Die Unternehmensgeschichte vom Sportartikelhersteller Maloja in Buchform. Ein Hidden-Champion, der den Lesern die Türen öffnet und berichtet.
Karriere & Unternehmertum

Eigene Wege gehen

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★★★☆☆

EIGENE WEGE GEHEN von Alexander Provelegios* ist die Geschichte der Outdoorbekleidungsmarke Maloja in 17 Kurzgeschichten. In ihnen soll es um inspiriertes Arbeiten, behutsames Wachsen und den nachhaltigen Erfolg gehen. Die beiden Gründer von Maloja führen das Unternehmen aus einem umgebauten Chiemgauer Bauernhof am Fuße der bayrischen Alpen. / Anzeige

Während ich diese ersten Sätze schreibe, spüre ich direkt das Potenzial, das dieses Buch prinzipiell hätte. Ich nehme es noch einmal zur Hand und spüre die hochwertige Gestaltung und Bindung. Und dann bin ich doch ein wenig enttäuscht, wie wenig der Autor sprachlich daraus gemacht hat. Denn obgleich er von lebhaften Kurzgeschichten spricht, blieben sie für mich weitestgehend blass.

Zwar fragt der Autor in den Raum und teasert damit: „Hat Maloja eine überzeugende Antwort auf die philosophische Frage gefunden: Wie können wir Leben und Arbeiten in Einklang bringen?“ Doch davon bleibt am Ende emotional nicht viel im Buch hängen. Es ist die interessante Firmengeschichte eines kleinen Unternehmens aus der zweiten Reihe. Maloja hat es trotz überschaubaren Budgets geschafft, Ausrüster des US-Biathlon-Teams zu werden. Die 50 Mitarbeiter sind ihrem Arbeitgeber so treu, dass es praktisch keine Fluktuation geben soll.

Für mich ist das eigentlich der perfekte Nährboden, um eine ähnlich spannende Geschichte aufzubauen wie die von Steve Jobs oder Elon Musk. Vielleicht meinen einige, dass der Vergleich hinkt. Doch sehr häufig halten gerade die kleineren, unbekannteren Unternehmen in Sachen Innovationskraft, Agilität und Leidenschaft wertvolle Learnings für die Großen bereit.

Alexander Provelegios beschreibt selbst sehr gut, was besonders interessant sein könnte:

  • Wie nutzt eine inhabergeführte Firma ihre strategischen Vorteile gegenüber börsennotierten Unternehmen?
  • Warum wird der Produktionsstandort Europa für hochwertige Textilien immer attraktiver?
  • Was zeichnet Nachhaltigkeit gegenüber Greenwashing aus, und warum lohnt es sich, auch Zulieferer und Händler als Partner wertzuschätzen?
  • Wie begegnet man Shitstorms in Korea oder insolventen Reedereien mit ihren ziellos auf den Weltmeeren treibenden Containerschiffen?
  • Wie wichtig ist ein gemeinsames Mittagessen oder Sozialarbeit auf Bergbauernhöfen für den Zusammenhalt und die Bodenhaftung?

„Eine Unternehmensbiografie über tägliche Herausforderungen und nicht alltägliche Wege beim Aufbau einer Marke, die genauso ungewöhnlich ist wie das Unternehmen, das sie porträtiert.“
Alexander Provelegios

Dieses Potenzial wurde hier verschenkt. Die meisten Geschichten erinnern mich eher an eine Art Jahrbuch zum 20-jährigen Bestehen.

„Gewiss ist das ein Buch für diejenigen, die Maloja bereits kennen und lieben. Aber eben auch eines für alle, die mit Leidenschaft und Ausdauer für den Erfolg einer Sache arbeiten wollen, die sie erfüllt und an die sie glauben. ‚Eigene Wege gehen‘ zeigt, wie menschlich, aber eben auch unverwechselbar Marken entwickelt und Unternehmen geführt werden können. Und es inspiriert dazu, den persönlichen Traum zu leben, ob im Sport, im Beruf oder eben bei der Gründung der nächsten Marke, des nächsten Unternehmens.“
Alexander Provelegios

Diesen Anspruch nehme ich persönlich leider so nicht im Text wahr.

Auch aus den zweifelsohne relevanten Fragestellungen von oben leitet der Autor keine Antworten oder vielleicht sogar Blaupausen für andere ab. Für Mitarbeiter oder langjähriger Weggefährte von Maloja hat dieses Buch sicherlich seinen Charm. Ich wäre offen gestanden stolz, wenn mein Unternehmen sich die Mühe gemacht hätte, ein so liebevoll gestaltetes Buch herauszubringen. Für Externe ist es meiner Meinung nach aber deutlich weniger geeignet. Es ist schlicht sehr schwer, Wertvolles aus diesem Buch herauszuziehen. Auch wurde es sprachlich nicht so gut aufbereitet, dass man als Leser lange dranbleiben möchte.

„Eigene Wege gehen“ ist die Maxime von Maloja. Wie das Unternehmen ist auch das Buch zweifelsohne anders. Die Kurzgeschichten bauen nicht wirklich aufeinander auf und folgen auch keiner Chronologie. Man muss schon zwischen den Zeilen lesen, um die teilweise schmerzhaft steilen Lernkurven zu erahnen, aber auch die Bedeutung von Glück, Intuition und Vertrauen auf die Unternehmensentwicklung. Es soll ein „realistisches Bild des Unternehmens gezeichnet werden, das den Charakter, die Haltung und Wesensmerkmale zeigt, die in diesem Unternehmen gelebt werden. So, als wäre es ein Mensch mit seinen vielen Stärken und auch so manchen Schwächen.“

Es ist schon recht spannend, mal so ein Unternehmen aus der zweiten Reihe zu betrachten. Das Buch ist auch extrem schön illustriert. Womöglich ist es eines der schönsten Bücher, die ich dieses Jahr in den Händen halten durfte. Und trotzdem hat es mich einfach nicht erreicht. Die Geschichten sind mir dazu einfach zu narrativ. Die Learnings aus den Kapiteln sind kaum ersichtlich oder schlicht zu flach. So bleibt am Ende das Gefühl, dass dieses Buch sich vor allem an aktuelle Mitarbeiter, Kunden und potenzielle neue Mitarbeiter richtet. Sicherlich ist es auch ein sehr dekoratives Element für eine Firmenzentrale.

Aber vielleicht wird es doch irgendwann noch richtig interessant, nämlich wenn das Unternehmen dahinter richtig durch die Decke geht. Dann hätten wir mit diesem Werk ein Stück Gründungs- und Zeitgeschichte.

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