Ein sehr an Das Café am Rande der Welt angelehntes Buch über den Sinn des eigenen Lebens. Mit vielen wertvollen Impulsen und Fragen gespickt.
Mindset & Persönlichkeitsentwicklung

Der Fischer, der sich nicht aufs Meer traute

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★★★☆☆

DER FISCHER, DER SICH NICHT AUFS MEER TRAUTE von Loredana Meduri & Alessandro Spanu* ist ein kleines, feines Werk. Ganz im Stile des weltbekannten Buches Das Café am Rande der Welt von John Strelecky*, das diesem hier zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch hierbei handelt es sich um eine Erzählung über die Erfüllung im Leben. Die Autoren werfen die wirklich wichtigen Fragen auf, die wir alle kennen. Aber nur allzu selten trauen wir uns, uns auch damit auseinanderzusetzen. / Anzeige

Hand aufs Herz: Wer von uns hat sich denn tatsächlich vor seinem 30. Lebensjahr intensiv damit auseinandergesetzt, wer er oder sie wirklich ist? Wer hat sich Zeit genommen, zu erfahren, wie das eigene Innere aussieht? Und seine Fantasie genutzt, um zu ergründen, wer man eines Tages sein möchte und womit man seine Zeit am liebsten verbringt?

Dabei meine ich ausdrücklich nicht die allzu typische Reaktion unreflektierter Menschen auf solche Passagen: „Natürlich liege ich lieber auf der Couch als zu malochen.“ Sondern vielmehr die eigene Reise, zu ergründen, welche Aufgabe man seinem eigenen Leben geben möchte. Denn unser Leben ist zu kostbar, um ihm keinen Sinn zu verleihen. Und ohne eine Aufgabe wird es schnell eintönig, langweilig und bedeutungslos.

Die Autoren sind sich sicher: „Wenn du ein erfülltes Leben haben willst, stell dir zuerst die richtigen Fragen!“

Dem kann ich nur beipflichten. Und ich möchte ergänzen, dass wir generell die Wirkung von Fragen deutlich unterschätzen. Wie viele Menschen rennen da draußen rum und suchen nach Menschen, die ihnen bei ihren Problemen helfen, am besten mit prompter Schritt-für-Schritt-Anleitung. Dabei liegen die Antworten auf die zentralen Lebensfragen bereits in uns.

Eine gute Frage zur richtigen Zeit vermag ein ganzes Leben zu verändern – davon bin ich überzeugt.

Nach den ersten Seiten des Buches hatte ich bereits ein etwas ungutes Gefühl wegen der Nähe zum Café am Rande der Welt von John Strelecky*. Hier kommst du zu meiner Rezension. Das Buch ähnelt diesem inhaltlich und optisch schon sehr. Ich bin eine Freundin von Originalität und würde mir wünschen, dass Autoren sich ihren eigenen Weg bahnen. Egal, wie begeistert sie von einem Meisterwerk sind. Insbesondere rund um Das Café am Rande der Welt* gibt es eine ganze Reihe von wirklich schlechten Kopien.

So hatte ich zum Beispiel dieses Buch hier vor einiger Zeit rezensiert und war damals sehr enttäuscht.

Loredana Meduri und Alessandro Spanu sind nach eigenen Angaben ganz große John-Strelecky-Fans. Sie geben auch offen zu, dass sie sich von seinen Werken und seinem Ansatz haben inspirieren lassen.

Und sowohl die beigelegten Karten, die aufgeworfenen Fragen im Buch selbst als auch die Struktur fühlen sich an vielen Stellen abgekupfert an. Trotzdem haben sie es insgesamt doch geschafft, eine eigene Geschichte zu erzählen.

Es ist die Geschichte von Andreas. Einem ganz typischen Menschen, der eigentlich nur ein paar Tage an der Südküste Italiens abschalten will. Hierbei handelt es sich den Autoren nach sogar weitestgehend um eine wahre Geschichte. Selbst die Charaktere existieren in der Realität – teils allerdings unter anderen Namen. Auch der Ort ist Loredana Meduri und Alessandro Spanu sehr gut bekannt. Alessandro Spanu kommt aus der Gegend und sie machen dort auch heute noch regelmäßig Urlaub.

Im Buch trifft der Hauptcharakter Andreas auf einen Fischer namens Claudio.

Auch diesem sind die Autoren tatsächlich begegnet. Der Fischer wird zum Dreh- und Angelpunkt des Buches. Seine Fragen, mit denen er Andreas konfrontiert, geben dem Buch die Struktur. Einige bringen Andreas aus der Fassung und stellen gleichzeitig die Weichen für sein neues Leben.

„Diese gefühlt wahre Geschichte spielt sich an einem Ort ab, den es tatsächlich gibt. Sie regt zur Selbstreflexion an und macht Mut, die eigenen Träume zu finden und sie zu leben.
Loredana Meduri & Alessandro Spanu

Auch der echte Claudio hat den Autoren viele Fragen gestellt. Sie wollten aber nicht von sich schreiben und haben deswegen Andreas erfunden. Das Cover ist auf einem Felsen gemalt worden, der neben dem Trabocco liegt, wo sie Claudio begegnet sind.

„Vor ein paar Jahren wollte mich mal ein anderes Unternehmen abwerben, ein Schweizer Finanzdienstleister. Sie hatten von mir und meinen Leistungen gehört. Für ein paar Tage lang hatte ich mir innerlich vorgestellt, wie das sein könnte, in die Alpen zu ziehen, traumhafte Skipisten direkt in der Nachbarschaft … Doch dann hatte ich abgelehnt. Ich fühlte mich wohl in meinem derzeitigen Unternehmen, auch wenn es Reibungspunkte mit den Vorständen gab, die ich mit schöner Regelmäßigkeit am liebsten auf den Mond katapultierte. Immerhin verdiente ich gutes Geld. Manchmal nannte ich es scherzhaft Schmerzensgeld.“
Andreas aus dem Buch von Loredana Meduri & Alessandro Spanu

Diese Ausgangssituation kennen wohl viele Menschen. Und es ist nicht leicht, ohne äußere Hilfe aus festgefahrenen Denkmustern auszubrechen und mal alles kritisch zu hinterfragen.

Impulse von außerhalb können bei diesem Prozess sehr hilfreich sein. Denn über die Jahre entwickeln manche Menschen immer größere Scheuklappen und stampfen dann auf der Stelle.

Auch bei Andreas waren es äußere Impulse, die ihn zum Umdenken brachten:

„[…] da bemerkte ich die Schiefertafel. Sie war neben einer Art Türrahmen befestigt, der aus alten Holzbalken zusammengezimmert war. Die Tafel war mit Kreide beschrieben und hing auf meiner Augenhöhe.

‚Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?‘ Ich las die Frage noch einmal. Hier wohnte wohl eine Art Philosoph. Irgendwie irritierte mich diese Frage. Ich konnte zum ersten Mal nachfühlen, wie sich mein Klassenlehrer vorgekommen sein musste, wenn wir in der Pause die Tafel vollschmierten und er bei seiner Rückkehr ins Zimmer mit hochrotem Kopf den Schwamm nahm und sie sauber wischte. Ich hatte das Bedürfnis, diese Frage wegzuwischen.

Plötzlich tauchte jemand neben der Hütte auf. Es war ein älterer Herr mit schulterlangem, grauem Haar, hellem Poloshirt, weiten, grauen Stoffhosen und Parkajacke.

Der Mann winkte mir zu und kam mir entgegen.

‚Guten Tag! Kommen Sie herein‘, rief er.“
Andreas aus dem Buch von Loredana Meduri & Alessandro Spanu

Und so lernt Andreas den Fischer Claudio kennen. An dieser Stelle möchte ich auf keinen Fall die weitere Geschichte spoilern.

Stattdessen will ich gerne zu meinem Fazit zum Buch kommen.

Es ist zweifelsohne superschön geschrieben und wertvoll zu lesen. Für eine bessere Bewertung ist es mir persönlich aber zu nah an den Klassiker Das Café am Rande der Welt* angelehnt. So muss ich es zum Teil als Copy-Paste betrachten. Dazu zählen der Titel, das Cover, der Aufbau, die Karten, die dem Buch beigelegt wurden, die Fragen, das Resümee des Buches. Es ist so nah dran, dass jeder, der Das Café* gelesen hat, sich dutzende Male denken wird: Das kenne ich doch bereits.

Unterm Strich ist das wirklich schade. Denn die Geschichte hätte eigentlich das Potenzial gehabt, etwas Eigenes, Schönes zu kreieren.

Lesenswert bleibt es aber so oder so und wer solche Bücher liebt, wird sicherlich auf seine Kosten kommen.

Dementsprechend bleibt es bei einer guten Bewertung und ich schließe die Rezension mit einer ebenfalls schönen Passage aus dem Buch:

„Ich frage mich manchmal, warum ich es nicht schon früher bemerkt habe, was für einen Irrsinn ich lebe. Dass ich so viele Stunden am Tag, in der Woche, im Monat etwas für die Firma und die Kunden tue – aber am Wochenende nicht mal Zeit für einen Spaziergang am Meer mit meiner Familie hatte! Verstehen Sie? Ich hatte keine Hobbys und keine Freunde. Wobei, ich muss es so sagen: Ich hätte Freunde haben können, denn meine alten Schulfreunde haben sich wieder und wieder bei mir gemeldet, wollten mich sehen.

Doch ich hatte nie Zeit für sie. Statt meinen besten und liebsten Freunden habe ich gelegentlich samstagabends meine Geschäftspartner eingeladen. Rosalia war eine großartige Köchin und tischte uns nach einer harten Woche mit dem Haushalt und den Kindern noch die köstlichsten Menüs auf. Während wir Männer uns unterhielten, unterhielt sich Rosalia mit den anderen Ehefrauen. Ich begriff zu der Zeit überhaupt nicht, dass Rosalia vielleicht auch gern einfach mal mit mir ausgegangen wäre oder einfach frei gehabt hätte. Das verstand ich erst viel zu spät. Heute denke ich: Wie blind war ich? Wo war meine Aufmerksamkeit, mein Fokus?“
Andreas aus dem Buch von Loredana Meduri & Alessandro Spanu

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