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RENTE MIT 40 von Florian Wagner* war eines der Bücher, auf das ich mich schon seit Monaten riesig gefreut habe. Ich weiß, diese Zeilen schreibe ich häufiger, weil ich nun einmal einfach gerne lese und neue Dinge lerne. Aber auf dieses Thema habe ich mich ganz besonders gefreut, weil mir das Thema sehr am Herzen liegt.

Denn für mich stellt es einen gelungenen Gegenpol zu tief verwurzelten Glaubenssätzen der letzten Generationen und der konsumorientierten Medienwelt dar.

Leider ist dieses wichtige Thema aber nicht einmal in meiner jungen Generation bei allen angekommen. Dabei geht es mir nicht einmal darum, Leute zu bekehren. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass sich jeder, egal in welcher Lebenslage er sich befindet, etwas aus diesem Ansatz mitnehmen kann. Das gesamte Konzept ist meiner Meinung nach überlegen, zumindest wenn man einen längeren Zeithorizont wählt und demnach wird es früher oder später in den Köpfen der Leute angekommen.

Traurige Randnotiz zu dieser Buchrezension

Ich habe während dieser Rezension übrigens Ausschnitte und auch das Cover an meine Familie und Freunde geschickt und von einer Person, die nun Anfang 60 ist, kam die Rückmeldung: „Na das ist dann für mich jetzt wohl zu spät.“ Dabei ging es der Person gar nicht so sehr darüber zu klagen, dass sie die Rente mit 40 nicht realisieren konnte, sondern dass sie immer noch nicht die Regelrente in trockenen Tüchern hat. Selbst mit 65 oder 67 wird diese Person noch mit finanziellen Herausforderungen in Rente gehen. Und genau deswegen ist mir das Thema so wichtig.

Frugalismus ist kein Schwarz oder Weiß Konzept

Mir ist es sehr wichtig, am Anfang nochmal zu unterstreichen, dass Frugalismus kein entweder oder Thema ist. Du musst den Frugalismus als Konzept für Dich nicht zu 100% adaptieren, um aus dieser Idee bereits wertvolles mitnehmen zu können. Mit Ausnahmen könnte sich ein kompletter Lebenswandel auch schwierig gestalten lassen. Du musst aber eben dieses Buch nicht eins zu eins in dich aufsaugen. Es reicht, wenn Du den einen oder anderen Gedankenanstoß mit nimmst. Du wirst viele interessante Ideen bekommen, wie vielleicht nicht die Rente mit 40 realisierbar, aber zumindest mit 50, 60 oder zur Regelaltersrente, aber ohne finanzielle Bauchschmerzen und ohne Rentenlücke und Co.

Frugalismus ist für mich in erster Linie ein Schrei nach mehr Freiheit. Freiheit durch finanzielle Unabhängigkeit. Mit dem wuchernden Gedanken in meinem Kopf, wie der Autor so schön schreibt:

„Wie sähe unser Leben aus, wenn wir nicht mehr für Geld arbeiten müssten? Wie würden wir unsere Zeit verbringen, was würden wir anders machen?“
Florian Wagner

Lass Dir bitte mal diese Frage auf der Zunge zergehen. In gewisser Weise ähnelt das den Fragen aus DAS CAFÉ AM RANDE DER WELT* und THE BIG FIVE FOR LIFE* von John Strelecky. Hier und hier habe ich über diese beiden Bücher berichtet. Florian Wagner setzt aber an einem anderen Punkt an. Wo John Strelecky versucht, in erster Linie unsere beruflichen und familiären Entscheidungen zu hinterfragen und uns auf einen schwierigen, aber sicher sinnvollen Weg zu schicken, zeichnet Florian Wagner ein Szenario. Das Szenario der Finanziellen Freiheit.

Was wäre, wenn wir John Streleckys Ansätze auf der Stelle leben und genießen könnten, ohne uns Gedanken über einen Jobwechsel zu machen?

Ohne uns darüber Gedanken machen zu müssen, ob der Job, der uns wirklich gefällt, auch ähnlich gut bezahlt ist, wie unser bisheriger.

Das tolle an diesem Ansatz von Florian Wagner ist die Tatsache, dass wir es alle auch noch zu Lebzeiten schaffen können, ohne zu Beginn viel an unserer beruflichen Situation zu verändern. Wie schnell wir diesen Zustand erreichen hängt in erster Linie davon ab, wie viel wir bereit sind zu verändern, aber es ist grundsätzlich im beruflichen Umfeld keine Pflicht. Viel entscheidender sind zwei Faktoren: Finanzielle Bildung und bewusster Konsum.

Florian Wagner ist dabei ein absoluter Vorreiter für diesen neuen Lifestyle, dessen Idee vielleicht nicht mit der Erfindung der Glühbirne zu vergleichen ist, aber enormes disruptives Potenzial in unserem Leben haben kann.

Warum es so wichtig ist zu verstehen, dass es um bewussten Konsum und nicht um absoluten Konsumverzicht geht:

Die Grundidee des Frugalismus ist der bewusste Konsum, nicht der absolute Konsumverzicht. Es geht darum, die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen und eine höhere Lebensqualität aus jedem Euro zu holen.

Es geht eben nicht darum, von der Hand im Mund zu leben, um wie Dagobert Duck später in einem Turm voller Geld baden zu gehen.

Wir sollten nur unsere teilweise sehr leichtfertig getroffenen Konsumentscheidungen auf ihren Nutzen hinsichtlich unserer Lebensqualität hinterfragen. Was zahlt wirklich auf mein Leben und meine Träume ein und was befriedigt mich nur kurzzeitig oder soll einen anderen Missstand kompensieren.

„Streichen Sie die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus Ihrem Wortschatz. Ersetzen Sie diese durch Lebenszeit, und fragen Sie sich: Macht das Sinn, was ich mache?“
Götz Werner (Gründer dm-Drogeriemarkt)

Eigentlich alles keine Punkte, an denen man sich auf den ersten Blick reiben sollte. Und dennoch wird der Ansatz des Frugalismus sehr häufig sehr schlecht dargestellt. Es wird von absoluter Entbehrung, von der Hand im Mund und vom totalen Ablehnen aller technologischen Errungenschaften berichtet. Industrialisierungsflüchtlinge, die in Lehmhütten wohnen und ihre Seife selbst herstellen. Dabei wird direkt suggeriert, dass diese Menschen auf die vermeintlichen Freuden des Lebens verzichten müssen. Dass sie gar nicht so glücklich sein können und sich vielleicht selbst etwas vormachen.

„Knausern für die Rente mit 30.“
unter dieser Schlagzeile schrieb die TAZ über Frugalismus

Aber so ist es eben nicht

So wie das Leben nicht ausschließlich schwarz und weiß ist, so sind auch die Anhänger dieser Philosophie sehr unterschiedlich. Es sind nicht nur Hippies, sondern im Wesentlichen gutverdienenden junge Menschen, denen Freiheit einfach mehr bedeutet, als dem Durchschnitt. Und ja, einige Frugalisten haben sich auch dazu entschlossen in Jurten zu leben, aber nicht um Verzicht zu leben, sondern um das Leben tiefer erleben zu können.

Unterm Strich eben Menschen, die den langfristigen und nachhaltigen, dem kurzfristigen und vergänglichen Konsum vorziehen.

Oliver Noelting, der Frugalist schlechthin im deutschsprachigen Raum, bezeichnet das Buch als das Beste, das über Frugalismus geschrieben wurde. Und selbst der Harvard Absolvent, Investmentbanker und Immobilien-Tycoon Gerald Hörhan würdigt es.

„Geld spielt in unserem Leben oft eine große Rolle: Haben wir zu wenig davon, führt es zu Sorgen. Ist es ausreichend vorhanden, ermöglicht es Freiheiten.“
Florian Wagner

Florian Wagner schildert in diesem Buch seinen Weg zu einem bewussteren, frugalistischem Leben.

Wie er möglichst viel seines Einkommens versuchte zur Seite zu legen und investierte. Aber er stellt uns auch diverse andere Menschen vor, die bereits nicht mehr auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. Er berichtet, wie sie es geschafft haben, was sie antreibt und wie jeder sein Leben unabhängiger gestalten kann.

Und auch wenn Du nicht so viel zu Seite legen kannst oder möchtest und selbst wenn Du nicht bereits mit 40 aus deinem Job aussteigen willst, Du wirst von diesem Buch und den Tipps profitieren.

„Schnell sind wir in Gewohnheiten und Alltagstrott gefangen und vergessen leicht das Wichtigste: Wie sieht unser erfülltes und glückliches Leben aus? Geld spielt hierbei oft eine wichtige Rolle. […] Das Konzept des Frugalismus ist für mich die perfekte Kombination aus mehr Bewusstsein, geschickten Umgang mit Geld und mehr Lebensqualität.“
Florian Wagner

An unzähligen Beispielen belegt der Autor, dass wir die Wirkung der „Erträge des NichtKaufens“ in der Regel deutlich unterbewerten.

Auch wenn es in diesem Buch unzählige interessante Geschichten gibt, hat mich doch eine spezifische sehr bewegt. Die Geschichte des mittellosen indischen Studenten Range, der für seinen Master nach Deutschland gekommen war. Ohne Geld und ohne die Sprache sprechen zu können, aber mit einem bis dahin sehr bewegtes Leben, dass ihm später noch in vielen Situationen mit den daraus resultierenden Erfahrungen und Glaubenssätzen helfen sollte. Genügsamkeit und Fleiß führten dazu, dass auch er es geschafft hat, zunächst innerhalb von nur 2 Jahren seinen Master-Abschluss zu erlangen und anschließend finanziell frei zu werden.

„Ich wollte mich jede Minute meines Lebens verbessern, wachsen und vorankommen. Dafür habe ich hart gearbeitet, gespart und investiert. Ich kann am Wochenende arbeiten oder 16 Stunden am Tag, weil ich weiß, es ist nur vorübergehend.“
Range (Person aus dem Buch)

Und selbst die Tage, Wochen und Monate, in denen er jeden Tag für 10 Cent eine Dose Kidneybohnen oder eine ganze Woche lang ausschließlich Reis aß, brachten ihn nicht von seinem größeren Ziel ab. Denn es war für ihn alles nur temporär. Ich bekam Gänsehaut, als ich von ihm las und der ein oder andere kennt vielleicht auch die berühmte Motivationsrede auf YouTube, die dazu passt. Hier findest Du sie.

„Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.“
Florian Wagner

Wir gewinnen darüber hinaus tiefe Einblicke in die internationale Glücksforschung, erfahren von Hedonisten und Stoikern und bekommen eine Vorstellung davon, warum so viele Menschen dann doch in die Konsumfalle tappen. Warum sie dort dann doch ein Leben lang in der Abhängigkeit des Hamsterrads gefangen bleiben und nie wirklich ihren Frieden finden.

Kleine aber wichtige Randnotiz übrigens zu diesem Buch, da es auch nochmal die Intention des Autors unterstreicht: Die Erlöse dieses Buches spendet der Autor an eine Schule in Argentinien.

„Wie stellen wir uns finanzielle Freiheit konkret vor? Meist denken wir als Erstes an einen Lottogewinn, ein schnelles Auto, eine hübsche Villa oder ein gut gefülltes Sparkonto – das ist finanzielle Freiheit auf materieller Basis. Es gibt dabei jedoch ein Problem: Dieser materielle Reichtum existiert nur im Vergleich zu etwas oder jemandem. Reich sein heißt entweder, wir haben viel mehr, als wir gestern hatten oder viel mehr als die meisten anderen Menschen besitzen.“
Florian Wagner

Der britische Philosoph John Stuart Mill beschrieb es sinngemäß mit den Worten: „Wir wollen nicht reich sein, wir wollen nur reicher sein als andere.“ Sobald unsere Mitmenschen ebenfalls reich werden, sind wir also nicht mehr reich.

Ein anderes Pärchen aus dem Buch beschreibt dieses Gefühl auch sehr schön. Sie sind schon finanziell frei, aber sagen: „Man gewöhnt sich dran. Glück muss man immer wieder neu suchen.“ Es ist demnach kein Zustand, den man erreicht und an diesem Punkt nur noch glücklich ist. Am Ende ist doch der Weg das Ziel und die Freiheiten der Finanziellen Unabhängigkeit ermöglichen uns auf die lange Suche zu gehen, die auch ein Paulo Coelho in DER ALCHIMIST* beschreibt (hier findest Du nochmal meine Rezension dazu).

Meine abschließende Wertung

Dieses Buch war für mich ein wahrer Genuss. Ich habe jedes Kapitel mit sehr viel Freude gelesen, konnte viel für mich mitnehmen und bin nun noch überzeugter, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Eine Empfehlung für uneingeschränkt jeden, selbst wenn Du schon über 40 Jahre alt bist.


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