Jean-Marie Eveillard wird als der französische Warren Buffett bezeichnet und verfolgte ebenfalls den Investment Ansatz des Value Investing
Finanzen & Investitionen

Value Investing

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★★★☆☆

VALUE INVESTING von Jean-Marie Eveillard* ist ein Buch, das der Autor selbst als seine Memoiren bezeichnet. Gemeinhin gilt er als der französische Warren Buffett und als einer der besten Value-Investoren aller Zeiten. In diesem Buch schildert er anschaulich seinen Weg vom blutigen Anfänger bis hin zu einem Giganten des Value-Investings. Dabei erzählt er diverse kleine Anekdoten von seinen erfolgreichen oder auch weniger erfolgreichen Investments und geht selbst sehr kritisch mit sich ins Gericht. Das lässt ihn gleich zu Beginn menschlich und bodenständig wirken. / Anzeige

Bereits im Vorwort nennt er zwei Merkmale des Value-Investings, die sich alle Anleger:innen hinter die Ohren schreiben sollten:

1) Value-Investing ist sinnvoll und …

2) Value-Investing funktioniert dauerhaft.

Diese Aussagen sollten Börseninteressierte – mit viel freier Zeit – nun hungrig machen, mehr über das Thema zu erfahren. Aber auch allen anderen Investor:innen, die rein passive Ansätze verfolgen, tun gut daran, sich mit diesem Thema genauer auseinanderzusetzen. Sie sollten zumindest verstehen, worum es im Kern beim Börsenspiel geht. Ohne dass daraus die Pflicht entsteht, den Value-Ansatz zu verfolgen. Denn unter Berücksichtigung der Opportunitätskosten gibt es profitablere Ansätze.

Wer nun von diesem Buch den gewünschten Inhalt zur Umsetzung erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Gleichzeitig rechne ich es dem Franzosen hoch an, dass er in dieser Frage auf seine weltbekannten Kollegen Benjamin Graham und Warren Buffett verweist. Insbesondere Grahams Buch, „Intelligent Investieren“, bezeichnet er als das beste Buch über Geldanlage, das jemals geschrieben wurde. Ansonsten seien fast alle anderen Bücher über Geldanlage nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurden. Tatsächlich wären die meisten von ihnen sogar irreführend.

Das kann ich nach über 500 gelesenen Büchern in dem Genre nur doppelt unterstreichen.

So verfolgt er mit diesem Buch die Absicht, seinen eigenen Ansatz von den beiden abzugrenzen und vielmehr aus seinem Leben zu berichten, alsdie Philosophie hinter dem Value-Investing ein zweites Mal zu erläutern.

Dabei begleitete ihn auf seinem Weg stets Grahams Satz: „Kurzfristig ist der Markt eine Wahlmaschine, aber langfristig eine Gewichtungsmaschine.“ Dennoch beschreibt er sich selbst nicht als unfehlbar oder perfekt: Er gibt zu, niemals eine ganze Position zum niedrigsten Kurs gekauft zu haben, geschweige denn sie beim Höchststand wieder verkauft zu haben. Wenn es ihm gelungen ist, dann war es reines Glück gewesen. Ein solches Statement rechne ich ihm sehr hoch an, denn obgleich er einer der erfolgreichsten Value-Investoren war, ist er dennoch bescheidener als die Mehrheit der vermeintlichen Experten und Expertinnen der Neuzeit.

Für ihn war es immer wichtig in all seinen Stationen als aktiver Fondsmanager keine Indexklone aufzubauen, wie es häufig am Markt zu beobachten ist.

„Unsere langfristigen Renditen beruhen zu großen Teilen auf dem was wir nicht gekauft haben.“
Jean-Marie Eveillard

Dass der Ansatz des Value-Investings aber über den Zeitverlauf nicht immer die erste Wahl der Anleger:innen war, musste er am eigenen Leib erfahren.

So verlor er im Dotcom-Boom beinahe all seine Investor:innen, weil diese sich vom Run auf Technologiewerte mitreißen ließen und seinem Fonds den Rücken kehrten. Erst nach dem Crash erholte sich sein Fonds wieder und die Investor:innen kamen zurück, als sie verstanden, dass sein Ansatz der überlegenere war.

Selbstkritisch wie der Autor allerdings ist, geht er auch auf die Schwächen bzw. Risiken von einem rein fundamental orientierten Value-Investing ein. So fuhr man damit in der Krise 2008 nicht besonders gut, obgleich es die vorherige sehr gut überstanden hatte.

In diesem Zusammenhang befasste er sich auch mit der Frage, warum es trotz des nachgewiesenen Erfolgs der Methode so wenig Value-Anleger:innen da draußen gibt.

Er beantwortet diese Frage mit der enormen Arbeit und dem finanzwirtschaftlichen Wissen, das benötigt wird, um die fundierten Analysen zu erstellen. Davor scheuen sich die meisten und versuchen lieber, schnell reich zu werden oder neben einem passiven Ansatz die freigewordene Zeit anderweitig sinnvoll zu nutzen.

Wenn man einfach nur schnell reich werden möchte, ist das sicher nicht das richtige Buch. Und auch für Leute, die in die Umsetzung kommen wollen, ist es nicht passend. Es ist für mich schlichtweg ein unterhaltsames Buch a la Kostolany.Es ist zweifelsohne kein Investment-Entertainment, keine Selbstbeweihräucherung und auch kein Buch zur eigenen Positionierung oder Inszenierung als Finanzexperte. Sein Handeln und Wirken haben ihn dazu gemacht – nicht seine mediale Vermarktung. Menschen wie er rümpfen wohl die Nase, wenn sie die Analysen der vermeintlichen Experten und Expertinnen in Print und im Netz zu lesen bekommen. Aber letztlich kann es Ihnen egal sein.

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