★★★★☆

DIE KUNST, CHANEL ZU SEIN von Paul Morand* ist eine der wenigen Biografien, die ich bislang gelesen habe. Aber Coco Chanel hat mich irgendwie schon mein ganzes Leben lang fasziniert. Und damit meine ich ausdrücklich nicht die Marke, sondern die Person dahinter. Denn Coco war eine der ersten Unternehmerinnen, die sich ein Weltimperium zu Zeiten schuf, in denen Frauen ihren Mann bei Kontoeröffnungen noch um Erlaubnis bitten mussten.

Eine durchaus spannende Zeit, in der sie sich mit eiserner Disziplin durchsetzen konnte. Ihre Kindheit verbrachte Gabrielle Chanel alias Coco als Halbweise bei ihren Tanten in der Auvergne, bis sie davonlief. Am Ende legte der wohlhabende Engländer Boy Capel, mit dem sie zusammen war, den Grundstein für ihre spätere Karriere als Unternehmerin: Er finanzierte ihr ihren ersten Hut-Salon in der Rue Cambon in Paris vor.

Es dauerte keine 15 Jahre, bis Coco ein Modeimperium aufgebaut hatte, das auch nach dem zweiten Weltkrieg in einem großen Comeback bis heute besteht.

Einfachheit war für sie nicht nur der Schlüssel jeder wahren Eleganz, sondern auch ein Ausdruck von Perfektion. Sie wusste, worauf es ankommt. Zwar hatte sie es nicht immer leicht, dennoch bietet sie uns mit dieser Biografie eine Vielzahl von spannenden Einsichten in ein bewegtes Leben.

Einfachheit war für sie nicht nur der Schlüssel jeder wahren Eleganz, sondern auch ein Ausdruck von Perfektion. Sie wusste, worauf es ankommt. Zwar hatte sie es nicht immer leicht, dennoch bietet sie uns mit dieser Biografie eine Vielzahl von spannenden Einsichten in ein bewegtes Leben.

„Ich habe dem Körper der Frau seine Freiheit wiedergeben.“
Coco Chanel

Emanzipation und Eleganz gehören für sie untrennbar zusammen.

„Ich war die erste, die so gelebt hat, wie es dem Jahrhundert angemessen war“, soll sie gesagt haben. Bis heute ist ihr Stil in der Mode ihrer Marke erhalten geblieben und auch das legendäre Chanel N° 5 wird wohl noch Jahrzehnte überdauern. Die damals verbreiteten Korsetts, Rüschen und aufwendigen Frisuren der Damenwelt entsprachen nicht ihrem Geschmack und erst recht nicht ihrem Weltbild.

Freiheit und Unabhängigkeit von Normen waren für Coco Chanel ein so hohes Gut, dass sie dafür auch zeitlebens allein blieb und in allem die die schnörkellose Einfachheit suchte.

Mit eigenem Einkommen, einem eigenen Unternehmen und keinem Mann an ihrer Seite war sie damit eine der wenigen selbstbestimmten Frauen zur damaligen Zeit.

Für ihre Biografie erzählte sie dem Autor Paul Morand aus ihrem Leben – so wie sie gesehen werden wollte: „Die Entbehrungsreiche Kindheit, die ihren Stolz und ihre Disziplin begründeten, die Anfänge als Hutmacherin, die ersten Kleider, die sie in Deauville aus Herren-Pullovern schneiderte, der rasante Aufbau eines Modeimperiums, ihre Freundschaften zu Picasso, Strawinsky und Cocteau – und ihre Liebesgeschichten, aus denen sie sich immer wieder befreite, um sich ihrer Arbeit widmen zu können.“

„Das Alleinsein hat mein widerspenstiges Wesen gestählt, meinen stolzen Sinn gefestigt, meinen robusten Körper abgehärtet. Mein Leben, das ist die häufig in Tragik ausartende Geschichte der alleinstehenden Frau, ihrer Höhen und Tiefen, des ungleichen, aber spannenden Kampfes gegen sich selbst, gegen die Männer, gegen die Verlockungen, Annehmlichkeiten und Gefahren, die ja überall lauern.“
Coco Chanel

„Wenn ich sehe, was für ein Handicap eine glückliche Kindheit sein kann, dann bedaure ich es nicht, in frühster Jugend zutiefst unglücklich gewesen zu sein. Man muss schon sehr viel Charakter besitzen, um einer guten Erziehung standzuhalten. Um nichts auf der Welt möchte ich ein anderes Schicksal gehabt haben als das, das mir beschieden war.“
Coco Chanel

Es ist teilweise wirklich bewegend, ihren Worten zu folgen.

An vielen Stellen fehlt mir offen gestanden aber die Fähigkeit, mich in sie hineinzuversetzen. Denn die Zeiten und Situationen sind doch zu unterschiedlich. So erschließen sich mir auch nicht immer ihre Schlussfolgerungen. Trotzdem nimmt sie eine spannende Perspektive ein. Häufig polarisiert sie damit und bietet bis heute mit manch einer Aussage Angriffsfläche für Menschen, die ihr Frauen- und Fremdenfeindlichkeit andichten möchten. Ich wäre nicht so vermessen, das beurteilen zu wollen. Dazu kenne ich sie nach einer Biografie viel zu wenig und kann viel zu schlecht einschätzen, welche Eindrücke ihre Erlebnisse hinterlassen haben müssen.

„Ich habe noch keinen Mann gesehen, der seine Karriere einer Frau verdankt, aber schon viele, denen die Frau die Karriere verpatzt hat. Denn oft werden Männer – völlig zu Unrecht – nach ihrer Frau beurteilt. Frauen fördern nicht, sondern behindern weit eher die Karriere ihrer Männer.“
Coco Chanel

Sie vertrat aber zweifelsohne ein Frauenbild, das ich so noch nicht häufig aus dem Mund einer Frau gelesen habe.

Insbesondere in der aktuellen Debatte werden solche Äußerungen sicherlich nicht gerne gelesen. Vor allem aus dem Mund einer solch erfolgreichen und vor allem selbstbestimmten Frau.

„Ich fürchte mich viel mehr vor einer Frau als vor einem Mann.“
Coco Chanel

„Frauen amüsieren mich nie, ich empfinde keinerlei Freundschaft für sie. (Sie wissen außerdem gar nicht, was Freundschaft bedeutet). Auch das Wort ‚Ehre‘ hat keinerlei Bedeutung für Frauen. Sie sind nie fair, erwarten aber Fairness von anderen.“
Coco Chanel

Nach diesem Buch muss ich konstatieren, dass sie eine Frau voller Widersprüche war.

So hasste sie beispielsweise das Alleinsein, lebte aber dennoch beinahe ihr Leben lang völlig allein. Sie wuchs unter für Frauen schwierigen Umständen auf, gab eigentlich das perfekte Vorbild für selbstbestimmte Frauen ab, äußerte sich aber dennoch mehr als kritisch dem eigenen Geschlecht gegenüber.

Am Ende fehlen mir immer noch die Worte. Coco war zweifelsohne eine ganz besondere Stilikone. Sie nahm kein Blatt vor den Mund und war nur schwer zu fassen. Was sie tat, das tat sie voller Überzeugung und meist auch aus eigensinniger Absicht. Wenn man ihre Zeilen liest, dann entstammt wohl ein Großteil ihres Erfolges ihrem unbändigen und freiheitlichen Geist. Sie passte sich nicht an, sie schuf Trends. Sie orientierte sich nicht an den Wünschen anderer, sondern machte schlichtweg ihr Ding. Wenn sie etwas ärgerte oder langweilte, dann zog sie weiter und ließ keinen Zweifel daran, dass sie nicht aufzuhalten war.

Auch in der heute hitzig geführten Gender-Debatte ist sie eine konträre Stimme, die mit Sicherheit vielen Frauen vor den Kopf stoßen würde. Dennoch scheute sie sich nicht davor, weil sie hinter ihren Worten stand.

Es würde sie schlicht nicht interessieren, ob sie damit politisch korrekt wäre oder nicht. Europa ist für sie bereits Mitte der 70er Jahre ein Ort der Gegenwart, aber kein Ort mehr für die Zukunft. Und würde sie heute noch leben, dann hätte sie wahrscheinlich schon längst diesen Kontinent verlassen und woanders ihr Glück gesucht.

Eine faszinierende, weil polarisierende, Frau, die mit so vielen Klischees bricht und offen über alles und jede:n, auch sich selbst und die Branche, in der sie ihr Geld verdiente, spricht.

Stilistisch könnte das Buch allerdings gerne einen etwas leichter lesbaren Anstrich bekommen. Sowohl die Aufmachung wie auch die Sprache sind noch ein wenig im Stile der Coco und somit, genau wie sie, nicht immer handzahm und leicht zu lesen.


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