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FINANZHACKS FÜR BERUFSEINSTEIGER von Dominik Fecht* ist eines dieser lieben Self-Publishing Bücher, denen ich regelmäßig immer wieder eine Chance gebe. Denn auch in diesem Bereich gibt es einige versteckte Bücher, die ihr Geld wert sind. Die Autoren haben schlichtweg, aus welchem Grund auch immer, nicht in einem richtigen Verlag publiziert.

An dieser Stelle möchte ich aber nochmal jedem dazu raten, das erste Buch in einem renommierten Verlag zu veröffentlichen.

Allein die höheren Anforderungen bei der Einreichung deines Buchkonzeptes werden Dich dazu motivieren, intensiver an Deiner Struktur und Deinem Wording zu arbeiten. Selbst wenn Du es nicht schaffst, in einem renommierten Verlag unter zu kommen, wird allein der Versuch, dein späteres Werk bereits deutlich aufgewertet haben.

Dem Untertitel dieses Buches kann man bereits entnehmen, dass es sich explizit an Berufseinsteiger richtet und eben das Wissen vermittelt werden soll, dass wir eigentlich schon bereits in der Schule hätten lernen sollen.

Leider haben wir das in der Regel dort nicht vermittelt bekommen. Dementsprechend gibt es hier einen Batzen an wichtigen Themen aufzuarbeiten, die bislang auf der Strecke blieben. Aber: Es sollte niemand als Ausrede nutzen, denn die Verantwortung für Wissen und Umsetzung liegt immer noch bei jedem selbst.

„Wie kann es sein, dass ich von Finanzthemen überhaupt keine Ahnung habe? Einige Monate zuvor hatte ich schließlich […] den höchsten deutschen Schulabschluss erworben.“
Dominik Fecht

Das Cover und auch die weitere Aufmachung des Buches finde ich aber offen gestanden nicht besonders schön. Man merkt direkt, dass es im Self-Publishing rausgebracht wurde. Die Texte auf dem Cover sind nicht 100% lesbar und auch die Grafik der Glühbirne kommt bei dem gewählten Hintergrund einfach nicht zur Geltung. Definitiv schon mal ein Problem, das bei einem renommierten Verlag nicht entstanden wäre und die Lesbarkeit nicht unterstützt.

Zunächst einmal geht der Autor in seinem Buch dann auf den Mangel an vermitteltem Finanzwissen an unseren Schulen ein.

Er belegt, dass die Debatte, was eigentlich alles vermittelt werden sollte, bzw. zurzeit nicht vermittelt wird, zwar in aller Öffentlichkeit ausgetragen, aber wenig von Erfolgen gekrönt ist. Bis heute ist nichts Handfestes passiert und das, obwohl die Diskussion nicht erst seit gestern geführt wird.

Ich bin der absoluten Überzeugung, dass schon längst etwas passiert wäre, wenn die führenden Kräfte in Politik und Bildung ein wirkliches Interesse hätten. Meiner Meinung nach zeigt ihr wenig zielorientiertes Verhalten nur, dass ihnen das Thema dann doch nicht so wichtig ist. Für den Wahlkampf taugt es scheinbar nicht so gut, wie andere Themen. Da ändert man lieber zweimal die G8/G9-Regelung hin und her, anstatt wirklich etwas voranzutreiben. Aber das ist dann nur eine kleine persönliche Note meinerseits.

„Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“
Tweet der 17-jährigen Schulabsolventin Naina

Nachdem der Missstand hoffentlich auch dem letzten klar ist, leitet der Autor dann auf einige typische Glaubenssätze über wie bspw. „Geld ist nicht wichtig“ oder dergleichen.

Darunter sind einige der gängigsten Ausreden, die man insbesondere unter Schülern immer wieder entgegnet bekommt. Diese Denkweise führt dazu, dass die wenigsten Schüler und jungen Berufseinsteiger sich überhaupt mit der Thematik beschäftigen. Und wenn sie es dann doch tun, geben die meisten die Aufgabe in die Hände von vermeintlichen Experten und bekommen doch nur die Lösung 2B, obwohl 1A möglich gewesen wäre.

Der Autor stimmt dabei grundsätzlich der Masse zu und verändert den Glaubenssatz „Geld ist nicht wichtig“ ein wenig:

„Geld ist nicht wichtig, SOLANGE es Dich nicht einschränkt und Dir keine Sorgen bereitet. Dafür solltest Du Dich allerdings um dein Geld kümmern und es nicht als komplett unwichtig ansehen.“
Dominik Fecht

Damit bringt er auf den Punkt, was wirklich wichtig ist: „Fehlende Bildung kostet ein Vermögen.“ Ein Satz, den ihr auch von mir immer wieder zu lesen bekommt.

„Ohne Finanzbildung wirst Du in Deinem Leben häufig ein Vielfaches für die gleiche Leistung zahlen oder Finanzprodukte abschließen, die Du eigentlich nicht benötigst.“
Dominik Fecht

Insbesondere für die jüngere Leserschicht ist es natürlich auch wichtig, den Zinseszinseffekt zu verstehen und damit zu begreifen, dass frühes Handeln sich überproportional auswirkt.

„Je später Du anfängst Dich mit Deinen Finanzen auseinanderzusetzen, desto mehr musst Du im Monat sparen und desto schwieriger ist es, die eigenen Kosten zu reduzieren, ohne sich einzuschränken.“
Dominik Fecht

Danach folgen dann aber einige Kapitel mit Interviews, die ich persönlich nicht so gut fand. Weder Fragen noch Antworten waren besonders gut pointiert oder spannend. Und auch die Formatierung im Self-Publishing wirkte hier nochmal negativ hinzu.

Anschließend beginnt das Buch leider sukzessive oberflächlicher und lückenhafter zu werden.

Wir lesen über persönliche Ziele, über das Haushaltsbuch, die Relevanz eines Notgroschens und diverse weitere kleinere Themen im Bereich der ersten Finanzstrategie. Die Flughöhe ist dabei aber stets sehr hoch und an sich frage ich mich bis zu dieser Stelle immer noch, warum der Autor am Anfang dieses Buches behauptet, dass er bisher kein vergleichbares Buch gefunden hat.

Mir schwirren direkt von den gängigen guten deutschen Autoren, aber auch auf internationaler Ebene gleich einige gute Bücher im Kopf herum. Diese behandelt die Themen ebenfalls, wenn auch nicht alle in einem Buch, aber dieses Argument lasse ich für dieses Buch hier auch nicht gelten. Denn es spricht zwar sehr viele Themenbereiche an, aber das vermittelte Wissen ist lückenhaft und in vielen Kapiteln fehlen klare Handlungsempfehlungen. Diese hätten das Buch tatsächlich abgrenzen können. So ist der Leser zwangsläufig nach dem Lesen dieses Buches auf weitere Quellen angewiesen. Da empfehle ich dann doch lieber direkt eine breitere Literaturrecherche von 2-3 sehr guten Büchern, statt einem Self-Publishing Exemplar.

Dieses Beispiel steht aber beispielhaft für ein grundlegendes Problem bei den Self-Publishing Angeboten, weshalb ich jedem Leser im ersten Schritt von diesem Genre abrate.

Bisher konnte mich noch nicht ein einziges Self-Publishing Buch mit dem Inhalt überzeugen. Das Wissen ist in der Regel literarisch, schlechter aufbereitetes und lückenhaft wiedergegebenes Wissen aus den Klassikern. Da erschließt sich mir nicht, weshalb ich nicht direkt die Klassiker lesen sollte, zumal diese in der Regel sogar günstiger sind.

In diesem speziellen Fall ist das gelieferte Wissen soweit korrekt und auch – insbesondere in den ersten Kapiteln – schön ausformuliert. Ich habe in den letzten Jahren aber bereits einige deutlich bessere Bücher im gleichen Bereich gelesen, die ich weiter unten aufführen werden.

Das letzte Drittel des Buches beginnt mit einem leider viel zu selten diskutierten Thema im Finanzbereich: Der Umgang und das Verständnis mit den unterschiedlichen Beratern, Vermitteln und Experten. Aber auch dieses Kapitel hat bspw. 2017 bereits ein Tony Robbins in UNANGREIFBAR* besser auf den Punkt gebracht. (Hier nochmal meine Rezension zum Buch)

Nachdem der Autor uns vermeintlich über Berater aufgeklärt hat, die eben nicht immer unser Bestes als Priorität haben, beginnt er mit dem Themenblock Steuern.

Ein Bereich, den ich grundsätzlich sehr interessant find und der tatsächlich in vielen Büchern zu kurz kommt. Aber auch aus den Zeilen dieses Buches könnte ich als Berufseinsteiger nicht wirklich viel Handfestes ziehen.

Die meisten Autoren schrecken vor diesem Bereich übrigens aufgrund der normalen Durchlaufzeiten in renommierten Verlagen zurück. Da ist der Inhalt dann in der Regel schon nicht mehr 100% aktuell, wenn das Buch erscheint. Ein positives Gegenbeispiel ist DER GROSSE KONZ*. Für mich immer noch das beste Steuerbuch – auch für Angestellte, Studenten und Rentner. Hier habe ich bereits darüber berichtet.

In eben diesem Steuerblock in dem Buch ist mir dann aber ein Hinweis ins Auge gesprungen: Ein kostenloser Steuerkurs wurde mit einem QR-Code beworben. Im Übrigen ist dieses Buch voll von QR-Codes, was ich ebenfalls als sehr lästig empfinde. Das hat direkt einen gewissen Werbecharakter und man bekommt das Gefühl, dass einem was verkauft werden soll. An einigen Stellen stecken hinter diesen QR-Codes auch in 2. Instanz Affiliate Links. Bislang habe ich das nur in Julian Hosps TIME HORIZON PRINZIP* gesehen. (Hier kommst Du zu meiner Rezension). Und auch dort hat es mich massiv gestört.

Kommen wir aber zurück zu diesem Steuerkurs. Richte ich meine Handykamera darauf, ploppt die Hochschulinitiative Deutschland auf. Ein Verein, der bekanntermaßen von einem namhaften deutschen Finanzdienstleister zur Kundenakquise genutzt wird. Wer das noch nicht wusste, hier ein Video dazu oder diesen Artikel beim Tagesspiegel.

Das ist für mich ein absolutes No-Go, zumal der Autor im Kapitel davor noch genau vor solchen „Beratern“ gewarnt hat.

Als ich ihn damit konfrontiert habe, hat er diesen Kurs auch rausgenommen. In neuen Auflagen wird die Passage also nicht mehr enthalten sein. Dieser Fauxpas ist wohl auf einen Recherchefehler zurückzuführen.

Passender wäre an dieser Stelle für mich ein Verweis auf gute YouTube Kanäle, wie den von Steuern mit Kopf gewesen oder eben Steuerratgeber wie KONZ*.

In weiter folgenden Teilen wie dem des „Mehr verdienen“ macht der Autor auch genau das und verweist auf Experten.

Die QR-Codes ziehen sich bis zum Schluss durch. So wird auch im Bereich Versicherungen auf eigene Blogbeiträge verwiesen, die Policen empfehlen, die nach erster Sichtung allerdings schlechter und gleich teuer oder gleichgut und teurer sind als meine eigenen.

Der Autor schließt das Buch noch mit den gängigen Investment-Tipps und Strategien für Einsteiger. Nichts Besonderes und auch nicht besonders schön aufbereitet.

So muss ich abschließend sagen, dass ich dieses Buch nicht wirklich weiterempfehlen kann.

Für mich bietet es keinen signifikanten Mehrwert zu den etlichen Publikationen, die der Autor selbst auch zum Schluss als Inspiration nennt.

Mit knapp 15 EUR ist das Buch zwar preislich eher im Mittelfeld, aber meiner Meinung nach kann man für diesen Wert sich ein besseres erstes Buch zu diesem Thema kaufen. Ein Buch, dass dann auch lebendiger, leidenschaftlicher geschrieben und besser formatiert ist.

Nehmt euch bspw. nur einen Bodo Schäfer oder einen Tony Robbins. Diese aber mit folgenden 5 Publikationen bereits ein schönes Angebot an lesenswerten Büchern geschaffen:

Wenn Du dann noch die steuerliche Komponente ergänzen möchtest, dann schau doch bei Roland Elias von Steuern mit Kopf vorbei oder nimm den guten alten KONZ* in die Hand.

Somit haben wir hier ein grundsätzlich solides Buch, aber aufgrund der mangelhaften Formatierung und der teilweise schon zweifelhaften Empfehlung, den vielen QR-Codes und dem verfehlten Ziel des Autors, ein vollumfängliches Werk zu schaffen, kann ich nicht mehr als 2 Sterne geben.


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