★★★☆☆

DIE 95/5 FORMEL von Simon Hofer* war eines der wenigen Bücher, wo ich auf Anhieb beim Anblick des Covers nicht wusste, was mich genau erwarten würde. Selbst der Untertitel „Warum viele wenig und wenige alles haben“ konnte noch Inhalte in allen möglichen Richtungen bereithalten. Auf der Rückseite wurde die Intention dann aber doch konkreter.

Dem Autor nach ist Erfolg im Wesentlichen Kopfsache. „Einige Menschen wissen, was sie wollen. Sie setzen sich Ziele, erreichen diese und gehen glücklich und erfolgreich durchs Leben. Vielen Menschen aber gelingt das alles nicht.“ Im Buch widmet sich der Autor dann der Frage, woran das wohl liegen mag. Liegt es an den Genen, am IQ oder ist es einfach nur Glück, was manche Menschen deutlich erfolgreicher macht als andere.

Die Reise nach dem Grund für diese Ungleichheit wird von der 95/5 Formel begleitet. Einem Ansatz, der alles in 95 und 5 Prozent unterteilt und vermeintlich überall – ob in der Gesellschaft oder der Natur – wieder zu finden. Das erinnert mich schon sehr stark an Pareto und wirkte leider an vielen Stellen im Buch ein wenig aufgesetzt, aber dazu später mehr.

Dem Autor nach ist all das, was wir tun oder denken miteinander verbunden

Dabei versucht er auf neuste Erkenntnisse aus der Hirnforschung zurückzugreifen, bleibt aber klar und einfach in der Sprache. Es werden Einblicke in die Epigenetik gegeben und vieles kritisch hinterfragt, was viel zu häufig einfach kommentarlos hingenommen wird.

Das Ziel des Autors ist es dabei uns zu schildern, wie wir aus der Gruppe der 95 Prozent austreten können, um in den Kreis der 5 Prozent einzutreten.

Als Beispiele führt der Autor dazu stets Erlebnisse und Geschichten an, die ihm entweder selbst oder Bekannten widerfahren sind. Unterm Strich ist es damit ein sehr interessantes und gutes Buch geworden. Mit einigen spannenden Erkenntnissen und vor allem kritischen Momenten hinsichtlich so mancher Motivationsstory da draußen. Das hat mir prinzipiell gut gefallen, aber das Buch ist leider an vielen Stellen dann am Ende doch deutlich zu ungeordnet. Bis zuletzt habe ich den roten Faden gesucht.

Der Autor hat in seinem Leben viel mitgemacht – persönlich wie beruflich – musste immer wieder Niederlagen einstecken, bis er sich nun glücklich und erfolgreich nennen kann

Aus diesen Erfahrungen, die er am eigenen Leibe machen musste, versucht er nun den Leser etwas mitzugeben. Und das gelingt ihm auch an vielen Stellen, weshalb es für mich auch definitiv ein gutes Buch ist. Mit verdienten 3 Sternen. Ihr werdet auch in den Ausschnitten auf meinem Instagram Kanal viele interessante Ansätze finden. Aber dann verzettelt er sich wieder seitenweise in Geschichten, die dann das ein oder andere Mal doch sehr weit abdriften. Gefühlt sind es nur die Kapitelüberschriften und -einleitungen und die zwischenzeitlichen oder am Ende des Kapitels gelagerten Tipps und Ratschläge, die Struktur in das Buch hineinbringen. Dazwischen geht es immer mal wieder wirr her und das gefiel mir leider nicht so gut. Unabhängig davon, dass es den Lesefluss gestört hat, wurde auch einfach haufenweise kostbarer Platz für weitere Botschaften an die Leser verschenkt. Gerade bei einem Buch, dessen Textteile keine 200 Seiten fast ist das sehr schade.

Die Tipps und Tricks, um die eigenen Denkstrukturen aufzubrechen und ein wenig rationaler und progressiver zu denken und damit auch eine andere Herangehensweise an viele Themen zu finden waren durchaus hilfreich. Nur die 95/5-Formel wirkte an sehr sehr vielen Stellen dann doch aufgedrückt, hinein gepresst und irgendwie noch im Text untergebracht.

„In der westlichen Kultur haben 95 Prozent der Menschen am Ende des Monats Probleme damit, ihre Rechnungen zu begleichen. Sie können kein Geld zur Seite legen oder gar anlegen. Sie verbringen den Urlaub – wenn sie überhaupt in den Urlaub fahren können – da, wo es das billigste Angebot gibt, und das ‚neue Auto‘ ist bestenfalls ein alter Gebrauchtwagen vom Fähnchenhändler. Sie plagen sich immer wieder mit denselben Ängsten und sorgen. Sie gehen auch nicht gerne an den Briefkasten, denn dort lauern meistens Rechnungen und Mahnungen. Nach einer 40-jährigen Arbeitskarriere haben 95% der Menschen nicht genug, um davon einigermaßen anständig leben zu können und fürchten, sich nun vor dem Ruhestand und auch davor, endgültig abzustürzen, nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich, denn arm sein ist nicht sexy.“
Simon Hofer

Aus solchen Passagen kann man ebenfalls wieder zweierlei schließen

Zum einen finde ich es gut, dass er in seinem Buch so klar herausarbeitet, dass es im Wesentlichen eine andere Art zu denken und daraus resultierend eine andere Art zu handeln ist, die am Ende zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Trotzdem wirkt es auf der anderen Seite dann wiederum unnötigerweise ein wenig abgehoben, wenn er beispielsweise schreibt: „Bestenfalls ein alter Gebrauchtwagen vom Fähnchenhändler“. Oder: „arm sein ist nicht sexy“. Beide Aussagen sind per se nicht falsch oder verwerflich zu treffen. Aber sie unterstreichen einen Eindruck, der sich durch das Buch zieht, aber dazu später noch mehr.

Die Intention, solchen Menschen zu helfen, die in der überwiegenden Mehrheit definitiv unglücklich sein werden, finde ich richtig gut. Aber damit ist er nicht der erste Autor und zitiert in seinem Buch auch gleich ein paar andere Werke. Mir persönlich gefällt ein Napoleon Hill mit DENKE NACH UND WERDE REICH* (hier kommst du zu meiner Rezension) deutlich besser. Auch ein Bodo Schäfer mit DIE GESETZE DER GEWINNER* (hier kommst du zu meiner Rezension) hat es positiver und prägnanter auf das Papier gebracht.

„5 Prozent der Menschen bezahlen nicht nur ihre Rechnungen pünktlich, sofern sie denn wollen, sie legen Geld beiseite, verdienen mit Kapitalanlagen und profitieren von Steuersparmöglichkeiten. Sie besitzen Immobilien, kaufen sich regelmäßig neue Fahrzeuge und bereisen die Traumziele dieser Welt. Die meisten von ihnen machen ihre Arbeit gerne, sind gut in dem, was sie tun, und glücklich. Es scheint, als würde ihnen alles ganz leichtfallen. Einige lassen sich frühzeitig pensionieren und widmen sich danach noch intensiver ihren Hobbys und Interessen.“
Simon Hofer

Wenn es dann aber darum geht, was diese beiden Gruppen von Menschen unterscheidet, presst der Autor mir viel zu häufig mit deutlich zu viel Nachdruck seinen 95/5 Ansatz in den Text

So viele Kapitel wären deutlich besser gewesen, wenn er es einfach ohne diesen Ansatz beschrieben hätte. Man hätte auch einfach die Zahlen weglassen können und von „der überwiegenden Mehrheit“ oder „beinahe alle“ sprechen können. Aber es wurde immer wieder an den 95/5 festgehalten. Selbstverständlich habe ich die Quellen nicht in allen Punkten kontrolliert. Aber es wäre schon sehr kurios, wenn es durchweg tatsächlich immer genau 95/5 wären.

Was der Leser auf jeden Fall mitnehmen kann ist die Erkenntnis, dass die 5 Prozent nicht einfach nur Glück hatten. Es ist auch nicht die besonders teure Ausbildung oder ein überdurchschnittlich hoher IQ. Sie waren auch nicht einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder hatten besonders gute Gene. Es war eine Summe von richtigen und wichtigen, zumeist besonders mutigen Entscheidungen. Diese haben sie in die Situationen gebracht haben, die für 95% nun so unerreichbar scheinen.

„Beschäftigt man sich mit erfolgreichen Menschen, findet man schnell heraus: Glück, Ausbildung, Herkunft und Intelligenz spielten für den Erfolg eine untergeordnete Rolle!“
Simon Hofer

Insbesondere der Schlussappell, aber auch viele Ratschläge im Buch selbst haben mich stark an meine tägliche Arbeit erinnert

Ich finde es super, dass Simon Hofer keiner der typischen Hustle Motivations Redner ist, sondern auch kritisch über weite Teile der Branche blickt und die gängigen 08/15 Ansätze hinterfragt.

Denn wenn ich mir beispielsweise seine Passagen zum Thema „Niemals aufgeben“ – bzw. „Aufgeben ist keine Option anschaue“, dann fehlt mir insbesondere im Social-Media Umfeld auch immer wieder der Querverweis darauf, dass man schon vorher mal die Richtung bestimmt haben sollte, bevor man vehement darauf beharrt, weiterhin mit dem Kopf gegen die Ziegelwand zu hauen. Nur weil mal jemand meinte, dass man niemals aufgeben sollte. Vor allem das Nachjustieren fehlt mir bei diesen platten Sprüchen immer wieder. Und das bringt auch der Autor sehr gut zu Papier. Wenn man schon auf einen Fehler stößt oder einen Rückschlag erleiden muss, dann sollte man daraus auch lernen. Und nicht eins zu eins weitermachen wie vorher.

Auch wenn ich dem Autor also in vielen Punkten zustimmen kann, das Buch definitiv hilfreich und gut ist und einige spannende Passagen enthält, kann ich am Ende aufgrund der 95/5 Geschichte nicht mehr als 3 Sterne vergeben

Obgleich es einfach nur eine Näherung ist wirkt diese Komponente einfach nicht gelungen positioniert. Es wirkt wie eine Marketing-technisch überladene Strategie. Die Idee dahinter ist grundsätzlich nicht schlecht. Aber es wird mir als Leserin einfach zu oft aufs Brot geschmiert. So wie ich mich hier wahrscheinlich auch zu oft jetzt dazu geäußert habe. Einfach weil es mich so ärgert, weil es so unnötig ist, dadurch die Qualität vom Buch zu mindern. Manches Mal hat der Autor aber auch in seinen Ausschweifungen – meiner Meinung nach – ein Stück weit übertrieben und sich regelrecht vergaloppiert. Es wirkte fast schon so, als wenn er an einigen Stellen zwanghaft die eigene Fahne hochreißen wollte. Besonders kritisch sehe ich das jetzt zwar nicht, aber das war ebenfalls unnötig.


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