Eine faszinierende Erkundung in die Welt des Transhumanismus, einer Bewegung, die die nächste Evolutionsstufe der Menschheit einläutet.
Politik

Homo Ex Machina

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★★★★☆

HOMO EX MACHINA von Bernd Kleine-Gunk und Stefan Lorenz Sorgner* ist ein faszinierendes Werk. Es behandelt das komplexe und kontroverse Thema des Transhumanismus. Die beiden Autoren versuchen diesen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Das funktioniert allein schon deswegen hervorragend, weil sie in vielen Punkten selbst uneins sind. Ihr respektvolles Streitgespräch begleitet die Kapitel und macht die besondere Note dieses Buches aus. / Anzeige

Dabei bieten sie eine breit gefächerte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Herausforderungen, die sich aus den transhumanistischen Ideen heraus ergeben.

Der Transhumanismus an sich befasst sich mit der Idee:

Die nächste Evolutionsstufe der Menschheit werde durch die Anwendung moderner Technologien und wissenschaftlicher Forschung erreicht. Dieses Konzept geht dabei weit über die herkömmliche Medizin hinaus und strebt an, die biologischen Grenzen des Menschen zu überwinden. Eine mitunter gruselige Vorstellung, wenn man mich fragt.

„Wir gehen herrlichen Zeiten entgegen. Das zumindest prophezeien die Anhänger des Transhumanismus. Mit den neuesten Technologien werden wir nicht nur bei guter Gesundheit steinalt, sondern optimieren auch unsere bisherigen biologischen Fähigkeiten. Doch nicht alle glauben, dass wir durch die Nutzung neuer Technologien mehr Lebensqualität gewinnen. Es gibt auch heftige Kritik.“
Bernd Kleine-Gunk und Stefan Lorenz Sorgner

Die Autoren erkunden die Vorstellungen von einer radikalen Lebensverlängerung, der Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten, genetischer Optimierung und künstlicher Intelligenz. Und sogar die Möglichkeit des „Mind-Uploading“. Dabei wird das menschliche Bewusstsein auf eine digitale Ebene übertragen und damit unsterblich.

„Es geht […] nicht darum, 10 oder 15 Jahre älter zu werden. Angestrebt wird vielmehr eine Lebenserwartung von 250, 500 Jahren und mehr. Der bekannte britische Biogerontologe Aubrey de Grey sagt voraus: Der erste Mensch, der 1000 Jahre alt wird, ist bereits geboren. Und das Ganze soll natürlich bei guter Gesundheit erfolgen. Die Tausendjährigen werden sich nicht mit dem Rollator über die Straße schieben, sondern am Strand surfen.“
Bernd Kleine-Gunk und Stefan Lorenz Sorgner

Bernd Kleine-Gunk, ein führender Anti-Aging-Experte und Medizinprofessor, beleuchtet im ersten Teil des Buches die technischen Aspekte des Transhumanismus.

Dabei präsentiert er die Ursprünge der Bewegung und die maßgeblichen Denker. Ebenso wie die entscheidenden Disziplinen, die den Fortschritt in diesem Bereich vorantreiben. Was mir dabei allerdings etwas verloren gegangen ist, war die philosophische Tiefe des Buches.

In Teilen kam sie zwar immer wieder durch, aber sie wurde meiner Meinung nach regelmäßig im Keim erstickt. Und zwar vor allem durch die eher deskriptiven Kapitel und umgangssprachlichen Dialoge zwischen den beiden Autoren am Ende der Kapitel. Das ist tatsächlich mein größter Kritikpunkt am Buch. So hat es mir strukturell und sprachlich nicht vollumfänglich zugesagt.

Der zweite Teil des Buches wurde verfasst von Stefan Lorenz Sorgner, einem Philosophieprofessor und ausgewiesenen Experten für Trans- und Posthumanismus. Er widmet sich darin den ethischen Implikationen und philosophischen Fragestellungen rund um den Transhumanismus. Sorgner diskutiert kritisch die ethischen Dilemmata, die mit der Manipulation des menschlichen Körpers und Bewusstseins einhergehen. Dabei geht er auf die Bedenken ein, die von Kritikern geäußert werden. Und er beleuchtet mögliche soziale und gesellschaftliche Auswirkungen der technologischen Entwicklungen.

Besonders interessant gestaltet sich das Buch durch die unterschiedlichen Sichten der Autoren auf die Themen.

In den diversen Dialogen zwischen ihnen am Ende jedes Kapitels kommen ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf den Transhumanismus zum Ausdruck. Das ermöglicht es den Lesern, beide Perspektiven zu betrachten und eine breite Diskussion über das Thema zu verfolgen.

Für mich persönlich war diese Dialogform am Ende der Kapitel allerdings nicht die ideale Umsetzung der Idee. Mir hätten Einschübe in Form von Kommentaren der jeweils anderen Person besser gefallen als diese mitunter seitenlangen Dialoge.

Dennoch bieten die Autoren dadurch eine ausgewogene Darstellung der Chancen und Risiken des Transhumanismus. Sie vermitteln einerseits die Begeisterung und den Enthusiasmus, den diese Bewegung bei einigen Menschen hervorruft. Andererseits bilden sie aber auch die ethischen Bedenken und Herausforderungen ab, die sie mit sich bringt. Das Buch regt dazu an, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie viel technologische Manipulation des Menschen wünschenswert und vertretbar ist.

Die klare Struktur des Buches, die anschauliche Darstellung komplexer Themen und die Dialoge zwischen den Autoren machen es zu einem durchweg zugänglichen Werk.

Es dürfte sowohl wissenschaftlich interessierte Leser als auch Laien ansprechen. Insgesamt bietet es einen umfassenden Einblick in die transhumanistische Bewegung, ihre Ideen und Implikationen. Und es regt dazu an, über die Zukunft des Menschen in einer zunehmend technologisierten Welt nachzudenken.

„Bereits heute nehmen an US-amerikanischen Universitäten 10 bis 20 Prozent aller Studenten Medikamente, von denen sie sich versprechen, dass sie ihre Konzentrationsfähigkeit bei Prüfungen erhöhen. Und auch die Hirncomputerschnittstellen gibt es bereits. Sogenannte Cochlea-Implantate sind Neuroprothesen, die es Menschen mit Innenohrschäden ermöglichen, wieder zu hören. An sogenannten Retinaprothesen, die es Blinden wieder möglich machen zu sehen, wird intensiv gearbeitet. Aber warum sollte man es bei diesen Prothesen belassen? Ist die Technik einmal etabliert, lassen sich zum Beispiel auch Memory-Chips mit dem Gehirn verbinden.

Niemand wird sich dann noch Quizshows ansehen, weil jeder sowieso alles weiß.“
Bernd Kleine-Gunk und Stefan Lorenz Sorgner

An dieser Stelle ein paar Worte zu den Autoren:

Stefan Lorenz Sorgner setzt sich seit über zwei Jahrzehnten intensiv mit den philosophischen und ethischen Aspekten des Transhumanismus auseinander. Als ausgebildeter Philosoph hat er sein Interesse an transhumanistischen Ideen insbesondere durch Friedrich Nietzsches Konzept des Übermenschen entwickelt. Dieses hat ihn in die faszinierende Welt des Transhumanismus geführt.

Seit 2016 bekleidet Sorgner die Position eines Philosophieprofessors an der John Cabot University in Rom. Außerdem ist er Berater von Humanity+. Diese Organisation widmet sich der Förderung von Technologien zur Verbesserung der menschlichen Fähigkeiten.

Bernd Kleine-Gunk ist Experte auf dem Gebiet der Anti-Aging-Medizin. Er hat eine Vielzahl von Fachbüchern sowie populärwissenschaftlichen Werken zu diesem Thema verfasst. In der medizinischen Gemeinschaft ist er nicht nur ein gefragter Referent und Vortragender, der weltweit spricht. Sondern er ist auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin (GSAAM).

Zudem ist er Bestsellerautor von Werken, die sich mit den Themen Gesundheit und Altern beschäftigen. Sein Buch Jung bleiben ist Kopfsache* habe ich hier bereits rezensiert.

Am Ende habe ich an dem Buch wirklich nicht viel auszusetzen.

Es hat mir etliche spannende Lesestunden beschert und mich auch nach über 400 Seiten immer noch nicht gelangweilt. Das lag nicht nur am zweifelsfrei unglaublich spannenden Thema, zu dem ich mittlerweile ausgiebig in Literatur und Dokumentationen recherchiert habe. Vor allem die philosophischen Gedankengänge zum Thema empfinde ich persönlich immer wieder als unglaublich bereichernd. Obgleich sie teilweise auch gruselig erscheinen können.

Inhaltlich hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Die Breite der Themen und der Umfang des Buches sind ideal, die Bindung ist top. Die Qualität des Designs und des Drucks sind ebenfalls typisch hochwertig für den Goldmann Verlag. So bleibt es eine faszinierende Erkundung in die Welt des Transhumanismus, einer Bewegung, die die nächste Evolutionsstufe der Menschheit einläutet.

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