★★☆☆☆

REICHER ALS DIE GEISSENS von Alex Fischer* ist nicht nur vom Titel her ein sehr polarisierendes Buch. Auch der Autor selbst spaltet die Massen. Ich persönlich bin mir noch bis heute unschlüssig, was ich genau von ihm halten soll. Bezüglich des Titels hat er zumindest nach eigenen Aussagen einen langwierigen Rechtsstreit gegen die im Titel genannte Familie geführt und diesen medial bis ins Kleinste ausgeschlachtet. Davon kann jede:r denken, was er/sie möchte.

Bei dieser Rezension soll es aber ausschließlich um den Inhalt des Werks gehen. Besonders schade finde ich, dass das Buch so wenig mit dem eigentlichen Experten-Thema des Alex „Düsseldorf“ Fischer zu tun hat. Ist er doch als Immobilieninvestor bei YouTube bekannt. Bei einem solch umfangreichen Buch hätte ich mir daher ein paar tiefergehende Inhalte zu diesem Spezialthema gewünscht. Stattdessen ist dies ein reines Mindset-Buch. Es beinhaltet etliche Tipps zum Selbstmanagement. Darunter auch einige Kapitel mit praktischen Mitteln und Wegen, sich selbst zu optimieren, indem man die eigene finanzielle, aber auch seelische Situation verbessert.

Wer allerdings in dem Bereich schon das ein oder andere Buch gelesen hat, wird hier auf nicht viel Neues stoßen. Obgleich es dennoch sicherlich nicht schadet, den ein oder anderen Tipp einmal auszuprobieren.  Aus der Not-To-Do-Liste als Gegensatz zur To-Do-Liste soll der/die Leser:in ableiten, was ihm/ihr besonders Spaß bereitet. Gleichzeitig kann er/sie so unliebsame Dinge aus dem Leben verbannen. Zweifelsohne etwas, das uns allen helfen kann.

So viel zum Positiven, was ich aus diesem Buch mitnehmen konnte.

Besonders negativ aufgestoßen sind mir dagegen  Aufbau, Vermarktung und Sprache des Buches. Alex Fischer ist ohne Zweifel sehr von sich und seinem Können überzeugt. Grundsätzlich ist das auch erst einmal nicht verwerflich, hat er doch auch einiges vorzuweisen. Dennoch muss man das meiner Meinung nach – insbesondere in einem Mindset-Werk – nicht so enorm nach außen tragen. Denn Persönlichkeitsentwicklung hat auch viel mit Dankbarkeit und Demut zu tun. Der Stoizismus ist dem Autor aber offensichtlich sehr fremd.

Als konträres Beispiel bieten sich Publikationen bspw. von Benjamin Graham, Ryan Holiday oder Dale Carnegie an. In meiner Rezension zu INTELLIGENT INVESTIEREN von Benjamin Graham* beschreibe ich beispielsweise, wie sehr ich es schätze, wenn Leute trotz ihres Erfolgs auf dem Boden bleiben. All diese Autoren können sich deutlich mehr auf ihre Erfolge einbilden als ein Alex Fischer, tun dies aber nicht. Vielleicht, weil sie nach den Prinzipien leben, die Dale Carnegie und Ryan Holiday dutzendfach zu Papier gebracht haben.

So machen es mir einige Formulierungen des Autors im Buch schwer, eine aufrichtig positive Beurteilung abgeben zu können. Denn entweder fühlt er sich wirklich allen anderen gegenüber so überlegen oder aber er hat mit einer extrem beschränkten Leserschaft gerechnet. An etlichen Stellen versucht er allen Ernstes, den/die Leser:in zum „richtigen“ Lesen zu erziehen. Als wenn jedes einzelne seiner Worte so entscheidend wäre, dass man nicht einmal das Vorwort oder die Einleitung überfliegen dürfte. Ansonsten verstünde man natürlich das gesamte Buch nicht.

An dieser Stelle sei ergänzt, dass das komplette Werk in sehr einfachem Deutsch geschrieben ist. Es eignet sich demnach auch für vollkommene Einsteiger:innen in ein Thema, das ohnehin nicht wirklich wissenschaftlich untermauert ist.

In direkter Verbindung zu diesem Punkt muss ich hinzufügen, dass der Inhalt des Buches definitiv aufgebläht wurde. Themen, die auf ein bis zwei Seiten Platz gefunden hätten, füllen hier ganze Kapitel. Viele Seiten sind zudem halb oder fast vollständig leer. Einige Kapitel werden großzügig ohne weiteren Inhalt eingeleitet und beendet. So kommt man als Autor auch gut und gerne ohne viel Aufwand auf über 400 Seiten.

Der Autor behauptet auf seinen Marketing-Bannern, dieses Buch sei das Einzige, das all jene Inhalte zusammengefasst wiedergibt, die auf diesem Gebiet existieren.  Das erschließt sich mir allerdings in keinster Weise. Wenn du wirklich ein gutes Buch in diesem Bereich lesen möchtest, dann ist die Auswahl riesengroß:

Und wer danach immer noch nicht genug vom Thema hat, kann mit den Klassikern von Tony Robbins oder Stephen Covey weitermachen.

Positiv hervorheben muss ich allerdings noch, dass man – sofern man das Buch über ein Werbebanner zum Handling-Preis erwirbt – für relativ wenig Geld ein paar nützliche Tipps bekommt. Dann sollte man allerdings mitberücksichtigen, dass man einer enormen Selbstbeweihräucherung ausgesetzt wird. Den Original-Preis ist dieses Buch, insbesondere im Vergleich zur Konkurrenz, die da draußen erhältlich ist, definitiv nicht wert. Da gibt es dutzende deutlich bessere Bücher und selbst etliche YouTube-Kanäle vermitteln das Wissen besser aufbereitet.

Lasst euch vor allem aber nicht ködern, dass das Buch nur für kurze Zeit im Angebot ist. Das ist es bereits seit Jahren.

Kleine Ergänzung zum Thema „kostenlose“ Bücher:

Wie gehst du am besten mit „kostenlosen“ Büchern um?

Vielleicht ist die Rezension zu diesem Buch ein guter Anlass, um dir ein paar grundsätzliche Tipps zu diesen vermeintlich „kostenlosen“ Büchern zu geben:

Zunächst einmal sind diese „kostenlosen“ Bücher ein Thema, das stetig relevanter zu werden scheint. Du kannst mich gerne berichtigen, aber meiner Wahrnehmung nach, kommen immer mehr „kostenlose“ Bücher auf den Markt. Gefühlt veröffentlicht in den vergangenen Jahren jede:r zweite Coach, Influencer:in oder YouTube-Held:in ein „Buch“ und „verschenkt“ es anschließend an uns arme Menschen.

Diese Bücher sind mal mehr und mal weniger wertvoll – manch ein kleines Heftchen verdient allerdings nicht einmal das Prädikat „Buch“. Und damit sind wir nun schon bei meinem ersten Learning zum Thema:

Nicht jedes kostenlose Buch würde auf dem Markt überhaupt von Verlagen als Buch akzeptiert und von Leser:innen schlussendlich angenommen werden.

In vielen Fällen werden diese Bücher allein aus dem Grund „verschenkt“, um die Absatzzahlen zu erhöhen, damit sich die Publizierenden dadurch nicht nur als Autor:in, sondern sogar als Bestseller-Autor:in profilieren können.

Das Wort Bestseller ist im Übrigen nicht rechtlich geschützt. Denn was ist schon ein Bestseller? Ein Titel, der beim Manager Magazin, beim SPIEGEL, bei der New York Times oder doch nur bei Amazon in der letzten Nischenkategorie für fünf Minuten zum Bestseller wurde? Der Interpretationsspielraum ist gigantisch und viele Menschen sind viel zu gutgläubig und naiv, um sowas kritisch zu hinterfragen.

Insbesondere der letzte Abschnitt dieses Learnings sollte dir prägnant im Kopf bleiben. Nicht jede:r Bestseller-Autor:in ist auch ein:e gute:r Autor:in. Viele neue Bestseller sind allein dadurch entstanden, dass einfach viele Bücher verschenkt wurden. Diese hätten es über einen renommierten Verlag nicht geschafft. Wobei Self-Publishing natürlich auch seine Vorteile hat, worüber ich bereits in diesem Artikel geschrieben habe. So gibt Self-Publishing selbstverständlich auch neuen Autor:innen eine Chance, sich der Leserschaft zu präsentieren und das ist grundsätzlich erst einmal positiv zu bewerten.

Das „Verschenken“ von Büchern hat zumeist aber auch einen Marketing-Hintergrund.

Das Zauberwort in diesem Zusammenhang ist der „Customer-Lifetime-Value“, wie es Dirk Kreuter mal sehr gut erklärt. Denn mit diesem ersten „kostenlosen“ Produkt, kommt der/die Autor:in mit dir in Kontakt und erhofft sich weitere Käufe deinerseits. So werden bei vielen Angeboten direkt weitere Extras beim Bestellvorgang angeboten.

Beispiele hierfür können Planer, Kurse oder sonstige mit dem Buch in Verbindung stehende Produkte sein. Upselling eben. Darüber hinaus bist du ab deiner Bestellung in der Kundendatenbank.

Das Angebot ist in der Regel der Versuch, erstmalig mit dir in Kontakt zu treten. Das Buch ist nicht „kostenlos“, weil es wertlos ist, sondern weil der/die Autor:in es als Investment sieht, um mit dir eine langfristige Geschäftsbeziehung aufzubauen. Und von dieser erwartet er/sie sich ein so großes finanzielles Potenzial, dass sich das Investment für ihn/sie lohnt.

Dieses Learning könnte nun fälschlicherweise als Kaufaufforderung für kostenlose Bücher verstanden werden. Habe ich doch gerade behauptet, dass du kostenlos nicht wertloses Wissen abgreifen kannst. Nun muss ich aber ergänzen, dass ich das „kostenlos“ so nicht ganz stehen lassen kann. Denn: Die allermeisten „kostenlosen“ Bücher kosten dich letzten Endes doch ca. 3 bis 7 EUR. In der Regel werden diese Kosten als Gebühr für das Handling erhoben.

Darüber hinaus zahlst du mit deinen Daten: Dein Name, deine Anschrift, deine E-Mail-Adresse und manchmal sogar deine Handynummer werden von dem/der Autor:in abgefragt und gespeichert.

Weshalb? Natürlich, um dir in Zukunft weitere Angebote für mehr oder minder gute Produkte zukommen lassen zu können. Du hast dich als potenzielle:r Käufer:in oder zumindest als Interessent:in für Folgeprodukte geoutet und dementsprechend wertvoll sind deine Daten. Daran ist grundsätzlich erst einmal nichts Verwerfliches, aber es sollte dir bewusst sein …

…, dass die Bücher für dich eben nicht kostenlos sind. Du zahlst eine Handling-Pauschale und gibst deine Daten weiter. Sei dir bitte im Vorfeld darüber im Klaren, ob es dir das wert ist.

Und damit kommen wir nun auf die letzte entscheidende Frage zu sprechen: Sind die Bücher den Preis wert? Ich muss dir zunächst akademisch korrekt antworten: Es kommt drauf an. Manche kostenlosen Bücher sind ihr Geld wirklich wert. Die besten Beispiele dafür sind die Bücher von Bodo Schäfer und Hermann Scherer. Sie verschenken seit ein paar Jahren immer mal wieder ihre Werke, die allesamt bereits als „normale“ Publikationen zu Bestsellern wurden und diese sind definitiv ihr Geld wert.

Andere Bücher sind das Geld in der Regel aber nicht wert. Ich würde behaupten, dass 9 von 10 kostenlosen Büchern den vermeintlichen Original-Preis, wie im Beispiel von REICHER ALS DIE GEISSENS von Alex Fischer*, nicht wert sind. Und damit können wir auch schon fast zum Fazit kommen. Aber ein wichtiges Learning bleibt noch und das sollte für dich das Wichtigste sein:

Die meisten Blogger:innen, die dir kostenlose Bücher empfehlen sind schlichtweg nicht ehrlich zu dir. Sie empfehlen dir die Bücher nicht, weil sie besonders gut sind, sondern weil sie besonders viel Geld daran verdienen.

Dich mag diese Aussage aus dem Mund einer Buch- und Finanzbloggerin vielleicht gerade schockieren, aber es ist die blanke Wahrheit. Kostenlose Bücher werden in der Regel mit einem Affiliate-Programm außerhalb der gängigen Amazon-Vergütungssysteme verknüpft. Das bedeutet, dass ein/e Autor:in einem/einer Blogger:in Geld dafür zahlt, wenn letztere:r für das kostenlose Buch Werbung macht und eine dritte Person, also der/die Leser:in, über den Link dieses Buch schlussendlich auch bestellt. Vielleicht denkst du dir jetzt:

„Soll die Kleine mal erzählen, sie setzt doch selbst überall Affiliate-Links.“

Das ist vollkommen korrekt. Es gibt aber einen kleinen Unterschied zwischen diesen Links und der Absicht, die dahintersteht:

Bestellst du beispielsweise ein 25 EUR Buch über einen meiner Amazon-Affiliate-Links, so erhalte ich eine Provision in Höhe von etwas mehr als 1 EUR. Allerdings nur, wenn du das auch innerhalb von 24 Stunden nach deinem Klick machst und es eben nicht nur auf deine Watchlist packst. Nehmen wir jetzt an, ich empfehle dir ein kostenloses Buch, wie dieses hier von Alex Fischer über einen der gängigen Funnel für kostenlose Bücher. Damit würde ich eine Provision erhalten, die oberhalb von deinem eigenen Investment liegt. Kostet dich das Buch beispielsweise 5 EUR Handling-Pauschale, bekomme ich in der Regel sogar 6 bis 7 EUR Provision. Darüber hinaus würde ich in vielen Fällen auch noch an weiteren Produkten mitverdienen, die du im Anschluss erwirbst. Und das in der Regel auch noch 30 bis 90 Tage nach deinem erstmaligen Klick auf meinen Link.

Wenn ich eines in meinem noch jungen Leben bereits mehrfach erkennen durfte, dann, dass besonders hohe Provisionen Leute dazu verleiten, falsche Empfehlungen auszusprechen oder diese zumindest zu beschönigen.

Nicht ohne Grund gibt es so viele Buchblogger:innen auf Instagram, die beinahe ausschließlich kostenlose Bücher empfehlen. Frag dich also stets, womit die Leute ihr Geld verdienen und ob sie das in ihrer Wertung beeinflussen könnte.

Ich habe kein Problem damit, Autor:innen auch mal 0 Sterne für ihre Publikationen zu geben.

Auch wenn ich mir danach schon die ein oder andere Hassnachricht und Drohung anhören durfte. Mich treiben definitiv keine Provisionen an und ich verkaufe auch keine Top-Bewertungen gegen Geld, Reichweite oder ein Testimonial, wie es andere tun. Trotzdem würde ich mich natürlich freuen, wenn möglichst viele von euch meine Links nutzen würden. Das ist für mich jedoch keine nennenswerte Einnahmequelle und ich werde nie etwas empfehlen, nur um kurzfristig diese Einnahmen zu erhöhen.


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