Ein wirklich tolles Sachbuch, welches gerade in emotionalen Bereichen durch Klarheit, Rationalität und die Tiefe der Gedanken besticht.
Mindset & Persönlichkeitsentwicklung

Beyond Order – Jenseits der Ordnung

by
★★★★☆

BEYOND ORDER – JENSEITS DER ORDNUNG von Jordan B. Peterson* ist die Fortsetzung seines internationalen Bestsellers 12 Rules for Life*. In diesem Buch teilt er weitere 12 Regeln bzw. Leitsätze mit uns Lesern. Diese sollen uns bei unseren individuellen Herausforderungen weiterhelfen. Der Titel des Werkes lässt bereits erahnen, worauf sein Fokus dieses Mal liegt: auf der Gefahr, die von zu viel Ordnung und Struktur ausgehen kann. / Anzeige

Dem Harvard-Professor zufolge fordert ein Übermaß an Ordnung unweigerlich seinen Tribut: „Sie lässt uns bis zur Unterwerfung versteinern.“ Zu viel Sicherheit sei ebenso gefährlich wie ein Übermaß an Chaos, das uns mit Instabilität und Angst bedroht. „Weil unser Verständnis stets unzureichend ist (wie wir feststellen, wenn sich Dinge, über die wir Kontrolle anstreben, dennoch unserem Zugriff entziehen oder schieflaufen), müssen wir mit einem Bein in der Sphäre der Ordnung stehen und das andere vorsichtig und versuchsweise in den Bereich jenseits davon ausstrecken.“

Jordan Peterson ermutigt uns dazu, zu forschen, zu erkunden und unser Wissen zu vertiefen, während wir an der Grenze stehen. Sicher genug, um unsere Angst beherrschen zu können, aber auch beständig lernend. Vor allem bezüglich Entscheidungen, mit denen wir noch keinen Frieden geschlossen oder auf die wir uns noch nicht eingestellt haben.

Seine zwölf Prinzipien sollen uns helfen, unserem ewigen Wunsch, die Welt zu ordnen, zu widerstehen.

Wir sollten uns vielmehr auf unseren Instinkt verlassen, um Sinn und Zweck zu finden. Auch und gerade dann, wenn wir uns machtlos fühlen. Er ruft dazu auf, die beiden grundlegenden Prinzipien der Realität – Chaos und Ordnung – ins Gleichgewicht zu bringen. Und den schmalen Pfad, der sie trennt, mutig zu beschreiten.

Ordnung beschreibt für Jordan Peterson unser erforschtes Terrain. Manche würden dafür vielleicht auch den Begriff „Komfortzone“ wählen. Für uns sind die Dinge in Ordnung, wenn unsere Handlungen jene Ergebnisse erbringen, die wir angestrebt haben. Solche Ergebnisse betrachten wir als positiv. Denn sie unterstreichen, dass unsere Theorie darüber, wie die Welt funktioniert, weiterhin zutreffend ist.

„Doch jeder Zustand der Ordnung, ganz gleich, wie abgesichert und komfortabel er erscheinen mag, hat Unzulänglichkeiten. Unser Wissen darüber, wie wir uns in der Welt zu verhalten haben, bleibt stets unvollkommen – zum einen, weil wir überhaupt nichts wissen über das große Unbekannte, zum anderen aufgrund unserer absichtlichen Blindheit und schließlich auch, weil sich die Welt immer weiterbewegt, gemäß ihrer entropischen Funktionsweise, und sich auf unerwartete Art verändert.“ 
Jordan Peterson

Es gibt immer einen Bereich jenseits dessen, was wir wissen und vorhersagen können.

Nicht alles ist prognostizierbar. Erst recht nicht der Kapitalmarkt, wie Nate Silver bereits herausgearbeitet hatte, aber auch andere Lebensbereiche nicht. Und alles Wissen dieser Welt werden wir wohl auch niemals aufsaugen können. Was wir im Hier und Jetzt wirklich wissen, ist nur ein Bruchteil verglichen mit dem, was wir alles nicht wissen. Ein Stück weit ist dies auch Antrieb für mich, mich stetig weiterzubilden. Denn es ist in gewisser Weise eine Genugtuung, das eigene Wissen zu steigern und Licht ins Dunkel zu bringen.

„Es ist besser, davon auszugehen, dass die eigenen Kenntnisse ungenügend sind und man noch viel lernen muss, anstatt zu meinen, man würde bereits über ausreichend Wissen verfügen, wodurch man sich dem Risiko ausliefern würde, blind durch die Welt zu gehen.

Es ist viel besser, sich mit dem anzu-freunden, was man nicht weiß, statt mit dem, was man weiß, denn Ersteres steht in Hülle und Fülle zur Verfügung, während Letzteres nur begrenzt vorhanden ist. Wenn man in eine Sackgasse geraten oder in die Ecke gedrängt worden ist – oftmals durch das halsstarrige Festhalten an irgendwelchen unbewusst gehegten und gepflegten Annahmen –, kann einem nur das helfen, was man noch nicht gelernt hat.“ 
Jordan Peterson

Jenseits dessen, was wir wissen, liegen „Chaos, Anomalien, Neuartigkeit, Unberechenbarkeit, Disruption und nicht selten auch Niedergang, weil sich das, was wir als selbstverständlich erachten, als unsicher erweist.“

„Weder der Zustand der Ordnung noch der Zustand des Chaos ist grundsätzlich dem anderen vorzuziehen. Das wäre eine falsche Sichtweise.“
Jordan Peterson

Seine beiden Werke rahmen diese Vorstellung sozusagen ein.

Sein erstes Buch 12 Rules for Life* beschäftigt sich etwas mehr mit der Frage: Wie kann man in einer chaotischen Welt die Auswirkungen eines Übermaßes an Chaos in den Griff bekommen? Beyond Order* beschäftigt sich nun mit der anderen Seite der Medaille. Natürlich können und werden aber beide stets gleichzeitig Einfluss auf unsere Leben nehmen.

Beide Bücher waren ursprünglich als Doppelband geplant, um die Dualität zu repräsentieren, die sie beschreiben. Deshalb hat das erste Buch einen weißen Umschlag und das zweite einen schwarzen. Sie bilden damit ein aufeinander abgestimmtes Set, ähnlich wie die taoistischen Prinzipien von Yin und Yang.

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:

Jordan B. Peterson ist klinischer Psychologe, Kulturkritiker und Professor für Psychologie an der Universität von Toronto. Er unterrichtete Juristen, Ärzte und Geschäftsleute über Mythologie und war als Berater für verschiedene Anwaltskanzleien und den UN-Generalsekretär tätig. Darüber hinaus hat er vielen Patienten bei der Behandlung ihrer Depressionen, Zwangsstörungen, Angstzuständen und sogar bei Schizophrenie geholfen.

Mit seinen Studenten und Kollegen in Harvard und Toronto hat Jordan Peterson mehr als 100 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht.

Diese haben das moderne Verständnis von Persönlichkeit verändert. Sein Werk Warum wir denken, was wir denken* revolutionierte die Religionspsychologie. Sein gefeierter internationaler Bestseller 12 Rules for Life* wurde in über 40 Sprachen veröffentlicht.

„Ich glaube, ich habe niemals behauptet – weder in meinem vorhergehenden Buch noch im vorliegenden –, dass es zwangsläufig ausreichend wäre, gemäß den hier vorgestellten Regeln zu leben. Vielmehr habe ich Folgendes erklärt – zumindest hoffe ich, dass ich es deutlich machen konnte:

Wenn Sie vom Chaos heimgesucht oder überwältigt werden, wenn die Welt es schlecht mit Ihnen meint oder Sie einen geliebten Menschen durch Krankheit verlieren oder wenn durch tyrannische Gewalt etwas niedergerissen wird, das Sie aufgebaut haben und wertschätzen, dann ist es hilfreich und heilsam, auch die ganze Geschichte zu kennen. All dieses Unglück ist nur die eine, die bittere Hälfte der Geschichte des menschlichen Daseins, in der das heroische Element der Erlösung noch nicht zum Tragen kommt und auch nicht die Erhabenheit des menschlichen Geistes, die es erfordert, auch ein gewisses Maß an Verantwortung zu übernehmen.

Wir missachten diese Ergänzung der Geschichte auf eigenes Risiko, denn das Leben ist so schwierig, dass es uns den höchsten Preis abverlangen kann, wenn wir den heroischen Teil unseres Daseins aus den Augen verlieren. Das sollten wir vermeiden. Wir müssen uns vielmehr ein Herz fassen und den Mut aufbringen, die Dinge sorgfältig und gründlich zu betrachten und auf jene Art zu leben, die uns als Möglichkeit gegeben ist.“ 
Jordan Peterson

Damit vertritt der Autor eine ähnliche Überzeugung wie bereits erfolgreiche Autoren wie Napoleon Hill, Stephen Covey oder Dale Carnegie.

Sie alle beschreiben Kraftquellen in uns selbst, auf die wir bauen können.

„Ihnen erschließt sich alles, was Sie lernen können, wenn Sie den Irrtum akzeptieren können.“ 
Jordan Peterson

Inhaltlich bezieht sich Regel 1 auf den Zusammenhang zwischen stabilen, berechenbaren sozialen Strukturen und der individuellen geistigen Gesundheit.

Peterson betont, dass solche Strukturen durch kreative Menschen stets verbessert und auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. Nur dann können sie ihre Vitalität bewahren.

Regel 2 untersucht das Wesen und die Herausbildung der integrierten menschlichen Persönlichkeit. Hierzu verwendet der Autor ein jahrhundertealtes alchemistisches Motiv und stützt sich auf mannigfache überkommene und moderne Erzählungen.

Regel 3 warnt vor den Gefahren, die sich einstellen können, wenn man sich vor den Informationen negativer Emotionen verschließt. Schmerz, Angst und Furcht sind von zentraler Bedeutung für die kontinuierliche Auffrischung der Psyche.

Regel 4 stellt heraus, dass sich Sinnhaftigkeit, die den Menschen aufrechterhält, weniger im Glück finden lässt. Glück ist ein flüchtiges Ding. Sinnhaftigkeit verleiht eher die freiwillige Übernahme von Verantwortung für sich selbst und für andere.

Regel 5 erläutert, wie wichtig es für den Menschen und die Gesellschaft ist, den Forderungen des Gewissens zu folgen. Dazu nutzt der Autor ein Beispiel aus seiner Praxis als klinischer Psychologe.

Regel 6 beschreibt die Gefahr, die darin liegt, die Ursachen komplexer individueller und sozialer Probleme Einzelvariablen wie Geschlecht, sozialer Schicht oder Macht zuzuschreiben.

Regel 7 erläutert den grundlegenden Zusammenhang zwischen diszipliniertem, auf ein konkretes Ziel gerichtetem Streben und der Herausbildung von Resilienz angesichts von Not.

Regel 8 konzentriert sich auf die Bedeutung des ästhetischen Erlebens. Der Autor sieht darin eine Wegweisung zum Wahren, Guten und Tragfähigen in der Welt der menschlichen Erfahrung.

Regel 9 besagt: Vergangene Erlebnisse, die in der Erinnerung angstbeladen sind, können ihren Schrecken verlieren. Dazu muss man sie schriftlich niederlegen und sich freiwillig ein weiteres Mal mit ihnen auseinandersetzen.

Regel 10 betont, wie wichtig das klare Gespräch ist. Es dient der Aufrechterhaltung von gutem Willen, gegenseitiger Wertschätzung und harmonischem Zusammenwirken. Ohne diese kann es keine wahre Liebe geben.

Regel 11 beschreibt drei verbreitete, aber gefährliche Muster der psychologischen Reaktion. Es schildert es die fatalen Auswirkungen, die sich ergeben, wenn man einem dieser Muster oder gar allen dreien zum Opfer fällt. Und es zeigt einen alternativen Weg auf.

Regel 12 präsentiert Dankbarkeit in Anbetracht der unausweichlichen Tragödien des Lebens als grundlegende Manifestation bewundernswerten moralischen Mutes. Diesen müssen wir aufbringen, um unseren beschwerlichen Weg weiter fortsetzen zu können.

„Woher wissen Sie, wer Sie sind?

Schließlich sind Sie ein hochkomplexes Wesen, das Sie selbst eigentlich nicht verstehen; komplexer als alles andere, was es gibt, abgesehen von den anderen Menschen; komplexer, als man es sich überhaupt vorstellen kann. Zudem wird Ihr Nichtwissen noch dadurch verstärkt, dass sich Ihr jetziges Sein und Ihr potenzielles, künftiges Sein vermischen. Sie sind nicht nur etwas, das momentan da ist. Sie sind auch etwas, das erst im Werden ist – und das potenzielle Ausmaß dieses Werdens übersteigt ebenfalls Ihr Verständnis.

Jeder Mensch, glaube ich, hat das Gefühl, dass mehr in ihm steckt, als er bisher zu realisieren imstande war. Dieses Potenzial wird häufig durch Krankheiten, Pech und allgemeine Tragödien oder Missgeschicke des Lebens verstellt. Es kann aber auch verschüttet werden durch die fehlende Bereitschaft, alle Chancen zu ergreifen, die das Leben bietet – was begünstigt wird durch bedauerliche Irrtümer aller Art, etwa durch mangelnde Disziplin, fehlenden Glauben, zu geringes Vorstellungsvermögen oder zu wenig Engagement. Wer sind Sie? Und wichtiger noch: Wer könnten Sie sein, wenn Sie all das werden könnten, was angelegt ist in Ihnen?“ 
Jordan Peterson

Leider hat mir die Übersetzung an vielen Stellen nicht sonderlich gut gefallen. Sie wirkt mitunter holprig. Ich hatte mir im Vorfeld bereits unzählige Reden und Vorträge von Jordan Peterson auf Englisch angehört. Dabei hatte ich nie ein ähnliches Gefühl wie nun beim Lesen dieser deutschen Übersetzung. Dafür muss ich dem Buch leider einen Stern abziehen und würde allen, die der englischen Sprache mehr als mächtig sind, die englische Version empfehlen.

Nicht nur aufgrund der Übersetzung, sondern auch inhaltlich kommt es für mich nicht ganz an 12 Rules for Life* heran.

Aber dennoch ist es ein wirklich tolles Buch geworden. Besonders die Tiefe der Gedanken von Jordan Peterson beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Gerade in emotionalen Bereichen besticht er durch Klarheit und Rationalität. Manchmal wirkt es, als denke er in anderen Sphären. Das bewundere ich sehr.

Diese ausschweifenden Gedanken muss man aber unterm Strich auch mögen, ansonsten könnte es langatmig und gegebenenfalls sogar langweilig wirken. Es ist kein Buch für Lesemuffel und auch keines für Praktiker, die nicht gerne träumen und Dinge zerdenken.

Philosophen und Denker werden aber voll auf ihre Kosten kommen.

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