★★★☆☆

SPEKULATIONSBLASEN von Rolf J. Dachkammer und Máté Facsar ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung historischer und möglicher aktueller Spekulationsblasen anhand der Anatomien nach Kindleberger und Minsky. Wer sich jetzt denkt, dass sich das zu wissenschaftlich anhört, den kann ich beruhigen, die Autoren beginnen das ganze Thema – sehr interessant und leicht verständlich geschrieben – mit einer historischen Betrachtung der Tulpenmanie, der Südseespekulationsblase, der Dotcom-Blase und etlicher weiterer Übertreibungen an den Kapitalmärkten. Dabei beschreiben sie diese allerdings nicht bloß trocken, wie man es auch im Netz selbst finden könnte, sondern arbeiten die Manien entlang ihrer Phasen auf und geben dem Leser somit eine Struktur mit auf den Weg, wie man solche Entwicklungen vielleicht bereits antizipieren könnte. Mit einer solchen Untersuchung der aktuellen Lage am Kapitalmarkt schließen sie dann auch, deren Ergebnis lasse ich jetzt aber mal offen. Das Buch ist auf jeden Fall für jeden zu empfehlen, der sich mal intensiver mit der Vergangenheit beschäftigen möchte und sich der „dieses Mal wird alles anders“ Mentalität entledigen möchte.

Kennst Du auch diese Menschen, die gar nicht schnell genug auf einen bereits mit Vollgas rasenden Zug aufspringen können, nur weil sie glauben das schnelle Geld zu machen. Genau von solchen Personen handeln die Geschichten rund um Spekulationsblasen. Dieses Buch ist vor allem ein Wink in die Richtung all der Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass sie immer und überall rational handeln. Ich hoffe, Du gehörst nicht zu diesen Menschen, denn das wäre einfach nur naiv. Ich kann mich noch an meinen Beitrag zu Daniel Kahnemanns Meisterwerk SCHNELLES DENKEN, LANGSAMES DENKEN*. Auf meinen Social Media Kanälen habe ich tatsächlich überall Kommentare von Lesern bekommen, die der festen Überzeugung sind, dass ihnen das nicht passieren könnte, dass ihr Verstand einer Verzerrung oder einer Anomalie zum Opfer fallen könnte. Sie waren fest davon überzeugt, dass sie immer im Vollbesitz ihres Verstandes sind. Und das obwohl Kahnemann bereits so schön schrieb:

„Wir sind unserer Blindheit gegenüber blind. Wir haben nur wenig Ahnung darüber, wie wenig wir wissen. Wir sind nicht dafür gemacht, zu wissen, wie wenig wir wissen.“ (Daniel Kahnemann)

Das diese Weisheit vom Nobelpreisträger Kahnemann bei etlichen – teilweise wirklich gebildeten – Menschen noch nicht angekommen ist, hat mich dann ein weiteres Mal bei der Buchvorstellung von PSYCHOLOGIE DER MASSEN von Gustave Le Bon* geschockt. Auch hier beharrten wieder so viele darauf, dass sie stets sie selbst seien und es keinen Einfluss auf sie und ihre Meinung hätte, wenn sie sich in einer größeren Gruppe befänden. Wie kann man sowas behaupten, dachte ich mir nur in diesem Moment. Ein jeder von uns wird sicher schon die Erfahrung gemacht haben, wie man sich in Gruppen stärker fühlt, manchmal sogar den Eindruck bekommt, mit der Menge zu gleiten und sich selbst ein wenig zu verlieren. Eben eins zu werden mit der Masse, wie es häufig sogar als schön und fast schon spirituell angesehen wird. Nun gibt es da draußen aber immer noch die Leute, die nicht wahrhaben wollen, dass sie sich häufig gar nicht bewusst sind, wenn sie wieder ein Stück weit aufgrund der äußeren Umstände beeinflusst wurden.

Warum schreibe ich nun so ausführlich darüber. Nun weil Rolf J. Dachkammer und Máté Facsar in ihrer wissenschaftlichen Ausfertigung zum Thema Spekulationsblasen eben genau solche Verhaltensweisen belegt haben. Sie haben es darüber hinaus auch noch handfest für uns in ein Schema verpackt, dass Du nutzten kannst, um aktuelle Phasen einzuordnen und vielleicht noch rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Um ein wenig zu spoilern: Im Grunde genommen durchlaufen Übertreibungen, Blasen und Spekulationen – wie auch immer man sie nun nennen möchte – immer in den gleichen Phasen. Diese zu erkennen sind wir zumeist nicht im Stande. Denn wenn wir drinstecken, dann ist unser Verstand nicht immer an unserer Seite. Nur wenn wir es schaffen ein wenig Abstand zu gewinnen und von außen rational zu beurteilen, haben wir eine Chance, die nächste Krise vielleicht bereits vor ihrem Knall zu erkennen und uns somit einiges an seelischem und monetärem Schmerz zu ersparen.


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