Ein Must read für Journalisten, Politiker und Studenten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchten.
Karriere & UnternehmertumPolitik

Wundermittel 4-Tage-Woche?

by
★★★★☆

WUNDERMITTEL 4-TAGE-WOCHE? von Guido Zander* ist ein Buch, das sich kritisch mit dem aktuellen Hype um die 4-Tage-Woche auseinandersetzt. Der Autor ist Arbeitszeitexperte und geschäftsführender Partner bei der SSZ Beratung. Er legt besonderen Wert darauf, die 4-Tage-Woche realistisch und differenziert zu betrachten. Für mich unglaublich wertvoll, da die öffentlichen Diskussionen über dieses Thema zunehmend ideologisch geführt werden. Häufig fehlen klare Begriffserklärungen, worüber man überhaupt spricht, und der Blick für Alternativen. / Anzeige

Das Buch bietet eine wirklich umfassende Analyse der Chancen, Risiken, Grenzen und vor allem flexiblen Alternativen zur 4-Tage-Woche.

Es legt nahe, dass wir aktuell viel zu häufig Statistiken und Studien aus dem Zusammenhang reißen. Begrifflichkeiten werden fälschlicherweise über einen Kamm geschoren und alles in denselben Topf geworfen. Zumeist, weil diese Fragmente dann in die eigene politische Agenda passen. Doch natürlich ist das nicht angemessen. So sollten wir nicht über ein solch interessantes und wichtiges Thema wie die Arbeitszeitgestaltung diskutieren.

Umso relevanter ist dieses Buch meiner Meinung nach für all jene, die sich öffentlich zu diesem Thema äußern wollen. Sowohl Politiker als auch Journalisten und Hobby-Bundeskanzler vom heimischen Stammtisch sollten es gelesen haben. Denn am Ende ist nicht entscheidend, ob die Quintessenz zu unserer politischen Agenda passt. Sondern wir müssen gemeinsam sinnvolle Weichenstellungen für die Zukunft treffen.

Im ersten Teil seines Buches führt Guido Zander durch verschiedene Typen der 4-Tage-Woche, die bereits getestet oder gelebt werden.

Von Arbeitszeitverdichtung bis hin zu Arbeitszeitreduktion mit und ohne Lohnausgleich gibt es durchaus deutliche Unterschiede. Da pauschal von „einer“ 4-Tage-Woche zu sprechen, greift nicht nur zu kurz, sondern verwässert den kompletten Diskurs.

Er beleuchtet die Voraussetzung, die Unternehmen mitbringen sollten, um die 4-Tage-Woche erfolgreich umzusetzen, darunter Bedarfstyp, Betriebszeit, Schweregrad der Tätigkeit usw. Zudem beschreibt er die möglichen Auswirkungen auf die Produktivität der Mitarbeiter. Aber auch ihre Zufriedenheit, Krankenquote, Arbeitgeberattraktivität, Fachkräftemangel, Erwerbsquote von Frauen und Energiebedarf. Allein durch all diese unterschiedlichen Wirkketten wird deutlich, wie komplex und individuell sich dieses Thema in jedem Unternehmen darstellt.

Im zweiten Teil des Buches prüft und analysiert er drei bedeutende Studien zur 4-Tage-Woche auf Herz und Nieren:

Microsoft Japan, Island und die bekannte UK-Studie. Guido Zander zieht dabei ein differenziertes Fazit der Studienlage. Und er zeigt auf: Die Ergebnisse sind nicht nur nicht pauschal auf alle Unternehmen übertragbar. Sondern sie werden mitunter im öffentlichen Diskurs auch vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen.

4-Tage-Woche ist schlichtweg nicht 4-Tage-Woche. Damit die Umsetzung zum Erfolg im Unternehmen wird, sind vor allem die Faktoren der Ausgestaltung entscheidend. An unzähligen Stellen belegt der Autor, dass gerade das aus den Studien herauszulesen ist. Für jede Studie wird aber auch nochmals separat zusammengefasst, was man aus ihr entnehmen kann und was eben auch nicht.

„Über die 4-Tage-Woche wird derzeit wieder auf vielen Ebenen diskutiert. Studien aus Island, Japan und dem Vereinigten Königreich zeigen, welche immensen Vorteile mit der 4-Tage-Woche verbunden sind. Glaubt man den Medien, bedeutet deren Einführung automatisch astronomische Produktivitäts- und Umsatzzuwächse, glückliche, nie mehr kündigende und gesunde Mitarbeiter sowie super zufriedene Kunden. […]

Leider haben sich die wenigsten Leser und Journalisten die Mühe gemacht, sich differenziert mit den Ergebnissen der unterschiedlichen Studien zur 4-Tage-Woche zu beschäftigen. Denn wenn man das macht, sich die Details der Studien ansieht, sind die vielen Vorteile einer 4-Tage-Woche nach wie vor unbestreitbar, aber die Ergebnisse stellen sich dann doch ganz anders dar.“
Guido Zander

Der dritte Teil des Buches präsentiert alternative bzw. ergänzende Ansätze zur 4-Tage-Woche.

Diese sind womöglich sogar flexibler und können ähnlich positive Effekte auf die oben bereits skizzierten Parameter haben. Vor einiger Zeit habe ich bereits ein anderes Buch über die 4-Tage-Woche rezensiert und mir eben genau diesen Diskurs gewünscht. Denn für mich ist nichts sinnfreier, als sich in den Überlegungen vollständig auf eine 4-Tage-Woche zu versteifen. Dabei verliert man womöglich viel sinnvollere Alternativen aus dem Blick. 4 Tage Woche von Martin Gaedt* hatte deswegen von mir auch „nur“ 3 Sterne und damit ein „gut“ erhalten. Hier kommst du zu meiner Rezension.

Guido Zander macht insbesondere das entscheidend besser. Er schreibt nicht nur auf dem Backcover, dass er das Thema differenziert betrachten möchte, sondern er tut es auch. So öffnet er den Blick z. B. für Arbeitszeitflexibilisierungen, Homeoffice, Remote Work. Und auch all die weiteren Vehikel, mit denen Unternehmen nicht nur die Produktivität, sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit heben können.

Bei Martin Gaedt hatte ich vor allem einen Faktor kritisch hervorgehoben:

Ich halte rein gar nichts von einer reinen Komprimierung der Arbeitszeit auf 4 Arbeitstage in einer Woche. Gerade mit Blick auf Publikationen wie Die Intervall-Woche von Lothar Seiwert und Sylvia Sperling* oder Die 7 Wege zur Effektivität von Stephen Covey*. Hier und hier kommst du zu meinen Rezensionen.

8 Stunden oder gar länger am Stück oder nur mit geringen Pausen aktiv sein? Das scheint mir in vielen Berufen mit Blick auf die Produktivität und weitere Faktoren kaum sinnvoll zu sein.

Wie Guido Zander zeigt, kann und wird beispielsweise die Arbeitszeitflexibilisierung als Alternative bereits in verschiedenen Branchen gestaltet und umgesetzt.

Dabei geht er auf verschiedene Parameter und Vorgehensweisen ein, die bei einer Umsetzung zu berücksichtigen sind. Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen illustrieren die Vielfalt der möglichen Ansätze.

„In der Presse wird pauschal über die 4-Tage-Woche gesprochen, selten aber über deren Ausgestaltung. Dabei ist gerade die Ausgestaltung fundamental wichtig für die Bewertung der Vor- und Nachteile einer 4-Tage-Woche, sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeiter. Denn es macht einen erheblichen Unterschied, ob man in 4 Tagen 40 oder 32 Stunden arbeitet, um nur 2 mögliche Beispiele zu nennen. Daher werde ich in diesem Kapitel die unterschiedlichen Möglichkeiten für die Definition einer 4-Tage-Woche beschreiben.“
Guido Zander

Das Fazit des Autors ist klar:

Er kritisiert nicht die 4-Tage-Woche an sich, sondern den undifferenzierten Hype darum. Guido Zander ist kein Gegner der 4-Tage-Woche. Vielmehr appelliert er an Unternehmen und Gesellschaft, eine realistische und für Alternativen offene Betrachtung vorzunehmen. Er bestätigt, dass die positiven Effekte einer 4-Tage-Woche real sein können. Aber sie hängen eben maßgeblich von der spezifischen Umsetzung ab. Unternehmen sollten seiner Meinung nach flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter, Kunden und Branche eingehen und individuelle Lösungen finden.

Einen pauschalen, von oben aufgestülpten Ansatz empfindet er – genauso wie ich im Übrigen ebenso – als zumindest zweifelhaft.

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:

Guido Zander ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker und seit dem Jahr 1995 im Bereich Arbeitszeit und Workforce Management tätig. Er hat sich darauf spezialisiert, Unternehmen bei der effizienten Gestaltung ihrer Arbeitszeitmodelle zu beraten. Seit dem Jahr 2005 ist er geschäftsführender Partner bei der SSZ Beratung.

Im Jahr 2023 wurde Guido Zander vom Personalmagazin als einer der 40 führenden HR-Köpfe ausgezeichnet.

„In diesem Buch geht es nicht darum, die 4-Tage-Woche schlecht zu machen, denn bestimmte Effekte sind unbestreitbar positiv. Es geht aber darum, die 4-Tage-Woche realistisch, nüchtern und differenziert mit allen Vor- und Nachteilen zu betrachten. Denn die undifferenzierte Darstellung führt schnell dazu, dass Gewerkschaften pauschal die 32-Stunden-Woche mit 4 Tagen bei vollem Lohnausgleich fordern […].“
Guido Zander

Aber selbstverständlich möchte ich neben dem Inhalt auch auf die weiteren Merkmale des Buches eingehen.

Zunächst einmal ist das Buch wirklich gut gebunden. Hier hat der Haufe Verlag gezeigt, dass man auch sehr dünne Bücher schön binden kann. Und zwar ohne mit einem überdimensionierten Hardcover-Einband etwas vorzugeben, was nicht existent ist. Erst kürzlich hatte ich da einige Negativbeispiele auf dem Schreibtisch.

Der geringe Umfang von knapp 120 Seiten ist für mich zunächst einmal kein negativer Punkt. Stattdessen habe ich vielmehr das Gefühl, dass Guido Zander sich nicht in unnötige Schwafeleien verirrt, sondern gezielt argumentiert. Und natürlich ist es auch ein sehr spezielles und spitzes Thema. Er schreibt ziemlich geradeaus und vor allem differenziert. Eigenschaften, die im politischen Umfeld leider nicht immer unbedingt gegeben sind.

Auch die Papierqualität hat mir sehr gut gefallen. Das Inhaltsverzeichnis ist schön strukturiert und zeigt, wie vielschichtig der Autor sich dem Thema genähert hat. Spannend fand ich auch, dass das erste Vorwort von Thomas Sattelberger stammt. Ein sehr sympathischer Mann, von dem ich erst kürzlich ebenso ein Buch rezensieren durfte und für sehr gut befunden habe. Hier kommst du zur Rezension.

Mein größter und im Grunde genommen einziger Kritikpunkt ist der Preis des Buches.

29,99 EUR sind wirklich eine Ansage für weniger als 130 Seiten Softcover. Zwar hat das Buch ein wissenschaftliches Fundament und ist mehr Fach- als Sachbuch. Dennoch hätte man es locker für den halben Preis anbieten können, wenn nicht sogar müssen. Mir ist bewusst, dass der Haufe Verlag ähnlich wie Springer Gabler nicht unbedingt für preiswerte Bücher bekannt ist. Aber etliche Leser könnten schon enttäuscht sein, wenn sie das Buch online für 29,99 EUR bestellen und anschließend ein – salopp gesagt – kleines Heftchen geliefert bekommen.

Trotzdem bleibt es für mich ein sehr gutes Buch. Meiner Meinung nach ein Must read für Journalisten, Politiker und Studenten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchten. Allerdings sollten die Leser vorher wissen, dass es eben stärker Fach- als Sachbuch ist. Deshalb sollte man keine ausgefallene Gestaltung im Inneren erwarten. Es ist vor allem eines: sauber strukturiert. Eben wie eine gute Studienarbeit. Das ist aber kein Kritikpunkt.

Insgesamt bietet Wundermittel 4-Tage-Woche einen tiefen und vor allem breiten Einblick in verschiedene Facetten der 4-Tage-Woche.

Guido Zander beleuchtet Chancen und Risiken und stellt praxisnahe Alternative und Ergänzungen vor. Damit liefert er eine fundierte Grundlage für informierte und eben weniger emotionale Diskussionen über die Arbeitszeitgestaltung der Unternehmen der Zukunft.

„Mein Fazit ist, dass es sich für jedes Unternehmen lohnt, sich mit dem Thema Arbeitszeitverkürzung in Verbindung mit Arbeitszeitflexibilisierung zu beschäftigen. Die positiven Effekte sind so stark, dass man sie nicht ignorieren kann. Und gerade in Zeiten des Fachkräftemangels hat man als Unternehmen mit flexiblen und nicht zu belastenden Arbeitszeitmodellen entscheidende Vorteile beim Halten und Finden von Beschäftigen. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, spricht auch nichts gegen die Einführung einer 4-Tage-Woche, in welcher Ausprägung auch immer. Allerdings kann die 4-Tage-Woche nur eine von vielen Möglichkeiten sein, sich dem Thema Arbeitszeitverkürzung zu nähern. Und man sollte auch nicht vergessen, dass es nach wie vor Mitarbeiter gibt, die auch gerne 5 Tage arbeiten und dafür mehr verdienen wollen. Daher kann die Lösung nicht darin liegen, eine unflexible 5-Tage-Woche zwangsweise durch eine unflexiblen 4-Tage-Woche zu ersetzen, sondern eine Auswahl an unterschiedlichen Optionen und Modellen zu schaffen, aus denen die Mitarbeiter je nach Präferenz wählen können.“
Guido Zander

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