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DIE GESCHICHTE DER SPEKULATIONSBLASEN von John Kenneth Galbraith* ist ein zeitloser Klassiker zur Psychologie der Märkte, der nun im Börsenbuchverlag nochmals neu aufgelegt wurde. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, denn die alten Ausgaben sind allesamt vergriffen gewesen und es freut mich immer sehr, wenn hochwertiges altes Wissen nochmal veredelt wird. Dieses Buch beschreibt und analysiert die Psychologie hinter vier Jahrhunderten Gier und Panik an den Börsen. Mit vielen Hochs und vor allem einigen Tiefs, aus denen wir nie gelernt zu haben scheinen.

„Dann wird man das älteste Gesetz der Wall Street wiederentdecken: Finanzgenies sind Genies bis zum Tag des Bankrotts.“
John Kenneth Galbraith

So säumen die Übertreibungen an den Märkten die Zeit der Kapitalmärkte bis heute. John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen und Ökonominnen des 20. Jahrhunderts, hat sich in diesem Buch auf die Suche nach einer Antwort gemacht. Dazu schaute er sich die Finanzkatastrophen der letzten vier Jahrhunderte ganz genau an. Er beschreibt sie nicht nur, was für Investor:innen bereits spannend genug sein könnte.  Er versucht auch Parallelen, Merkmale und Indikatoren zu finden, um solche Szenarien zukünftig zu erahnen. So erfahren wir neben der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, über die ich ebenfalls schon eine Studienarbeit geschrieben habe, sondern auch von der Südseeblase im 18. Jahrhundert und den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert.

„Ein Leben lang profitierte ich in bescheidener Weise stetig von der spekulativen Verirrung, die öfter als nur gelegentlich mit Wahnsinn einherging. Nur mein unerschütterlicher Charakter hält mich davon ab, solche Ereignisse als Beweis für persönliche Voraussicht und Quelle einer kleinen finanziellen Entlohnung zu begrüßen.“
John Kenneth Galbraith

Das besonders Interessante dabei: Die Geschichten wiederholen sich.

Mit anderen Akteuren und Akteurinnen, anderen Spekulationsobjekten, aber im Kern doch mit ähnlichen Mechanismen. Warum das so ist und in gewisser Weise auch so sein muss, erklärt der Autor in diesem Klassiker: Schuld daran sind unter anderem ein schlechtes Gedächtnis im Hinblick auf frühere finanzielle Torheiten, übertriebener Optimismus, Selbstüberschätzung, Gier und Herdenverhalten. Und obgleich seine Ausführungen nun schon über 120 Jahre alt sind, sind sie dennoch so zeitlos und lehrreich wie eh und je. Der Autor hat mit seinem Wirken einen maßgeblichen Einfluss auf die später von Daniel Kahneman begründete Verhaltensökonomik gehabt.

Generell gilt John Kenneth Galbraith als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Er promovierte an der University of California (Berkeley) und lehrte später in Harvard und Princeton. Im späteren Verlauf seiner Karriere wurde er zudem von John F. Kennedy zum Botschafter in Indien ernannt.

Im ersten Vorwort 1990 sprach der Autor noch von seiner Hoffnung, „dass die Manager der Unternehmen, die Bewohner der Finanzwelt und die Bürger der spekulativen Stimmung, Neigung oder Versuchung daran erinnert werden mögen, dass nicht nur Dummköpfe, sondern auch sehr viele andere Menschen zu Zeiten spekulativer Euphorie immer wieder um ihr Geld erleichtert werden.“ Später war er allerdings davon überzeugt, dass der wiederkehrende Spekulationswahnsinn Teil des Systems war.

„Vielleicht wäre es besser, dies anzuerkennen und zu akzeptieren. In kleinen Dingen ändert sich die Geschichte der großen Spekulationsbooms und ihrer Nachwehen – aber viel, viel mehr daran bleibt gleich.“
John Kenneth Galbraith

Zwar haben bereits Autoren und Autorinnen vor ihm über diverse Spekulationsblasen Publikationen veröffentlicht. Doch nur wenige haben diese auch auf Gemeinsamkeiten analysiert. Dabei sind vor allem diese gemeinsamen Merkmale und Indikatoren interessant, um daraus Ableitungen für kommende Übertreibungen vornehmen zu können, aber auch um ein tieferes Verständnis für die Psychologie zu gewinnen.

John Kenneth Galbraith allerdings war stets skeptisch, ob selbst feste Regeln und ökonomische Kenntnisse die Menschen und erst recht die Finanzwelt an sich vor Übertreibungen schützen könnten.

Denn in Phasen, in denen die Euphorie überhandnimmt – insbesondere gegenüber dem Verstand – werden nur die wenigsten rational agieren (können). Die Sogwirkung des zunehmenden Wohlstands einiger oder sogar der breiten Masse führt zur Entstehung einer Art Gruppenidentität. Und in diesem Zusammenhang hatte bereits Gustave Le Bon auf die Herausforderungen der Rationalität hingewiesen.

So ist es – bewusst wie unbewusst – nur den allerwenigsten möglich die eigenen Überzeugungen unter dem Druck der Masse zu bewahren.

„Der Drang, mit dabei zu sein, treibt die Preise in die Höhe und am Ende steht der Zusammenbruch mit seinen unangenehmen und schmerzlichen Nachwirkungen. Einen Schutz dagegen gibt es nur, wenn man sich ein klares Bild von den Besonderheiten dieser Bewegungen gemacht hat, die – vorsichtig formuliert – in den Massenwahn führen. Erst dann nimmt der Investor die Warnsignale ernst und hat die Chance, sich in Sicherheit zu bringen.“
John Kenneth Galbraith

„Es gibt einerseits diejenigen, die sich einreden lassen, irgendein neuer preissteigernder Umstand sei eingetreten. Diese Leute rechnen damit, dass der Markt womöglich unbegrenzt weiter floriert. Er passt sich in ihrer Sicht nur einer neuen Situation an, einer neuen Welt mächtiger, ja grenzenlos wachsender Erträge und entsprechender Preise. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die auf den ersten Blick gescheiter und meistens in der Minderheit sind. Sie erkennen das spekulative Element des Augenblicks oder glauben zumindest, es zu erkennen. Sie sind zur Stelle, um sich von der Woge nach oben tragen zu lassen; sie sind überzeugt, dass ihre Intelligenz sie in die Lage versetzt, auszusteigen, bevor die Spekulation sich totläuft. Sie werden das Letzte aus diesem Anstieg herausholen, solange er anhält; sie werden vor dem endgültigen Einbruch Kasse machen.“
John Kenneth Galbraith

„Obwohl nur wenigen Beobachtern die Eskalation des Irrtums auffällt, die mit der spekulativen Euphorie einhergeht, ist sie dennoch ein äußerst einleuchtendes Phänomen. Diejenigen, die spekulieren, erfahren einen Zuwachs an Reichtum – sie werden entweder reich oder noch reicher. Kein Mensch glaubt gern, dass dies auf Zufall beruht oder unverdient ist; alle möchten vielmehr glauben, dass dies das Ergebnis des eigenen Durchblicks oder der richtigen Eingebung ist. Gerade der Anstieg der Werte nimmt also die Gedanken und Vorstellungen derer gefangen, die belohnt werden. Die Spekulation kauft in einem sehr handgreiflichen Sinn den Verstand der Beteiligten auf.“
John Kenneth Galbraith

Walter Bagehot soll einmal gesagt haben: „Die Menschen sind dann am leichtgläubigsten, wenn sie am glücklichsten sind.“

Da ist einiges dran. Zumindest kann ich es in der Finanzbubble tagtäglich beobachten: Vor allem im Erfolg setzt bei ganz vielen Menschen der Verstand aus. Sie geraten schier außer sich, wenn man sie darauf aufmerksam macht, dass ihr Erfolg höchstwahrscheinlich eher Zufall als Verstand war.

„Die Euphorie wird durch das Wunschdenken derjenigen begünstigt und befördert, die nur damit beschäftigt sind, die Umstände zu rechtfertigen, durch die sie reich werden können. Und sie wird ebenso begünstigt durch die Neigung, alle Zweifler zu ignorieren, zu vertreiben oder zu verdammen.“
John Kenneth Galbraith

Für mich ein wunderbares und zeitloses Werk über die Auswüchse der Kapitalmärkte. Ein Muss für all die Menschen, die sowohl am Kapitalmarkt als auch an der Geschichte interessiert sind. Es lassen sich hieraus sehr viele psychologische Erkenntnisse über Menschen, Massen und das Investieren sammeln, die wiederum in Zukunft sehr hilfreich sein können.

Vielen Dank an den Börsenbuchverlag, dass dieser das Buch nochmals neu aufgelegt hat!


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