schafft gute Erinnerungen: Mitfeiern, mitgenießen, mitmachen. ‚Ein Leben ohne Feste ist wie eine lange Wanderung ohne Einkehr.‘ (Demokrit) Eine Gegenwart, die mir nicht gefällt, kann ich versuchen umzugestalten, damit sich mein Leben im Heute und meine künftigen Erinnerungen verbessern. Über die Vergangenheit wie über die Zukunft werde ich mich belügen, wenn ich nicht in der Gegenwart lebe.“
Bernd A. Wilken

Ein wirklich wundervolles Werk, das Emotionen aufwühlt, zum Nachdenken anregt und sicherlich die Impulse für ein erfülltes Altern zu setzen vermag.


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