★★★★☆

RAUS AUS DEM STUNDENLOHN von Oliver Pott* ist wohl der materialisierte Ausruf so vieler abhängig Beschäftigter und selbständig Tätiger. Die Gründe für den Wunsch können vielfältig sein. Bei manchen ist es nur die verbesserungsfähige Beziehung zum Chef, bei anderen der Wunsch nach Unabhängigkeit und wieder andere träumen von der unternehmerischen Verwirklichung ihrer Leidenschaften. In den meisten Fällen ist es wohl eine Mischung aus diesen und noch weiteren Faktoren. Im Kern schwingt aber häufig der primäre Wunsch mit, nicht mehr Zeit gegen Geld tauschen zu müssen. Sprich: Nicht mehr nur mit einem fixen Betrag pro Arbeitsstunde entlohnt zu werden, sondern der Leistung, dem Einsatz und der eigenen Leidenschaft entsprechend.

Diese Möglichkeit bieten selbstverständlich auch einige Jobs im Angestelltenbereich. Insbesondere solche, die mit hohen variablen Vergütungen arbeiten. Im Kern aber ist es – abhängig von der Leidenschaft, die man hegt – in der Regel nur in der Selbständigkeit auch möglich, ebendieser nachzugehen.

Allerdings sind die meisten Selbständigen dann eben die typischen Solopreneure: Selbst und ständig arbeiten sie an ihren Zielen und kommen damit meistens finanziell – vor allem gemessen an ihrem Zeiteinsatz – nicht über das Niveau der abhängig Beschäftigten hinaus.

„Wenn Sie ohne eigene Ziele arbeiten, arbeiten Sie automatisch für Ziele anderer.“
Oliver Pott

Oliver Pott kommt da mit einem klaren Versprechen um die Ecke: Nie wieder für andere arbeiten und Lebenszeit verkaufen.

Vielleicht ein bisschen provozierend, aber deutlich in der Aussage kommt auch das Cover dieses Buches daher. Entsprechend gespannt war ich, was dieses Buch, das ihr als Community übrigens bei Instagram in einer Abstimmung zum interessantesten Neuankömmling gewählt habt, bereithalten würde.

Machen Sie Ihre größte Leidenschaft zum Beruf! Die alten, sicher geglaubten Arbeitsmodelle haben ausgedient: Selbst DAX-Konzerne entlassen massenhaft Mitarbeiter. Die Krise ist der Weckruf, sich als Angestellter oder Selbstständiger nicht mehr nur auf sein Gehalt zu verlassen.“
Oliver Pott

Richtige und wichtige Statements in einer Welt, in der sich bei manch einem/einer immer noch der Glaube oder zumindest der Wunsch im Hinterkopf breitmacht, ein Leben lang im selben Unternehmen beschäftigt sein zu können. Das werden sicher einige schaffen und das bezweifelt auch der Autor nicht — es ist eben nur fahrlässig, davon schlicht auszugehen und in purer Abhängigkeit eine Existenz ohne Absicherung darauf aufzubauen.

In seinem Buch stellt Oliver Pott das Konzept des „Selfmade Job“ vor, welches die Vorteile beider Welten miteinander vereint:

Sowohl der Welt der Festanstellung wie auch der Selbständigkeit. Dabei erklärt er, wie du deine größte Leidenschaft zum Beruf machen kannst, ohne dabei zu große Risiken eingehen oder direkt ins kalte Wasser springen zu müssen. Es geht um Geschäftsmodelle für eine zunächst nebenberufliche Selbständigkeit, die dann Stück für Stück im Falle eines Erfolges die Festanstellung ablösen kann und einen entspannten Übergang garantiert.

„Arbeiten Sie nicht nur in die Tasche Ihres Chefs, sondern nehmen Sie Ihr Einkommen selbstbestimmt in die Hand, indem Sie neue Einkommensquellen für sich entdecken! So erlangen Sie die Freiheit und Unabhängigkeit, um ohne Druck und feste Arbeitszeiten an den eigenen Zielen zu arbeiten.“
Oliver Pott

Der Fokus liegt dabei selbstverständlich auf digitalen Geschäftsmodellen. Schließlich können wir in der Welt des Internets bekanntlich mit minimalem Kapital und geringem Aufwand maximale Reichweite und damit auch ausreichend Kund:innen für unsere Leidenschaft finden und begeistern.

. Ich hoffe, auch ich bin in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel. Denn auch ich habe nebenberuflich gegründet und meine Leidenschaft des Lesens zu meinem Hauptjob entwickelt. Eine Tätigkeit, von der vorher niemand in meinem Umfeld geglaubt hätte, dass man davon (über-)leben könnte.

Die drei Thesen, denen dieses Buch folgt lauten:

  1. Die Sicherheit eines festen Angestelltenverhältnisses gibt es nicht mehr, das zeige die Krise. Es sei brandgefährlich sich nur auf das feste Gehalt eines Arbeitgebers zu verlassen.
  2. Schaffen Sie sich deshalb nebenher Ihren „Selfmade Job“: Sie nehmen dazu Ihre größte Leidenschaft oder Ihr liebstes Hobby und fügen Ihr eine Geld Komponente hinzu. Die genaue Selfmade-Strategie zeigt das Buch. In ihm begegnen Sie außerdem ganz normalen Menschen, die diesen Weg gegangen sind und heute in großer Zufriedenheit und Unabhängigkeit leben.
  3. Den eigenen Selfmade Job nebenher aufzubauen macht mehr Spaß als Netflix zu schauen: Es bringt Erfolgserlebnisse und macht großen Spaß. Und er macht wirtschaftlich unabhängig und frei.

Insbesondere der letzte Punkt hat mich enorm getroffen. Denn seitdem ich meiner Leidenschaft folge, sind Beschäftigungen wie stumpfes Netflix schauen – zur puren Ablenkung am Abend – oder stundenlanges Scrollen durch Social-Media-Feeds ohne wirkliches Ziel oder wirklichen Plan passé. Es wird immer Menschen geben, die dir auf deinem Weg nicht glauben werden, nur weil sie nicht verstehen können, dass du den ganzen Tag für deinen Job brennst und nicht Pokémon Go spielend durch die Welt streifst wie sie. Nichts gegen Pokémon Go, auch ich habe es lange Zeit gespielt — aber lass dir von solchen Menschen ja nicht deinen Mut und Antrieb nehmen. Auch wenn sie dir auseigener Unfähigkeit und eigenem Unverständnis heraus eine „Fake it until you make it“-Attitüde andichten wollen, weil du schnellere Erfolge und schnelleren persönlichen Fortschritt beweist, als sie sich mit ihrem beschränkten Mindset vorstellen können.

Auch der zweite Punkt dieser Thesen ist enorm wichtig. Denn so häufig höre ich von Bekannten, Freund:innen und Follower:innen, dass sie zwar eine Leidenschaft hegen, aber keine Idee haben, wie diese sich monetarisieren ließe.

Lass dir bitte eines sagen: Du kannst fast alles monetarisieren. Du musst dich nur ein bisschen kreativer in verschiedene Perspektiven versetzen und du wirst Mittel und Wege finden. Davon bin ich überzeugt.

„In Zeiten des digitalen Wandels, in dem Deutschland der Welt hinterherhinkt, und in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen ist derjenige abgehängt, der sein eigenes und das wohl der eigenen Familie von seinem Arbeitgeber abhängig macht. Es heißt daher auch im Beamtendeutsch für Angestellte: abhängige Beschäftigung — und leider trifft es das ziemlich genau: sie sind abhängig. Selbst wer 20 Jahre treu und ergeben seinem Arbeitgeber Lebenszeit geopfert hat, Überstunden erbracht und auf wertvolle Freizeit verzichtet hat, steht von heute auf morgen vor plötzlichen Problemen.“
Oliver Pott

Dieses Beispiel ist vielleicht ein Stück weit drastisch formuliert, aber es trifft den Kern der ersten These: Es ist schlicht gefährlich, die komplette familiäre Existenz auf eine einzige abhängige Beschäftigung zu fußen.

Wer dies tut, muss sich zwangsläufig stets weiterbilden – auch wenn das ohnehin der Fall sein sollte —, umschauen, was sich am Arbeitsmarkt tut und dennoch an weiteren Einkommensquellen arbeiten. Selbst wenn der eigene Job dich erfüllt und du gut darin bist, ist das keine Garantie dafür, nicht zumindest zeitweise mal ohne ihn dazustehen. Und für diese Zeiten solltest du gerüstet sein. Für dich, für deine Familie und alles, was ihr euch gemeinsam aufgebaut habt.

„Wer wirklich sicher sein möchte, muss als Ziel haben, nie wieder Lebenszeit 1:1 gegen Stundenlohn einzutauschen. Erst dann sind Sie unabhängig und frei – und wenn einer von vier oder fünf Einkommensströmen versiegt, gibt es halt noch drei oder vier andere.“
Oliver Pott

Am Anfang aber steht die Frage: was sind ihre Leidenschaften und Lebensziele – und warum?“
Oliver Pott

Dabei geht es im Kern darum, dass unsere Ideen mehr wert sein können als unsere Arbeitszeit in einem ganzen Leben in abhängiger Beschäftigung.

Natürlich neigen wir dazu, diese oft falsch einzuschätzen. Mal überschätzen, aber viel zu häufig unterschätzen wir, was bereits an Geschäftsmodellen in unseren Köpfen schlummert. Ein typischer Ausruf in diesem Zusammenhang ist für mich: „Ach, das hätten doch schon längst andere gemacht.“ Das wird sicher in vielen Fällen zutreffen, aber in manchen eben auch nicht.

„Zeitbasiertes Arbeiten versus wertbasiertes Arbeiten. Neben Risiko und Rendite ist das Grundverständnis dieser beiden Pole elementar dafür, jede Entwicklung vom Angestellten zum Selbstständigen und dann vom Selbstständigen zum Unternehmer so zu meistern, dass sich dabei die eigenen Ziele verfolgen lassen.“
Oliver Pott

Für mich ein wirklich inspirierendes und motivierendes Werk, um die ersten Schritte in eine nebenberufliche Selbstständigkeit zu wagen.

Wer den Faktor Zeit vom eigenen Einkommen entkoppeln möchte, sich mehr Glück und Zufriedenheit im eigenen Leben wünscht, darauf abzielt, einfache Systeme zu nutzen, um einem höheren Zweck zu dienen, liegt mit diesem Buch sicher nicht verkehrt.

Es führt im Grunde die Ideen von Robert Kiyosaki und seinen vier Cashflow-Quadranten auf eine für unsere heutige Zeit leicht greifbare und umsetzbare Ebene.

Unterm Strich hätte das Thema für meinen Geschmack dann aber doch noch ein Stück weit emotionaler und optisch anschaulicher, schlicht prägnanter ausgearbeitet werden können. Denn es ist fast schon prädestiniert dafür, emotional aufgeladen zu werden und die Leser:innen mitzureißen.

Das Cover und der Untertitel machen eigentlich schon einen Schritt in diese Richtung – auch wenn es mir persönlich nicht sonderlich gefällt, so emotionalisiert es zumindest.

Auch die Praxisbeispiele sind zwar unterm Strich ganz nett zur Auflockerung, könnten aber nochmal deutlich schöner herausgearbeitet werden. Denn sie stellen für mich die Würze zu diesem Thema dar. Wer von uns kennt denn noch nicht ein hochtrabendes Sachbuch, das uns das Gelbe vom Ei predigt? Da sind greifbare Beispiele und Portraits von Gründer:innen eigentlich das perfekte Mittel, um die Theorie in die umgesetzte Praxis zu überführen. Es werden hier zwar kurz die Einstiege der Personen beleuchtet. Jedoch geht der Autor viel zu wenig darauf ein, wie sie heute ihr Geld konkret verdienen und inwiefern sie damit dem Stundenlohn entflohen sind. Selbst so stupide Details wie ein Portraitbild der jeweiligen Person hätte es um Längen nahbarer gestaltet.

Diese Verbesserungen hätten aus dem Buch nochmal einiges mehr rausholen können.


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