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GEWINNEN MIT BÖRSENZYKLEN von Thomas Müller* ist nun das zweite Buch und gleichzeitig auch der zweite Teil dieser Reihe des Autors Thomas Müller, das ich unter die Lupe nehme. Beide Bücher haben durch Zufall ihren Weg in mein Bücherregal gefunden, als ich eine ausgiebige Recherche zu diversen Investment-Strategien durchgeführt habe. Wie bereits das erste Buch, so kann ich auch dieses Exemplar absolut nicht empfehlen.

Entschuldigt bitte, dass ich nun die Spannung vielleicht schon ein Stück weit raus genommen habe, aber ich bin mir bewusst, dass nicht jeder von euch anschließend auch den vollständigen Artikel liest. Von Bücher wie diesem kann ich einfach nur abraten.

Warum Börsenzyklen meiner Meinung nach keine sinnvolle Anlagestrategie sind:

Nun kommen wir aber zum warum, denn wie ihr mich kennt, entscheide und beurteile ich nicht aufgrund meines subjektiven ersten Eindrucks. Sondern aufgrund des vermittelten Inhalts und versuche dabei so objektiv wie möglich zu bleiben (shame on me, wenn ich das nicht immer schaffe):

1) Börsenzyklen sind schlichtweg eine Pseudowissenschaft: Alle jemals historisch beobachtbaren Börsenzyklen wurden bereits wissenschaftlich untersucht. Aus den Analysen geht hervor, dass sie zwar für einige Phasen nachweisbar, jedoch nicht zeit-stabil sind. Es dauerte in der Regel wenige Wochen und Monate, bis sie wieder verschwanden.

a) Das liegt daran, dass viele dieser vermeintlichen Börsenzyklen auf dem Zufall beruhen.
Wenn Du mir jetzt nicht glaubst, dann empfehle ich in diesem Zusammenhang wärmsten zwei Bücher: DER SCHWARZE SCHWAN von Nassim Taleb* und DIE BERECHNUNG DER ZUKUNFT von Nate Silver*. Letzteres Buch habe ich bereits für Dich hier rezensiert.
Ereignisse wie beispielsweise 9/11, der Dotcom-Crash oder die Subprime-Krise fallen doch nicht aus börsenzyklischen Gründen auf ähnliche Zeitpunkte im Jahr. Sowas zu behaupten ist einfach nur absoluter Unfug. In einer guten wissenschaftlichen Arbeit hätten solche Ereignisse aus dem Stichprobenumfang herausgenommen werden müssen. Ein sauberer Statistiker hätte so sicher nicht gearbeitet.
Zur Subprime-Krise kannst Du Dir vielleicht mal diese Rezension von mir zum Buch THE BIG SHORT von Michael Lewis* anschauen.

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b) Die Börsenzyklen, die nicht auf den Zufall, sondern auf irrationales Verhalten der Anleger zurückzuführen sind, werden in der Regel nach kurzer Zeit durch Arbitrage ausgeglichen.
Auch dazu kann ich Dir ein Buch empfehlen: SPEKULATIONSBLASEN von Rolf J. Dachkammer und Máté Facsar*. Über dieses Buch habe ich hier berichtet.

2) Börsenzyklen, die tatsächlich über längere Zeit beständig zu beobachten sind, existieren nicht, weil wir sie in der Vergangenheit beobachten konnten, sondern weil sie verhaltensökonomisch erklärbar sind. Wer verstehen möchte, warum beispielsweise ein Montag in der Regel schlechter ist als ein Freitag oder warum es häufig ein Sommerloch und eine Jahresendralley gibt, der findet die Antwort nicht in den Charts, sondern in den Menschen selbst.
Ich empfehle hier einen Blick in folgendes Meisterwerk zu werfen: SCHNELLES DENKEN, LANGSAMES DENKEN von Daniel Kahnemann*. Über dieses Buch habe ich hier berichtet und der Autor legte mit seinen Untersuchungen den Grundstein für die Behavioral Finance als neuen Forschungszweig der Wirtschaftswissenschaften. Dafür wurde er unter anderem mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

3) Könnte es sich bei einigen Zyklen nicht auch einfach um Self Fullfilling Prophecies handeln? Der Aktienkurs der Unternehmen bewegt sich laut Random Walk Theorie um seinen inneren Wert. Oder wie André Kostonaly mal so schön gesagt hat:

„Der Aktienkurs ist wie ein Hund an der Leine seines Herrchens. Mal rennt er vor, dann bleibt er wieder zurück, aber am Ende wird er immer wieder zu seinem Herrchen zurückkommen.“ André Kostonaly (frei wiedergegeben von mir)

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Dieses Vor- und Zurücklaufen des Hundes hat dabei aber rein gar nichts mit der Performance des Unternehmens bzw. dem Weg des Herrchens zu tun. Die Schwankungen (das ewige Hin- und Herlaufen) enstehen doch nun nur durch unterschiedliche Interpretationen am Markt. Investoren, die den Aktienkurs auf unterschiedliche Art und Weise analysiert und bewertet haben.
Wenn nun viele dieser Akteure ähnliche Dinge gelesen haben und anwenden, wie es bei Tradern nicht selten der Fall ist, dann bestimmen sie damit auch die Richtung – nur kurzfristig und nur marginal versteht sich. Denn gehen erst ein paar nach links und der Kurs macht einen kleinen Ausschlag und folgt ihnen, dann werden die anderen dies als Signal interpretieren und ebenfalls mitlaufen. Irgendwann kippt das Ganze dann wieder und führt wohl möglich zu einer Gegenbewegung.

Das ist aber Börsenpsychologie und nicht Charttechnik! In diesem Zusammenhang sollte man ein wenig Nate Silver* lesen, um Stück für Stück das Rauschen vom Signal unterscheiden zu lernen.

Damit sage ich aber nicht, dass man nicht auch mit dem Rauschen sein Geld verdienen kann. Es ist nur deutlich riskanter.

Meine Einschätzung zum Buch:

Kommen wir nun aber zu einem kurzem Fazit zu diesem Buch. Es ist definitiv keine Empfehlung und Gott sei Dank ist es um den Autor auch leise geworden, nachdem seine Thesen vollkommen an die Wand gefahren sind. Hätte man auf ihn gehört, so wäre man nicht besonders reich, sondern besonders arm geworden. Erst an den horrenden Gebühren für seinen Börsen-Newsletter und dann an den Kursverlusten.

Alternative Bücher zu Börsenstrategien:

Wenn Du wirklich wissen willst, wie man nachhaltig an der Börse Geld verdient, dann empfehle ich Dir folgende zwei Bücher: INTELLIGENT INVESTIEREN von Benjamin Graham* mit meiner Artikel hier. Und WHAT WORKS ON WALL STREET von James P. O’Shaughnessy*, wo ich hier drüber berichtet habe.

Es lohnt sich aber auch immer ein Blick in MEINE BIBLIOTHEK oder direkt in die Kategorie FINANZEN & INVESTITIONEN, wenn Du auf der Suche nach einem Ratgeber zu Börsenstrategien bist. Und sollte dort nichts für Dich dabei sein, dann kannst Du mich natürlich immer noch gerne jederzeit anschreiben.

Solltest Du allerdings selbst ein Buch in diesem Bereich geschrieben haben, dann schau mal unter KONTAKT. Vielleicht habe ich hier ein tolles Angebot für Dich!

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