★★☆☆☆

DIVIDENDEN INVESTOR von Patrick Schubert* ist eines der schönen Bücher, die etwas komplett anderes liefern als sie versprechen. Manchmal ist das leider tatsächlich so. Bei dem Titel liegt eigentlich die Vermutung nahe, dass uns der Autor auf den kommenden knapp 300 Seiten mit geballtem Wissen rund um das Thema Dividenden-Investment versorgt. Aber statt Analysen von Dividenden-Aktien und Dividenden-Strategien, hält uns der Autor ein allgemeinen wirtschaftlichen Vortrag.

Offen gestanden empfinde ich es fast schon als frech – zumindest aber als irritierend-, Leser mit einem Marketing-Titel eines zurzeit im Hype stehenden Investment-Ansatzes auf sein Buch aufmerksam zu machen und ihnen dann ganz anderen Content zu liefern.

Faktisch beginnt er mit dem Thema Dividenden erst auf Seite 231 und schweift bereits ab Seite 250 wieder vom Thema ab.

Statt uns nun von Dividenden zu berichten, erfahren wir im Buch in alter Dirk Müller Manier von:

  • Inflation,
  • Deflation,
  • der Schuldenkrise,
  • Gold und andere Edelmetalle,
  • wie Geld entsteht,
  • was die Auslöser der Krise aus 2009 gewesen sein könnten,
  • Ressourcenknappheit,
  • einem möglichen Schuldenschnitt
  • und, und, und.

Jeder darf nun selbst entscheiden, ob er/sie mit diesem Titel auch die aufgelistet Inhalte erwartet hätte.

Für Dividenden-Investoren:

An dieser Stelle möchte ich explizit darauf hinweisen, dass mir diese Themen nicht unwichtig sind, aber sie gehören schlichtweg nicht in einem solchen Ausmaß in ein Buch mit dem Titel DIVIDENDEN INVESTOR*. Wenn mich diese Themen interessieren, dann nehme ich mir ein dazugehöriges Buch zur Hand, das mir dann auch dezidiert berichtet und nicht die Themen oberflächlich anreißt. Ich kann dieses Buch wirklich keinem Dividenden Investor empfehlen. Da gibt es viel bessere Bücher für weniger Geld und ohne die ganzen Ausflüge in fremde Themen. Zum Beispiel DIE BESTEN DIVIDENDEN-AKTIEN von Arne Sand und Max Schott* über welches Buch ich hier berichtet habe. Oder der Klassiker zu Dividenden-Strategien: COOL BLEIBEN UND DIVIDENDEN KASSIEREN von Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger* über das ich hier geschrieben habe.

Begründung der Bewertung:

Weil das vermittelte Wissen aber nicht falsch ist und man somit immer noch etwas dazulernen kann, gibt es noch zwei Sterne von mir.

Das ewige Spiel mit Self-Publishing Büchern:

Mich würde interessieren, wie Du es hältst, aber ich gebe sehr gerne neuen oder jungen Autoren eine Chance und bestelle mir ihre Bücher. Es ist nur wirklich schade, wenn man den Eindruck bekommt, dass jemand einem Buch nur einen bestimmten Titel gegeben hat, um die Absatzzahlen in die Höhe zu treiben. Dividenden sind ein super interessantes Thema und das nicht erst seitdem es auf Sparbücher, Tagesgeld und Festgeld kaum noch Zinsen gibt. Das führt zwangsläufig dazu, dass einige versuchen auf den Zug aufzuspringen. In solchen Momenten können durchaus einige neue Autoren dabei sein, die wirklich gute Bücher schreiben, aber es ist noch deutlich mehr Fallobst dabei.

Patrick Schubert würde ich niemals als Fallobst bezeichnen, denn das Buch zeigt, dass er die Finanz-Materie verstanden hat und es sind ein paar interessante Denkansätze zu finden. Aber eben nicht im Bezug auf das Thema Dividenden. In diesem Bereich scheint weder sein Wissensschwerpunkt noch seine Passion zu liegen, sonst würde er wohl kaum 90% des Buches mit anderen Inhalten füllen.

Wissenschaftliche Betrachtung von Dividenden-Strategien:

Besonders wichtig ist mir an dieser Stelle aber nochmal an die wissenschaftliche Betrachtung des Themas Dividenden zu appellieren. Mir springen zurzeit zu viele unbeholfen auf den Zug der Dividenden-Strategien auf. Ich lese immer wieder wie sie einfach anhand der Dividendenrendite ihre Wertpapiere auswählen und sich freuen, wenn sie ein Unternehmen gefunden haben, dass >6% im Jahr ausschüttet. Vielleicht habe ich bereits zu viel gelesen oder zu viel Kontakt mit wissenschaftlichen Finanzinstituten gehabt, aber eine >6% Dividende ist in vielen Fällen eine rote Signallampe, die beim Investor angehen sollte und kein Kaufsignal!

Es gibt mehr als eine wissenschaftliche Arbeit, die belegt, dass die Unternehmen mit den höchsten Dividendenrenditen schlechter abschneiden, als solche mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite und sogar schlechter als die Unternehmen, die gar keine Dividenden ausschütten. Nun fragst Du dich vielleicht, was ist denn eine hohe oder eine durchschnittliche Dividendenrendite. In diesem Fall möchte ich aber nicht die Ober-Lehrerin spielen, sondern gebe den Ball sehr gerne an Christian W. Röhl und sein Buch COOL BLEIBEN UND DIVIDENDEN KASSIEREN* ab. In diesem schildert er eine saubere und wissenschaftliche Herangehensweise, mit der man seine Dividenden-Strategie aufbauen könnte und ich habe hier darüber berichtet.

Lies doch mal was aus der Forschung:

Und es gibt auch noch eine Master-Arbeit* zu diesem Thema, die ich Dir empfehlen kann. Sie verbindet ebenfalls Dividenden-Rendite, Dividenden-Historie und Dividenden-Wachstum in Verbindung mit weiteren Value-Kennzahlen, um eine mechanische Strategie aufzubauen. Im Backtesting sehen die Ergebnisse sehr interessant aus. Sicher lesenswert und eben 100% wissenschaftlich!

Ansonsten steht Dir natürlich der Abschnitt FINANZEN & INVESTITIONEN in MEINER BIBLIOTHEK zum Stöbern offen.

Dir gefällt mein Content und ich konnte Dir schon weiterhelfen? Dann folge mir doch auch auf meinen Social Media Accounts bei Instagram, Facebook und Pinterest

*Affiliate Link
**Werbung