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GUTES GEWISSEN UND DENNOCH ERFOLGREICH von Beate Sander* war eines der Bücher, die ich besonders ehrfürchtig begonnen habe zu lesen. War es doch das letzte Werk, was uns von der Börsenoma geblieben ist. Gleichzeitig war es für mich aber auch das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe.

Bevor ich mit der Rezension beginne, – die aus verschiedenen Gründen nicht so gut ausgefallen ist, die ich im weiteren Verlauf noch näher erläutern werde – möchte ich Beate Sander nochmal meinen Dank und Respekt aussprechen. Wie kaum eine Zweite hat sie in den letzten Jahren ihres Lebens für die Aktien- und Börsenkultur in Deutschland gekämpft. Mit ihren Publikationen lassen sich Bücherregale füllen und selbst in der BILD-Zeitung sorgte sie mit ihrer Kolumne für Lobbyarbeit der DIY-Finanzcommunity. Trotzdem ist es meine Aufgabe ehrlich zu rezensieren und solche Faktoren erst einmal außen vor zu lassen.

In ihrem letzten Buch widmete sie sich einem hoffentlich noch langen anhaltenden Trend, dem nachhaltigen Investieren. Ein Thema, das auch für mich enorm wichtig ist. Sie möchte uns mit diesem Buch nun ihre Erfolgsformel mitgeben, um mit Aktien, ETFs und Fonds nachhaltig zu investieren.

Eigentlich schon bereits seit Al Gore, aber spätestens seit Greta Thunberg und der Friday-for-Future Bewegung steht der Klimawandel im Fokus der Öffentlichkeit

Damit wird das Thema Nachhaltigkeit in allen Bereichen immer wichtiger. So auch bei der Geldanlage. Doch welche Investment-Produkte oder Unternehmen sind wirklich nachhaltig? Und wie kann ich als Privatanlegerin diese erkennen und beurteilen?

Beate Sander versucht anhand von etlichen Musterdepots und diversen Übersichten deutscher und internationaler Einzelaktien zu zeigen, wie sich der Faktor Nachhaltigkeit bei der Geldanlage berücksichtigen lässt. Ihr Ziel dabei ist eine Geldanlage mit Einzelaktien, ETFs und aktiven Fonds, die mit gutem Gewissen eine langfristig positive Rendite ermöglicht.

„Aktien, passive ETFs und aktive Aktienfonds von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen sind nicht nur der große Trend bei jungen Leuten, Umwelt- und Naturschützern. Diese Wertpapiere überzeugen auch bei der Rendite. Gute Nachhaltigkeitsprodukte schlagen die gewöhnlichen Aktien, ETFs und Aktienfonds von Jahr zu Jahr immer deutlicher.“
Beate Sander

Auch wenn manch ein Investor meint, dass seine Investment-Entscheidungen keinen Einfluss auf den Klimawandel haben, so steht hinter jeder Aktie doch Eigenkapital, das einem Unternehmen zum Wirtschaften zur Verfügung gestellt wird

Dieses kann dann dazu dienen, Raubbau an Gesellschaft und Planeten zu betreiben, oder eben mit erneuerbaren Energien und umweltfreundlichen Produkten einen positiven Fußabdruck zu hinterlassen. Trotzdem ist es damit selbstverständlich nicht getan. Denn jeder Mensch ist in erster Linie Konsument und gleichzeitig auch Vorbild für sein/ihr Umfeld. Wem das bewusst ist und wer dann auch noch bei den Investment-Entscheidungen an das Thema Nachhaltigkeit denkt, der/die trägt dazu bei, dass das es immer tiefer ins Bewusstsein rückt.

„Niemand muss befürchten, bei ethischen Geldanlagen mit gutem Gewissen schlecht abzuschneiden. Wer sein Geld in Unternehmen im Kampf gegen den drohenden Klimawandel unterstütz, leistet seinen Beitrag für bessere Lebensbedingungen.“
Beate Sander

Bereits auf den ersten Blick gefällt mir diese Publikation allerdings gar nicht

Das Cover ist soweit schön gestaltet, aber ich wurde schon von etlichen Followern in meiner Community vorgewarnt, dass das Layout im Buch nicht unbedingt zu den Ansprechendsten gehört. Offen gestanden weiß ich nicht, was hier passiert ist. Überschriften, Hervorhebungen, Tabellen und Zitate wirken vollkommen überladen und eher wie WordArt von vor 10 Jahren.

Das ist allerdings erst der Anfang meiner Kritik an diesem Buch

Die Leistungen der Autorin für die deutsche Aktien- und Börsenkultur in allen Ehren, muss ich dennoch zugeben, dass dies definitiv kein besonders gelungenes Finanzbuch ist.

Nicht nur die Aufmachung wirkt nicht hochwertig, auch die vorgestellten Muster Depots wirken eher wie Malen nach Zahlen. Wer Bodo Schäfer in DER WEG ZUR FINANZIELLEN FREIHEIT* für sein Äußerungen hinsichtlich Renditen und Strategien kritisiert hat, wird hier definitiv weitermachen. Hier kommst du zu meiner Rezension von Bodo Schäfer.

Darüber hinaus besteht dieses Buch gefühlt ohnehin nur aus 10 Seiten Einleitung zum Thema Nachhaltigkeit. Darüber hinaus wird es gefüllt mit Q&As zu diversen Fragen, die sie auf Vorträgen und in Leserbriefen gestellt bekommen hat sowie ihren angesprochenen Muster Depots. Würden diese alle auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen wäre das zwar immer noch nicht schön, aber zu verschmerzen. In diesem Fall ist aber kein roter Faden erkennbar und die Fragen wirken eher wie zufällig zusammengewürfelt. Seitenweise wird das Thema Corona thematisiert, über Inflation philosophiert, Geldanlage für Kinder beschrieben, die Einkommens- und Vermögensverteilung der Welt betrachtet und sogar mit seitenweise Finanzquiz der Wissensstand der Leser abgefragt. Und das sind nur ein paar der etlichen Exkurse vom Thema, die immer wieder für Verwirrung sorgen.

Als wäre das noch nicht genug, wird der Rest mit Tabellen rund um die Musterdepots gefüllt

Etliche Listen von Einzelaktien, ETFs und Fonds mit ihren WKNs, ISIN, ihren Wertentwicklungen der letzten 1, 3 und 5 Jahre sowie minimalen Zusätzen über ihre Inhalte. An keiner einzigen Stelle kann ich aber eine wissenschaftliche Herangehensweise oder Herleitung zu dieser Titel Auswahl finden. Vielmehr wirkt es so, als würde man seine Aktien gerade nach den aktuellen Schlagzeilen auswählen. Danach kurz mal nach dem 12 Punkte Plan der Autorin analysieren und ab damit ins Depot. Und je nachdem wie der eigene Gemütszustand gerade ist und wie man die Lage einschätzt verkauft man dann wieder ein bisschen was oder kauft nach. Dabei ist sie in ihren Erläuterungen so dermaßen schwammig, dass man einfach sehr wenig daraus mitnehmen kann.

An etlichen Stellen versucht sie auch Warren Buffett mit ins Spiel zu bringen. Es wirkt fast so, als wolle sie ihre eigene Vorgehensweise mit ihm und seinem Ansatz legitimieren. Sie fügt aber hinzu, dass das nur einen kleinen Baustein bei ihr ausmachen würde und dass Warren Buffett ohnehin viel zu defensiv unterwegs wäre mit seinen Value Werten. Manchmal wirkt es sogar so, als wollte man Buffett als rückschrittlich darstellen und zu wenig zukunftsgerichtet.

Weiterhin wird im Buch darüber philosophiert, ob Videospiele dabei helfen können, die Erkenntnisse der Spieltheorie umzusetzen. Und ob der zunehmende Einbau an aktiven Komponenten ins Spielerlebnis in Corona Zeiten förderlich sein. Da frage ich mich: Was hat das noch mit dem Titel zu tun?

Bis zuletzt kann ich die Autorin auch keiner Investoren Gruppe zuordnen

Ihr Ansatz wird wie ein Sammelsurium aus allen Ansätzen. Ein bisschen Technische Analyse, ein wenig Fundamentalanalyse, dann ein paar Börsennews dazu und Glaskugelschauen, welche Branchen und Unternehmen sich in Zukunft überdurchschnittlich entwickeln könnten.

Ich kann diesem Buch leider wirklich nichts abgewinnen. Für mich ist es einfach nur ein Wirrwarr und bis zuletzt fehlt mir eine Idee, wem dieses Buch großartig Nutzen stiften könnte.

Entschuldige liebe Beate Sander, aber das ist definitiv kein gutes Buch.


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