Psychologie der Massen

★★★★☆

PSYCHOLOGIE DER MASSEN von Gustave Le Bon ist ein historischer Klassiker aus dem Jahr 1911. Meiner Meinung nach sollte dieses Buch anstelle diverser NS-Standardbücher Pflichtlektüre an unseren Schulen sein, denn es untersucht den Kern der Lehre der Massen und Rassen sowie ihrer psychologischen Empfänglichkeit für Ideen und Führer. Nach einer wissenschaftlichen Einleitung widmet sich der französische Autor im Wesentlichen dem Einfluss von Religionen auf Massen und Individuen und zeichnet seine Annahmen an den politischen Entwicklungen im Zuge der französischen Revolution und der Herrschaft unter Napoleon. Auch unsere parlamentarische Demokratie wird untersucht und der Sozialismus noch vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs als Risiko erkannt und analysiert. Ich muss gestehen, dass das Buch aufgrund seiner gewählten Sprache wirklich nicht leicht zu lesen ist, aber das waren viele der Bücher in meiner Schulzeit ebenfalls nicht. Man hätte darüber hinaus den Inhalt auch ein wenig prägnanter fassen können, dennoch sollte es – wie eingangs schon erwähnt – zur Standard Lektüre für alle politisch Interessierten gehören.

Gustave Le Bon hat als höchst angesehener Psychologie-Wissenschaftler vor den beiden Weltkriegen über die Psychologie der Massen diverse Untersuchungen und Veröffentlichungen angestellt. Seine Theorien sah er damals schon in vergangenen Entwicklungen, wie der Französischen Revolution bestätigt. Da wusste er noch nicht, dass zwei Weltkriege folgen würden, von denen inbesondere der Zweite mitsamt der Nachbeben seine Theorien mehr als unterstreichen würden.

Im Grunde genommen ist sein Ansatz so einfach wie täglich sichtbar: Wir Menschen neigen dazu uns in Gruppensituationen anders – in der Regel offener, aktiver und aggressiver – zu verhalten, als alleine oder in Kleinstgruppen. Wer diesen Ansatz bezweifeln möchte, den verweise ich gerne auf die typischen Beobachtungen, die wahrscheinlich jeder von uns mal gemacht hat, wenn sich eine Gruppe Halbstarker durch die Straßen schleicht.

Gustave Le Bon geht aber noch einen Schritt weiter: Er behauptet nicht nur, dass wir uns mehr trauen, vielleicht auch über unsere eigenen Grenzen schreiten, sondern dass wir unsere halbe Identität an der Garderobe lassen. In seinen Beispielen führt dies dazu, dass ganz normale Bürger zu Mördern werden und ehrlich gesagt ist manches Verhalten von eigentlich friedlichen Familienvätern im Fußballstadion nicht weit davon entfernt, zumal wir heute in einer zivilisierteren Gesellschaft leben, als noch zu Zeiten der Französischen Revolution.

Der Autor stößt damit in die gleiche Kerbe der Sozialismuskritik, wie auch George Orwell, der ein paar Jahre nach ihm veröffentlicht hat. Diese beiden Bücher in Kombination sollten zum Grundstoff in unseren Schulen gehören, da ihre Erkenntnisse, in der Köpfen der breiten Masse, vielleicht die eine oder andere dunkle Periode verhindern hätten können.


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