★★★★☆

WIE WIR DIE NÄCHSTE PANDEMIE VERHINDERN von Bill Gates* ist leider für manche Menschen bereits vom Titel und Autor her ein polarisierendes Buch. Da ich persönlich eher zu den ruhigen und besonnenen Gemütern gehöre, habe ich mir dieses Buch mit Vergnügen vorgenommen und war gespannt, welche Lehren mich erwarten würden.

Zunächst einmal hatte der Autor die Überlegungen, weltweite Pandemien zu verhindern, schon weit vor der Corona-Pandemie angestellt. Während seines Engagements auf dem afrikanischen Kontinent hat er immer wieder verschiedene Ausbrüche gefährlicher Krankheiten miterlebt, unter anderem Ebola. Er schreibt richtigerweise, dass sich Krankheiten schon immer unter uns Menschen ausgebreitet haben. Doch nicht jede von ihnen führt zwangsläufig zu einer globalen Katastrophe. Sein Antrieb für dieses Buch war es, ein System zu skizzieren, das Regierungen, Wissenschaftler:innen, Unternehmen und Einzelpersonen gemeinsam aufbauen können, um unvermeidliche Ausbrüche einzudämmen, bevor sie sich zu globalen Pandemien entwickeln.

Dazu führt er Step by Step durch alle Kapitel und beschreibt, was wir unternehmen müssen, um uns vorzubereiten.

Alles zusammengeführt ergibt dieses Buch einen potenziellen Plan, wie Pandemien als Bedrohung für die Menschheit eingedämmt werden könnten.

Dass dieses Risiko real ist, haben wir in den letzten Jahren allesamt erlebt. Vielleicht ist dieses aktuelle Bewusstsein nun gerade deshalb ein passender Anlass, gewisse Strukturen nochmals zu überdenken und sich mit den Ideen aus diesem Buch zu beschäftigen. Zumindest Politiker:innen und allen am Thema interessierten Personen kann ich dieses Buch diesbezüglich nur an Herz legen. Die Ressourcen zum Aktivwerden fehlen uns definitiv nicht. Es ist nur wie so häufig der politische Wille, der nicht immer gegeben ist.

„Ich war fassungslos, dass die meisten Regierungen angesichts dieser drohenden Katastrophe nicht stärker beunruhigt waren, und fragte in die Runde: ‚Warum handeln die Regierungen nicht entschiedener?‘“
Bill Gates

„Die Welt hat nie wirklich in die benötigten Tools investiert oder sich systematisch auf eine Pandemie vorbereitet.“
Bill Gates

Bill Gates beschreibt, was wir alles aus COVID-19 gelernt haben sollten.

Seine Aussagen sind dabei stets von weltweit führenden Experten und Expertinnen untermauert. Zudem sind sie mit seinen eigenen Erfahrungen hinsichtlich der Bekämpfung tödlicher Krankheiten – insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent – verbunden. Besonders spannend empfand ich seine Ansätze zu einer nationenübergreifenden Zusammenarbeit.

„Wenn man beginnt, sich über Infektionskrankheiten zu informieren, kommt man schnell auf das Thema Ausbrüche, Epidemien und Pandemien. Die Definitionen für diese Begriffe sind weniger genau, als Sie vielleicht denken. Als Faustregel kann man sagen, dass ein Ausbruch vorliegt, wenn eine Krankheit in einem lokalen Gebiet ausbricht, eine Epidemie, wenn sich ein Ausbruch innerhalb eines Landes oder einer Region weiter ausbreitet, und eine Pandemie, wenn eine Epidemie weltweit auftritt und mehr als einen Kontinent betrifft. Und es gibt Krankheiten, die nicht kommen und gehen, sondern ständig in einer bestimmten Region anzutreffen sind – sie sind als endemische Krankheiten bekannt. So ist zum Beispiel Malaria in vielen äquatornahen Regionen endemisch. Falls COVID-19 nie ganz verschwinden sollte, wird es über kurz oder lang als endemische Krankheit klassifiziert werden.“
Bill Gates

Bekannt ist Bill Gates den meisten aber vor allem durch Microsoft. Sein Unternehmen, das er mit seinem Jugendfreund Paul Allen 1975 gründete und zu einem der wertvollsten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt ausgebaut hat. Heute ist er viel mehr als nur der Microsoft Gründer. Denn schon früh hat er begonnen, sich mit globalen Gesundheits- und Entwicklungsfragen zu befassen und dafür zusammen mit seiner Frau Melinda Gates die Bill & Melinda Gates Foundation gegründet.

In diesem Sinne werden auch alle Autorenerlöse aus diesem Buch der Organisation Partners in Health gespendet.

Aber zurück zum Inhalt. Der Autor erarbeitet sukzessive, wie wir Menschen sofort beim Selbstschutz helfen können, wie wir zukünftig sie Suche nach neuen Wirkstoffen noch weiter beschleunigen können und die Impfstoffherstellung unter Umständen schon vorbereiten können. Aber auch wie wir globale Gesundheitslücken schließen, vor allem in der Zusammenarbeit mit Regierungen und Gesundheitsorganisationen in den Regionen der Welt, in denen auch heute noch regelmäßig Krankheiten ausbrechen, die potenziell ein globales Risiko darstellen.

„Das gilt vor allem für Länder mit niedrigen oder mittleren Einkommen, deren Gesundheitssysteme in vielen Fällen unterfinanziert sind. Wenn Ärzte und Epidemiologen nicht die Ausbildung, Einrichtungen und Tools haben, die sie brauchen, oder wenn das nationale Gesundheitsministerium ineffizient ist oder überhaupt nicht existiert, wird es immer wieder zu Krankheitsausbrüchen kommen. Jedes Gemeinwesen in jedem Land sollte in der Lage sein, einen Ausbruch innerhalb von höchstens sieben Tagen zu erkennen, ihn zu melden und innerhalb eines weiteren Tages mit Ermittlungen zu seinen Ursachen zu beginnen. Und es muss möglich sein, binnen einer weiteren Woche wirkungsvolle Schutzmaßnahmen umzusetzen – Richtlinien, die jeder in einem Gesundheitssystem arbeitenden Person Ziele setzt, die sie anstreben kann, und Möglichkeiten bietet, die erreichten Verbesserungen zu messen.“
Bill Gates

Schlussendlich geht es aber auch um die Frage, wie das alles finanziert werden kann und wie wir für die Zukunft planen können, wo doch so vieles noch ungewiss ist.

Wenn Bill Gates heute ein Buch schreibt – insbesondere über Pandemien –, dann kommt er fast nicht darum herum, auch die Kritik an seiner Person und seiner Stiftung zu thematisieren. Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass er es eigentlich nicht ansprechen müsste, widmet er doch etliche Seiten diesem Thema:

„Dies ist das Thema eines weitverbreiteten Missverständnisses über die Arbeit unserer Stiftung zur Förderung der öffentlichen Gesundheit: Sie konzentriert sich keineswegs darauf, Menschen in reichen Ländern vor Krankheiten zu schützen, sondern hat vielmehr das Ziel, die Lücke in der medizinischen Versorgung zwischen Hoch- und Niedriglohnländern zu verkleinern. Zwar haben wir im Zuge dieser Arbeit eine Menge über Krankheiten gelernt, die auch reichen Ländern zusetzen können, und ein Teil der von uns bereitgestellten Mittel wird zur Bekämpfung dieser Krankheiten beitragen, aber sie stehen nicht im Zentrum unserer Fördertätigkeit. Die Privatwirtschaft, die Regierungen reicher Länder und andere Philanthropen stellen umfangreiche Ressourcen für solche Initiativen zur Verfügung.“
Bill Gates

Es ist nun mal wieder typisch menschlich: Sobald viel Geld und viele für den:die Ottonormalverbraucher:in undurchsichtige Absprachen im Spiel sind, kochen die Verschwörungen nur so hoch.

In der Einleitung begegnet er vielen Behauptungen und entkräftet sie.

„In diesem Buch habe ich mein Möglichstes getan, um das festzuhalten, was zum Zeitpunkt des Erscheinens richtig ist, aber durchaus in dem Bewusstsein, dass sich der Stand der Dinge unvermeidlicherweise in den kommenden Monaten und Jahren ändern wird. Jedenfalls werden die wichtigsten Punkte des Pandemie-Präventionsplans, den ich vorschlage, dennoch relevant bleiben. Die Welt hat noch viel Arbeit zu erledigen, bevor sie hoffen darf, verhindern zu können, dass lokale Ausbrüche sich zu globalen Katastrophen entwickeln.“
Bill Gates

Ein wirklich spannendes Buch zu einem Thema, über das leider doch häufig viel zu emotional diskutiert wird.

Zu dem jede:r meint, seinen:ihren Senf beitragen zu können, auch wenn das mitunter nicht über Stammtischparolen hinausgeht. Dabei handelt dieses Buch aber nicht nur von COVID-19, sondern auch von dutzenden anderen potenziell pandemischen Krankheiten. Corona ist nur eine sehr greifbare Form eines solchen Risikos und wir Menschen neigen offensichtlich sehr häufig dazu erst dann zu reagieren, wenn es schon passiert ist.

Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise durch die Geschichte und an die entlegensten Orte dieser Welt. Er zeigt, wie Menschen dort aktiv werden und wurden, um Krankheiten zu heilen und deren Ausbreitung zu stoppen. Dabei wird an vielen Stellen sichtbar, wo wir vielleicht von anderen lernen können – von ihrem Fortschritt in Herausforderungen, denen wir uns so noch nicht gestellt sahen. Vor allem aber schildert er ausführlich und reflektiert, welche Schlüsse wir aus all dem ziehen sollten und wie wichtig es ist, nicht nur in dieser Sache auf globaler Ebene zu denken, sondern im Allgemeinen öfter nationale Grenzen fallen zu lassen.

Die unzähligen Geschichten von teilweise ehrenamtlichen Helfer:innen auf der ganzen Welt, die ihre eigene Gesundheit und ihr Leben riskieren, unglaubliche Mühen auf sich nehmen, um anderen zu helfen, fand ich beeindruckend. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie uneigennützig die Menschheit in Teilen doch sein kann. Auch das hat mich nun dazu motiviert, nochmals mehr zu spenden und zu unterstützen. Der Maßstab dafür sollte aber eben auch stets die eigene Überzeugung sein und nicht der Nachbar oder die Nachbarin, der:die sich noch nie engagiert hat.

Schließen möchte ich diese Rezension nochmal mit einem Appell des Autors:

„Wir müssen uns nicht der ewigen Furcht vor einer weiteren globalen Katastrophe hingeben. Aber wir sollten uns stets im Klaren sein, dass diese Möglichkeit besteht, und gewillt sein, etwas dagegen zu unternehmen. Die Tatsache, dass wir jetzt die Gefahr besser verstehen als jemals zuvor, sollte der Welt ein Ansporn sein, endlich zu handeln – Milliarden zu investieren, damit wir in Zukunft nicht weitere Millionen Menschenleben und Billionen Dollar verlieren. Wir haben jetzt die Chance, aus unseren Feh- lern zu lernen und dafür zu sorgen, dass wir nie wieder eine Katastrophe wie COVID-19 durchmachen müssen. Und wir können uns sogar ein noch ehrgeizigeres Ziel setzen: Wir können an einer Welt arbeiten, in der jeder Mensch die Chance bekommt, ein gesundes und erfülltes Leben zu führen. Das Gegenteil von Gleichgültigkeit ist nicht Furcht. Sondern Handeln.“
Bill Gates


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