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DAS TIMEHORIZON PRINZIP von Dr. Julian Hosp* ist ein Buch aus dem Bereich des Zeit- und Produktivitätsmanagements. Einer Kategorie, in der gefühlt jeden Tag neue Self-Publishing Bücher dazukommen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt, auch dieses Buch ist ein solches. Der Autor verspricht die Zeitmanagement-Hacks und Produktivitäts-Tricks der erfolgreichsten Menschen der Welt zu offenbaren. Am Ende blieb es allerdings bei diesem großspurigen Versprechen.

Das Buch beginnt mit einem schicksalhaften Flug des Autors und einer kurzen Zusammenfassung seines Werdegangs bis zu diesem Buch. Es ist schon ein recht bewegtes Leben, auf das Julian Hosp zurückblickt. Es wirkt ein wenig planlos, wie er selbst zugibt, aber mit diesem Buch will er nun dem Leser seinen persönlichen Wandel präsentieren.

„Wir lernen als Kinder weniger dadurch, was man uns sagt, sondern dadurch, was man uns vormacht.“
Dr. Julian Hosp

Irgendwann müssen wir dann doch Entscheidungen treffen:

In der Kindheit brauchten wir uns bekanntlich praktisch keine Gedanken über die Zeit machen. Diese Aufgabe übernahmen andere für uns. Zumeist waren dies unsere Eltern, welche uns erklärten, was wir wann zu tun hatten. Schule oder Sport diktierten ebenfalls unseren Zeitplan. In diesem Alter machen sich die wenigsten Gedanken darüber, wie wir unsere Zeit nutzen oder einteilen. So sieht es zumindest der Autor. Ich sehe das offen gestanden nicht so.

Es hängt maßgeblich davon ab, bis wohin die Kindheit gezogen wird, aber ich persönlich habe bereits sehr früh zumindest gemeinsam mit meinen Eltern begonnen, meinen Alltag zu planen. Schule, Hobbies und Freunde unter einen Hut zu bekommen ist doch gängige Praxis oder sehe ich das komplett falsch?

Was Julian Hosp daraus macht:

Im Grunde genommen folgt der Autor in den ersten Kapiteln dem Weg eines jeden Menschen von der Kindheit bis hin zum jungen Erwachsenen. Wurde damals noch viele Dinge vorgegeben, müssen wir uns mit der Zeit immer mehr Fragen stellen und eigenständig entscheiden, was wir wann machen und wollen und welche Prioritäten wir den Dingen zugestehen.

Dass dieser Prozess nicht ganz leicht ist, versteht sich von selbst. Insbesondere, wenn man das nicht mit der Muttermilch aufgenommen hat.

Daraus erarbeitet der Autor eine Art Dreieck von Kategorien, für die wir Zeit, Energie und andere Ressourcen aufwenden können:

  1. Beruf / Business / Geld
  2. Beziehung / Familie / Freunde
  3. Gesundheit / Lernen / Selbst

Nach Julian Hosp gilt es, die Fläche innerhalb dieses Dreiecks zu maximieren. Denn diese symbolisiert für ihn, was man in diesen Bereich bzw. aus sich selbst herausgeholt hat. Für ihn ist der limitierende Faktor dabei die Zeit. Und so widmet er sich dem Konzept der Zeit genauer.

Für den Autor ist die Zeit der limitierendste Faktor zur Ausdehnung dieser Fläche und so widmete er sich dem Konzept Zeit.

Viele Versprechen, aber wenig neue Ansätze:

Gleich zu Beginn verspricht er uns, dieses Thema auf komplett neue Art und Weise anzugehen, so wie wir es noch in keinem anderen Buch gelesen hätten. Da ich das Buch jetzt aber ausgelesen habe, kann ich sagen, dass mich nichts verblüfft hat. Vielleicht bin ich nicht seine Zielgruppe, weil ich eben deutlich mehr als der Durchschnitt lese, aber seine Ansätze sind in weitaus bekannteren Büchern bereits seit Jahrzehnten fester Bestandteil. Aber dazu später noch mehr.

So weit sollte man sich als Autor dann vielleicht doch nicht aus dem Fenster lehnen:

Wir würden in diesem Buch von der absolut wichtigsten Fähigkeit erfolgreicher Menschen sprechen, und egal was für uns Erfolg bedeutet, sie träfe auf uns alle zu.

Wir würden darüber sprechen, warum das Konzept „wichtig vs. dringlich“ welches oft von Zeitmanagement Coaches gepredigt wird, nicht gut passt und was tatsächlich essenziell ist.

Und wir würden darüber sprechen, warum das Verstehen von Konzepten oft viel wichtiger sei als das strikte Ausführen von Abläufen. Weshalb Taktik genauso wichtig wäre wie Strategie.

Ich hoffe Du hast nun einen kleinen Eindruck davon bekommen, mit welch großen Versprechen der Autor den Leser in dieses Buch schickt. Fassen wir nochmal kurz zusammen:

Wir bekommen einen komplett neuen Ansatz, wie wir ihn in noch keinem anderen Buch gelesen haben. Wir erfahren von der absolut wichtigsten Fähigkeit erfolgreicher Menschen und die trifft auf uns alle zu. Und sein Konzept ist der Eisenhauer Matrix haushoch überlegen, gar revolutionär. Entschuldige bitte, wenn ich an dieser Stelle ein wenig sarkastisch werde, aber nach dieser Passage wusste ich bereits, dass dieses Buch nichts werden kann. Wenn ein Autor so beginnt, dann hat er eine ganz zentrale Sache nicht verstanden: Dass Demut des Schülers größte Tugend ist. Eine Eigenschaft die Herren wie Buffett, Graham, Dalio, Robbins und Co. allesamt verstanden und verinnerlicht haben. Ein Herr Hosp allerdings offensichtlich nicht.

Dabei war der Einstieg gar nicht so schlecht:

Der Einstieg gefiel mir dann allerdings sehr gut. Am weltbekannten Märchen „Momo“ erklärt er uns nochmal, dass Zeit relativ ist. Dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ohne einander nicht existieren können. Aus dieser Erkenntnis sind für den Autor drei zentrale Fragestellungen entstanden:

  1. In was kann ich meine Zeit tauschen?
  2. Wie lautet mein Wechselkurs?
  3. Wie viel Zeit habe ich noch?

Das Timehorizon Prinzip kurz zusammengefasst:

Am Ende geht es bei seinem Time Horizon Prinzip darum, wie weit man kreativ strukturiert zur Umsetzung in der Zukunft planen kann. Manche Leute denken und planen demnach nur bis heute Abend oder zum nächsten Wochenende, andere wie Elon Musk haben einen Horizont von einer Dekade.

„Menschen mit einem langen Time Horizon wissen:
– Nichts ist sicher
– Vieles ist möglich
– Die Kunst ist, das Wahrscheinliche zu erkennen.“

Dr. Julian Hosp

Daraus ergeben sich drei Grundprinzipien:

Nr. 1 Manage nicht Deine Zeit, manage Deine Prioritäten.

Nr. 2 Prioritäten mit langem Time Horizon sind schwerer zu managen als Prioritäten mit kurzem Time Horizon.

Nr. 3 Menschen mit längerem Time Horizon gewinnen schlussendlich immer gegen Menschen mit kurzem Time Horizon.

„Es geht dann nicht darum, ob etwas scheinbar wichtig ist, denn das ist alles in einem Moment, solange die Timeline knapp genug ist. Es geht darum, dass das, was wir machen, auch wirklich einen Impact auf das hat, was wir wirklich im Leben wollen. Nur so können wir langfristig glücklich und zufrieden sein.“
Dr. Julian Hosp

Ein belesener Mensch wird hier nichts Neues finden:

Damit hat der Autor absolut recht, so wie mit beinahe allen Aussagen in diesem Buch, mit Ausnahme der einleitenden Versprechen. Der Punkt ist nur: Darin sehe ich rein gar nichts Neues. Im Grund genommen versucht er lediglich lauwarm aufgewärmt die Ideen von John Strelecky, den er nicht einmal im Buch erwähnt, mit denen eines BrianTracy zu verbinden. Eben eine Verbindung von Produktivität und dem viel wichtigeren Themen der großen Lebensziele. Aber das ist weiß Gott kein neuer Ansatz.

Im Grunde genommen geht es um den Ansatz der Opportunitätskosten:

Der riesige Punkt, der die ganze Zeit zwischen den Zeilen schwirrt, aber nie ausgesprochen wird, sind die Opportunitätskosten von all den Dingen und Aktivitäten, auf die wir unseren Fokus lenken. So einfach hätte man es ausdrücken können und beinahe jeder Student in diesem Land erfährt vom Ansatz der Opportunitätskosten im Bachelor-Studium. Dieser Ansatz und seine Maximierung ist gängige Praxis an unseren Hochschulen.

Ab der Mitte des Buches gibt es nur noch Stückelwerk:

Danach ist der Ansatz dann auch bereits in der Mitte des Buches zu Ende erzählt uns es folgen absolut wirre Seiten und Kapitel. Wir bekommen Auszüge aus der Bucket-List des Autors und er geht oberflächlich auf alle Bereiche ein. Man bekommt dabei etliche tiefe Einblicke, wobei man natürlich immer abwägen muss, was erzählt und was verschwiegen wird. Diese ganzen Abschnitte sind aber nichts Weltbewegendes. Nichts, weshalb man sich dieses Buch kaufen müsste. Auch die Kapitel zum Thema Geld, Finanzen und Mentoren sind nur an der Oberfläche recherchiert und kratzen nicht einmal ansatzweise an gestandenen Literaturgrößen in den Bereichen.

Was hältst Du von einem Buch voller Affiliate-Links?

Richtung Ende wird das Buch dann auch noch mit etlichen Affiliate-Links vollgeknallt und ich fiel ein wenig vom Glauben ab. Diese oberflächlichen Appetithappen über Ernährung, Netzwerken und etwas Zurückgeben haben keinerlei erkennbare Struktur und wimmelten nur so von Werbung. Ich habe noch in keinem einzigen der über 400 Bücher, die ich bislang bereits gelesen habe, so viele QR-Codes gesehen. Das ist meiner Meinung nach höchst unprofessionell und verdeutlicht meiner Meinung nach auch nur nochmal die Absicht dieser Veröffentlichung: Aufmerksamkeit und Inszenierung.

Es wird schnell klar, warum dieses Buch in keinem Verlag veröffentlicht wurde. Self-Publishing by Amazon:

Die Formatierung ist ebenfalls typisch „printed in Poland by Amazon Fulfillment“ und wer das Buch ausgelesen hat, weiß auch genau, warum es im Self-Publishing rauskommen musste. Kein namhafter Verlag hätte es in dieser Art verlegt. Dazu ist es viel zu dick aufgetragen und wirkt wie Kraut und Rüben. Alternativ empfehle ich John Streleckys Bücher DAS CAFÉ AM RANDE DER WELT* (hier mein Artikel zum Buch) und THE BIG FIVE FOR LIFE* (hier mein Artikel zum Buch) und Brian Tracy mit EAT THAT FROG*. Auch über dieses Buch habe ich hier bereits geschrieben.

Mein abschließendes kurzes Fazit nach Absätzen voller Kritik:

Entschuldigt bitte, aber dieses Buch hat absolut nicht mehr als 2 Sterne verdient. Diese bekommt es lediglich, weil das vermittelte Wissen soweit korrekt ist, aber es ist weiß Gott keine literarische Glanzleistung und hat mich mächtig enttäuscht!


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