Ein Finanzbuch der anderen Sorte von einem Insider, der weiß, wie die Branche tickt und dass Geld im Grunde nur ein Mittel zum Zweck ist.
Finanzen & Investitionen

Über Geld nachdenken

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ÜBER GELD NACHDENKEN von Nikolaus Braun* plädiert für einen kritischen und reflektierten Umgang mit Geld. Es ist mal wieder ein wunderbares Finanzbuch und ein Appell an uns alle, mehr Verantwortung für unser Leben zu übernehmen. Im Stile eines André Kostolany lässt uns der Autor an seinen Gedanken teilhaben. Dabei nimmt er nicht nur einige Klischees der Branche aufs Korn, sondern schafft es immer wieder Nadelstiche und Impulse zu setzen. / Anzeige

„Klug entscheiden, gelassen bleiben, Lebensqualität gewinnen.“ In solchen Aussagen steckt ganz viel Kahneman, Kommer und Schwarzer. Ein Werk, das sich für das rationale Investieren stark macht. Vor allem unter Berücksichtigung der vielfältigen Opportunitätskosten eines so wunderbaren Privilegs, in der westlichen Welt leben zu dürfen. Uns stehen so viele Möglichkeiten offen, nur die Zeit können wir nur einmal verteilen.

Unzählige Werbeversprechen von Banken, Finanzmakler:innen und „Experten“ sowie „Expertinnen“ finden in diesem Buch ihr Ende, denn Braun nimmt sie dezidiert auseinander. Braun setzt sich dafür ein, dass sich nicht noch mehr unwissende und in dieser Hinsicht naive Menschen von blühenden Versprechen und vermeintlicher Sicherheit einlullen lassen. Vielmehr sollen sie verstehen, dass ihre Finanzen in ihrer eigenen Verantwortung liegen und eine „kostenlose“ Beratung in den meisten Fällen deutlich teurer ist als eine bezahlte.

Als unabhängiger Honorarberater sieht sich Nikolaus Braun natürlich einem Interessenkonflikt gegenüber.

Denn selbstverständlich hilft es ihm und seinen Kollegen und Kolleginnen, wenn das allgemeine Ansehen von Honorarberater:innen in Deutschland gegenüber der Provisionsarbeit der vermeintlich kostenlosen „Berater:innen“ und Makler:innen steigt. Dieses Buch gibt aber keine reinen Meinungen wieder. Ebenso wenig stellt es Behauptungen ohne Belege, Beispiele und Rechnungen auf. Stattdessen offenbart es das, was eigentlich offensichtlich sein sollte. Es legt nahe, was im Grunde jede und jeder mit gesundem Menschenverstand einsehen müsste. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zum eigenverantwortlicheren Umgang mit Geld in diesem Land.

„Finden Sie heraus, wofür Geld in Ihrem Leben wichtig ist und welche Werte Sie dabei beeinflussen.“
Nikolaus Braun

Das Buch setzt auf dem Niveau von Einsteiger:innen an und begleitet beim Lesen durch verschiedene Fragestellungen und Herausforderungen, denen man sich in der Aufarbeitung der eigenen Finanzsituation entgegengesetzt fühlt.

Die größte Stärke des Buches liegt darin, die Komplexität aus der ganzen Geschichte zu nehmen. Denn das ist es, was „Experten“ und „Expertinnen“ stets versuchen aufrechtzuerhalten, weil es schlicht ihre Daseinsberechtigung darstellt.

„Was einen wirklich rationalen, ganzheitlichen und unaufgeregten Blick auf Vermögensstrategien angeht, stellen Banken und ‚bankenunabhängige‘ Vermögensberater in Deutschland nach wie vor eine Wüste dar. Dieses Buch, eines der wenigen vertrauenswürdigen Vertreter der Beraterzunft, ist eine kleine Oase in dieser Wüste.“
Gerd Kommer

„Es gibt Dutzende von Finanzratgebern. Sehr viele schlechte, aber auch einige ziemlich gute. Die meisten sind intellektuell niederschmetternd, manche aber auch fachlich überragend. Doch für den Privatanleger klingen Giftmüll und Hochrationales oft gleich plausibel.“
Nikolaus Braun

Ich hätte es nicht besser ausdrücken können als der Autor in diesem Beispiel. Exakt das ist auch der Grund, warum ich Book of Finance mit einer solchen Leidenschaft betreibe. Denn es gibt viel zu viele schlechte Bücher und jedes einzelne ist wie eine tickende Zeitbombe, auf die jederzeit unwissende Menschen hereinfallen könnten. Schon Gustave Le Bon wusste: Es sind häufig die besonders einfachen und einprägsamen Antworten, denen wir Glauben schenken. Wenn diese dann noch gespickt werden mit unterschwelliger Stimulation von Angst und Gier, wird das Ganze zu einer gefährlichen Mischung für die eigenen Finanzen.

Meine Empfehlungen könnt ihr stets hier nachlesen.

Wo viele der wirklich guten Ratgeber allerdings auf der Sachebene aufhören bzw. nur diese bespielen, möchte der Autor dieses Buches die Leserschaft vor allem auf emotionaler Ebene abholen.

„Die Frage: Was soll ich tun? Ist an sich nicht schlecht, aber sie greift viel zu kurz. Die viel wichtigere Frage zum Thema lautet: Warum ist Geld wichtig für mich? Weiter: Was hat mein Geld mit meinem Leben zu tun, mit dem, wer ich bin? Wie kann es zu einem gelungenen Leben, zum Gelingen menschlicher Beziehungen beitragen? Welche Gestaltungsspielräume soll es mir eröffnen? Wie verhindere ich, dass mein Geld mich dominiert, beunruhigt, vielleicht sogar tyrannisiert? Wie macht es mich zufriedener, im besten Fall glücklicher?“
Nikolaus Braun

Und jetzt mal wirklich Hand aufs Herz:

Wer hat sich diese Fragen schon mal aufrichtig gestellt und ist ihnen nachgegangen? Wer konnte dem Schrei von Streamingdiensten und Co. widerstehen und hat sich mal für Wochen abends an den Tisch gesetzt und die eigenen Finanzen geplant? Leider würde ich aus dem Bauch heraus behaupten, sind das eher die wenigsten Menschen in Deutschland. Stattdessen läuft man dann zum oder zur „kostenlosen“ Berater:in, der oder die bereits Tante Emma vor 20 Jahren die tolle Kfz-Versicherung vermittelt hat und im lokalen Fußballverein die Trikots sponsort. Damit gibt man das ganze Thema dann endgültig aus den Händen.

Traurig, Deutschland. Denn in den meisten Fällen ist diese:r „kostenlose“ Berater:in nicht einmal umfassend geschult – außer in Vertriebsfragen, da ist er sicherlich spitze. Im schlimmsten Fall vermittelt er vollkommen unpassende, aber provisionstechnisch lukrative Produkte.  Und so wird er langfristig der Grund dafür sein, warum die allermeisten Menschen niemals finanziell frei werden. Leider aber zu Recht. Denn wer die Verantwortung abgibt, dem ist das Thema offensichtlich auch nicht so wichtig.

Nikolaus Braun versucht stattdessen die Leser:innen mit einem finanziellen Kompass auszustatten, der sicherstellt, dass sich ihr Vermögen und ihre Entscheidungen in Sachen Geld im Einklang mit ihrem Lebensentwurf befinden.

Dabei geht es darum ein Fundament zu schaffen, das später dabei hilft, eine klare Strategie auch langfristig durchzuhalten und immun gegen Finanzentertainment zu werden. „Wie werde ich mit meinen mächtigsten Gegenspielern fertig: Finanzindustrie, Finanzpresse, aber vor allem mit meiner eigenen Emotionalität?“

„Da es um Ihr Leben und nicht isoliert um Ihr Geld geht, beinhaltet das Kapitel zur Umsetzung neben den Themen Immobilien, Wertpapierdepots und Ansparstrategien auch ein Kapitel, das Ihnen zeigt, was zu einer soliden Notfall- und Nachfolgeplanung gehört. Es erklärt, weshalb Sie eine Vorsorgevollmacht und vermutlich auch ein Testament brauchen, auf welche Versicherungen Sie verzichten können und auf welche nicht.“
Nikolaus Braun

Dieses Buch ist damit nicht nur ein Finanzratgeber, es ist vielmehr ein Lebensratgeber, der das Thema Finanzen als Mittel zum Zweck betrachtet.

„Geld ist ein zentraler und immens wichtiger Teil unseres Lebens. Ich möchte Ihnen helfen, dass Sie mit Geld in Zukunft klüger sowie gelassener umgehen und kompetente Entscheidungen treffen können. Entscheidungen, die bewirken, dass Sie ein besseres Leben führen. Dabei darf aber eine Sache nie aus dem Blick geraten: Nicht Geld, sondern gelungene menschliche Beziehungen sind es, die den eigentlichen Mittelpunkt eines erfüllten Lebens bilden.“
Nikolaus Braun

Was mir an diesem Buch aber besonders gefallen hat, sind der Humor des Autors und die lustigen Randgeschichten und Anekdoten aus seiner beruflichen Vergangenheit:

„Natürlich führen Menschen Gespräche über Geld. Haben Sie das nicht auch schon erlebt: Irgendein Bekannter erklärt den weiteren Verlauf der Weltgeschichte und welche tollen Aktien er deshalb gekauft hat. Andere schwadronieren über den bevorstehenden Riesen-Crash und wie sie ihr Vermögen in Sicherheit gebracht haben. Oder jemand erzählt, wie man ganz ohne Risiko sein Vermögen mit Immobilien aufbaut. Halten Sie sich bei solchem Unsinn schnell die Ohren zu. Der Erkenntnisgewinn für Ihr Leben ist hier nicht nur null, sondern sogar negativ. Das Geschwätz von Angebern oder Investmentpornografen kann dazu führen, dass Sie schmerzliche Fehlentscheidungen fällen. Es gefährdet so Ihren Lebensstandard – und nicht nur das: Es beleidigt Ihren Intellekt und stört Ihre innere Ruhe. Begünstigt werden irrationale Entscheidungen durch einen verheerenden Mangel an finanzieller Allgemeinbildung – in allen Bildungsschichten, vom Lageristen bis zur Chefärztin.“
Nikolaus Braun

Wie recht er damit nur hat! Und mir kann niemand erzählen, dass er:sie solche Gespräche noch nicht mitbekommen hat.

Mir jedenfalls wollen jede Woche dutzende Menschen erzählen, warum Aktie XY im nächsten Jahr durch die Decke gehen wird, wie ihr Finanzwissen sie dazu befähigt hat die letzten Jahre eine überdurchschnittliche Performance hinzulegen, und dass ich schlicht keine Ahnung habe und deswegen nicht verstehe, wie lukrativ der aktive Handel doch sein kann.

Aber auch die Politik und die Gesellschaft nimmt der Autor kritisch unter die Lupe:

„Eine Grundannahme etwa ist, dass Geld selbst schlecht, ja böse sei, zumindest aber den, der es besitzt, zu einem schlechten Menschen mache. Die religiösen Wurzeln dieses Denkens sind in unserer weitgehend säkularisierten Welt etwas verschüttet, die Denkmuster aber weitgehend erhalten: ‚Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.‘ Man kann nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Mammon. Ein Motiv, das sich nicht nur durch linke und mitunter rechte Kapitalismuskritik zieht, sondern weit in die Mitte der Gesellschaft reicht. Die grundsätzliche Vermutung lautet: Wenn die einen immer reicher werden, müssen die anderen immer ärmer werden. Das gilt (angeblich) für das Verhältnis zwischen Industrienationen und den Ländern des globalen Südens und natürlich auch innerhalb von Staaten. Diese Nullsummenlogik zieht sich bis in die Berechnungsformel offizieller Armutsstatistiken von EU und Statistischem Bundesamt, die Armut als eine negative Abweichung von mehr als 40 % vom durchschnittlichen Einkommen der Bevölkerung definieren. Das ist nicht wirklich überzeugend: Nach dieser Logik wären etwa alle Millionäre in einem exklusiven Golfclub arm, sobald Bill Gates dem Club beitritt. Eine kulturpessimistische Konsumkritik, eine ausgesprochene Skepsis gegenüber ökonomischem Erfolg sowie eine gewisse Idealisierung von Armut bis hin zum Sozialkitsch sind klassische literarische Motive von Kinderbüchern über Groschenromane bis zur gehobenen Literatur. Moralisierende Haltungen, etwa dass wir alle viel weniger konsumieren, mehr zu uns selbst finden und mit weniger Wachstum klarkommen müssten, sind letztlich gesellschaftlicher Konsens.“
Nikolaus Braun

Das Traurige an dieser hier so gut dargestellten Geschichte ist, dass sie die Menschen klein und gefangen hält in der eigenen Opferrolle. Das Streben nach mehr wird verteufelt und im Grunde findet man darin dann auch die entspannte Ausrede für die eigene Inaktivität.

Eine besonders interessante Unterscheidung sprang mir an anderer Stelle dann aber nochmal ins Auge:

„Für meine tägliche Arbeit teile ich Menschen in zwei Gruppen ein, um herauszufinden, mit wem ich erfolgreich zusammenarbeiten kann und mit wem ich es lieber lasse: Für die einen ist Geld Mittel zum Zweck, also Sicherheit, Gestaltungsspielraum, Lebensqualität. Ihr Denken kreist darum, was sie mit ihrem Vermögen machen können. Für die anderen ist es ein Selbstzweck: Ausdruck ihrer selbst, Zeichen von Status, Prestige und Einfluss. Ihr Denken beschäftigt sich zum großen Teil mit dem Vermögen selbst. Das führt meist zu der großen Sorge, jemand könne ihnen das Geld wieder wegnehmen: Die Regierung, die Steuerbehörden, Sozialisten und Familienangehörige werden gleichermaßen als Bedrohung wahrgenommen. Dazu kommt die Angst vor Wirtschaftskrisen. Die Angstvorstellungen gehen von einer höheren Abgeltungssteuer über Lastenausgleich und Enteignung bis zur Hyperinflation. Die Einteilung von Vermögenden in zwei Gruppen – Geld als Mittel zum Zweck oder als Selbstzweck – ist sicher holzschnittartig, aber es trägt erstaunlich weit. Etwas polemisch könnte man es auf die Frage verkürzen: Gehört das Vermögen mir oder gehöre ich meinem Vermögen?“
Nikolaus Braun

Und offen gestanden würde ich aus meiner Position als Finanzbloggerin behaupten, dass die überwiegende Mehrheit in diesem Land ihrem Vermögen gehört.

Anders kann ich es mir nicht erklären, warum so viele Finanzbestseller mit der Angst der Anleger:innen spielen und in den Sozialen Medien mit Protz und Prunk akquiriert wird. Diese Grundhaltung hat aber eine immense Auswirkung auf unseren Umgang mit Geld, die Art wie wir es anlegen und auch wie wir es wieder ausgeben.

„Wenn Geld Selbstzweck ist, wird es schnell zu einem Teil meines persönlichen Werts, meiner Persönlichkeit. Wenn wir sind, was wir haben, dann ist etwa ein Verlust am Kapitalmarkt nicht nur eine (temporäre) Schwankung meines Vermögens, es ist ein Verlust an Selbstwert(-gefühl) und damit kaum zu ertragen.“
Nikolaus Braun

Ich könnte noch ewig weitere interessante Stellen aus diesem Buch zitieren, es wimmelt nur davon. Eben deswegen hat dieses Buch nichts anderes verdient als fünf von fünf Sternen. Ich kann es allen Menschen nur ans Herz legen, die ihr Finanzmindset schärfen wollen.

Rationalität statt Naivität, Verantwortung statt Opferrolle.

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