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WHAT WORKS ON WALL STREET von James P. O‘Shaughnessy ist meiner Meinung nach tatsächlich das wertvollste Börsenbuch, was ich jemals in den Händen gehalten habe. Denn es vereint Wissenschaft und Praxis auf geballten knapp 700 Seiten im Großformat. Man darf nun aus der Ferne aber nicht den Eindruck gewinnen, dass er sich nicht kurzfassen könnte, denn ganz im Gegenteil: Der Autor hätte mit dem Wissen auch ganze Bibliotheken füllen können. Dieses Meisterwerk ist aber rein gar nichts für Anfänger im Bereich des aktiven Investierens. Ganz im Gegenteil: Ich bin der Überzeugung, dass es nur für sehr erfahrene Börsianer geeignet ist, die im Idealfall auch einen wissenschaftlichen Hintergrund haben, denn ansonsten sind viele Inhalte schlichtweg „nice to know“ aber eben nicht umsetzbar. Darüber hinaus macht es ebenfalls keinen Sinn, wenn man nicht bereits ein kleines Vermögen angehäuft hat, damit die Transaktionskosten nicht zu sehr zu Buche schlagen. Wenn man aber den Background mitbringt und bereits mehr als 200.000 EUR an Kapital anhäufen konnte, dann hält man hiermit den Schlüssel in den Händen, daraus die passende Rendite zu holen. Zweifellos ein Meilenstein der Finanzliteratur!

Wahrscheinlich wirst Du schon mehrfach solche Tipps bekommen haben, wie „Das ist das wertvollste Börsenbuch […]“. In diesem Fall kann ich Dir aber garantieren, dass das hier kein Tipp der typischen Sorte ist. Denn es hat seinen Grund, warum kaum ein Finanzblogger dieses Buch empfiehlt: Die allermeisten werden dieses Buch schlichtweg noch nicht gelesen haben. Denn es ist auf der einen Seite mit knapp 50 EUR – je nach Auflage und Sprache – zum einen nicht günstig und zum anderen mit über 700 Seiten in DIN A4 auch nicht leicht zu lesen. Das schreckt bereits viele ab.

Mir selbst wurde dieses Buch über Umwege von Christian W. Röhl, dem Autor von COOL BLEIBEN UND DIVIDENDEN KASSIEREN* empfohlen (der Bericht zu seinem Buch folgt noch). Ich erwähne das an dieser Stelle, weil Christian W. Röhl nicht nur ein erfolgreicher Finanzbuchautor ist, sondern jahrelang nah an Wissenschaft und Praxis zugleich war. So wirkte er unter anderem im isf Institute for Strategic Finance mit und kann somit sehr gut einschätzen, welche Publikationen schlichtweg nur billiges Marketing und welche fundiertes und belegbares Fachwissen verkaufen.

Im Gegensatz zu einem vielfach – zu meiner Verwunderung – wärmstens empfohlenen DIE KUNST ÜBER GELD NACHZUDENKEN von André Kostonaly*, zu dem ich hier auch bereits einen Artikel geschrieben habe, betrachtet der Autor von WHAT WORKS ON WALL STREET*, James P. O‘Shaughnessy, die Dinge deutlich wissenschaftlicher. Wo der alte Kostonaly – der zweifellos eine eindrucksvolle Börsenlegende ist – über Emotionen und Geschichten argumentiert, bringt James P. O‘Shaughnessy belegbare Fakten und wissenschaftliche Untersuchungen auf den Tisch. Von ihm kann man wirklich lernen, wie langfristig richtiges Geld an der Börse verdient wird.

Nun denkst Du dir wahrscheinlich, „wenn die Kleine Recht hat, warum verdient Sie und viele andere, die das Buch gelesen haben, dann nicht das große Geld?“. Na ganz einfach: Mir fehlt offen gestanden das Kapital und der Zugriff auf eine ausreichend umfangreiche Finanzdatenbank, um seine Strategien schon jetzt umzusetzen. Wie ich oben bereits beschrieben habe, benötigt man bei aktuellen Transaktionskosten am Markt ein Depotvolumen von knapp 200.000 EUR und Zugriff auf eine Finanzdatenbank wie Bloomberg oder Reuters. Wenn beide Dinge gegeben sind, dann reicht ein Tag Umsetzung im Jahr. Wie spannend und Nerven aufreibend eine solche Umsetzung mit Bloomberg sein kann, könnt ihr übrigens mal in einer Master-Thesis nachlesen.

Nun kommt aber noch ein entscheidender Punkt dazu und das sind die eigenen Emotionen und das ausgeprägte Ego einiger Persönlichkeiten unter uns. Daniel Kahnemann hat in seinem Bestseller SCHNELLES DENKEN, LANGSAMES DENKEN* bereits ausgiebig darüber berichtet und auch ich habe dazu bereits hier einen Artikel geschrieben. Manchen Menschen ist eine solche Strategie schlichtweg nicht spannend genug, sie möchten nicht streng mechanisch nach den Ideen eines Dritten investieren, sondern selbst aktiv handeln und spekulieren, um nachher sagen zu können „ich bin der King.“ Dass solches Verhalten eher in den Kindergarten, als an den Aktienmarkt gehört, versteht sich von selbst. Dennoch beobachte ich es in meinem Umfeld immer häufiger. Und selbst wenn Du dich dann aufraffst streng einer solchen Strategie zu folgen, dann werden Phasen kommen, in der Deine Strategie gegenüber dem Markt unterperformen wird und dann liegt es an Dir, deiner Strategie dennoch oder sogar gerade deshalb weiter zu folgen. Denn nur so wirst Du langfristig erfolgreich sein.

All das von mir gerade kurz angerissene Wissen findet ihr in dem Buch WHAT WORKS ON WALLSTREET von James P. O‘Shaughnessy* und deswegen legt euren Kostolany zur Seite und fangt an endlich Börsenliteratur und nicht das Tagebuch des legendären Spekulanten zu lesen. Letzteres wird euch vielleicht mehr belustigen, aber definitiv nicht so weit bringen.


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