Gierig, verliebt, panisch

★★★★★

GIERIG, VERLIEBT, PANISCH von Jessica Schwarzer ist wirklich eines der besten Einsteigerbücher für Privatanleger an der Börse, das ich jemals gelesen habe. Ganz entscheidend bei dieser Beurteilung ist mir, dass die Autorin über fundiertes Fachwissen verfügt. Sie kommt nicht aus der DIY Ecke, sondern hat viel gelesen, recherchiert und über jahrelanges Engagement rund um die Börse gelernt. Dementsprechend sind ihre Aussagen auch wissenschaftlich belegbar, was sie in ihrem Buch auch mit Quellverweisen auf hochwertige Literatur beweist. Dabei überlädt die Autorin die Börsenanfänger nicht mit unnötig tiefem Fachwissen, sondern liefert genau das benötigte Rüstzeug, um anfangen zu können. Einleitend beschreibt sie, dass selbst absolute Börsenexperten sich vor ihren Emotionen schützen müssen. Damit schlägt sie in dieselbe Kerbe, wie bereits Daniel Kahnemann. Sie geht dabei aber nicht so sehr ins Detail wie der Nobelpreisträger und versucht es leicht verständlich und für den Privatanleger praktikabel auf 10 unterschiedliche Beispiel-Investoren zu übertragen – vom „Gierigen“, über den „Hektischen“ bis hin zum „Panischen“. Hier finden sich kurze prägnante Einblicke in die Verhaltensökonomik. Bei den Auswirkungen der Charakterzüge auf die Performance der Anleger wird es dann richtig interessant. Wichtige Erkenntnisse aus diesem Buch sollten sein, dass Fehleinschätzungen nicht zwangsläufig etwas mit Selbstüberschätzung oder Unwissen zu tun haben, sondern vielmehr mit unserem Harmoniebedürfnis unseren eigenen Entscheidungen gegenüber und dass uns deutsche Investoren scheinbar nur die Extreme von Sparen oder Spekulieren reizen. Somit bildet dieses Buch ein solides Fundament über die Gefahren und Herausforderungen, denen ein Anleger begegnen wird und gibt als Bonus in den letzten Kapiteln auch noch Schritt für Schritt Anleitungen, wie man den Weg an den Kapitalmarkt findet. Natürlich bewegt sich die Autorin dabei auf großer Flughöhe, aber dennoch in ausreichender Nähe, dass danach die wesentlichen Fragen geklärt sein sollten und man mit dem entspannten Investieren beginnen kann.

Immer wieder fragen mich viele, warum ein Großteil der Finanzbuchautoren männlich ist und meine erste Reaktion ist immer, „warum nicht“. Ich habe mir ehrlich gesagt lange darüber überhaupt keine Gedanken gemacht, weshalb auch. Ich denke nicht in Schubladen und ich hoffe Du genauso wenig. Ob nun ein Buch oder ein Blog von einem Mann oder einer Frau geschrieben bzw. betrieben wird, ist für mich absolut zweitrangig. Viel wichtiger ist doch der Inhalt und die Form.

Aus dieser ganzen Diskussion heraus rührt für mich eine sehr große Gefahr: Ich habe die Angst, dass mit der Zeit die Qualität des Inhalts noch weiter in den Hintergrund rücken könnte und es viel wichtiger ist, dass ein Buch in der Männerdomäne Finanzen von einer Frau geschrieben wurde, als auf den Inhalt zu schauen. Leider habe ich das Gefühl, dass das eine oder andere Buchprojekt genau aus dieser Intention heraus entstanden ist.

Mir persönlich ist es stets wichtig, dass die Person, die das Buch geschrieben hat, den Inhalt auch selbst verkörpert. In diesem Zusammenhang kann man eine Jessica Schwarzer positiv hervorheben. Denn bei Ihr kam das Wissen vor dem Buch und wir sprechen hierbei über jahrelanges und fundiertes Wissen. Andere betreiben 2 Jahre einen DIY-Finanzblog und veröffentlich dann bereits mit gefährlichem oder lückenhaften Finanzwissen ein Buch. Sowas kann ich nicht unterstützen und werde solche Projekte auch nicht positiver bewerten, nur um eine Frauenquote zu pushen.

Ja, es ist mir auch aufgefallen, dass eine Vielzahl der Autoren männlich ist, aber ehrlich gesagt stört es mich nicht, es macht mich traurig: Ich bin der Überzeugung, dass wir Frauen selbst dran Schuld sind, wie sollte es auch anders sein. Die Männer hindern uns heutzutage nicht daran. Damals war es vielleicht anders, aber ich bin nicht in 1970 geboren, sondern deutlich später und sehe ehrlich gesagt immer noch dieselben Muster unter meinen Freundinnen.

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus spalten sich 90 % der Frauen in zwei Gruppen mit spezifischen Verhalten hinsichtlich Geldes und Vermögen:

Die erste Gruppe verpönt Geld, Finanzen und alles was mit Zahlen zu tun hat. Diese Gruppe fokussiert sich auf die zwischenmenschlichen, natürlichen und sozialen Dinge im Leben. Die Abneigung gegenüber Vermögen wird durch die Unwissenheit und Medien bestärkt. Solche Frauen würden niemals ein Finanzbuch in die Hand nehmen, weil das nur von gierigen Menschen geschrieben wurde, die beschreiben, wie man anderen am besten das Geld aus der Tasche zieht. Stattdessen lesen sie lieber einen Roman oder Thriller und diskutieren stundenlang mit ihren Freundinnen. Diese Frauen werden in ihrem Leben niemals zu einem nennenswerten Vermögen kommen.

Die zweite Gruppe schmeißt das Geld raus. Sie hat keine Abneigung gegenüber Geld. Aber es ist für diese Frauen ein Mittel zum Zweck, um sich all die schönen Dinge zu kaufen, die gerade angesagt sind. Leider musste ich mich selbst lange Jahre zu dieser Gruppe zählen und weiß genau, wie diese Frauen denken. Sie leben im Hier und Jetzt und geben liebend gern das Geld der nächsten Jahre aus, nur um mit dem Trend zu gehen und mit ihren Freundinnen über Materielles zu sprechen. Diese Frauen lesen in der Regel gar nicht und surfen lieber auf Online Shops. Somit wird auch diese Gruppe niemals Wissen im Bereich Finanzen und ebenfalls kein Vermögen aufbauen.

Im Alter geht es beiden Gruppen gleich. Sie haben beide nichts Nennenswertes aufbauen können und ihre Kinder durften wieder bei Null starten. Sie müssen sich wohlmöglich finanzielle Sorgen machen, sollten ihre Eltern zu Pflegefällen werden. Beide Gruppen werden – wenn sie ehrlich zu sich selbst sind – tausende offene Wünsche und Träume haben, die sie nie erreichen werden. Da sie nun alt und gebrechlich sind, ihr ganzes Leben lang im Hamsterrad des 9 to 5 Jobs steckten und im Alter finanziell gerade über die Runden kommen. Sie werden sagen, dass das nicht möglich war, weil sie nicht genug verdient haben. Solche Menschen neigen häufiger zu Selbstmitleid und einem Hang, alles als ungerecht abzustempeln.

Nur knapp 10 % haben verstanden, dass es nicht davon abhängt, wie viel man verdient und wie viel Geld man hat. Und es auch nichts mit Gier zu tun hat und die Reichen nicht durch Betrug an ihr Geld gekommen sind. Diese Frauen leben ein deutlich glücklicheres Leben und geben der nächsten Generation ein solides Wissen mit.

Bei den Männern sieht das ein wenig anders aus. Vielleicht interessieren sie sich nicht aus den redlichsten Gründen für Finanzen, aber sie eignen sich ein deutlich breiteres Wissen an. Damit kontrollieren sie in gewisser Weise uns Frauen, weil viele in finanzieller Abhängigkeit vom Partner leben und häufig der Mann „Herr der Finanzen“ ist.

Ich bin der Überzeugung, dass die richtigen Bücher helfen können, dieses Verhältnis zu ändern. Und ich möchte dazu animieren diese Bücher zu lesen.


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