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STEUERN STEUERN von Johann C. Köber* ist wieder einmal eines dieser Bücher, das die meisten wohl bereits vom Titel her abschreckt. Steuern sind eben nicht das Lieblingsthema, egal ob angestellt oder selbstständig. Mir macht dieses Thema allerdings sogar Spaß und seit ein paar Jahren entwickle ich eine kleine Affinität zu diesem Thema. Schlichtweg, weil es um einiges komplexer und herausfordernder ist, als das allgemeine Thema Finanzen und Geldanlage und sich noch so viele Leute vor diesem Thema scheuen. Bekanntlich beste Voraussetzung, sich mehr Wissen als die Masse anzueignen und daraus Vorteile zu ziehen.

So kam auch dieses Buch in meine Sammlung. Selbst einige aus der Community haben es mir empfohlen und ich habe gerade das Gefühl, dass ich mir mal wieder keine Freunde machen werde mit dieser Rezension. Aber ihr solltet mich langsam kennen, ich bin offen und ehrlich. Dabei setze ich die Bücher stets ins Verhältnis zu all den anderen Werken, die ich bereits gelesen habe und mache mir natürlich auch ausgiebig Gedanken darüber, wer könnte Adressat dieses Buches sein und welches anwendbare Wissen könnte er mitnehmen.

STEUERN STEUERN von Johann C. Köber* wird von so vielen schon fast als heiliger Gral der Steuerliteratur angepriesen, sodass ich ganz gespannt war. Ich bin bei sowas dann stets ein wenig vorsichtig und muss gestehen, dass die ungute Vorahnung sich bewahrheitet hat. Unter Berücksichtigung der Adressaten dieses Buches, ihrer Probleme und der anschließend zwangsläufig notwendigen Umsetzungsschritte, macht dieses Buch für einen stolzen Preis von knapp 50 EUR für mich keinen Sinn. Aber dazu später mehr.

Schauen wir zunächst einmal, was uns der Autor mit diesem Buch verspricht:

Durch das Buch soll der Leser die richtige Steuer-Strategie verstehen und umsetzen lernen, mit der er zu Vermögen und Wohlstand kommt. Das klingt auf den ersten Blick sehr vielversprechend!

„Warum bezahlen reiche Menschen und große Unternehmen wenig Steuern und Abgaben? Und weshalb kassiert der Fiskus bei mittleren Einkommen wie dem Ihren so kräftig? Die Antwort lautet: Die großen steuern ihre Steuern selbst und die Kleinen werden gar nicht erst gefragt.“
Johann C. Köber

Es beginnt allerdings gleich mit solchen Zitaten, die man einfach nicht unkommentiert stehen lassen kann. Je nachdem, wie man es betrachtet ist es nämlich entweder unvollständig oder sogar falsch. Die reichen und großen Unternehmen bezahlen nicht wenig Steuern und Abgaben. Sie zahlen lediglich prozentual weniger als ein sehr gut verdienender Angestellter, aber eben nicht absolut. Darüber hinaus wird ein Durchschnittsverdiener in Deutschland nicht einmal in der ungünstigsten Konstellation selbst prozentual so viel Steuern zahlen wie ein sauber strukturiertes GmbH Konstrukt.

Das ist einfach nur populistischer Blödsinn, mit dem zum einen Stimmung gemacht und zum anderen die eigenen Buchverkäufe angekurbelt werden sollen.

Mein Vater ist Steuerberater und er würde so einen Unfug niemals erzählen, weil er weiß, dass man hier nicht nur Äpfel mit Birnen vergleicht, sondern gezielt Genauigkeiten wie absolut und prozentual aus den Formulierungen herauslässt, um Emotionen zu wecken.

Ich muss nicht alles besitzen, solange ich die Kontrolle darüber ausübe.“
Johann C. Köber

Mit diesem Zusatz erkennt man dann relativ zügig, worum es in diesem Buch gehen soll. Es richtet sich ausschließlich an selbstständige Einzelunternehmer oder GbRs, die durchschnittlich stets über 40.000 EUR zu versteuerndem Jahreseinkommen pro Kopf liegen. Für diese Personen lohnt sich der Gang zum Steuerberater, um die Umwandlung in eine GmbH anzustreben und damit die Gesamtsteuerlast zu reduzieren. Wer weniger verdient oder sehr schwankende Jahreseinkommen hat, für den lohnt es sich wiederum nicht, da die Kosten und Aufwände, die mit einer solchen Struktur einhergehen den steuerlichen Vorteil wieder aufzehren würden. Bei Finanzfluss war zuletzt bei YouTube ebenfalls ein Steuerberater zu Gast, der diese Grenze sogar auf 56.000 EUR zu versteuerndem Einkommen erhöhte. Für ihn macht es vorher keinen Sinn. Hier kommt ihr zum letzen Teil der Videoreihe.

Demnach eine sehr spitze Zielgruppe, die der Autor hier anspricht. Grundsätzlich ist das für mich kein Problem, sondern eher erstrebenswert.

Problematisch sehe ich dann aber ebenfalls sehr populistisch getriebene Aussagen wie diese hier:

„Viele Menschen haben kaum Geld übrig, das sie beiseitelegen können. Neben Miete, Kreditraten oder Konsumausgaben schlagen vor allem Steuern und Abgaben zu Buche.“
Johann C. Köber

Diese Aussage ist im Grunde richtig, aber in diesem Zusammenhang ist sie einfach komplett unpassend. Die Tipps und Strategien dieses Buches sind nicht umsetzbar für Menschen, bei denen auf dem Konto stets mehr Monat als Geld ist. Sie sind nur für sehr gut verdienende Selbstständige umsetzbar, die aufgrund ihrer gut laufenden Selbstständigkeit in eine hohe Steuer- und Abgabenlast gerutscht sind.

Das möchte ich an dieser Stelle nochmal unterstreichen. Hier wird suggeriert, dass viele Menschen aufgrund der hohen Steuer- und Abgabenlast am Ende des Monats nichts mehr haben, das sie zur Seite legen können. Aber das ist absoluter Unfug.

Leute, die am Ende des Monats nichts mehr zur Seite legen können, haben in der Regel keine hohe Steuer- und Abgabenlast und hätten sie eine und wären trotzdem am Ende des Monats komplett blank, dann liegt das wohl vielmehr an einem dekadenten Lebensstil.

Diesen Leuten empfehle ich das Buch BRAUCHST DU DAS WIRKLICH von Pierre-Yves McSween* und RENTE MIT 40 von Florian Wagner*. Über letzteres Buch findest du auch hier eine Rezension von mir.

„Doch auch Sie als Durchschnittsverdiener können Ihren Vermögensaufbau über eine Kapitalgesellschaft wie zum Beispiel eine GmbH organisieren und sich damit Gestaltungsspielräume verschaffen. Über diese Gesellschaft lässt sich wiederum der Vermögensaufbau mit Aktien oder Immobilien steuersparend realisieren.“
Johann C. Köber

Ebenfalls richtig und dennoch merkt man, dass der liebe Herr Köber in Sphären unterwegs ist, in denen ein Steuerberater ohnehin mehr als sinnvoll wäre. Halten wir mal kurz fest: Ein Durchschnittsverdiener wird nur dann seinen Vermögensaufbau über eine Kapitalgesellschaft steuersparend realisieren können, wenn er:

1) sein zu versteuerndes Einkommen als Selbstständiger dauerhaft >56.000 EUR beträgt und bereits eine Kapitalgesellschaft gegründet hat oder diese noch gründen wird;

2) das anzulegende Vermögen in der vermögensverwaltenden GmbH >1.000.000 EUR betragen wird,

3) und/oder es sich hierbei um eine Immobilie handelt und von sehr hohen zu versteuernden Überschüssen zu rechnen ist.

In allen anderen Fällen ist dieses Konstrukt nicht sinnvoll.

Dazu kann ich euch auch nochmal das Video mit Christoph Juhn empfehlen. Oder wenn es in Richtung Immobilien gehen soll, die Steuerserie Tax and the Cities von Immocation mit Martin Richter.

Darüber hinaus finde ich es interessant, wie sinnfrei an dieser Stelle nochmal der Kommentar zu Leuten war, die aufgrund der hohen Steuerlast nichts sparen können. Wir reden hier nicht über Durchschnittsverdiener, für die dieses Konzept sinnvoll ist, sondern durchweg von Besser- wenn nicht sogar Spitzenverdienern. Denn erst nach oben hinaus macht dieses Konzept wirklich Spaß.

Lass euch bitte nicht blenden, dass insbesondere für mittlere Einkommen eine GmbH Struktur auf einmal zu mehr Geld in der Tasche führt.

Das Buch ist somit rein gar nichts für Menschen, die an keinem eigenen Unternehmen interessiert sind. Privatpersonen, die ein Leben als Angestellte führen und das auch so beibehalten wollen, werden mit diesem Buch nicht glücklich. Auch nicht, wenn sie langfristig in Immobilien investieren wollen.

Johann Köber zeigt mithilfe der ‚drei-Säulen-Strategie‘ wie sich Ihre persönliche Steuerlast nachhaltig senken lässt. Weil sich die gesparten Steuern aber auch zu einem kleinen Vermöge summieren, wirft er zudem einen Blick auf die Geldanlage und wie sich Ihre geschaffenen Vermögenswerte wirksam schützen lassen.“
Text aus dem Einband zu STEUERN STEUERN von Johann Köber

Was erwartet dich also inhaltlich beim Buch:

  • Im ersten Abschnitt zeigt der Autor, wie sich die Höhe der Steuern und Abgaben errechnen lässt.
  • Im zweiten Abschnitt erläutert er die Regeln, die nachher zu einer geringeren Besteuerung verhelfen. Insbesondere eben die unterschiedliche Besteuerung von Kapital- und Personengesellschaften, sowie die Ausnutzung von Freibeträgen bei persönlicher Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und Co.
  • Und im letzten Abschnitt beschreibt er, wie Du die geschaffenen Vermögenswerte wirksam schützen kannst.

Steuern sind kein Buch mit 7 Siegeln. Solltest du erfolgreicher Unternehmer sein und durchweg mehr als 56.000 EUR zu versteuerndes Einkommen erwirtschaften (nicht Umsatz!), dann macht es für dich ohnehin Sinn, Dich mal mit einem guten Steuerberater zusammenzusetzen. Dieser wird Dir all die vermeintlichen Tipps und Tricks aus diesem Buch näher bringen, die ein Martin Richter bei Immocation übrigens auch kostenlos bei YouTube vermittelt. Hier geht es nochmal zum ersten Teil der Serie. Auch den YouTube Kanal von „Steuern nein danke“ und „Steuern mit Kopf“ kann ich an dieser Stelle empfehlen. Aber am Ende ist es ohnehin Dein persönlicher Steuerberater, der für die Umsetzung verantwortlich ist. Hast Du das Gefühl, dass er ein Wald-und-Wiesen-Berater ist, dann such Dir einen besseren, der im Idealfall in Deinem Bereich spezialisiert ist, aber Du brauchst mit Sicherheit als Unternehmen nicht solche Bücher lesen.

Wenn Du unter diesen Beträgen liegst oder dein Geld als Angestellter verdienst, dann kann ich Dir uneingeschränkt KONZ: 1000 GANZ LEGALE STEUERTRICKS von Franz Konz* empfehlen. Zu diesem Buch habe ich auch hier bereits eine Rezension geschrieben. Für Deine private Einkommenssteuererklärung ist dieses Buch super.

Und um das nochmal auf den Punkt zu bringen, was mich an diesem Buch stört:

In dem Moment, wo du das Wissen aus diesem Buch brauchst, kannst du es nicht umsetzen, weil du für die Umsetzung einen Steuerberater benötigst (per Gesetz!). Dieser könnte dir das Wissen allerdings ebenfalls vermitteln, es maßgeschneidert auf dich anwenden und direkt umsetzen. Du müsstest Dich nicht tief in die Materie hineindenken, denn wenn dieses Wissen für Dich nötig ist, dann hast Du bereits gelernt, Deine Zeit gewinnbringender in Deinem Business zu investieren.

Und erfüllst Du all die oben genannten Kriterien nicht, dann brauchst Du dieses Wissen nicht, denn es würde Dich mehr kosten, als das es bringt. Und dann sind die 50 EUR doch schon ziemlich happig.

So frage ich mich: Für wen ist dieses Buch eigentlich gedacht? Für die Menschen, die ihrem Steuerberater nicht vertrauen oder für angehende Steuerberater? Für Dich und mich ist es auf jeden Fall gar nichts und somit nicht zu empfehlen.

Zwei Sterne erhält es dennoch, weil das vermittelte Wissen grundsätzlich richtig ist und das Buch einen soliden Eindruck macht. Aber Preis-Leistung stimmt vorne und hinten nicht.


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