Das Buch setzt sich intensiv mit einem der dringendsten Probleme unserer Zeit auseinander: dem Populismus.
Politik

Es gewinnen alle oder keiner

by
★★★★☆

ES GEWINNEN ALLE ODER KEINER von Christian Masengarb* setzt sich intensiv mit einem der dringendsten Probleme unserer Zeit auseinander: dem Populismus. Kritisch analysiert der Autor die Mechanismen und Taktiken, die Populisten nutzen, um Macht zu erlangen und ihre Agenda schonungslos voranzutreiben. Dabei stellt er die Bedeutung dieses Phänomens für die Stabilität unserer Gesellschaft heraus. Gleichzeitig zeigt er einen Weg auf, wie wir dieser Gefahr begegnen können und uns nachhaltig davor schützen. / Anzeige

Die Einleitung des Buches beginnt mit einer persönlichen Anekdote des Autors.

Angesichts der Ereignisse des 6. Januar 2021 im US-Senat fühlte er sich hoffnungslos. Diese Erfahrung nutzte er als Ausgangspunkt für eine gründliche Analyse der Rolle von Populismus in der Politik. Zu Beginn untersucht Christian Masengarb die Taktiken namhafter Politiker wie Donald Trump. Er analysiert, wie sie ihre Anhänger mobilisieren und ihre Agenda vorantreiben. Außerdem zeigt er auf, wie diese Taktiken auf lange Sicht zur Spaltung der Gesellschaft und sogar gewaltsamen Konflikten führen können. Und wie sie dies in der Vergangenheit auch bereits taten.

Anhand vieler Beispiele aus der Geschichte und der aktuellen politischen Landschaft veranschaulicht der Autor die verschiedenen Facetten des Populismus. Und er stellt dessen Auswirkungen auf die politische, aber auch journalistische Landschaft dar. Dabei beleuchtet er auch die psychologischen Mechanismen, die dazu beitragen, dass Menschen anfällig für populistische Rhetorik werden. Christian Masengarb hebt hervor, wie Populisten wohlstrukturiert Feindbilder aufbauen und Ängste schüren. Denn so gewinnen sie Unterstützung und festigen ihre Macht.

Eine der Stärken des Buches ist aus meiner Sicht seine klare und prägnante Sprache, die auch komplexe Konzepte verständlich macht. Der Autor verwendet anschauliche Beispiele und Analogien, um seine Argumente zu verdeutlichen. Dabei lässt er die Leser nicht ohne Lösungsansätze gehen. Besonders spannend empfand ich die zehn Grundsätze für hilfreiche Politik, die am Ende des Werkes präsentiert werden. Diese bieten allen Lesern, aber insbesondere auch Politikern einen Leitfaden, um konstruktive politische Diskussionen zu führen und Populismus zu bekämpfen.

„Populismus verhält sich zu politischen Katastrophen wie die DNA zum Leben: So unterschiedlich die Ergebnisse wirken, sie folgen alle der gleichen Codierung.“
Christian Masengarb

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:

Christian Masengarb, geboren 1987 in Sonneberg, ist renommierter Politikwissenschaftler, Historiker und Redakteur. Seine akademische Reise begann mit seinem Studium an der Universität Jena, bevor er sich einer Journalismus-Ausbildung beim Münchner Merkur widmete. Mit seiner Leidenschaft für das Schreiben und seinem tiefen Verständnis für politische Dynamiken landete er schließlich bei FOCUS Online.

Schon früh erkannte Masengarb die aufkommende Gefahr des Populismus, sowohl im In- als auch im Ausland. Bereits während seines Studiums und der intensiven Auseinandersetzung mit englischsprachigen Werken beschäftigte er sich eingehend mit diesem Thema. Angesichts der wachsenden Bedeutung des Populismus in Deutschland hat er diesem Phänomen sein erstes deutsches Werk gewidmet. Dabei geht es ihm nicht nur um die Analyse des Populismus an sich. Sondern vielmehr um dessen tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft und die demokratischen Strukturen.

„Dieses Buch soll diese Werkzeuge und Worte vermitteln. Suchen Sie, liebe Leserinnen und Leser, Wege, Menschen das Problem mit Populismus zu erklären, oder wollen sie selbst Populismus einfacher einordnen, ist dies das richtige Buch für Sie. Sie werden einfache Grundsätze kennenlernen, die Populisten entlarven und ihre Gefahren erklärbar machen. Am Ende vereinfachen wir alles Gelernte auf den einen Grundsatz, der diesem Buch seinen Namen verleiht: ‚Es gewinnen immer alle oder keiner. Verhalte dich stets so, dass alle gewinnen.‘ Vorher füllen wir diesen und weitere Grundsätze mit so viel Leben, das sie Ihnen die Politik und die Welt erklären.“
Christian Masengarb

Das Buch machte auf mich direkt einen guten ersten Eindruck.

Es bietet eine gute, solide Bindung, die vielleicht etwas zu dick und zu hart geworden ist, aber noch vollkommen im Rahmen liegt. Auch das Cover ist eher minimalistisch gehalten, aber passend. Das Backcover hingegen empfinde ich dann doch als etwas müde und leer. Daraus hätte man definitiv etwas mehr machen können. Vielleicht ein kurzes Autorenprofil, ein paar Stimmen aus der Presse oder dergleichen. Was ich hier als besonders komisch empfand, war der Blocksatz. Denn normalerweise muss bei eingestelltem Blocksatz die letzte Zeile eines Absatzes nicht rechts enden, wenn die Zeichen dazu nicht ausreichen. Das wurde hier aber gemacht und sieht wirklich komisch aus.

Auch das Inhaltsverzeichnis ist nicht sonderlich optimal geraten. Ein Punkt ragt über die Zeilenbreite hinaus und ein anderer endet mit einem Punkt. Zumindest scheint es so, weil er wahrscheinlich so nah an die Seitenzahlen gerückt ist. Hier hätte sicherlich ein etwas genauerer Blick für die Details nicht geschadet. Das hätte man definitiv besser lösen können.

Weiter geht es mit einem komplett konfusen Schriftbild.

Ich kann nicht einmal genau sagen, was mich zu diesem Eindruck gebracht hat. Es war wohl die Summe aus Zeilenabständen, Seitenrändern, Absätzen, Blocksatz und Co. Es wirkt auf jeden Fall nicht ganz stimmig.

Noch zwei kleinere negative Punkte: Zum einen sind die kursiv gedruckten Zitate mitunter schwer lesbar. Hieran müsste man meiner Meinung nach definitiv arbeiten. Darüber hinaus fehlt mir eine Einleitung oder ein Vorwort. Das ist für mich Pflichtbestandteil eines guten Buches, zumindest erleichtert es den Einstieg. Insbesondere, wenn das Backcover nicht so gelungen ist und es auch keinen Klappentext gibt.

Von hier ab gibt es aber nur noch Positives:

Zunächst einmal gefallen mir die Kapiteleinleitungen sehr gut. Die Kombination aus kleinen Bildern, Zitaten und Statements ist wirklich gelungen.

Mir gefällt auch die Struktur, mit der die Kapitel aufgebaut sind. Sowohl die Zusammenfassungen bzw. Zwischenfazits als auch die weiterführenden Literaturempfehlungen sind wirklich hilfreich. Mir imponiert auch, dass der Autor durchweg sauber mit seinen Quellen arbeitet und Fußnoten setzt, wo es Sinn macht.

Inhaltlich fand ich das Buch ebenfalls sehr gut! Es war sauber strukturiert, gut recherchiert, pointiert und dennoch lösungsorientiert. Ich hatte etwas Sorge, dass es einen zu negativen Unterton haben könnte, aber das hatte es ganz und gar nicht. Für den Inhalt wäre auch eine deutlich bessere Bewertung drin gewesen, aber dazu hat das Drumherum einfach nicht gepasst.

Sprachlich befindet sich das Buch aus meiner Sicht auf einem sehr guten Niveau.

Man merkt, dass der Autor Journalist ist und einfach schreiben kann.

Preislich sind die knapp 25 EUR wiederum schon eine Ansage bei all den optischen Mängeln, die ich gerade angesprochen habe. Hier würde ich nochmals nachbessern, dann passt es, ist aber immer noch teuer. Ich kenne auch aktuelle Bücher für 20 EUR, deren Optik und Bindung bis ins kleinste Detail perfekt sind.

Insgesamt liefert Es gewinnen alle oder keiner* eine fundierte und gut recherchierte Analyse des – zumindest gefühlt – immer weiter ausufernden Phänomens Populismus. Gleichzeitig bietet es praktische Lösungsansätze für die Herausforderungen, die damit einhergehen. Es ist ein Buch, das nicht nur zu aktuellen politischen Debatten seinen Beitrag leisten kann. Sondern es ermutigt auch dazu, kritisch über die Zukunft unserer Gesellschaft nachzudenken. Sowohl als mündige Bürger als auch Politiker – egal auf welcher Ebene – können wir aktiv an ihrer Gestaltung teilhaben. Christian Masengarbs Werk kann einen Beitrag zur politischen Bildung leisten. Zumindest aber ist es ein Aufruf zum Handeln gegen die Bedrohung unserer Demokratie durch den Populismus.

„Warum forderte die AfD während der Corona-Krise erst einen strengen Lockdown und verurteilte später alle Lockdowns als Diktatur, ohne dass es ihre Anhänger erkannten? Wieso merkten die Unterstützer der Linkspartei nicht, dass diese erst hohe Zinsen als Ausbeutung verteufelte und später niedrige? Wieso gewann die AfD bei der Bundestagswahl 2018 mehr Wähler von der Linkspartei als von jeder anderen Partei, obwohl sich beide Parteien inhaltlich scheinbar völlig unterscheiden? Wie verkauft Wladimir Putin seinem Volk einen sinnlosen, aussichtslosen Krieg als Überlebensfrage, obwohl er seinem Land nur Leid bringt? Warum riskierte die Mehrheit der auf die gesetzliche Krankenversicherung angewiesenen Amerikaner bei der Präsidentenwahl 2016 ihr Leben, indem sie mit Donald Trump für einen Kandidaten stimmte, der die gesetzliche Krankenversicherung abschaffen und ihnen den Zugang zu lebensrettenden Behandlungen verweigern wollte? Wie fanden die mörderischsten Diktatoren der Geschichte glühende Anhänger, die ihre Gräueltaten als Weg in eine bessere Zukunft unterstutzten? 

Die Antworten auf diese Fragen verraten Bemerkenswertes über unser Streben nach einer besseren Welt und die Fallen, in die unser auf eine andere Umgebung trainiertes Gehirn dabei tappt. Sie lehren uns viel über uns, über Personen um uns und über die Bedeutung von Verständnis, Nachsicht und Toleranz. Die erste Lektion auf diesem Weg ist eine der wichtigsten: Allgemeinbildung schützt nicht vor Populismus.“
Christian Masengarb

Das Gegenmittel: Zehn Grundsätze für hilfreiche Politik nach Christian Masengarb:

1. Am Ende gewinnen alle oder keiner. Verhalte dich so, dass alle gewinnen. Sonst verlierst auch du. Das ist der wichtigste Grundsatz, aus dem sich alle anderen Grundsätze ableiten. Wer ihn beachtet, vermeidet Feindbilder und Populismus.

2. Jede politische Idee, die ohne Feindbilder auskommt, Fakten achtet und Bandbreiten wahrt, ist mehr oder weniger richtig. Diese Ideen sichern die Rechte aller, statt sie einzuschränken. Sie beteiligen alle Menschen an der Lösungsfindung unserer Gesellschaft. Dadurch erzeugen sie hilfreiche Lösungen im Dienste der Bevölkerung.

3. Alle richtigen Ideen haben ihre Berechtigung. Versuche, dich mit ihren Vertretern zu einigen, statt sie zu besiegen. Kompromisse richtiger Ideen schaffen Wahrheit.

4. Falsch sind nur politische Ideen, die Einigung verhindern. Also Ideen, die kompromisssichernde Strukturen einreißen, Menschenrechte ignorieren oder Bandbreitendebatten und Faktendebatten vertauschen.

5. Bereinige die Verzerrungen deiner Wahrnehmung, so gut es geht, statt sie anderen aufzuzwingen. Egal wie sicher du bist, die Wahrheit erkannt zu haben, vergiss nie: Alle Menschen nehmen die Welt verzerrt wahr. Auch du. Wie wahr sich eine Botschaft für dich anfühlt, sagt nichts über deren tatsächlichen Wahrheitsgehalt aus. Sei dir nie zu sicher. Nur Fanatiker kann nichts umstimmen.

Punkte 6-10:

6. Jeder Mensch ist ein einzelner Mensch, nicht Teil einer Gruppe. Behandle ihn entsprechend: als Mensch, der die gleichen Rechte verdient wie du. Menschen sind nicht gleich, aber gleichwertig. Wer anderes behauptet, reißt Ereignisse oder Statistiken aus dem Zusammenhang.

7. Unterstelle anderen im Zweifel gute Absichten: Fast niemand verhalt sich absichtlich böse. Räume anderen zweite Chancen ein und schreibe niemanden ewig ab.

8. Vermeide Feindbilder, hasse niemandem, halte dich nicht für moralisch überlegen. Populismus funktioniert stets nach dem gleichen Muster: Er bezeichnet alle Andersdenkenden als schlecht informiert, dumm oder böse und verkauft sich als einzigen Schutz vor einer großen Bedrohung. Verweigere dich allen Ideen dieses Musters.

9. Vermeide das erste Glied einer Kette, die dich knechtet: Weil Populisten gegen eingebildete Feinde kämpfen, liefern sie nie die versprochenen Ergebnisse. Zur Rechtfertigung ihres Scheiterns erfinden sie immer neue Feinde, bis sie irgendwann gegen alles und jeden kämpfen. Diesen Kampf verlieren sie und die Gesellschaft mit ihnen. Statt Populisten in die Selbstzerstörung zu folgen, verweigere dich ihrem Wahnsinn von Beginn an.

10. Nutze Politiker immer als Werkzeuge. Erkläre sie nie als eigenes Ziel. Politiker sind Werkzeuge, mit denen Wähler ihre Ziele umsetzen. Wer ihre Wahl zum eigentlichen Ziel erhebt, würdigt sich selbst zu ihrem Werkzeug herab.

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