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MIETEN WAHNSINN von Andrej Holm* ist ein kleiner Ratgeber aus dem Bereich Klartext im Knaur Verlag. Das Serien-Design gefällt mir offen gestanden zwar nicht sonderlich und die Form des Buches wirkt ein wenig komisch, aber das sagt bekanntlich nichts über den Inhalt aus. Dieses Buch beschäftigt sich, wie man dem Titel bereits entnehmen kann, mit der Frage, warum Wohnen in Deutschland immer teurer wird und wer davon eigentlich profitiert. Und obgleich das Buch von einem Hochschulprofessor geschrieben wurde, wird sich dieser Fragestellung sehr unwissenschaftlich genähert.

Die Frage: „Wer profitiert davon?“ ist für mich aber eine der elementaren Fragen, die man auf so viele Lebenslagen übertragen kann. Stellt man sich diese Frage ein paar Male häufiger im Leben, so wird man definitiv ein erfolgreicheres Leben führen. Denn wenn Du das erst einmal tust, wirst Du Zusammenhänge erkennen und Aussagen besser einzuordnen wissen. Dadurch ersparst Du Dir dann in der Folge eine ganze Reihe „Deppensteuer“. Denn in dem Moment, wo wir verstehen, wer von etwas profitiert, können wir auch einschätzen, warum die Dinge so laufen, wie sie laufen. Wir verstehen das Verhalten der einzelnen Akteure und ihre Intention.

Jetzt fragst Du Dich wahrscheinlich, warum ich das an dieser Stelle so ausführlich angesprochen habe. Das hat mit dem Inhalt dieses Buches zu tun. Wie ich eingangs schon beschrieben habe, sind Text und Aussagen höchst unwissenschaftlich. Behauptungen werden ohne Belege und vor allem ohne Erläuterungen zu selbigen in den Raum gestellt.

Dieses Buch strotzt nur so vor ideologischen Überzeugungen. Ein tolles Beispiel dafür ist bereits der Klappentext:

„Mieten müssen bezahlbar sein! Studenten hausen in Turnhallen, Rentner müssen nach 40 Jahren ihre Wohnung im neuen In-Viertel aufgeben und Alleinerziehende mit Hund sollten lieber gleich auswandern. Die Mieten steigen exorbitant, und das nicht nur in Großstädten. Andrej Holm zeigt, wie der Staat in der Wohnungspolitik systematisch versagt hat, indem er jahrzehntelang mit der Immobilienwirtschaft gemeinsame Sache gemacht hat – statt langfristig für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen.“
Knaur Klartext

Freiheitlich denkenden Menschen wie mir, sträuben sich bei solchen Aussagen die Nackenhaare.

Zunächst einmal werden hier ungeheuerliche Bilder gezeichnet von gebeutelten Mietern, die ihren Vermietern vollkommen ausgeliefert sind. Doch dieses Bild ist schlichtweg falsch. Denn Deutschland hat nicht nur eine der Mieter freundlichsten Gesetzgebungen in Europa – was ich unter anderem für meine letzte Studienarbeit recherchiert habe. Mieter sind darüber hinaus auch nicht verpflichtet, in einer Wohnung zu bleiben. Ihnen steht der Markt dort draußen zur Verfügung, wenn sie für ihr Recht nicht klagen wollen. Es haben sich sogar schon ganze Unternehmen in diesem Bereich gegründet, die Mieten in den Rechtstreitigkeiten zur Seite stehen. Darüber hinaus sollte man als Vermieter nie aus den Augen verlieren, dass man mit Einzug nicht das Recht besitzt, für den Rest seines Lebens zu selben Konditionen in dieser Wohnung leben zu dürfen. Das wünschen sich vielleicht einige Menschen da draußen, aber das ist dann eben nicht mehr als Wunschdenken. Und eine Politik, die auf Wünsch dir was beruht, wird niemals funktionieren. Ich kann mir nicht zugleich wünschen, Vermieter zu haben, die tollen, günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen und obgleich sie als Eigentümer das gesamte wirtschaftliche Risiko tragen, dann auch noch auf Mietanpassung und dergleichen verzichten. Das ist ein Spiel, das nicht funktionieren kann.

Darüber hinaus hat nicht zuletzt ein Gerd Kommer in seinen Bücher KAUFEN ODER MIETEN* und IMMOBILIENFINANZIERUNG FÜR SELBSTNUTZER* wissenschaftlich belegt, dass die Mieten real nicht mal ansatzweise so stark steigen, wie der Autor hier mal wieder suggeriert. Dazu gibt es unzählige Studien, von denen auch Gerd Kommer einige in seinen Büchern zitiert. Hier kommst Du zu meiner ersten und hier zur zweiten Rezension der oben genannten Bücher.

Und zu guter Letzt behauptet der Autor auch noch, dass die Politik mit der Immobilienwirtschaft gemeinsame Sache gemacht habe.

Na das will ich doch hoffen. Andernfalls wäre die Politik schön blöd, denn nur gemeinsam mit den Investoren wird man einen solch großen Nachfrageüberhang bewältigen können. Die Probleme liegen wohl eher in den bürokratischen Prozessen im Hintergrund sowie neuerlichen Mietpreisbremsen und -deckeln und nicht bei den Investoren, die auf einmal keine Lust mehr an guten Deals haben. Wofür der Autor hier vehement plädiert, ist der massive und scheinbar sogar exklusive kommunale Wohnungsbau. Wahrscheinlich wäre ihm eine Verstaatlichung der Immobilienkonzerne auch gelegen. Wo er im politischen Spektrum anzusiedeln ist, kann demnach leicht abgeleitet werden. Jemand, der eine Rot-Rot-Grüne Landesregierung in Berlin für ihren zu wirtschaftsfreundlichen Kurs kritisiert, befindet sich wohlmöglich am äußersten Rand.

Interessant, dass solche Personen an unseren Hochschulen lehren.

Dort natürlich komplett wertfrei Studenten unterrichten und sich als Wissenschaftler ausgeben, deren Aussagen aber so gar nicht wissenschaftlich sind.

Nach dem Klappentext auf der Rückseite musste ich auf jeden Fall erst einmal schlucken. Denn mir war klar, dass dieses Buch rein gar nicht rational sein würde. Und es beginnt auch direkt mit politisch motivierten und emotional aufgeladenen Parolen, die man sonst nur aus der Klatschpresse kennt. Das macht auf den ersten Blick überhaupt keinen guten Eindruck. Denn hinter solch lauten Wörtern und Titeln steckt meist nicht viel mehr als Verkaufstaktik. So viel lehrt mich zumindest mein Wissensdurst seit Jahren, der schon hunderte solcher Bücher verschlungen hat.

In solchen Momenten sehne ich mich nach rationalen Autoren wie Gerd Kommer, Nate Silver, Daniel Kahnemann und Co. Die ähnliche Themen doch viel entspannter, rationaler und vor allem fundierter behandeln würden.

Dieses Buch ist offen gestanden eine absolute Dreistigkeit und zeigt mir nur einmal mehr, dass an unseren Universitäten vermehrt politisch geforscht und nicht wissenschaftlich fundiert gearbeitet wird.

Denn der Autor kommt wohl aus welcher Stadt? Aus Berlin und dort lehrt er an der Humboldt-Universität u.a. zum Thema Wohnungspolitik. Allein die Sprache seiner Worte ist bereits so ideologisch befangen, dass ich mir schwer vorstellen kann, wie er im Job die nötige Objektivität behalten kann. Zumindest in diesem Buch ignoriert er Fakten und interpretiert andere seiner politischen Ansicht entsprechend. Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wer mir in diesem Punkt widersprechen mag, dem empfehle ich die Lektüre von Gerd Kommer zu diesem Thema.

Denkst Du, dass ein solcher Professor in so einem Metier überhaupt tragbar ist?

Stell Dir vor, all seine Studien wird er mit einer klaren Zielsetzung beginnen. Und wer bereits einmal wissenschaftlich gearbeitet hat, weiß, dass man mehr als genug Stellhebel hat, die späteren Ergebnisse zu beeinflussen. Und wenn die quantitative Evidenz dennoch nicht gegeben ist, dann schwenkt man eben auf die Emotionen von qualitativen Befragungen diverser „Opfer des Systems“, wie er es auf der Rückseite des Buches bereits getan hat.

So funktioniert Wissenschaft an den Enden unseres politischen Spektrums.

Dieses Buch sollte nicht in der Klartext-Reihe, sondern in der Meinungsbilder-Reihe erscheinen. Denn Klartext suggeriert bei mir Fakten und nicht die Meinung des Autors.

„Das Buch richtet sich in erster Linie an die Mieterinnen und Mieter, die sich mit steigenden Mieten herumschlagen müssen und Angst haben, aus ihren Nachbarschaften verdrängt zu werden. Es soll all jenen helfen, die Logik von Investoren und Politik zu verstehen, die sich im Interesse einer sozialen Städteentwicklung für eine andere Wohnungspolitik einsetzen.“
Andrej Holm

Man bemerkt direkt in den Formulierungen, dass hier gezielt Angst und Hass in den Vordergrund gestellt wird.

Ganze Gruppen werden in eine „Opferrolle“ gedrängt. Dort sind sie für solch politisch motivierte Menschen eben auch leichter zu kontrollieren.

Das widerspricht zutiefst meinem selbstverantwortlichen Weltbild und allem, was ich in meinem jungen Leben über Erfolg, Glück und Zufriedenheit im Leben gelernt habe.

Ich stelle ungern Ferndiagnosen, aber ein Mensch, der so schreibt, so denkt und so handelt. Keine Alternativen für sich sieht, sich stets in der Opferrolle befindet, der kann nicht erfolgreich, glücklich und zufrieden werden. Weil er eben nie die Zügel in der Hand haben wird über sein ganzes Leben hinweg. Er wird sich immer als Spielball betrachten. In dem Moment, wo ich aber die Verantwortung an die Politik abgebe und das tue ich auch, wenn ich protestiere, gebe ich auch die Macht über meine eigene Situation an Dritte ab.

Ich kann dieses Weltbild in keiner Weise teilen und ich kann auch keinem Menschen auf diesem Planeten dazu ermutigen, so zu denken und zu handeln. Es ist der direkte Weg ins Unglück.

Insgeheim bin ich aber manchmal sogar ein Stück weit froh, dass es so viele – selbst gebildete – Menschen gibt, die ein so verkorkstes Weltbild haben. Denn dann weiß ich, dass ich selbst in meinem jungen Alter schon so einiges begriffen habe, das anderen noch verschlossen geblieben ist. Dass ich um einiges klarer sehe als so manch ein gestandener Erwachsener und dass ich mit meinem Wissen, meinem Tempo und meiner positiven Energie und Leidenschaft ganz entspannt an diesen Leuten vorbeiziehen werde. Auf meinem Weg zu einem glücklichen Leben.

„Die Rede ist von fingierten Modernisierungskündigungen, um einen Auszug zu provozieren. Wohnungseigentümer pochen auf ihren Eigenbedarf und versuchen, solvente Mieter nach Jahrzehnten aus ihren Wohnungen zu klagen. Man hört davon, dass Eigentümer, trotz erfolgter Nachzahlung eines umstrittenen Mietbetrags, eine Räumungsklage durchsetzen. Und nicht zuletzt gehören zum Mieter-Alltag Schimmel an den Wänden, Ratten im Treppenhaus, undichte Dächer und monatelang defekte Aufzüge in Hochhäusern.“
Andrej Holm

Oh mein Gott. In was für einer Horrorwelt lebt dieser Mensch.

Das Schöne ist doch, dass ich in meinem gesamten Umfeld sowas noch nicht ein einziges Mal gehört, gesehen oder erlebt habe. Und noch schöner ist es, dass das allesamt Fälle für die Justiz sind. Wenn diese Machenschaften nicht bestraft oder geahndet werden, dann ist das ein Problem der Justiz und nicht der Politik, der Mieter oder Investoren. Was ist das denn bitte wieder für ein billige Masche des Autors. Das geht wirklich gar nicht.

Somit ist das eines der wenigen Bücher, die ich streckenweise wirklich abbrechen und wegwerfen wollte. Das liegt nicht zuletzt an der Sprache des Autors. Sätze beginnen regelmäßig mit:

  • … die Rede ist von …
  • … man hört davon, dass …
  • … wer kennt sie nicht, die Geschichten über …

0 Sterne für eines der mit Abstand schlechtesten Bücher, die ich je in meinem Leben gelesen habe.

Ich entschuldige mich bei Alex Fischer, Florian Homm und Co. für die Kritik an ihren Büchern. Dieses Buch hier ist wahrhaft sch***e.


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