★★★★☆

DIE ANLEGER-DIÄT von Stefan Tremel* ist ein kleiner, humorvoller Ratgeber für Einsteiger:innen in das vermeintlich große und komplexe Thema des Investierens. Dem Autor ist es dabei wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse leicht verständlich aufzuarbeiten und den Leser:innen zu vermitteln. Er hält nichts von Guru-Strategien und vermeintlichen Finanzexpert:innen, sondern orientiert sich lieber an Tatsachen. Denn so wie die meisten Diäten zu keinem nachhaltigen Erfolg führen, sind auch die neusten Börsentipps in den Medien und sozialen Netzwerken häufig eher kontraproduktiv.

Trotzdem wissen wir, dass beide Themen extrem gut geeignet sind, um Reichweite und Status aufzubauen und deswegen wird es wohl in absehbarer Zeit keine Welt ohne falsche Versprechungen von Überrenditen ohne Mehraufwand und Abnehmen über Nacht geben. Exakt deswegen ist es besonders wichtig, dass sich mehr und mehr Einsteiger:innen von vornherein an fundierte Informationen halten und da ist das Buch von Stefan Tremel eine gute Anlaufstelle.

Denn er deckt nicht nur die Tricks der Finanzbranche auf, er baut auch ein erstes solides Gerüst, um tiefer in das Thema einsteigen zu können. Sein Ziel sind dabei schlanke Strategien für mehr Gewinn, denn auch wenn so viele immer von Über- und Wunschrenditen sprechen – die allermeisten in diesem Land erwirtschaften weit weniger als 4% per anno vor Steuern und Inflation und lassen damit unterm Strich viel und langfristig sogar extrem viel Geld liegen.

„Ernährungsdiäten und Investmenttipps weisen einige Gemeinsamkeiten auf: sie üben eine ungemeine Anziehungskraft aus und bringen doch keinen nachhaltigen Erfolg. Die immer wieder neuen, angeblich ‚sicheren und renditestarken‘ Finanzprodukte sowie die Flut von Finanznachrichten schaffen für Anleger mehr Verwirrung als Nutzen.“
Stefan Tremel

Wir erfahren in diesem Buch u.a.:

  • Wie wir Kostenfallen entdecken und diese vermeiden können.
  • Welche wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse wirklich wichtig sind, denn es besteht ein Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität.
  • Mit welchen zwölf Punkten eine effiziente, aber entspannte Geldanlagestrategie möglich ist.
  • Welche Qualitätskriterien für eine Anlageberatung auf Augenhöhe gelten und
  • Warum uns die eigene Psyche in Geldfragen immer wieder ein Schnippchen schlägt.

Wer mich schon länger verfolgt, weiß, dass das auch meiner Philosophie entspricht und im Grunde die logische Konsequenz ist, wenn man sich wirklich intensiv mit den Themen beschäftigt hat.

Das ist definitiv ein Buch für Privatanleger:innen, die sich vom Ballast unnötiger Investmenttipps befreien wollen und entspannt und erfolgreich investieren möchten. Wer nochmals tiefer in das Thema einsteigen möchte und konkrete Portfolio-Tipps sucht, sollte sich als Ergänzung SOUVERÄN INVESTIEREN von Gerd Kommer* vornehmen. Auch dieses Buch habe ich bereits rezensiert und du findest den Beitrag hier.

Leider weist die Finanzbranche tatsächlich erstaunliche Parallelen zur Ernährungsbranche auf.

Denn auch hier werden immer wieder neue, wahnsinnig großartige Produkte auf den Markt gebracht, die angeblich Sicherheit, maximale Rendite und minimalen Aufwand miteinander in einer perfekten Symbiose vereinen. Dass das nicht nur in der Regel, sondern beinahe ohne Ausnahmen viel zu schön ist, um wahr zu sein, sollte eigentlich jedem Menschen mit halbwegs klarem Verstand ersichtlich sein. Dennoch fallen immer noch viel zu viele auf solch billige Marketing-Versprechen herein, denn die Sehnsucht nach und Hoffnung auf den schnellen Erfolg ist eben immens. Und da glaubt man dann doch im Sinne von FOMO (fear of missing out, oder eben die Angst etwas zu verpassen) viel zu eifrig den vermeintlichen Börsenexpert:innen oder an den Traumkörper über Nacht.

In beinahe jeder Zeitung mit einem Wirtschaftsteil werden regelmäßig vermeintliche Geheimtipps für die Geldanlage präsentiert. Es findet sich immer irgendein/e „Experte/Expertin“ zum nächsten großen Thema, der/die seine Meinung zum Besten gibt und „wertvolle“ Insights mit uns teilt. Wir kennen wahrscheinlich alle die passenden Überschriften dazu: „10 Aktien, die sich bis Jahresende verdoppeln könnten.“, „Wasserstoff (kann beliebig ersetzt werden): Diese Aktien solltest du im Depot haben.“, und, und, und. Dahinter steckt nichts weiter als der Versuch, die Gier bzw. Angst in den Leser:innen zu wecken, dass sie entweder das schnelle große Geld machen könnten oder eben die Chance des Jahrhunderts verpassen.

Leider funktioniert das extrem gut und manche Magazine oder Blogs bauen sogar ihren kompletten Content darauf auf.

Traurig, dass das in unserer Welt überhaupt funktionieren kann und ein Beleg für fehlende finanzielle Bildung und kognitive Verzerrungen. Wenn du darüber mehr erfahren möchtest, dann kann ich dir nur Daniel Kahnemanns SCHNELLES DENKEN, LANGSAMES DENKEN* ans Herz legen. Hier kommst du zu meiner Rezension zum Buch.

Stefan Tremel kann vieles davon so gut beurteilen, weil er selbst Teil dieser Finanzindustrie war und am eigenen Leib zu spüren bekommen hat, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit zumeist auseinanderliegen.

„Im Jahr 2000 begann ich als Kundenberater bei einem großen auf Akademiker spezialisierten Finanzdienstleister und erlebte so das Platzen der Internetblase hautnah mit. Eine tiefe Verunsicherung bei vielen Anlegern war die Folge. In den sich anschließenden Jahren wurden uns Beratern von der Konzernleitung wechselnde Anlagekonzepte und Investmentideen vorgestellt, die jeweils ideale Ergebnisse für die Kunden erzielen sollten. Meist erfüllten sich die Versprechen jedoch nicht, und es wurde Zeit für die nächste Modewelle im Investmentbereich. Dies ist nichts Firmenspezifisches, sondern die übliche Verfahrensweise in der Finanzindustrie.“
Stefan Tremel

Heute beschäftigt er sich intensiv mit den Erkenntnissen der Wirtschaftswissenschaften.

Ein Bereich, der den „Macher:innen“ da draußen natürlich ein Dorn im Auge ist, denn „was weiß schon die Wissenschaft“ und „Theorie kann mit der Praxis“ doch nicht mithalten. Dass das natürlich absoluter Nonsens ist und du Menschen mit einem solchen Mindset meiden solltest, brauche ich hoffentlich nicht zu betonen.

„Als ich dann die Ergebnisse dieser Recherchen den Werbeversprechen der Banken und Investmentgesellschaften gegenüberstellte, ging mir so manches Licht auf. Ich verstand, warum die Ergebnisse für die Anleger häufig unbefriedigend waren und warum Finanzdienstleistungsunternehmen letztendlich oft kein Interesse daran haben, kosteneffiziente Konzepte für Endkunden umzusetzen.“
Stefan Tremel

Mit seinem Buch möchte er nun seine Erkenntnisse mit uns teilen und das auf kompakte und verständliche Art und Weise.

Es ist mit knapp 100 Seiten kein vollumfängliches Werk, aber es vermittelt die Grundzüge der Kapitalmärkte und soll den Leser:innen helfen zu verstehen und selbst einzuschätzen, welchen Einfluss die Finanzindustrie ausübt.

„Sie können diese Informationen für einen tieferen Einstieg in die Materie nutzen, wenn sie sich selbst um ihre Geldanlage kümmern möchten. Viele Hintergrundinformationen, Herleitungen und Beweise bleiben bewusst außen vor – hier sei jeweils auf das Literaturverzeichnis verwiesen.Wenn sie lieber einen qualifizierten Berater an ihrer Seite haben möchten, soll ihnen dieses Buch helfen, mit diesem auf Augenhöhe zu arbeiten und gezielt Fragen stellen zu können.“
Stefan Tremel

Für mich ein wirklich gelungener kleiner Ratgeber, der viele der wichtigsten Fragen rund um das Investieren klärt und sich mit der Wissenschaft und Börsengurus auseinandersetzt. Sehr empfehlenswert, insbesondere für Einsteiger:innen.


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