Ein unternehmerisch-politisches Sachbuch, das die 4 Tage Woche aus Mitarbeiter- und Unternehmenssicht betrachtet.
Karriere & Unternehmertum

4 Tage Woche

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★★★☆☆

4 TAGE WOCHE von Martin Gaedt* ist ein unternehmerisch-politisches Werk. Es erweitert die Diskussion um die Einführung einer 4-Tage-Woche um 151 Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei werden aus Mitarbeitersicht vor allem die Auswirkungen auf Gesundheit, Freizeitgestaltung und insgesamte Lebensqualität in den Vordergrund gerückt. Und auf Seiten der Unternehmen führt der Autor erhöhte Produktivität, steigenden Umsatz und einen Anstieg der Bewerbungen ins Feld. / Anzeige

Viele dieser Punkte sind zweifelsfrei intuitiv nachvollziehbar.

Die Ausgestaltung der 4-Tage-Woche ist in seinen Praxisbeispielen allerdings durchaus sehr unterschiedlich. Das liegt zum einen an der Vielfalt der Branchen, die zu seinen Beispielen zählen. Aber es hat auch regionale und ganz individuelle Gründe.

Die Praxisbeispiele stammen dabei überwiegend aus kleinen und mittleren Handwerksbetrieben: Schreinereien, Malerbetrieben, Elektro-, Sanitär- und Heizungsbetrieben. Sowie aus dem Handel, der Logistik, Produktion und Dienstleistung – wie zum Beispiel Pflege, Hotellerie, Steuerberatung, Softwareentwicklung, Digitalagenturen und Unternehmensberatungen. Auch einige große Unternehmen und Organisationen mit mehr als 100 Beschäftigten kommen zu Wort. Darunter ein Unternehmen aus der Baubranche, eine Stadtverwaltung und ein Autohaus.

Somit ein bunter Blumenstrauß an ganz unterschiedlichen Perspektiven.Dasselbe hätte ich mir allerdings auch bei der Betrachtung der alternativen oder kumulativen Maßnahmen zur 4-Tage-Woche gewünscht. Leider wird weder über Homeoffice noch über (Vertrauens-)Gleitzeit oder ähnliche Konzepte gesprochen. Auch eine kritische Betrachtung der maximal möglichen bzw. sinnvollen Arbeitszeit pro Tag – abhängig von Branchen und Aufgaben – fehlt mir. Vor allem mit Blick auf Publikationen wie Die Intervall Woche* von Lothar Seiwert und Silvia Sperling. Meine Rezension dazu findest du hier.

Denn ob die Komprimierung von 40 Arbeitsstunden von 5 auf 4 Arbeitstage sonderlich sinnvoll erscheint, wage ich zu bezweifeln.

Insbesondere in Berufsfeldern, wo viel mit dem Kopf oder gar kreativ gearbeitet wird. Gerade in diesem Bereich weiß man wissenschaftlich betrachtet inzwischen ziemlich gut: Die Verlängerung der Arbeitszeit führt mitunter nicht nur nicht zu besseren, sondern gar zu schlechteren Ergebnissen. Trotzdem finden sich auch solche Beispiele unter den 151 in diesem Buch – ohne kritische Einordnung.

Die Thematik der 4-Tage-Woche bei vollem Lohn nimmt allerdings in politischen Debatten immer mehr Fahrt auf. Das kann man nicht bezweifeln. Alternativen zur weitestgehend bestehenden 5-Tage-Woche werden in vielen Bereichen gesucht und erprobt. Zum einen, um die Attraktivität als Arbeitgeber zu verbessern, zum anderen, um Produktivität und Zufriedenheit zu steigern. Für Martin Gaedt geht es dabei vor allem um Menschen. Also um uns und unsere Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen, wie wir in Zukunft arbeiten wollen.

„Der Wunsch nach mehr Freizeit widerspricht nicht dem vollen Einsatz beim Arbeiten und auch nicht der Loyalität zum Arbeitgeber. Wer den Job liebt, kann auch Familie, Freunde und Hobbys lieben.“ 
Martin Gaedt

Der Autor zeigt, dass beinahe täglich neue Betriebe in der DACH-Region Konzepte wie die 4-Tage-Woche testen. Damit wollen sie Fluktuation, einem hohen Krankenstand oder dem Fachkräftemangel trotzen. Martin Gaedt betrachtet vor allem unter Handwerksbetrieben eine vermehrte Aktivität in diesem Bereich. Deren Experimente mit der Arbeitszeit bilden den Grundstock für dieses Buch.

„In allen Gesprächen, die ich mit Führungskräften und Teammitgliedern zu der 3-Tage-Freizeit führe, kommen wir auf diesen Dreiklang:

Gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Gut für die Kundinnen und Kunden

Gut fürs Unternehmen.“ 
Martin Gaedt

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:

Martin Gaedt ist ein begeisterter Verfechter von Ideen und als Innovator ständig darum bemüht, selbige in die Tat umzusetzen. Für ihn bedeutet Ideenfitness, professionell Ideen zu spinnen, daraus Cocktails zu mixen, Prototypen zu testen und Projekte zu starten. Er betrachtet Ideen wie Babys, die Talente haben. Und er glaubt, dass es Raum, Zeit und Spaß erfordert, um diese Talente zu entdecken.

Er hat die Bücher Mythos Fachkräftemangel* im Jahr 2014 und Rock Your Idea* im Jahr 2016 veröffentlicht. Seit 1999 gründet er Unternehmen und ist seit 2007 selbst Arbeitgeber.

„Aber was passiert in einer Rezession mit diesen Betrieben? Kehren sie dann alle wieder zur 5-Tage-Woche zurück?“ Das werde ich häufig gefragt. Ich halte die Betriebe, die ich kennengelernt habe, für sehr krisensicher. Ihr Business wurde komplett durchgecheckt, alle Abläufe verbessert und auf den neuesten Stand gebracht, Sie haben das aktuellste Update erhalten. Die Einführung der neuen Arbeitszeiten passiert nie isoliert, sondern führt zu weiteren Veränderungen, damit es gut läuft.“ 
Martin Gaedt

Inhaltlich gießt er die 151 Praxisbeispiele in übergeordnete Themenfelder wie Freizeit, Recruiting, Nachhaltigkeit oder Gesundheit. Alles gehört zusammen und doch steht jedes Kapitel für sich, bekräftigt der Autor.

In der Einleitung findet man eine Übersicht aller 151 Unternehmen und kann deren Beitrag über entsprechende Seitenzahlen recht schnell finden. So kann man nicht nur Unternehmen in der eigenen Branche, sondern auch in der Region schnell finden.

Leider wurde mir direkt zu Beginn des Buches wieder die Qualitätsmisere von Self-Publishing-Dienstleistern bewusst.

Nicht gewollte weiße Linien auf jeder vierten rechten Seite, die etliche Buchstaben und mitunter ganze Wörter von oben nach unten verschlucken, komische Seitenränder etc. Da spürt man dann leider doch einen signifikanten Unterschied zu renommierten Verlagen und ihren Qualitätskontrollen. Für mich war das nicht nur störend, sondern zeitweise auch eine enorme Bremse beim Lesen. Wenn man auf jeder achten Seite die Wörter zusammenpuzzeln muss, dann macht das spätestens bei Seite 200 keinen Spaß mehr.

„Menschen gewinnen Zeit für Hobbys, Sport, Familie, Freunde, ehrenamtliches Engagement und mehr Erholung. Deshalb wird sich die 4-Tage-Woche durchsetzen. Unternehmen profitieren von gesunden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die produktiver arbeiten. Häufig steigen in weniger Arbeitszeit sogar Umsatz und Gewinn.

Krankmeldungen und Fluktuation sinken. Neue Bewerbungen kommen in großen Mengen, so dass Unternehmen auswählen können.“ 
Martin Gaedt

„Die 40 Wochenarbeitsstunden werden auf 36 Stunden reduziert, im Normalfall in der Woche verteilt auf 9 Arbeitsstunden an 4 Tagen. Wer lieber auch freitags arbeitet, kann das tun. Teilzeitkräfte können die Arbeitszeit ebenfalls um 10% reduzieren, wahlweise bekommen sie 10% mehr Gehalt.“ 
Martin Gaedt

Solche Experimente stehen leider komplett konträr zu den wissenschaftlichen Ergebnissen aus Büchern wie Die Intervall Woche* von Lothar Seiwert und Silvia Sperling. Aber deren Erkenntnisse oder vergleichbare werden leider gar nicht thematisiert. Genauso wenig wie das oben angesprochene flexiblere Arbeiten im Homeoffice oder komplett remote.

„Eine 4-Tage- Woche hat den großen Vorteil, dass viele Bullshit-Anteile gar nicht auftreten. Wenn beispielsweise aus 40 Stunden 36 Stunden Arbeit werden und aus 5 Tagen werden 4, dann ergibt sich der Zeitgewinn daraus, dass konsequent Bullshit-Anteile aus dem Arbeitsalltag gestrichen und ausgemistet werden. Deshalb ist das Thema 4-Tage-Woche eng verknüpft mit Werten wie Vertrauen, transparenter Kommunikation, guter Arbeitsatmosphäre und Bullshit- freier Arbeit. Es baut auf einem Menschenbild auf, das Menschen etwas zutraut.“ 
Martin Gaedt

An sich ist es ein spannendes Buch.

Aber letztendlich versteift es sich meiner Meinung nach viel zu sehr auf das Konzept der 4-Tage-Woche. Ich verstehe zwar, dass dies der Titel des Buches ist und es somit auch Hauptthematik sein sollte. Aber dennoch empfinde ich es als nicht korrekt, Alternativen oder gar kumulativ sinnvolle Ansätze nicht ebenfalls zumindest am Rande zu erwähnen. Für mich sollte der Autor die Arbeitszeit vielmehr als Ganzes betrachten. Sogar etliche Quellen in seinem Buch tun genau dies, aber im Buch selbst wird es nicht weiter thematisiert.

Man versucht, auf Biegen und Brechen die Arbeitszeit von 5 in 4 Tage zu quetschen. Dabei macht man sich aber nicht einmal Gedanken darüber – nicht einmal in einem Halbsatz –, ob die Mitarbeiter tatsächlich zehn Stunden lang wirklich produktiv arbeiten können. Oder ob nicht im Sinne von Lothar Seiwert vielleicht ein geringeres Pensum pro Tag viel sinnvoller wäre. Das macht nicht nur für mich prinzipiell einfach keinen Sinn.

Der Autor selbst thematisiert den Effekt, dass mit der 4-Tage-Woche weniger Bullshit-Arbeit anfallen würde.

Genau der umgekehrte Effekt tritt jedoch ein, wenn die Arbeitszeit pro Tag erhöht wird.

Genauso wird eben nicht über Konzepte wie Homeoffice oder Remote Work gesprochen. Sie hätten jedoch einen noch viel größeren Einfluss auf verschiedene im Buch angesprochene Punkte. Zum Beispiel auf die Reduktion von Pendelzeiten oder das damit verbundene CO2.

Damit werden aus meiner Sicht einige wirklich wichtige und sinnvolle Hebel erst gar nicht adressiert. Und das, obwohl sie definitiv genau zu dieser Themenlage gehören würden und sie darüber hinaus sogar bestärken könnten. Stattdessen versteift man sich komplett auf die 4-Tage-Woche. Deswegen und aufgrund der schlechten Druckqualität gibt es von mir unterm Strich nur drei von fünf Sternen.

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