★★★★☆

WEGE ZU SICH SELBST von Marc Aurel* ist nicht nur für mich ein beeindruckendes Sammelsurium an Lebensweisheiten eines bedeutenden römischen Kaisers – des einen Philosophenkaisers, der es auf den Nachttisch so mancher Persönlichkeit geschafft hat.

Natürlich stellt sich bei solchen Büchern die Frage, ob sie uns in unserer heutigen Welt noch mit Ratschlägen dienen können, wo sie doch in einer komplett anderen Umgebung geschrieben wurden. Doch ich bin immer wieder überrascht, wie sehr die Probleme von damals, aus denen die Bücher von damals entstanden auch unseren heutigen Situationen ähneln und bei den Herausforderungen, vor denen wir stehen helfen können. Das menschliche Wesen scheint sich in all der Zeit nicht wirklich verändert zu haben. Oder anders gesagt neigen wir vielleicht dazu, stets in die gleichen Muster zu verfallen.

„Wenn du wüsstest, aus welchem Quell die menschlichen Meinungen und Interessen fließen, du würdest aufhören, nach dem Beifall und Lob der Menschen zu streben.“

Bei diesem ganz speziellen Buch sind es nicht nur die Worte selbst, sondern auch die Tatsachen wann, wo und von wem sie geschrieben wurden, die mir Ehrfurcht einhauchen. Marc Aurel oder auch als Marc Aurelius bekannt war ein römischer Kaiser. Er starb im Alter von 58 Jahren 180. n.Chr. in der Nähe des heutigen Wiens in einem römischen Feldlager zur Verteidigung der Nordostgrenze des Reiches.

Marc Aurel war einer der wenigen römischen Kaiser, die bei Amtsantritt bis zum Tode im Volk sehr beliebt waren und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens beinahe ausschließlich in Feldlagern rund um die römischen Territorien im Norden und Nordosten. In dieser Zeit entstanden auch die Zeilen. Der Nachwelt ist Marc Aurel auch als Philosophen-Kaiser bekannt. In den fast 2.000 Jahren seit seinem Ableben lauschten bereits Millionen Menschen – unter anderem unser Altkanzler Helmut Schmidt, der Franzose Voltaire oder der preußische König Friedrich II. – fortan seinen Worten.

Natürlich liest sich ein solchen Buch selbst in der bereits mehrfach übersetzen und neu aufgelegten Version immer noch anders als moderne Bücher. Die Sprach ist altertümlich und steckt voller Fülle und Nachhall. Man bekommt den Eindruck, man könnte jeden Abschnitt dutzende Male lesen und würde immer noch Neues daraus erfahren.

Es ist damit aber absolut kein Buch für einen Abend, was man mal eben so überfliegen könnte und auch an einem Wochenende sollte man es sich lieber nicht vornehmen. Die ideale Herangehensweise hat unser Altkanzler vorgemacht, der dieses Buch, auf seinem Nachttisch liegend, jeden Abend für einen kurzen Abschnitt in die Hand nahm und diesen dann über die Nacht und den kommenden Tag hat wirken lassen. Zum Einstieg in die Literatur der Persönlichkeitsentwicklung ist dieses Buch allerdings nicht, dessen bin ich mir bewusst. Aber für bereits breit Belesene unter euch, wird es hoffentlich die Kraft entfalten, mit der es in mir wirkte. Aufgrund des schweren Zugangs zu seinen Botschaften gebe ich dem Autor aber „nur“ 4 von 5 Sternen.

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