Ein Buch mit spannenden Erkenntnissen und Schilderungen, die gut recherchiert sowie belegbar sind und einige interessante Denkanstöße bieten.
Mindset & Persönlichkeitsentwicklung

Gutes Handeln: eine Herausforderung

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★★★☆☆

GUTES HANDELN: EINE HERAUSFORDERUNG von Franz Schott*: Dieses Buch widmet sich der komplexen Thematik moralisch gerechtfertigten Handelns in einer Welt, die sich rapide verändert und globalisiert. Der Autor möchte die Grundlagen und Probleme des guten Handelns beleuchten, ethische Ansätze hinterfragen und psychologische Aspekte berücksichtigen. Dabei diskutiert er auch die Herausforderungen bei der Vermittlung und Anwendung von Werten. / Anzeige

Zielgruppe des Buches sind Leser, die sich kritisch mit zweifelhaften Mainstream-Sichtweisen auseinandersetzen wollen.

Dies wird besonders deutlich in Kapitel fünf: „Herausforderung bei der Vermittlung und Anwendung von Werten – aktuelle Beispiele“. Darin thematisiert Schott unter anderem Fragen wie „Leitkultur oder Multikulti?“ und „Schlepperunwesen oder Fluchthilfe?“. Aber auch: „Können menschgemachte Bedrohungen unseres Lebens auf der Erde überhaupt mit demokratischen Mitteln abgewendet werden?“

Es geht dem Autor ausdrücklich nicht darum, dass seine Leser in allen Themenbereichen dieselbe Meinung vertreten wie er. Denn er möchte nicht belehren, sondern vielmehr zu weiteren Überlegungen anregen. Dazu nutzt er unter anderem drei illustrierte Wesen, die neben dem Fließtext für Auflockerung sorgen. Eines davon nennt sich Diabola und nutzt gerne Ironie, wie am Schluss des Buches:

„[…] darüber hinaus ist es nützlich, dass man angesichts der zunehmenden Bedeutung von China einen Gelehrten von dort zitieren kann – das ist gutes Handeln im Sinne der Verantwortungsethik!“

Bei all seinen Thesen ist der Autor sehr gewissenhaft mit den Quellangaben umgegangen.

Auf etwas mehr als 170 Seiten finden sich 115 Fußnoten. Diese verweisen zwar mitunter auch auf Wikipedia-Artikel, ermöglichen aber zumindest, dass man die Behauptungen nachschlagen kann.

Doch kommen wir zurück zum Inhalt. Das Werk beginnt mit einem einführenden Vorwort, in dem der Autor die Schwierigkeiten des Begriffs „Gutes Handeln“ beleuchtet. Dort betont er, dass die Konzepte von Werten und Moral oft subjektiv interpretiert werden. Und das kann zu unterschiedlichen Handlungsweisen führen. Ebenso weist er darauf hin, dass selbst im Namen von Werten und Moral ethisch fragwürdige Taten begangen wurden und werden. Das Gute Handeln stellt also eine intellektuelle und emotionale Herausforderung dar.

Er geht aber auch weiterführend auf die Auswirkungen der Globalisierung und der beschleunigten Veränderungen auf das Gute Handeln ein.

Dabei stellt er die Frage, ob wir diesen neuen Herausforderungen überhaupt gewachsen sind. Und er hinterfragt die moralische Kompetenz in einer sich wandelnden Welt und analysiert: Wie kann Gutes Handeln in diesem Kontext verstanden und verwirklicht oder verhindert werden?

„Erstens ist dieses Buch kein gut gemeinter Ratgeber für ein ganz bestimmtes sittliches Handeln; zweitens handelt es sich nicht um ein Fachbuch über die Moralpsychologie oder über die Didaktik des Ethikunterrichts, das einen erschöpfenden Überblick über den jeweiligen aktuellen Forschungsstand gibt.“ 
Franz Schott

In den folgenden Kapiteln des Buches werden verschiedene Aspekte des Guten Handelns behandelt. Schott erörtert philosophische Sichtweisen und deren Probleme und beleuchtet die psychologischen Grundlagen moralischen Handelns. Außerdem diskutiert er die psychologischen Ursachen moralischen Verhaltens. Er beschreibt Motive und Beweggründe, die Menschen zum Handeln veranlassen, und zeigt, wie kulturelle und biologische Aspekte unser Verhalten beeinflussen.

„Zum ‚Handeln‘ gehört also nicht nur Agieren, sondern ‚Handeln‘ bezeichnet jede menschliche, von Motiven geleitete zielgerichtete Tätigkeit, sei es ein Tun, ein Dulden oder ein Unterlassen.“ 
Franz Schott

Ein zentrales Anliegen des Buches ist die Analyse der Herausforderungen bei der Vermittlung und Anwendung von Werten.

Schott greift aktuelle Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen auf. Daran möchte er verdeutlichen, wie Gutes Handeln oft eine komplexe Herausforderung darstellt. Kritisches Denken hält er für äußerst wichtig. In diesem Sinne fordert dazu auf, die aktuellen Herausforderungen anzunehmen und dabei wichtige Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

Eine besondere Note erhält das Buch durch die Einführung der drei oben bereits angerissenen Charaktere. Diese Figuren – Publix, Doc und Diabola  – begleiten die Leser durch die verschiedenen Kapitel. Dabei repräsentieren sie unterschiedliche Blickwinkel und Denkweisen und tragen zur Anschaulichkeit und Vielschichtigkeit der Thematik bei.

Es ist stets eine Kunst, aus einer akademischen Perspektive ein zumindest populärwissenschaftliches und einer breiteren Masse dienliches Werk zu schaffen. Oder eben ein wirkliches Standardwerk für die akademikesche Welt. Aus meiner Sicht ist diesem Buch beides nicht wirklich gelungen, wobei das wohl auch nicht der Anspruch war. Der Autor wollte wohl einen Mittelweg zwischen beiden Polen beschreiten. Aber selbst dann hätte man das Buch meiner Meinung nach besser gestalten können.

Die Struktur des Buches ist stark akademisch geprägt.

Beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis könnten bei dem einen oder anderen Leser Erinnerungen an Studienarbeiten hochkommen. Per se ist das für mich kein Problem, wenn das Buch eben einen eher wissenschaftlicheren Anspruch hat. Das ist man ja beispielsweise von Publikationen aus dem Hause Springer Gabler gewohnt. Wen so etwas allerdings abschreckt, der sollte an dieser Stelle lieber aussteigen und zu deutlich populärwissenschaftlicheren Werken greifen.

Die drei Wesen, die durch das Buch begleiten, lassen allerdings vermuten, dass es doch für eine breitere Masse geschrieben wurde. In diesem Fall sehe ich persönlich Handlungsbedarf beim Inhaltsverzeichnis und weiteren Punkten. Für eine breite Zielgruppe ist die Struktur der einzelnen Kapitel sehr akademisch und etwas steif. Bekannte Lockerungsmaßnahmen fehlen, wenngleich mir die Denkanstöße gut gefallen haben. Auch die Wesen empfinde ich zwar als originell, aber etwas aus der Zeit gefallen. Mir sind solche Gestaltungen aus den alten Publikationen von Vera Birkenbihl bekannt, aber die sind mitunter älter als ich. Aus neueren Werken ist mir so etwas dagegen nicht mehr geläufig. 

„Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle. Man nennt mich Publix, weil ich täglich die Publikationen in den Medien verfolge. Besonders gern recherchiere ich im Internet mit meinem Tablet. Auch interessante Nachrichten aus vergangener Zeit interessieren mich, wenn sie zu einem bestimmten Thema passen.“ 
Franz Schott

Optisch hat mir das Buch ebenfalls an einigen Stellen Bauchschmerzen bereitet.

Das Cover ist so weit in Ordnung für ein akademisches Werk. Das Backcover ist dann aber schon weniger hochwertig gestaltet. Das hätte man deutlich besser machen können, wie beispielsweise bei Publikationen von Springer Gabler. Im Inneren gibt es im Grunde keine Hervorhebungen, Übergänge oder sonstige Auflockerungen. Lediglich die Wesen dienen als Ablenkung. Leider sind auch viele Überschriften unscharf. Das liegt wohl daran, dass diese im Skript farbig und im Druck schwarz-weiß gestaltet wurden. Die Quellenangaben sind meiner Meinung nach viel zu akademisch gehalten. Sie beinhalten mitunter den vollständigen Link inklusive zeitlicher Angabe des Abrufs. Das kenne ich so nur aus meinen Studienarbeiten. Da hätte man für ein breiteres Publikum sehr gerne vereinfachen dürfen. Auch mit Blick auf die Lesbarkeit.

Der Preis des Buches liegt mit 21,95 Euro dann ebenfalls wieder im typischen akademischen Segment. Für meinen Geschmack insgesamt etwas viel bei nicht einmal 180 Seiten und einem deutlich unterdurchschnittlichen Layout.

„Die Klage über den Werteverfall, verbunden mit der Forderung, wieder verstärkt Werte zu vermitteln, übersieht, dass damit in der Regel nur unsere Werte gemeint sind, die nicht immer mit anderen geteilt werden und deren Umsetzung mitunter schlimme Konsequenzen haben – obwohl es doch unsere Werte sind! Vor diesem Hintergrund war Gutes Handeln schon immer eine intellektuelle und emotionale Herausforderung.“ 
Franz Schott

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:

Prof. Dr. Franz Schott, geboren am 09. April 1942 in Nürnberg, ist Wissenschaftler auf dem Gebiet der Pädagogischen Psychologie, Wissenspsychologie, Moralpsychologie und Erziehungswissenschaft. Seine Dissertation trug den Titel: „Zur Konstruktion von Lehrstoffen und Lehrzielen. Ein Ansatz zur Konstruktion und Darstellung von Lehrstoffen, Lehrzielen, Lehrverfahren und Verhaltensänderungen mit einer normierten Sprache.“

Im Laufe der Jahre hatte Schott verschiedene Positionen in der akademischen Welt inne. Er war Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Gießen und hielt Gastvorlesungen an der Universität in Freiburg/Schweiz. Außerdem war er Direktor des Deutschen Instituts für Fernstudien der Universität Tübingen (DIFF). Darauf folge eine Professur für Pädagogische Psychologie an der TU Dresden. Selbst nach seiner Emeritierung setzte er seine Lehrveranstaltungen an der TU Dresden und der VHS Dresden fort.

Insgesamt ist es ein gutes Buch.

Aber bei all den genannten Kritikpunkten kann ich dem Werk unterm Strich keine bessere Bewertung geben.Die Erkenntnisse und Schilderungen darin sind spannend, gut recherchiert, belegbar und bieten paar interessante Denkanstöße. Auch wenn inhaltlich nichts unglaublich Neues zum Besten gegeben wird. Doch um dem Buch ein „sehr gut“ und vier Sterne geben zu können, hätte die Aufmachung deutlich zeitgemäßer sein müssen.

„Offensichtlich hat Moral etwas zu tun mit persönlichen Reaktionen bezüglich Scham, Schuld und Regeln des moralischen Sollens. So gesehen lässt sich bezüglich des Guten Handelns manchmal der Aspekt der Zweckmäßigkeit von dem Aspekt der Moral nicht trennen. Obwohl dies der Fall sein kann, wird in diesem Buch das ‚Gute Handeln‘ schwerpunktmäßig vom Aspekt der Moral betrachtet und als Eigenname verwendet (daher; Gutes Handeln‘ statt ,gutes Handeln‘).“ 
Franz Schott

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